Wohin führt die Einheit aller Namenschristen

Hinweis auf die verwendeten Bibelübersetzung: Wenn nicht anders vermerkt, zitiere ich die Schlachter Version 2000 [Textus – Receptus].

Ökumene –wohin führt die Einheit aller Namenschristen?

Von Rudolf Ebertshäuser.

Einleitung: Heute herrscht unter den Gläubigen zunehmende Verwirrung über die Einheit aller Christen. Der Ruf nach einer umfassenden, „ökumenischen“ (d. h. eigentlich: den ganzen Erdkreis umfassenden) Einheit aller christlichen Kirchen, Gemeinden und Bewegungen wird immer lauter. Unter Berufung auf die Aussagen des Herrn Jesus Christus in Johannes Kapitel 17 behaupten heute viele Christen, die Welt werde sich nur dann bekehren, wenn alle, die sich zu Christus bekennen, eins würden. Es sei an der Zeit, daß die bedauerlichen Spaltungen zwischen katholisch und evangelisch, liberal und bibelgläubig, charismatisch und evangelikal überwunden würden. Auch unter wiedergeborenen Gläubigen nimmt die Verwirrung zu; die Gedanken an eine umfassende christliche Einheit und Zusammenarbeit werden mehr und mehr auch in „evangelikalen“ (d. h. am biblischen Evangelium orientierten) Kreisen verbreitet, etwa durch „Pro Christ“ und die Evangelische Allianz oder durch die Kampagne „Miteinander für Europa“. Immer öfter hört man, die Christen müßten alles Trennende in der Lehre überwinden und brüderlich zusammenarbeiten, um die Welt endlich für Christus zu gewinnen.

Wie steht es damit?

Was sagt die Bibel zu einer solchen großen ökumenischen Einheit?

Ist eine solche Einheit Gott wohlgefällig? Ehrt sie unseren Herrn Jesus Christus?

Dient sie wirklich dem Anliegen, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen?

Was ist überhaupt die „Christenheit“ in den Augen Gottes?

Ist sie dasselbe wie die Gemeinde Gottes, dem Leib des Christus?

Welche Einheit ist gottgewollt, und welche Einheit widerspricht dem Wort Gottes?

Solche Fragen sind für den gläubigen Christen heute von großer Bedeutung. Diese Schrift will eine kurz gefaßte Antwort geben, die sich auf die Aussagen der Heiligen Schrift gründet. Sie beabsichtigt weder das Netzwerk der heutigen ökumenischen Bewegung genauer darzustellen noch auf aktuelle Ereignisse einzugehen. Sie ist auch nicht als lehrhafte Abhandlung verfaßt und kann keine gründliche Auslegung der behandelten Bibelstellen geben. Der Kürze wegen wurden viele Bibelstellen nur als Verweise angeführt und halbfett gedruckt; es ist empfehlenswert, diese nachzuschlagen und dazu zu lesen. Das Ziel dieser Schrift ist es, fragenden Christen eine biblisch begründete Orientierung, einen geistlichen Überblick und Durchblick zum Thema „Ökumene“ zu geben. Dabei habe ich als roten Faden die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Jesu Christi von den Anfängen bis in unsere letzte Zeit dargestellt. Vieles kann in diesem Rahmen nur kurz ausgesprochen oder angedeutet werden. Wer Begründungen, Belege und ausführlichere Abhandlungen sucht, findet sie in den weiterführenden Schriften, die ich im Literaturverzeichnis zusammengestellt habe.

A. Die Entstehung der wahren Gemeinde Gottes als Frucht des Sühnopfers Jesu Christi:

Durch das Wirken des Heiligen Geistes entstand zu Pfingsten die Gemeinde des lebendigen Gottes (vgl. 1Tim 3,15). Das geistliche Fundament der Gemeinde ist Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene und verherrlichte Sohn Gottes (1Kor 3,11). Sein vollkommenes Sühnopfer ist die Voraussetzung dafür, daß das neutestamentlichen Volk Gottes entstehen konnte, ein Volk von heiligen Priestern, ein auserwähltes und geheiligtes Eigentumsvolk, eine Körperschaft von wiedergeborenen Menschen, die den Geist Gottes innewohnend empfangen haben.

Da ihr zu ihm gekommen seid, zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und kostbar ist, so laßt auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht auch in der Schrift: »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden«. Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die aber, die sich weigern zu glauben, gilt: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, gerade der ist zum Eckstein geworden«, ein »Stein des Anstoßens« und ein »Fels des Ärgernisses«. Weil sie sich weigern, dem Wort zu glauben, nehmen sie Anstoß, wozu sie auch bestimmt sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht – euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid. (1Pt 2,4-10)

a) Was ist die Gemeinde und wer gehört zu ihr?

Die Gemeinde Gottes besteht aus ehemaligen Sündern, die durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus aus den Juden und Heiden (Völkern, die unter dem Zorn Gottes stehen) herausgerettet wurden und nun zu Christus gehören und mit Ihm Gemeinschaft haben, biblisch gesagt: in Christus sind (vgl. 1Kor 1,2.9.30).

Sie sind durch den Geist Gottes von neuem gezeugt, sind Kinder Gottes, die der göttlichen Natur teilhaftig geworden sind. Sie sind durch den Heiligen Geist verbunden mit dem verherrlichten Christus im Himmel und haben beständig Gemeinschaft mit Ihm. Die Gemeinde Gottes gehört nicht mehr dieser Welt an (Joh 17,14), denn die „Welt“ ist nach der Schrift das Gott feindlich gegenüberstehenden System der abtrünnigen Menschheit. Sie ist durch Christus aus der Welt herausgerufen. Ihre Heimat und ihr Bürgerrecht sind im Himmel; (Phil 3,20) sie ist mit Christus auferweckt und in Christus bereits in die himmlischen Regionen versetzt. (Eph 2,6; Kol 3,1-4).

Deshalb wird die wahre Gemeinde immer von der Welt und besonders von den religiösen Führern und Gruppierungen dieser Welt gehaßt und verfolgt. Die Gemeinde (gr. ekklesia = die herausgerufene Versammlung) im Sinn der Bibel ist also die geistgewirkte Gemeinschaft aller wiedergeborenen Kinder Gottes, die durch den Glauben an ihren Herrn und Retter Jesus Christus errettet wurden und Ihm, dem verherrlichten Haupt, angehören. Sie ist ein geistlicher Organismus, der Leib des Christus (vgl. u. a. Eph 1,22-23; Eph 2,14-22; Eph 4,1-16; Kol 1,18; 1Kor 12,12-27).

Durch den Geist Gottes wurden die Gläubigen in diesen Organismus eingefügt und miteinander verbunden. Der erhöhte Herr gibt durch Seinen Geist den Gläubigen auch bestimmte Gaben, um im Leib zu dienen (vgl. 1. Korinther 12).

Alle Dienste im Leib werden also von wiedergeborenen Menschen getan, die durch den erhöhten Herrn persönlich berufen sind und durch die Gnadengaben des Geistes ausgerüstet wurden; alle solchen Dienste sollen unter der Leitung des Geistes Gottes und nach den Anweisungen der Heiligen Schrift getan werden. Die Bibel kennt keine menschlich ersonnenen „Ämter“, Organisations- und Leitungsstrukturen; diese sind der wahren Gemeinde fremd und von Gott nicht anerkannt. Die wahre Gemeinde Gottes ist ihrem Wesen nach auch ein geistlicher Tempel, ein geistgewirktes Haus, in dem der lebendige Gott wohnt. (Eph 2,20-22; 1Pt 2,4-5; 1Kor 3,16-17)

Der heilige Gott kann nur deshalb in der wahren Gemeinde wohnen, weil sie ausschließlich aus wiedergeborenen Gläubigen besteht, die durch das Blut Christi und den Geist Gottes geheiligt sind. Dort wird Ihm geistgewirkter Gottesdienst dargebracht, d. h. geistliche Opfer des Lobes, der Anbetung, des Priesterdienstes, die Ihm wohlgefällig sind durch Christus. (1Pt 2,5)

Der heilige Gott wohnt nicht in der Mitte menschlicher Mischgebilde, äußerlicher Kirchen, die unreine Sünder bewußt dulden bzw. von Ungläubigen geleitet werden. Solche „Kirchen“ sind in den Augen Gottes unreine Götzentempel (vgl. 2Kor 6,14-18).

b) Die Einheit der wahren Gemeinde:

In die wahre Gemeinde Gottes kann kein Mensch kommen, es sei denn, er würde durch das Wort und den Geist Gottes von neuem geboren. Durch den Geist Gottes sind alle wahren Gläubigen eins in Christus, eins vor Gott. Diese geistwirkte Einheit ist unsichtbar, vor Gottes Augen, zwischen allen Kindern Gottes gegeben (vgl. Eph 4,3-6).

Sie ist real, auch wenn die Gläubigen durch ihr Versagen im äußerlichen Leben diese Einheit nur unvollkommen oder gar nicht verwirklichen und bezeugen. Nach dem Willen Gottes sollte diese eine, unsichtbare Gemeinde ihren Ausdruck finden in örtlichen Gemeinden, in denen die Gläubigen nach den apostolischen Richtlinien des NT zusammenkommen, um gemeinsam Gott zu dienen. Diese Gemeinden sind von menschlicher Kontrolle unabhängig und nur Christus, ihrem Haupt, verantwortlich, aber untereinander dennoch verbunden. In der Zeit der apostolischen Urgemeinde wurde dieses in der Bibel festgelegte Muster im wesentlichen auch verwirklicht: an den Orten, wo mehrere Menschen gläubig geworden waren, entstand eine Gemeinde, in der diese Gläubigen zusammenkamen und vereint dem Herrn dienten. Die Grundlage dieser Gemeinden war die Lehre der Apostel. (Apg 2,42; Eph 2,20)

B. Der geweissagte Abfall vom Glauben und die Entstehung der Namenschristenheit.

1. Die Warnungen vor der baldigen Entartung der apostolischen Gemeinde.

Doch die Apostel selbst erhielten durch den Geist Gottes schon die Gewißheit, daß diese biblische Ausrichtung und Einheit der apostolischen Urgemeinde (die schon zur Zeit der Apostel manchen Belastungen ausgesetzt und durch Irrlehren bedroht war), bald nach ihrem Dahinscheiden zerstört werden würde. Das Gericht am Haus Gottes begann schon damals (1Pt 4,17).

Der Apostel Paulus spricht die prophetische Warnung aus:  So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat! Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft. (Apg 20,28-30)

Diese Aussage geht weit über die örtliche Situation in Ephesus hinaus; sie beschreibt die Entwicklung, die insgesamt über die apostolischen Gemeinden nach dem Abscheiden der Apostel kommen würde. Die Werkzeuge dieser Entartung würden sowohl von außen eindringende Verführer sein („Wölfe im Schafspelz“ – vgl. Mt 7,15!) als auch Menschen aus dem Kreis der Gemeinden selbst. Ganz im selben Sinne warnt der Apostel Petrus die Gläubigen vor den bevorstehenden verderblichen Entwicklungen: Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen. Und viele werden ihren verderblichen Wegen nachfolgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. Und aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten ausbeuten; aber das Gericht über sie ist längst vorbereitet, und ihr Verderben schlummert nicht.  (2Pt 2,1-3)

Die Irrlehrer würden also verdeckt und schleichend arbeiten und ihren Einfluß ausbreiten, um falsche Lehren zu verkünden und um diese Lehren Menschen zu sammeln, und um so Parteigruppierungen (gr. Haireseis = „Sekten“ oder sektiererische, falsche Lehren) in die wahre Gemeinde einzuführen. Zahlreiche andere inspirierte Voraussagen finden wir im NT, die in ähnlicher Weise bezeugen: die rasch aufkommenden verderblichen Entwicklungen in der Urgemeinde waren von Gott vorausgesehen, und die wahren Gläubigen wurden mehrfach davor gewarnt.

2. Die Entstehung der entarteten Namenschristenheit:

Wie es die Apostel vorhergesagt hatten, kam es erschreckend rasch nach dem Ende der Apostelzeit zu einer weitgehenden Entartung der Gemeinde. Dies geschah zunächst dadurch, daß falsche, unbiblische Lehren in den Gemeinden des 2. Jahrhunderts um sich griffen. Solche Lehren hatten schon im 1. Jahrhundert begonnen, Einfluß zu nehmen, wie etwa der Galaterbrief, der Kolosserbrief, der 1. und 2. Timotheusbrief und die drei Johannesbriefe beweisen. Durch den Dienst der Apostel konnten diese Einflüsse lange Zeit im wesentlichen abgewehrt werden, aber danach brachen die Dämme. Der biblische Glaube, die gesunde Lehre der Apostel, die im Neuen Testament festgehalten ist, wurde beiseitegesetzt; die Gemeinden wurden verführt durch mancherlei heidnische, falschreligiöse Einflüsse, besonders durch den Einfluß der griechischen Philosophie (Kol 2,8).

Die geistlichen Hintergründe der Entartung Über die geistlichen Hintergründe dieser Entartung, die im Wirken verführerischer Geister liegen, bringt uns ein beachtenswertes Wort aus 1Tim 4,1-5 Licht: Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.  

Hier wird gezeigt, daß das Wirken des Widersachers durch menschliche Instrumente für die Entartung der echten Gemeinde verantwortlich war (vgl. auch Mt 13,28).

Einen wichtigen Hinweis auf das zersetzende Wirken falscher Lehrer in der frühen Gemeinde, die im Dienst des Widersachers standen, gibt uns 2Kor 11,1-4.13-15: Möchtet ihr mich doch ein wenig in Torheit ertragen! Doch ihr ertragt mich ja schon. Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben werden von der Einfalt gegenüber Christus. Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus verkündigt, den wir nicht verkündigt haben, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so habt ihr das gut ertragen. Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die sich als Apostel des Christus verkleiden. Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich verkleiden als Diener der Gerechtigkeit; aber ihr Ende wird ihren Werken entsprechend sein.

Die hier angesprochenen Entwicklungen spielten sich im 2. – 4. Jahrhundert ab, wo die Grundlagen für die entartete katholische Kirche gelegt wurden. Dabei spielten die dämonischen Lehren der Gnosis (1Tim 6,20!) und der Philosophie sowie heidnisch-mystische Irrlehren eine wichtige Rolle, die Askese zur Grundlage einer gefälschten Frömmigkeit machten: Enthaltung von der Ehe und von Speisen (vgl. auch Kolosser2!).

Damit verbunden war die Ausbildung der heidnisch-magischen Sakramentelehre, nach der die „Kirche“ durch bestimmte Handlungen den Menschen das Heil vermitteln könne (Taufe, Abendmahl u. a.). Ein anderes Evangelium wird eingeführt Hier wurde in der Tat ein anderes Evangelium in die Gemeinde eingeführt, ein anderer Jesus und ein anderer Geist, und dieser Sauerteig böser Lehre durchsäuerte rasch den ganzen Teig. Gal 5,9Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat! Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.

Das helle Licht des biblischen Evangeliums wurde mehr und mehr durch Vermischung mit dem mosaischen Gesetz und durch heidnische Lehren verdunkelt. Aus der in der Bibel bezeugten Errettung allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus (vgl. Röm 3,19-28) machte die römische Kirche eine unechte, vor Gott nicht gültige „Errettung“, die angeblich nur unter Mitwirkung von „Werken“ und menschlichen „Mittlern“ geschehen könne. Das ist ein anderes Evangelium (Gal 1,6-9) und bringt diese „Kirche“ unter den Fluch!

Das unbiblische Sakramentverständnis der römischen Kirche:

Unter den verderblichen Entwicklungen, die sich bei der Herausbildung der Katholischen Kirche abspielten, muß besonders das Sakramentverständnis und die Rolle der Priesterschaft hervorgehoben werden. Die biblische Lehre zeigt, daß das Heil voll und ganz durch Christus persönlich dem aus Gnade geschenkt wird, der an den Herrn Jesus Christus glaubt. Christus selbst vermittelt dem Gläubigen alle geistlichen Segnungen, und der Mensch eignet sie sich persönlich durch den Glauben an die Verheißungen, das Wort Gottes an. Dagegen kam in der römischen Kirche früh die Irrlehre auf, die „geweihten“ Bischöfe und Priester könnten durch bestimmte rituelle Handlungen dem Menschen Heil und Segnungen vermitteln. Die römisch-katholische Auffassung von den „Sakramenten“ (lat. sacramentum = „Weihe“, also „Weihehandlung“) entspringt den heidnischen Mysterienkulten, in denen den Götzen „geweihte“ Priester bestimmte Ritualhandlungen vollzogen, die dem Anhänger des Kultes „Heil“ und Förderung in seiner Gottesbeziehung vermittelten. Letztlich entspringt die Auffassung von heilsvermittelnden Sakramenten einem heidnisch-magischen Denken: Die Handlung eines „eingeweihten“, mit „höheren Kräften“ ausgestatteten Menschen bewirkt etwas „Spirituelles“ beim Empfangenden. Die römische Kirche praktizierte schließlich sieben Sakramente, die in der Regel von ihren Bischöfen oder Priestern „gespendet“ wurden: Taufe und Firmung (= falsche Heilsvermittlung), Bußsakrament (Beichte) und Eucharistie (= falsche Sündenvergebung), Krankensalbung, Eheschließung und Priesterweihe.

Taufe und Eucharistie als die zentralen Verführungssakramente:

Eine entscheidende Rolle innerhalb der sieben „Sakramente“ der römischen Kirche spielt die „Taufe“. Aus der biblischen, zeichenhaften Glaubenstaufe (Taufe von solchen, die persönlich zum rettenden Glauben gekommen sind) machte die Kirche die rituelle Besprengung des Kleinkindes durch einen Amtsträger („Säuglingstaufe“). Durch die Irrlehre der „Taufwiedergeburt“ wiegt die römische Kirche seit Jahrhunderten ungezählte ungläubige, verlorene Heiden in die trügerische Auffassung, sie seien durch das Sakrament der Taufe „Christen“ geworden und als solche auch gerettet. Das zweite betrügerische Hauptsakrament der babylonischen Kirche ist die „Eucharistie“ (gr. = „Danksagung“).

Die katholische Kirche machte aus dem biblischen Brotbrechen, dem Gedenken an das vollkommene Sühnopfer Jesu Christi, ein heidnisches Sakrament, eine rituelle Opferhandlung, die dem teilnehmenden Kirchenglied angeblich die Sündenvergebung sichert. Der verderblichen Lehre der „Eucharistie“ liegt, was heute viele „Evangelische“ nicht mehr sehen, eine grundlegende Verfälschung der biblischen Erlösungsbotschaft zugrunde. Aus dem vollkommenen, ein für allemal geschehenen, ewig gültigen Sühnopfer Jesu Christi am Kreuz (vgl. Hebr 7,23-28; Hebr 9,11-15; Hebr 10,11-22) machte die römische Kirche ein ständig zu wiederholendes Opfer, in dem angeblich Christus in der Oblate immer wieder durch menschliche „Priester“ vor Gott geopfert werden müsse, um die Sünden der Christen zu sühnen.

Die Verleugnung des hohepriesterlichen Werkes Jesu Christi:

Damit wurde auch das vollkommene Hohepriestertum Jesu Christi geleugnet und durch ein menschliches Priestertum ersetzt, eine verdorbene Mischung aus dem außer Kraft gesetzten jüdischen Priestertum und heidnischen Priestervorstellungen. Und jene sind in großer Anzahl Priester geworden, weil der Tod sie am Bleiben hinderte; er aber hat, weil er in Ewigkeit bleibt, ein unübertragbares Priestertum. Daher kann er auch diejenigen vollkommen erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt, um für sie einzutreten. (Hebr 7,23-25)

Als aber der Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen – Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt. (Hebr 9,11-12)

Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden. Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. (Hebr 10,11-14)

Der vollkommene, vollständig genügende beständige Hohepriester- und Mittlerdienst des erhöhten Herrn Jesus Christus in den Himmeln wurde von der römischen Kirche mit ihrem „Eucharistieopfer“ verleugnet und umgefälscht zu dem ständig zu wiederholenden menschlichen „Priester- und Mittlerdienst“ der römischen Priesterelite, ergänzt durch den ebenfalls heidnischen „Mittlerdienst“ von Maria und den „Heiligen“. So entstand Schritt für Schritt das falsche Evangelium der römischen Kirche, das niemanden errettet, sondern die Menschen in Finsternis und Irrglauben hält. Mystik und heidnische Zauberei breiteten sich rasch aus (z. B. der Aberglaube an wunderwirkende Reliquien). Über die Irrlehrer, die diese Entartung herbeiführten, sagt uns die Schrift auch vieles.

In 2. Petrus 2 und im Judasbrief werden sie gekennzeichnet als verdorbene Frevler; sie werden mit Bileam verglichen, dem falschen Propheten, der das Volk Israel in Götzendienst und geistliche Hurerei führte (2Pt 2,15; Jud 11). Sie verursachen Trennungen und sind:  Das sind die, welche Trennungen verursachen, natürliche, die den Geist nicht haben. (Jud V.19)

Die Entwicklung zur Klerikerherrschaft über das Laienvolk:

Parallel zum Vormarsch der Irrlehren kam es auch zur Entartung der geistgewirkten Dienste der Urgemeinde (Älteste/Aufseher, Diakone, Hirten, Lehrer, Evangelisten) in eine heidnischen Elite von „Erleuchteten“ und magischen „Priestern“, die allein berechtigt waren, die „Sakramente“ auszuteilen und damit Heil zu spenden. Diese antichristliche Elite (später „Klerus“ genannt) entwickelte sich bald zu einem Machtapparat und richtete eine widerbiblische Einmannherrschaft von „Bischöfen“ auf, die zunächst über die örtlichen Gemeinde, später dann auch über Regionen und Länder herrschten. Ein warnender Hinweis darauf findet sich im 3. Johannesbrief (Diotrephes). Diese Herrschaft von falschen „Stellvertretern Christi“ gipfelte später dann in der Vorherrschaft des Bischofs von Rom über die Gesamtkirche (Papsttum). Manche Ausleger sehen hier einen Bezug zu den „Nikolaiten“ (= „Besieger des Volkes“) in Offb 2,6+15.

Vermischung und Entartung der apostolischen Gemeinde:

So haben wir unmittelbar nach der apostolischen Urgemeinde des 1. Jh. einen Zustand, in dem Echt und Falsch immer mehr miteinander vermischt waren, wobei das Falsche rasch die Oberhand gewann. Es gab zweifellos noch zahlreiche echte Gläubige in dieser Zeit, aber das biblische Evangelium der Errettung allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus wurde sehr rasch verdunkelt und durch ein anderes Evangelium ersetzt, in dem sowohl Werke als auch Sakramente mit zum Heil beitragen sollten. Neben den wiedergeborenen Gotteskindern gab es immer mehr Menschen in dieser Kirche, die zwar getauft waren und sich zu Christus bekannten, die aber nicht mehr echte Buße, echten Glauben und die geistgewirkte Wiedergeburt kannten. Sie waren unechte Christen, äußerliche Bekenner, die innerlich immer noch Heiden und Sünder waren. Dieser völlig unnatürliche Zustand prägte die Entwicklung der Christenheit in den nachapostolischen Jahrhunderten, in denen die „katholische Kirche“ immer mehr Einfluß erlangte.

Die prophetischen Aussagen in Matthäus Kapitel 13.

Wir haben schon erwähnt, daß das Wort Gottes diese Entartung der Christenheit an verschiedenen Stellen und auf verschiedene Weise vorhersagt. Sehr bedeutsam sind hier einige Gleichnisse vom Reich der Himmel in Matthäus Kap. 13, in denen der Herr Jesus prophetisch enthüllt, was mit der Christenheit geschehen würde, die sich zwar noch äußerlich zu Christus als dem König bekannte, aber die inwendige Königsherrschaft des Christus (= Wiedergeburt) nicht kannte.

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut. Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, daß wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein! damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den Weizen ausreißt. Laßt beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, daß man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!  Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte. Dieses ist zwar unter allen Samen das kleinste; wenn es aber wächst, so wird es größer als die Gartengewächse und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war. (Mt 13,24-33)

Anmerkung: Unter denen, die das Wort Gottes (Bibel) hören, unterscheidet der Herr Jesus in Seiner vollkommenheit  Kenntnis des Menschlichen Herzens vier Arten von Menschen. Die erste ist mit dem festgetretenen Weg (Erde) zu vergleichen, der hart geworden ist (Erdscholle), weil jedermann darauf tritt. Gleicht unser Herz diesem Weg, auf dem die Welt hin- und hergeht, sodass das Wort nicht eindringen kann? Adere sind oberflächlich und gleichen dem steinigen Boden. Das Bewusstsein der Sünde ist nicht bis ins Innerste ihres Gewissen gedrungen, denn jeder Mensch hat ein Gewissen, über Gut oder Böse (vgl. 2Sam 24,10; Hi 27,6; Spr 15,16; 28,17; Joh 8,9; Apg 23,1; 24,16; Röm 2, 15; 9,1; 1Kor 8,12; 1Tim 1,5; 4,2; Hebr 9,14; 10,22).

Darum ist die vorübergehende Gemütsbewegung beim Hören des Evangeliums nur Scheinglaube (Es wird nur der Schein erweckt, weil ich vorgebe, ich wäre ein Christ. In Wahrheit bin ich aber nur ein Namenschrist = nicht wiedergeboren, aus Wasser und Geist). Wenn der wahre Glaube, wie es nicht anders sein kann, unsichtbare Wurzeln hat, so erkennt man ihn an seinen sichtbaren Früchten. Der Glaube ohne Werke ist vor Gott, dem Herrn, tot, erstickt wie diese Samenkörner, die inmitten von Dornen und Disteln aufgehen (Jak 2,17).

Aber der Same (Das Wort Gottes) ist auch auf die gute Erde gefallen, wo die Ähren zu ihrer Zeit reifen können. Das Gleichnis vom Unkraut lehrt uns, daß der Feind (Teufel, Satan) nicht nur, so oft er kann, den guten Samen raubt (V. 19, wegnimmt aus den Gedanken, verstand, auslöscht), sondern daß er auch, während die Menschen schlafen, das Unkraut sät (Der Satan ist es der das  tut). Der geistliche Schlaf gibt uns allen schlechten Einflüssen preis. Darum werden wir aufgefordert, zu jeder Stunde wachsam zu sein (Mk 13,37; 1Pt 5,8; Offb 16,15; Lk 21, 36; 1Th 5,6; Lk 22,31; 2Kor 2,11; Hi 1,7). 

Das Gleichnis vom Sämann (Mt 13,24-30) zeigt die Wurzeln der Entstehung von unechten Christen durch falsche, oberflächliche Bekehrungen. Das Gleichnis vom Senfkorn (Mt 13,31-32) weist auf ein unnatürliches, nicht bestimmungsgemäßes Größenwachstum in der Christenheit hin; die „Vögel des Himmels“ sind hier ein Bild dämonischer Geister. Das Gleichnis vom Sauerteig (Mt 13,33-35) deckt das heimliche Wirken der Verführung und Irrlehre auf, die sich immer mehr ausbreitet, bis das Ganze verdorben und entartet ist.

Merkmale der Namenschristenheit:

Diese äußerliche Namenschristenheit (d. h. eine Christenheit, die nur noch den Namen des Christus trägt und sich äußerlich zu ihm bekennt, Ihn selbst aber weder kennt noch innewohnend hat) wird uns auch in 2 Tim 3,1-5 gezeigt: Das aber sollst du wissen, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab!

Das Grundkennzeichen der Namenschristen ist: Sie haben einen äußeren Schein, eine äußerliche Form von Gottesfurcht und Frömmigkeit – aber sie verleugnen ihre Kraft, die Kraft des Kreuzes, der Wiedergeburt, des Heiligen Geistes! Sie sind „christlich“ – aber sie gehören nicht Christus! Sie sind „gläubig“ – aber sie verleugnen den biblischen, rettenden Glauben an das Lamm Gottes!

Die Aussagen der Johannesbriefe:

Wichtig zum Verständnis der entstehenden Namenschristenheit und der katholischen Kirche sind auch die Aussagen der Johannesbriefe. In ihnen wird vor allem die Irrlehre der Gnosis angegriffen, die einen wichtigen, wenn auch oft untergründigen und verdeckten Einfluß auf die Entartung der Kirche hatte. Im 1. Johannesbrief wird gezeigt, daß die falschen Christen und ihre Lehrer im Gegensatz zu den wahren Gläubigen die Sünde lieben und in ihr leben (1Joh 1,6+8+10; 2,4; 3,4-10); daß sie die Welt lieben und von ihrer Lust getrieben werden (2,15-17); daß sie die wahren Gläubigen, die „Brüder“, hassen und ermorden wollen (2,9-11; 3,11-12; 4,20). Sie werden als falsche Propheten gekennzeichnet, d. h. als solche, die gefälschte Botschaften und Offenbarungen im Namen des Christus ausstreuen (4,1-6). Hinter ihnen steht der Geist des Antichristen, der Geist des Irrtums (4,3+6). „Antichristen“ bedeutet solche, die Feinde des wahren Herrn Jesus Christus sind, und zugleich auch solche, die sich „anstatt von Christus“ setzen wollen, wie es die katholische Kirche mit ihrem ganzen System tut.

Die Sendschreiben der Offenbarung:

Schließlich spielen auch die prophetischen Aussagen in den sieben Sendschreiben der Offenbarung eine wichtige Rolle zum geistlichen Verständnis der Namenschristenheit. Die Verführer in der katholischen Kirche folgten der Lehre Bileams, Offb 2,14: Aber ich habe ein weniges gegen dich, daß du dort solche hast, die an der Lehre Bileamsfesthalten, der den Balak lehrte, einen Anstoß vor die Kinder Israels zu legen, so daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. So hast auch du solche, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten, was ich hasse.

Sie verführten ihre Anhänger zu geistlicher Hurerei, indem sie Götzendienst betrieben und sich in heidnische Mysterien verstricken ließen, die ihre Wurzel in Babylon hatten. Auch die Frau Isebel, deren Verführung auf derselben Linie liegt (Offb 2,20-23), weist prophetisch auf die Verderbnis der katholischen Kirche hin. Statt der keuschen Braut Christi, der wahren Gemeinde, erscheint nun eine hurerische, zauberische Verführerin auf dem Plan. Über die ganze Namenschristenheit könnte die Aussage geschrieben werden, die der Herr Sardes zuruft (und die vielfach auf die protestantischen Kirchen angewandt wird):  Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt der, welcher die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebst, und bist doch tot. (Offb 3,1)

Schließlich läßt sich auch die Aussage über Laodicea auf die abgefallene Namenschristenheit anwenden: Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch heiß bist. Ach, daß du kalt oder heiß wärst! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch heiß, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß, und mir mangelt es an nichts! - und du erkennst nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt. Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehen kannst! Alle, die ich liebhabe, die überführe und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! (Offb 3,14-22)

3. Die tote Namenschristenheit verfolgt die lebendige Gemeinde:

Die Entartung der Namenschristenheit und die Herausbildung der katholischen Kirche als einer verderbenbringenden Parteiung (verderbliche Sekte – vgl. 2Pt 2,1) konnte die wahre Gemeinde niemals verdrängen oder ersticken. Der Herr Jesus hatte ja verheißen: Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. (Mt 16,18)

Zunächst teilweise sicher innerhalb, später zunehmend außerhalb der entarteten katholischen Kirche gab es zu jeder Zeit wahre Gläubige, die an der Bibel und der apostolischen Gemeindelehre festhielten und das Zeugnis der Wahrheit in einer scheinchristlichen, in Wahrheit finsteren und heidnischen Welt aufrechterhielten. Zwischen den wahren Gläubigen und den falschen Führern und Lehrern der katholischen Kirche gab es allezeit einen unversöhnlichen geistlichen Kampf. Zu jeder Zeit waren die machtgierigen Beherrscher der entarteten Kirche bestrebt, die wahren Gläubigen durch Verführung auszuschalten oder aber zu verfolgen und ihr Zeugnis zum Verstummen zu bringen, denn es stellte die Sünden und Verderbtheiten der Hurenkirche bloß (vgl. Joh 15,20; Mt 24,9; Lk 21,12; Joh 16,2-4; 2Tim 3,12).

Diese echten Christen wurden als Ketzer verleumdet (wobei es damals sicherlich auch wirklich häretische Gruppen außerhalb der Kirche gab); nach dem 4. Jahrhundert wurden sie von der mächtig gewordenen Weltkirche blutig verfolgt. Wir wissen von einigen solchen Strömungen, besonders von den Waldensern und ihren Vorläufern; bei anderen ist das Andenken in der menschlichen Geschichtsschreibung ausgelöscht, aber Gott kennt sie. Umgekehrt hielten sich die wahren Gläubigen von der verderbten Weltkirche fern und gingen hinaus von ihr, wenn immer sie es konnten.

Die prophetischen Gemeinden Smyrna, Pergamus und Philadelphia beschreiben den Überrest der wahren Gläubigen, die über viele Jahrhunderte weg blutig verfolgt wurden. In der „Synagoge des Satans“ (Offb 2,9; 3,9) kann man durchaus auch eine Anspielung auf die katholische Kirche sehen, die sich ja als wahrer Nachfolger der Juden verstand und mit ihrer Priesterschaft Anleihen beim Judentum genommen hatte.

C. Die Hure Babylon und ihre prophetische Bedeutung für das Verständnis der endzeitlichen Christenheit:

In Offenbarung Kapiteln 17 und 18 finden wir eine sehr ausführliche Beschreibung einer religiösen Bewegung, ja, man kann sagen: einer religiösen Macht, die ganz offensichtlich eine wichtige Rolle in den widergöttlichen Entwicklungen der Endzeit spielt: Und einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, kam und redete mit mir und sprach zu mir: Komm! ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt, mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben, und von deren Wein der Unzucht die, welche die Erde bewohnen, trunken geworden sind. Und er brachte mich im Geist in eine Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voll Namen der Lästerung war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Und die Frau war gekleidet in Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelsteinen und Perlen; und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Greueln und der Unreinheit ihrer Unzucht, und auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde. Und ich sah die Frau berauscht vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu; und ich verwunderte mich sehr, als ich sie sah. Und der Engel sprach zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt, das die sieben Köpfe und die zehn Hörner hat. Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist. Hier ist der Verstand, der Weisheit hat! Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt.

Anmerkung: (Unzucht = Der Begriff Unzucht bezeichnet abwertend ein menschliches Sexualverhalten, das gegen das in einem speziellen kulturellen oderreligiösen Kontext empfundene, angenommene oder vorgegebene allgemeine Sittlichkeits- und Schamgefühl verstößt. Die hierbei vorliegende Kontextabhängigkeit kann sowohl von einem säkularen als auch von einem theologischen Umfeld geprägt werden und ist durch die Sittengeschichte hindurch nicht einheitlich definiert. Historisch gesehen steht Unzucht allgemein für eine aktive Handlung, die den Menschen vom Status der Reinheit in den Status der Unreinheit führt. In der Regel geht das Urteil über ein als Unzucht angesehenes Verhalten mit sozialer Ächtung oder Bestrafung einher).

(Hurerei = hat verschiedene Bedeutungen:

  • Prostitution entspricht im Allgemeinen der Bedeutung im heutigen Sprachgebrauch.
  • im biblischen Sprachgebrauch ist damit meist das griechische Wort porneia gemeint, dieses Wort hatte damals in etwa die Bedeutung, die das Wort Unzuchtheute hat.

1. Die Wesenszüge der Hure Babylon:

Das prophetische Bild, das Johannes so in Erstaunen versetzt, ist eine Frau, die auf einem Tier reitet. Dieses Tier ist ein Bild für das römische Reich (vgl. Offenbarung Kapitel 13), das ja damals das herrschende heidnische Weltreich war und das in der Endzeit eine entscheidende Rolle spielen muß, wie schon die Prophetien des Buches Daniel zeigen. Die Frau auf dem Tier wird „die große Hure“ genannt. Sie steht in offenkundigem Gegensatz zu der keuschen Braut des Lammes, von der dann in Offenbarung Kap. 19 die Rede ist.

Das geistliche Bild der Hure für die abtrünnige Frau:

Die Hure ist die vom Herrn abtrünnige, untreue Frau; dieses Bild wird schon von dem götzendienerischen Israel gebraucht. Hier steht es offenkundig für die von Gott abgefallene Namenschristenheit, die sich des Götzendienstes und damit geistlicher Hurerei schuldig gemacht hat. Dabei ist der Bezug zu der Verführerin Isebel wichtig, von der es ebenfalls heißt, daß sie:  Aber ich habe ein weniges gegen dich, daß du es zuläßt, daß die Frau Isebel, die sich eine Prophetin nennt, meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. (Offb 2,20)

Von dieser Hure, einer weltweit einflußreichen religiösen Macht, heißt es, daß sie an vielen Wassern sitzt, d. h. über viele Völker und Nationen Einfluß hat (vgl. Offb 17,15) und daß die Könige der Erde mit ihr religiöse Hurerei (Unzucht) getrieben haben (d. h. wahrscheinlich, daß sie ihren religiösen Einfluß für ihre Machtpolitik einsetzten) und daß die Massen von ihrer geistlichen Hurerei trunken geworden sind, d. h. religiös verführt und fanatisiert durch den dämonischen Götzendienst und durch Zauberei. (Offb 18,23)

Sie ist gekleidet in die kostbaren Gewänder, die sonst Königen zustehen, und die den Gewändern der Päpste und katholischen Würdenträger genau entsprechen.

Babylon als Ursprung der hurerischen Falschreligion:

Diese Hure hat einen Namen auf ihrer Stirn geschrieben, der ihr Wesen offenbar macht: Geheimnis [gr. mysterion], Babylon [gr.-chald. „Pforte der Götter“], die Große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde. Dieser Name weist darauf hin, daß die Wurzeln der katholischen Kirche in dem babylonischen System von Götzendienst und Zauberei zu suchen sind. Von Babel ging der erste Versuch einer widergöttlichen Rebellion gegen den HERRN aus (vgl. 1. Mose Kapitel 11), und die Religionsgeschichte gibt viele Hinweise darauf, daß in Babel zum ersten Mal der heidnische Götzendienst zur Entfaltung kam, der sich u. a. in der Einführung von „Mysterien“ (Geheimlehren für Eingeweihte) äußerte.

Zu den bedeutendsten Mysterien zählte der Kult einer angeblichen „Gottesmutter“ und ihres „göttlichen Kindes“ (Semiramis und Tammuz), der sich in verschiedener Form über die Erde verbreitete (Ischtar – Astarte – Isis – Artemis) und in den unbiblischen Marienkult der katholischen Kirche einmündete. Die katholische Kirche betreibt in der Tat unter „christlichem“ Vorzeichen die Greuel des babylonischen Götzendienstes und der heidnischen Mysterienreligionen weiter. Zu den Elementen dieser heidnischen Religionen gehörten u. a. heilsvermittelnde Handlungen (Sakramente), Waschungen und Besprengungen mit „heiligem Wasser“, das Opfern von Oblaten (runden Kuchen) für die „Himmelskönigin“ (vgl. Jer 7,18), der Einsatz von Weihrauch u. a. m. Auch viele Symbole der Kirche haben ihren Ursprung in Babylon (vgl. dazu das aufschlußreiche Werk von Hislop, Von Babylon nach Rom). Zugleich wird gezeigt, daß die Religion dieser Hure verbunden war mit irdischer Macht- und Prachtentfaltung und großem wirtschaftlichem Einfluß und Reichtum. Die Hure hat nichts mehr gemein mit dem wahren Herrn und Heiland Jesus Christus, der arm wurde, um uns geistlich reich zu machen. Sie benutzte ihre Macht auch, um die wahren Gläubigen blutig zu verfolgen.

2. Die Frau und das Tier: das Anfangsstadium der Hure Babylon:

Die Hure wird in der Offenbarung klar und deutlich der Stadt Rom zugeordnet, die seit alters her als die Stadt der sieben Hügel bekannt war (Offb 17,9).  Und der Engel sprach zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt, das die sieben Köpfe und die zehn Hörner hat. Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist. Hier ist der Verstand, der Weisheit hat! Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. (Offb 17,7-9)

Das Bild von der Frau, die auf dem Tier (Das römischen Reich) reitet, weist uns auf einen hoch bedeutsamen Einschnitt in der Geschichte der katholischen Kirche: die sogenannte „konstantinische Wende“ (vgl. hierzu Dave Hunt, Die Frau und das Tier). Die „konstantinische Wende“ der Kirche zur Hure Babylon Mit der scheinbaren Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin wurde die katholische Kirche von einer verfolgten und verfemten Außenseiter-Religion zur Staatsreligion erhoben. Ihre Bischöfe erhielten weltliche Macht und mußten sich im Gegenzug zur Stützung der Macht des Kaisers und des Reiches hergeben; in die Reihen der Kirche strömten nun Scharen von unbekehrten Heiden, die auf diese Weise Ansehen und Ämter in dem nun „christlichen“ Reich erlangen wollten. Die Verkehrung und Entartung dieser Kirche war nun auf einer ganz neuen Stufe angelangt. Von nun an verfolgte die römische Kirche mit den Mitteln der staatlichen Macht alle Andersdenkenden und mißbrauchte bedenkenlos das Schwert, um ihre religiöse Machtentfaltung zu fördern. Das wurde gestützt durch die irreführende Lehre der Kirche, sie sei berufen, anstelle von Christus über die Welt zu herrschen und die Oberhoheit über alle Reiche der Welt auszuüben. Zynische Machtgier, Korruption und Geldgier, verbunden mit allen Greuelsünden Babels und Sodoms, kennzeichneten von da an immer mehr die Kirche Roms.

Die katholische Kirche seit Konstantin ist im Licht von Offenbarung 17 der Anfang und der Kern der Hure Babylon:

Es ist heute sehr wichtig, diese klare Auslegung der prophetischen Aussagen im Buch der Offenbarung zu betonen, die zu den grundlegenden Erkenntnissen der Täufer und der Reformatoren gehörte. Viele, die sich heute „evangelisch“ nennen und sich auf das Erbe der Reformation berufen, sind an diesem Punkt blind geworden und sehen nicht mehr die klaren Hinweise der Schrift, die doch zu unserer Warnung niedergeschrieben wurden.

Vergessene Einsichten der Reformatoren über die römische Kirche:

In der Zeit der Reformation wurde auch der zutiefst antichristliche, heidnisch-götzendienerische Charakter der katholischen Religion klar ans Licht gebracht. Die Reformatoren, die in vielen Fragen, besonders der biblischen Gemeindelehre, kaum Licht hatten und schwerwiegende falsche Kompromisse mit der Welt schlossen, sahen doch zumindest in diesem Punkt recht klar. Die Führer und Lehrer der Reformation, die ja selbst die römische Kirche aus eigener Anschauung sehr gut kannten, entlarvten die „Eucharistie“ als Götzenopfer und greuliche Verkehrung des biblischen Sühnopfers Jesu Christi. Sie redeten offen davon, daß in dieser Kirche ein falscher Christus verehrt wird. Das wird heute von vielen „Protestanten“ bestritten und mit schönen Worten verschleiert. Sie hatten auch völlig recht, wenn sie die römischen Päpste als „Antichristen“ betrachteten. Auch wenn keiner dieser Päpste der Antichrist im Sinne der biblischen Endzeitprophetie war, so waren sie doch alle kraft ihres Amtsverständnisses und ihrer Lehre „Antichristen“ (vgl. 1Joh 2,18) – sie setzten sich anstatt von Christus als Herrscher über die irdische Kirche (gr. antichristos kann ja sowohl „Anstatt-Christus“ als auch „Gegen-Christus“ bedeuten), und sie traten als falsche Priester und Weltenherrscher auch als eine Art Gegen-Christus auf.

3. Die Reformation und die Entstehung der protestantischen Großkirchen:

Wir müssen hier kurz auf eine Entwicklung eingehen, die bedeutsame Folgen hatte, jedoch biblisch nicht leicht zu beurteilen ist und gemischte Ergebnisse hervorbrachte: die Erneuerungsbewegung, die als Gegenströmung zur katholischen Kirche im 16. Jahrhundert aufkam und allgemein als „Reformation“ (lat. reformatio = Umgestaltung, Erneuerung) bezeichnet wird.

Vorläufer der Reformation:

Durch das ganze Mittelalter hindurch hatte die römische Kirche das wahre Evangelium unterdrückt und verfolgt und nach Kräften versucht, die Botschaft der Bibel von den Menschen in ihrem Herrschaftsbereich fernzuhalten. Dagegen hatte es immer wieder Widerstand gegeben. Bewegungen wie die Waldenser (vgl:(de.wikipedia.org/wiki/Waldenser) in Oberitalien hatten das biblische Evangelium und die Heilige Schrift festgehalten und immer wieder heimlich ausgebreitet. Die „Lollarden“ in England und die „Hussiten“ in Tschechien waren ebenfalls Bewegungen, in denen der Geist Gottes zur Ausbreitung des Evangeliums wirkte und die Wahrheiten der Schrift wieder auf den Leuchter stellte. Sie wurden von der römischen Kirche blutig unterdrückt und grausam verfolgt, doch die Herrscher der Finsternis konnten das Licht Christi nicht austreten.

Die Lage zur Zeit der Reformation:

Im 16. Jahrhundert kam es dann zu einem besonderen Zusammentreffen verschiedener Faktoren, die schließlich zu der protestantischen Reformation führten („protestantisch“, weil die Gläubigen gegen die Mißbräuche und Entartungen der Katholischen Kirche protestierten; „Reformation“ = lat. reformatio = „Erneuerung“). Die geistlichen Bestrebungen zu einer Rückkehr zum biblischen Evangelium und zur Bibel selbst bekamen neuen Auftrieb. An verschiedenen Orten des „christlichen Abendlandes“ forschten erweckte Männer in der Schrift selbst – viele davon als römische Priester bzw. Theologen ausgebildet, wie Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin. Sie entdeckten mehr und mehr die Unvereinbarkeit der römischen Lehren und Praktiken mit der biblischen Wahrheit.

Die Unzufriedenheit der „Laien“ mit dem korrupten römischen System wuchs; das Volk stöhnte unter den Lasten, die die falschen Hirten ihnen aufbürdeten. Mehr und mehr wuchs die Erkenntnis, daß die römische Kirche mit der Wahrheit Jesu Christi Mißbrauch trieb. Mißstände wie der Ablaßhandel waren nur die Symptome, an denen eine allgemeine Unzufriedenheit mit den römisch-katholischen Irrtümern sich entzündete. Zugleich wurde die Macht der römischen Kirche, die durch das Bündnis mit der weltlichen Obrigkeit zu bestimmten Zeiten außerordentlich groß war, geschwächt durch die politisch motivierten Unabhängigkeitsbestrebungen einer großen Anzahl weltlicher Fürsten. Diese hatten zumeist keine geistlichen Motive für ihre Gegnerschaft gegen die katholische Kirche. Sie fühlten sich in ihrer politischen Machtentfaltung durch den Herrschaftsanspruch des Papsttums eingeschränkt und standen in Opposition zum Kaiser, der mit den Päpsten zu jener Zeit verbündet war.

Der geistliche Aufbruch der Reformation:

Unter diesen Umständen kam es zu einem geistlichen Aufbruch, der von Gott dazu gebraucht wurde, das Licht des Evangeliums zu vielen Menschen in Europa zu tragen. Die führenden Lehrer der Reformation erkannten grundlegende Wahrheiten der Bibel und des echten Evangeliums und verkündigten sie mutig unter dem Volk. Vor allem die Wahrheit der Errettung allein durch Christus, allein aus Gnade, allein durch den Glauben an das vollbrachte Erlösungswerk Jesu Christi wurde in jener Zeit auf den Leuchter gestellt. Zugleich wurde die Heilige Schrift und ihre Lehren in zuvor unvorstellbarer Freiheit verbreitet. Was die römischen Irrlehrer verdunkelt hatten, kam immer weiter ans Licht. Die Reformatoren lehnten die hochmütige Anmaßung des römischen Papsttums ab, das die verbindliche Autorität in allen Lehrfragen der Christenheit für die römische Kirche, ihre Traditionen und ihre Päpste beanspruchte.

Sie erklärten kühn, allein die Heilige Schrift könne die verbindliche Autorität für die Menschen sein, und die römische Kirche habe die Wahrheiten der Schrift verbogen und verderbt. Durch die Bibelübersetzungen in den Volkssprachen konnten erstmals die entmündigten „Laien“ selbst das Wort Gottes lesen, und diese Verbreitung der Bibel trug viele gesegnete Früchte. Kompromisse und Halbheiten bei den Reformatoren Zugleich aber müssen wir im Rückblick sehen, daß die Reformation in verhängnisvollen Kompromissen und Halbheiten steckenblieb. Die führenden Reformatoren dachten und handelten in vielen Punkten menschlich und politisch anstatt geistlich. Sie schafften zwar viele Lehren und Praktiken der babylonischen römischen Kirche ab, aber in zentralen Punkten brachen sie dennoch nicht aus dem babylonischen System aus.

Das betrifft vor allem die Fortführung der völlig unbiblischen „Volkskirchen“ mit ihren Massen von ungläubigen Heiden, die nach wie vor durch das betrügerische „Sakrament“ der Säuglingstaufe zu „Christen“ erklärt wurden. Die Lehre der Bibel von der heiligen Gemeinde, die allein aus Wiedergeborenen bestehen kann, wurde verworfen und der vermischte Charakter der babylonischen Großkirche im wesentlichen beibehalten. Auch ein weiteres falsches „Sakrament“ der römischen Kirche wurde in wesentlichen Punkten beibehalten: das Abendmahl als „Sakrament zur Sündenvergebung“. Es ist schwer, aus der heutigen Zeit die Gründe für diese verhängnisvolle Fehlentwicklung zu erkennen. Aber eine wesentliche Rolle spielte der unbiblische Kompromiß mit den weltlichen Fürsten, die die Reformatoren als Bündnispartner benutzten. Die weltliche Obrigkeit wollte die reformierten Kirchen als Stützen der Staatsmacht nutzen, was die gewohnte Volkskirchenstruktur notwendig machte.

Die Reformatoren gingen von ihrer Seite aus diesen Kompromiß ein, weil er ihnen Schutz und eine ungehinderte Entfaltung des Reformationswerkes zu sichern schien. Die Alternative wäre damals eine zahlenmäßig wesentlich kleinere, verfolgte Untergrundgemeinde gewesen, wie das Beispiel der Täufer zeigte. Dazu waren die Reformatoren aus verschiedenen Gründen nicht bereit. So brachte die Reformation nicht den vollen Durchbruch zu einer biblischen Erneuerung, sondern blieb auf halbem Wege stecken. Die biblische Lehre über die Gemeinde und auch die Lehre von der Heiligung und dem Wandel in Christus sowie weitere biblische Lehren (z. B. über die Endzeit, die Entrückung, das Verhältnis der Gemeinde zu Israel, das tausendjährige Reich) wurden immer noch verdunkelt und fanden in den neu entstehenden Kirchen der Reformation keine Verbreitung oder Verwirklichung.

Die geistlich gesunden „Täufer“ als Zeugen der biblischen Wahrheit:

Das biblische Verständnis der wahren, von der Welt abgesonderten Gemeinde wurde in dieser Zeit nicht von den Reformatoren in die Praxis umgesetzt, sondern von einem verfolgten und verachteten Nebenstrom, den Täufern, die sogenannt wurden, weil sie die Wahrheit von der biblischen Taufe der Gläubigen durch Untertauchen praktizierten und die Säuglingstaufe nicht anerkannten. Der Widersacher hat diese echte, biblisch gesunde Bewegung der Täufer raffiniert angegriffen, indem er unter sie einige von der Finsternis inspirierte Irrlehrer und Schwärmer mischte, die in den Augen vieler damaliger und heutiger Beobachter die ganze Bewegung in Mißkredit brachten (Thomas Müntzer u. a.).

Wenn man aber die Geschichte und die Schriften der echten Täufer studiert (z. B. Menno Simon), dann zeigt sich eine vom Geist Gottes gewirkte erweckliche Bewegung von echten Gläubigen, die mit bewundernswerter Treue und Einfalt dem Herrn nachfolgten und die Wahrheit der Bibel in viel größerem Ausmaß verstanden und auslebten als die Reformatoren. Dieser treue, erweckte Überrest mußte im Gegensatz zu den von den Fürsten geschützten Reformatoren durch viel blutige Verfolgung gehen; es zählt zu den schlimmen Schandflecken der Reformation, daß die „evangelischen“ Reformatoren sie fast genauso grausam verfolgten wie ihre katholischen Gegenspieler. Aber in der verachteten und verfolgten Täuferbewegung wurden die neutestamentlichen Gemeindelehren weitestgehend verwirklicht, und diese geistliche Strömung der „Mennoniten“ oder „Wiedertäufer“ bringt (obwohl einige „Mennoniten“ inzwischen vom biblischen Glauben abgewichen sind) noch heute Frucht zur Ehre des Herrn.

Der verkehrte Weg der protestantischen Volkskirchen:

Die in der Reformation entstandenen protestantischen Volkskirchen jedoch mußten in ihrer Entwicklung erfahren, daß die Mißachtung der biblischen Gemeindelehre ihren Preis hat. Bei ihnen gab es immer an der Basis wie in der Führung eine verderbliche Vermischung von Licht und Finsternis, Gläubigen und Ungläubigen. Bald erstarrten sie mehr und mehr in leerer Orthodoxie, und im 18. und 19. Jahrhundert kam der Einfluß des Gedankenguts von Aufklärung und Rationalismus hinzu, die letztlich von der heidnischen Philosophie und von der Gnosis beeinflußt waren (Prof. Dr. Werner Gitt sagte einmal: Philosophie ist: Wenn man in einem dunklen Raum eine Katze sucht, die aber nicht da ist, das ist Philosophie).  Im 20. Jahrhundert kam dieser zersetzende Einfluß zur Ausreifung und bewirkte eine immer offener werdende Abkehr der protestantischen Großkirchen von den Grundlagennder Reformation, einen immer deutlicheren Abfall vom biblischen Christusglauben überhaupt. Die Frucht dieser Entwicklung ist, daß diese Volkskirchen heute immer offensichtlicher babylonischen Charakter, Hurencharakter annehmen. Sie steuern offen auf Religionsvermischung und antichristliches Heidentum zu. Wie die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ gezeigt hat, haben sie ihr protestantisches Erbe längst verraten und verkauft und sind zunehmend bereit, sich wieder unter das Dach der römischen Weltkirche zu begeben. Sie hatten das Lager der Hure Babylon nie ganz verlassen, und nun, am Ende der Zeiten, kehren sie bewußt wieder in dieses Lager zurück.

Pietistische Gemeinschaften: Der Weg der Gläubigen in den Volkskirchen!

Dennoch gab es seit der Reformationszeit in dieser vermischten Kirche wahre Gläubige, die durch das verkündigte Evangelium und den Zugang zu Gottes Wort bei dem Herrn Jesus Christus Frieden und Erlösung fanden. Diese Gläubigen litten unter den oft gottlosen und finsteren Verhältnissen in ihren „Kirchengemeinden“, die ja keine wahre Gemeinde waren. Aus ihrer Suche nach geistlicher Gemeinschaft und gegenseitiger Erbauung wurde der kirchliche Pietismus (von lat. pietas = Frömmigkeit) geboren – eine geistliche Strömung, die auf der einen Seite einen Zug zur biblischen Wahrheit und zum biblischen Glaubensleben aufwies, auf der anderen Seite auch unter den faulen Kompromissen und dem letztlich unbiblischen Verbleiben in den Großkirchen (vgl. 2Kor 6,14-18!) zu leiden hatte. In den pietistischen Gemeinschaften, die im Rahmen der Großkirchen blieben, konnten die wahren Gläubigen Erbauung und Glaubensstärkung finden, die sie bei den häufig ungläubigen Pfarrern nicht bekamen.

Besonders im 18./19. Jahrhundert gab es im Rahmen der „Erweckungsbewegung“ viele segensreiche Entwicklungen, gerade im Bereich der Evangelisation. Auf der anderen Seite fanden sich im Pietismus auch ungesunde Einflüsse. Zum einen führte der Einfluß von rationalistischem Gedankengut der Aufklärung zu unklaren Haltungen zur Heiligen Schrift; zum anderen gab es auch mystische Strömungen, die Raum für falschgeistige „Offenbarungen“ und „Gotteserfahrungen“ schufen und verführerische Lehren förderten (u. a. schwärmerische Endzeitlehren, Allversöhnung, Spiritismus). Auch die Abgrenzung zum Katholizismus war nicht überall klar genug. Im 20. Jahrhundert zeigte sich, daß die Segenszeit des innerkirchlichen Pietismus mehr oder weniger zu Ende gegangen ist. Die erwecklichen Einflüsse versiegten allmählich; hier war Wilhelm Busch wahrscheinlich das letzte von Gott gebrauchte Werkzeug mit überregionaler Wirkung. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zum verführerischen Einbruch der Pfingstbewegung; später machte sich der Sauerteig der Bibelkritik und des Modernismus immer stärker in der Gemeinschaftsbewegung bemerkbar. Nun, am Anfang des 21. Jahrhunderts, hat man den Eindruck, daß auch die pietistischen Gemeinschaften zusammen mit den Freikirchen und der „Allianz-Bewegung sich widerstandslos in den großen endzeitlichen ökumenisch-charismatisch-liberalen Verführungsstrom hineinziehen lassen. Es sind oft nur noch einzelne Gläubige, die wachsam sind und diesen Entwicklungen widerstehen – und die deshalb zunehmend angefeindet und ausgegrenzt werden.

4. Die Hure Babylon im ausgereiften Stadium der Endzeit:

Wieviel Geld besitzt die Römisch-katholische Kirche? Nachzulesen unter:

>> ( www.freie-christen.com/ reichtum der kirche ist blutgeld. html) <<

Die Prophetie in Offenbarung 17 und 18 weist Züge auf, die eindeutig über alle bisherige Geschichte der katholischen Kirche hinausgehen und die Hure Babylon in einem Stadium weltweiter Machtentfaltung zeigen, das sie heute noch nicht erreicht hat. Es wird von der letzten Zeit geredet, wo die Hure die Erde verderbte mit ihrer Unzucht. (Offb 19,2) Denn von dem Glutwein ihrer Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Kaufleute der Erde sind von ihrer gewaltigen Üppigkeit reich geworden. (Offb 18,3)

Die kommende „Welteinheitskirche“ Wir sehen in der Offenbarung das Bild einer großen „Welteinheitskirche“, die alle Völker und Nationen unter ihrem zauberischen Einfluß hat. Diese religiöse Großmacht beinhaltet nach Überzeugung bibeltreuer Ausleger eine antichristliche Einheit der Weltreligionen unter der Führung der katholischen Kirche. Wie diese Vereinigung der großen Weltreligionen genau aussehen wird, können wir von der Bibel her nicht sagen, aber viele Entwicklungen der heutigen Zeit gehen genau in diese Richtung. Neben der klassischen „innerchristlichen“ Ökumene, die alle abgefallenen namenschristlichen Kirchen vereinen soll, gibt es immer stärkere Bestrebungen nach einer weltweiten Einheit aller Religionen, die angeblich für den Weltfrieden und das Wohlergehen der Völker unbedingt nötig ist. Solche Bestrebungen gehen heute bezeichnenderweise oft von den Vereinten Nationen (UN) aus, die es sich zum Ziel gesetzt haben, eine zentrale Weltregierung zu bilden und weltweit „Frieden und Sicherheit“ zu schaffen. Dem nachdenklichen Bibelleser ist deutlich, daß diese Ziele letztlich der Errichtung der Weltherrschaft des Antichristen dienen. Im Rahmen der Vereinten Nationen gibt es viele religiöse Bewegungen und Organisationen, die die Verschmelzung aller Weltreligionen zu ihrem Ziel erklärt haben und zu diesem Zweck behaupten, alle Religionen glaubten im Kern dasselbe.

Oft bilden Mystik und Meditation ein wichtiges Bindeglied, das die Einheit der Religionen fördern soll. Es ist jedenfalls sehr klar zu sehen, daß jede Öffnung für die Bestrebungen einer namenschristlichen Ökumene mit einer unheimlichen geistlichen Gesetzmäßigkeit übergeht in die größere Ökumene der Weltreligionen. „Wer A sagt, muß auch B sagen“, heißt das Sprichwort, und wir sehen heute schon, wie selbst evangelikale Ökumene befür worter immer offener vom „Dialog mit den Weltreligionen“ reden. „Dialog“ bedeutet Suche nach Verständigung, bedeutet Betonung des angeblich Gemeinsamen, und führt letztlich in die Vermischung und Vereinigung. Diese schon heute vorbereitete künftige „Welteinheitsreligion“ wird ein Werkzeug der antichristlichen Kräfte und schließlich des Antichristen selbst sein, um die Volksmassen bei der Stange zu halten und sich Rückhalt und Gefolgschaft bei den Menschen zu verschaffen. Zu diesem Zweck haben die antichristlichen Machthaber immer wieder in der Geschichte die babylonischen Kirchengebilde benutzt (dazu zählen hier auch die protestantischen und orthodoxen Kirchen); ein Musterbeispiel war der 1. Weltkrieg, bei dem die verschiedenen Kirchen für den Sieg der „vaterländischen Waffen“ beteten.

In den Krisenentwicklungen der antichristlichen Zeit wird die Obrigkeit besonders auf ein solches Werkzeug der religiösen Massenkontrolle angewiesen sein. Kennzeichen der babylonischen Endzeitreligion Aus den Andeutungen in dieser großen Prophetie können wir schließen, daß dieses ausgereifte Endstadium der Hure Babylon geprägt ist von einem großen Einfluß der Ur-Elemente der babylonischen Mysterienreligion: Zauberei, Mystik und Greuelsünden im geschlechtlichen Bereich (vgl. Offb 17,4-5; 18,3; 18,23 und das sehr aufschlußreiche Buch von Dave Hunt, Okkulte Invasion).

Zauberei ist die Erreichung eigenmächtiger Ziele Mithilfe bestimmter Worte oder Handlungen, wobei die Macht der bösen Geistwesen dabei angerufen und benutzt wird. Wir sehen heute, wie in der Christenheit immer mehr magisch-okkulte Einflüsse unter frommem Mäntelchen verbreitet werden, sei es durch die Charismatische Bewegung, sei es durch die Öffnung der Volkskirchen für esoterische Lehren und Praktiken. Mystik ist der Versuch des Menschen, Mithilfe bestimmter Techniken ein Erlebnis der „Vereinigung mit der Gottheit“ zu erreichen. Dabei spielen u. a. „Meditation“, Rituale der „Initiation“ (Einweihung), formelhafte Gebete („Mantras“), Entleerung und Ausschaltung des Bewußtseins, die „Visualisierung“ sowie das Streben nach Visionen, Träumen und andere Offenbarungen aus der Geisterwelt eine wichtige Rolle. In der Endzeit erleben wir, wie die Mystik in allen Weltreligionen an Bedeutung zunimmt; unter dem christlichen Gewand der „neuen Spiritualität“ gewinnt sie auch in der Christenheit rasch an Einfluß. Schließlich gehörte bewußt praktizierte geschlechtliche Entartung und Hurerei zu den Wesenszügen der babylonischen Religion. Sie sollte vorgeblich auch dazu beitragen, in einen „gottähnlichen“ Zustand zu kommen. Auch diese furchtbaren Verirrungen finden wir in der endzeitlichen religiösen Entwicklung verstärkt vor.

D. Die Ökumenebestrebungen in der Endzeitchristenheit und der Weg der wahren Gemeinde.

1. Der geistliche Hintergrund der heutigen ökumenischen Bestrebungen.

Nur wenn wir die zukünftige Machtstellung der Hure Babylon im letzten Stadium der Endzeit und überhaupt die biblische Prophetie über die letzte Zeit richtig bewerten, können wir auch die heutigen ökumenischen Bestrebungen recht einordnen, die mit immer größerer Macht und Dringlichkeit auf die Einheit aller Christen hinarbeiten. Protestantische Großkirchen auf dem ökumenischen Irrweg Es ist bezeichnend, daß fast alle Kirchen der Reformation, die ein Stück weit aus dem Bann der römischen Hure losgekommen waren, sich aber nie völlig davon gelöst hatten, seit vielen Jahrzehnten immer offener die Wiedervereinigung mit der römischen Kirche anstreben. Die protestantischen Volkskirchen sind immer noch und zunehmend mehr mit der Hure Babylon verbunden. Sie hatten nie das trügerische, unbiblische Wesen der Namenschristenheit verlassen, sondern sich weiter auf die widergöttliche Sakramentelehre, besonders die Kindertaufe, gestützt und hatten nie die biblischen Grundsätze wahrer Gemeinde angenommen. Diese Kirchen waren immer menschliche Gebilde, in denen wahre Gläubige in dem widerbiblischen fremden Joch mit Ungläubigen (2Kor 6,14) zusammengeschmiedet waren. Die Führung dieser Kirchen lag überwiegend, seit dem letzten Jahrhundert fast ausschließlich in der Hand von Ungläubigen. Kein Wunder, daß sie keine geistliche Kraft haben, der ökumenischen Vereinnahmung zu widerstehen.

Evangelikale bekennen sich zur ökumenischen:

Einheit Doch heute müssen wir mit Erschrecken feststellen, daß auch viele z. T. führende „evangelikale“, d. h. ihrem Bekenntnis nach bibelgläubige, Christen die Ökumene befürworten. Immer mehr Christen, die früher als biblische Verkündiger bekannt waren, stimmen in den Ruf nach der Großen Einheit ein, die alles umfassen soll, was sich „christlich“ nennt – unabhängig davon, ob die Kirchen und Gemeinden aus wahrhaft Wiedergeborenen bestehen oder aus geistlich toten Namenschristen, unabhängig davon, ob der wahre Herr Jesus Christus und das biblische Evangelium verkündigt wird oder ein anderer Jesus und ein anderes Evangelium. Wir finden heute bei den Führern der Evangelischen Allianz und der Gemeinschaftsbewegung sowie in den Freikirchen ein entschiedenes, kaum noch durch Vorbehalte eingeschränktes Ja zur Ökumene. Mancher Christ wird durch solche Stimmen verwirrt und fragt sich, ob er vielleicht mit seiner Ablehnung dieser ökumenischen Vereinnahmung falsch gelegen hat. Wie oft hört man Meinungen wie „Die katholische Kirche hat sich nach dem II. Vatikanischen Konzil verändert“; „Heutzutage können wir uns die Zersplitterung der Christenheit einfach nicht mehr leisten“; „Wir werden vor der Welt unglaubwürdig, wenn wir nicht mit einer Stimme sprechen“.

Die betrügerische „Einheit“ im Licht der Bibel:

Doch diese prinzipienlose, auf Unwahrheit und Irrlehre beruhende „Einheit“ wurde seit jeher von allen geistlich wachsamen, treuen Gläubigen abgelehnt. Die Heilige Schrift sagt uns ganz klar, daß eine solche „Einheit“ Gott nicht wohlgefällig sein kann: Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? (2Kor 6,14-16)

Es war früher selbstverständlich, daß bibeltreue Gläubige vor der Ökumene gewarnt haben und sich entschieden von ihr distanzierten. Heute hat sich ein erschreckender geistlicher Nebel über viele evangelische Christen gelegt; sie sehen nicht mehr klar und willigen in die ökumenische Vereinnahmung ein.

Vermischung als Methode des Widersachers:

Im Licht der Bibel sehen wir in der Ökumene das verführerische Prinzip der Vermischung am Wirken, das der Widersacher einsetzt, um Verderbnis in die Gemeinde zu bringen, und das im Gleichnis vom Sauerteig so klar gekennzeichnet wird: Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war. (Mt 13,33)

Wenn Licht und Finsternis, Mehl und Sauerteig, gesunde Lehre und Irrlehre miteinander vermischt werden, dann siegt unweigerlich das Böse und Verkehrte, denn Gott will die Absonderung Seines heiligen Volkes und nicht die Vermischung! (Vgl. dazu Gal 5,7-9; 1Kor 5,6-8; Mt 16,6-12; 2Mo 2,15; 2Mo 23,18.)

Die Vermischung des heiligen Bundesvolkes Gottes mit den götzendienerischen Heidenvölkern war der Fallstrick, mit dem der Satan das Volk Israel fangen und verderben wollte, wie sie sich in den bösen Ratschlägen Bileams zeigte (vgl. Offb 2,14; 2Pt 2,15; Jud 11).

Auch später ging Israel diesen verkehrten Weg, und das wurde ihm zum Verhängnis. Sie vertilgten die Völker nicht, wie ihnen der JACHWEH geboten hatte; sondern sie vermischten sich mit den Heidenvölkern und lernten ihre Werke. Und sie dienten ihren Götzen, und diese wurden ihnen zum Fallstrick. Und sie machten sich unrein mit ihren Werken und begingen Hurerei mit ihrem Tun. Da entbrannte der Zorn des JACHWEHS gegen sein Volk, und er verabscheute sein Erbteil. (Psalm 106,34-40)

Ephraim hat sich mit den anderen Völkern vermischt; Ephraim ist wie ein Kuchen, den man nicht umgewendet hat. Fremde haben seine Kraft verzehrt, und er erkennt es nicht; sein Haupthaar ist mit Grau gesprenkelt, und er erkennt es nicht. (Hos 7,8)

Die Taktik des Widersachers gegen die Gemeinde:

Das Ziel des Satans, der hinter den ökumenischen Bestrebungen steht, ist die Zerstörung oder zumindest die Lähmung der wahren Gemeinde Gottes, die als leuchtendes Licht und klares Zeugnis seinen finsteren Plänen im Weg steht. Durch eine unbiblische Einheit und Vermischung soll die Wahrheit Gottes, die herrliche Botschaft des Evangeliums der Gnade erstickt und unterdrückt werden und durch die Lüge des ökumenischen Falsch- Evangeliums ersetzt werden. Der Satan weiß genau, daß die wahre Gemeinde Gottes ihre Lichtkraft und Vollmacht zum Zeugnis für Christus und Seine Wahrheit nur so lange behält, wie sie in der gottgewollten Absonderung vom Bösen bleibt und als Christusleib sich getrennt hält von den unreinen, verführerischen Gebilden der heutigen Namenschristenheit. Deshalb versucht er alles, die Absonderung der biblischen Gemeinde zu unterlaufen und aufzulösen. Wir wollen es noch einmal klar aussprechen: Die falsche ökumenische Einheit ist eine listige Strategie des Satans, des betrügerischen Lichtengels (2Kor 11,14), des Verführers und Verderbers von Anfang an (vgl. Eph 6,10-20)! Eine solche Einheit und Vermischung von Licht und Finsternis, von Wahrheit und Lüge dient niemals Gott, sondern nur dem Widersacher.

Denken wir an die warnenden Worte des Apostels Paulus: Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben werden von der Einfalt gegenüber Christus. (2Kor 11,2-3)

Genau das ist die Auswirkung der ökumenischen Vermischung auf die Gläubigen, die sich von ihr betören lassen. Der Satan will die reine Braut in die Greuel und Befleckungen der Hure hineinlocken. Die schlechten Früchte der ökumenischen Bewegung Die ökumenischen Bestrebungen der Endzeit bewirken also Irreführung und Verderbnis in der Gemeinde und bedeuten eine große geistliche Gefahr für die wahren Gläubigen. Sie werden wohl mit geschickten Bibelzitaten und humanistisch geprägten edlen Absichtserklärungen verziert und getarnt, aber sie können nichts als Zerstörung anrichten. Die heutigen ökumenischen Einheitsbestrebungen haben vier objektive Auswirkungen, die zugleich verdorbene Früchte nach Mt 7,15-20 sind:

1. Die ökumenische Bewegung dient dazu, die wahre Gemeinde zu vereinnahmen, mit dem Sauerteig der Namenschristenheit zu vermischen und ihre göttliche, heilige Wesensart zu verderben. Die biblische Gemeinde soll in ihrer Kraft gebrochen und unter die Vorherrschaft Roms gebracht werden. Der Satan will die wahre Gemeinde als „Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (1Tim 3,15) schwächen und unwirksam machen; er will das heilige Priestervolk Gottes entheiligen und die Gläubigen zu geistlicher Hurerei verleiten, wie es in der prophetischen Warnung vor Isebel ausgesagt ist.

2. Durch Kompromisse „um der Einheit willen“ sollen die wahren Gläubigen daran gehindert werden, das biblische Evangelium klar zu verkündigen und evangelische wie katholische Namenschristen zur Errettung zu führen. Unter dem Deckmantel der „Einheit“ strebt die römische Kirche ja danach, alle klare Evangeliumsverkündigung als „Proselytenmacherei“ zu verhindern. Der Feind will die verlorenen Seelen in der Finsternis halten und versucht deshalb das Licht des Evangeliums zu ersticken und die Freiheit der Evangeliumsverkündigung durch die falsche Einheit zu untergraben.

3. Die ökumenische Bewegung dient dazu, die biblische Wahrheit zu verdunkeln und durch faule Kompromisse und Vermischung mit Irrlehren unwirksam zu machen. Das biblische Evangelium soll durch die verkehrten Lehren der ungläubigen, abgefallenen Namenschristenheit verfälscht werden (siehe „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“!). Die gesunde biblische Lehre, die ja u. a. auch die Lehre von der Gemeinde, die prophetische Schau der Endzeit und andere Wahrheiten umfaßt, soll zum Schweigen gebracht werden, damit der Satan seine Verführungen in einem undurchsichtigen geistlichen Nebel weitertreiben kann und nicht mehr im scharfen Licht der biblischen Wahrheit entlarvt wird.

4. Die ökumenische Vereinigung aller Namenschristen unter Vorherrschaft der katholischen Kirche dient dazu, die Entwicklungen zur „Welteinheitskirche“ zu stärken und damit, biblischprophetisch gesprochen, die Hure Babylon zu ihrer endzeitlichen Machtfülle zu führen. Sie zielt mit unabwendbarer Macht auf die Vereinigung aller Weltreligionen zu einer antichristlichen, babylonischen Welteinheitsreligion. In diese trügerische Einheit „aller Kinder Adams“, die vor Gott ein Greuel ist, sollen auch die wahren Gläubigen mit hineingezogen werden. Schon heute geben viele Befürworter der Ökumene die verführerische Losung aus: „Gott ist der Vater aller Menschen, alle Menschen sind seine Kinder, und alle Religionen sind Wege zu Gott“.

Die Verführung der Gläubigen durch evangelikale Anwälte der Ökumene:

Heute erleben wir, wie führende Verantwortliche aus den Reihen der Evangelikalen offen für die Ökumene Werbung machen und eine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und abgefallenen liberaltheologischen evangelischen Volkskirchenführern praktizieren. Dies geschieht besonders durch „Pro Christ“ und zunehmend durch die Evangelische Allianz („Impulstour Eins“), aber auch durch charismatische Verführer, durch Zeitschriften wie „Aufatmen“, durch die „Willow Creek“-Bewegung, den „Alpha-Kurs“ usw.

Die Beteiligung maßgeblicher Evangelikaler an der Kampagne „Miteinander für Europa“, vor allem die führende Rolle des „Pro Christ“-Sprechers Ulrich Parzany in diesem ökumenischen Unternehmen ist ein trauriges Zeichen dafür, wie blind schon viele geworden sind, die sich noch zu Christus und zur Bibel bekennen. Auf den Tagungen dieser Bewegung finden sich „Evangelikale“ und Radikalcharismatiker wie Peter Wenz und Walter Heidenreich in vertrauter Gemeinschaft mit der erzkatholischen „Schönstatt- Bewegung“, die die Marienverehrung auf ihre Fahnen geschrieben hat, und mit der ebenfalls katholischen „Fokolare“-Bewegung, die offen Religionsvermischung betreibt. Zu den beteiligten Organisationen gehören: Campus Crusade Europa, AGLOW (charismatische Frauengruppe), die „Alpha-Kurs-Bewegung, die charismatische „Biblische Glaubens-Gemeinde“ Stuttgart, die Katholische Charismatische Gemeindeerneuerung Europa, die Taizé-Kommunität, der CVJM Gesamtverband, die „Marienschwesternschaft“, die „Weg-Gemeinschaft Dünenhof“, die charismatische FCJG Lüdenscheid, die charismatische „Geistliche Gemeinde-Erneuerung“ in der EKD, „Jugend mit einer Mission“, „Pro Christ“, mehrere charismatische „Vineyard“-Gemeinden sowie eine große Zahl katholischer und auch orthodoxer Organisationen und Gemeinschaften.

Die mit großem Aufwand betriebene Einheit und die von dieser Bewegung veranstalteten Kongresse, die 2004 etwa 9.000 Besucher anzogen (2007: 8.000), sind ein Symptom dafür, wie weit die ökumenische Irreführung schon vorangeschritten ist. Die Katholische Kirche fördert solche Unternehmungen und benutzt sie, um die evangelischen Teilnehmer durch Betonung des Gemeinsamen immer näher zu sich zu ziehen. Das ist aus ihrer Sicht nur konsequent. Was bibeltreue Christen aber alarmieren muß, ist der Kompromißkurs angesehener Leute, die als „bibeltreu“ gelten und sich zum biblischen Evangelium bekennen, die aber bewußt und energisch auf eine vertiefte Zusammenarbeit mit den liberalen protestantischen Großkirchen und mit der katholischen Kirche hinarbeiten. Sie behaupten, im biblischen Glauben zu stehen, und erklären gleichzeitig geschworene Gegner dieses biblischen Glaubens zu ihren „Brüdern und Schwestern in Christus“ und suchen die Einheit mit ihnen. Hier zeigt sich eine gefährliche geistliche Verblendung, ein betrügerischer Nebel, der heute vielen die klare geistliche Sicht raubt.

Immer mehr „Evangelikale“ verwischen die klaren Unterschiede zwischen Licht und Finsternis, zwischen biblischer Wahrheit und Irrlehre, zwischen Gläubigen und Ungläubigen, zwischen Gut und Böse (Jes 5,20), Christus und Belial. Sie streben genau das fremde Joch an, vor dem die Schrift in 2. Korinther Kapitel 6 warnt, und führen alle die evangelischen Christen, die ihnen vertrauen, in die Vermischung mit Babylon hinein. Das gilt auch für die sich konservativ gebenden Befürworter einer „Bekenntnisökumene“. Auch ein solches politisches Zweckbündnis mit angeblich „biblisch-konservativen“ katholischen Kreisen gegen „liberale Aufweichungen“ und „Säkularisierung“ ist geistlich falsch und führt in die Irre. Diese Verblendung äußert sich auch darin, daß führende Evangelikale in ihren eigenen Kreisen Lehren und Praktiken empfehlen, die dem biblischen Glauben völlig entgegengesetzt sind und aus dem Arsenal der heidnischen Mysterienreligion kommen. Dazu gehört die Bewegung der „Neuen Spiritualität“ (Richard Foster, Brennan Manning, Henri Nouwen u.a.), die heidnische Mystik und Meditation befürwortet und New-Age-Gedankengut und Religionsvermischung in evangelikale Kreise trägt.

Dies wird von bekannten Evangelikalen empfohlen und gefördert (u. a. von Bill Hybels, Rick Warren, Ulrich Eggers, dem Allianzblatt „Eins“).

2. Der Weg der biblischen Gemeinde angesichts der endzeitlichen Ökumene-Bestrebungen:

Für die wahre Gemeinde sind die verführerischen Einheitsbestrebungen der Ökumene eine ernste Gefahr, aber auch eine Herausforderung zur Treue und zum mutigen Bekenntnis für den wahren Herrn Jesus Christus und Seine Wahrheit, die eben nicht alle eint, sondern die trennt zwischen echten und falschen Christen, zwischen bloßen Bekennern und wiedergeborenen Kindern Gottes. Die wahren Gläubigen wissen um die biblische Einheit, die ihnen gegeben ist und die sie zu bewahren suchen. Diese Einheit besteht allein und ausschließlich unter echten Kindern Gottes. Für die Verwirklichung dieser echten Einheit zu beten und zu arbeiten sollte das Anliegen jedes Gläubigen sein.

a) Wir sollten die biblische Einheit unter wahren Gläubigen bewahren und stärken:

Die biblische Einheit unter den echten Gläubigen hat zwei Seiten, die wir sorgfältig auseinanderhalten müssen, damit wir nicht verführt werden.

1. Die objektive Einheit in Christus:

Alle wiedergeborenen Gläubigen sind ihrer Stellung nach eins in Christus (Gal 3,28). Diese Einheit ist von Gott gewirkt; sie ist unsichtbar und bezieht sich auf die Stellung der Gemeinde vor Gott. Diese Einheit ist vollkommen, im Gegensatz zu jeder Form von praktischer Einheit unter Gotteskindern hier auf Erden, die immer unvollkommen ist.

Diese objektive Einheit ist auch nicht zerstörbar, sie kann nicht beeinträchtigt werden durch das Versagen der Menschen. Von dieser vollkommenen Einheit, nicht von irgendeiner irdischen Einheitsbestrebung von Christen, redet der Herr Jesus in Johannes Kapitel 17.

Das sollte jedem Bibelleser deutlich sein, wenn der Herr diese Einheit so beschreibt: Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst.  (Joh 17,20-23)

Wenn wir uns vor Augen führen, daß unsere Einheit untereinander von dem Herrn als von derselben Qualität beschrieben wird, wie die geheimnisvolle, vollkommene Einheit des Vaters und des Sohnes, dann wird rasch klar, daß eine solche vollkommene Einheit erst praktisch verwirklicht werden kann, wenn die Gläubigen völlig vom Fleisch los sind, d. h. nach ihrer Verherrlichung und Vereinigung mit Christus. Wenn dann Christus mit Seiner Gemeinde in Herrlichkeit auf der Erde offenbar wird, dann wird die Welt Christus und seine Heiligen erkennen, die heute verachtet und verkannt sind. Heute aber ist diese vollkommene Einheit nur im Geist und in Christus vorhanden, noch nicht sichtbar auf Erden. Diese objektive, vollendete geistliche Einheit der Kinder Gottes wird in der Schrift auch beschrieben als die Einheit des Leibes des Christus, dem alle wiedergeborenen Gläubigen angehören (1Kor 12, 13; Röm 12,5).

Der Leib ist eins durch das Wirken des Geistes Gottes (deshalb wird auch von der „Einheit des Geistes“ gesprochen – Eph 4,3), und niemand kann diese Einheit des Leibes beeinträchtigen, so wie sie auch niemand „herstellen“ oder „heilen“ kann. Zu dem Leib des Christus gehört weder die katholische Kirche noch irgendeine der abgefallenen protestantischen Kirchen, die sich in der Ökumene „vereinen“ wollen. Wir möchten es nochmals betonen: Die vollkommene Einheit der Gemeinde wird erst vor der Welt offenbar, wenn die Gemeinde verherrlicht mit Christus auf die Erde zurückkommt. Dann wird diese vorher unsichtbare, geistgewirkte Einheit vollkommen sein, nicht mehr durch das Wirken des Fleisches getrübt. Dann erst wird die Welt auch glauben – nicht in der heutigen Heilszeit, wo die Welt Christus verworfen hat und nur eine Auswahl errettet wird. Jeder Versuch, diese vollkommene Einheit heute äußerlich und mit menschlichen Mitteln herzustellen, ist trügerisch, anmaßend und zum Scheitern verurteilt.

2. Die praktische Einheit unter den wahren Gläubigen:

Diese Einheit ist relativ und unvollkommen und in der Praxis eingeschränkt durch die Wirkung des Fleisches. Der Geist Gottes führt alle wahren Gläubigen zu einer Einheit der Gesinnung, des Glaubens und Dienens auf der Grundlage der Wahrheit und Lehre des Wortes Gottes. Das Fleisch und die Einflüsse der Verführung, Erkenntnisunterschiede und Traditionsprägungen sind jedoch Quellen der Uneinigkeit, die erst überwunden sein werden, wenn die Gemeinde verherrlicht ist. Deshalb können auch Trennungen und Parteiungen in der heutigen Zeit nicht durch menschliches Bemühen vermieden oder überwunden werden; sie sind von Gott zugelassen (1Kor 11,19), wenn auch nicht von Gott gewollt.

Die praktische Einheit zu verwirklichen bedeutet:  So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, daß ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen. (Eph 4,1-6)

Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. (Eph 4,11-15)

Auch das ist hier in dieser Welt nur annäherungsweise und nur unter geistlich reifen Gläubigen zu erreichen. Allerdings sollten alle Gläubige energisch danach streben und alles tun, um die bestehenden unbiblischen Trennungen zwischen echten Gläubigen abzubauen und die Einmütigkeit und liebevolle Gemeinschaft sowie auch das Zusammenwirken im Dienst für den Herrn zu fördern.

Hierbei geht es auch um die Einheit der Gesinnung, wie sie im Philipperbrief beschrieben wird: Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, damit ich, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, daß ihr fest steht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums und euch in keiner Weise einschüchtern laßt von den Widersachern, was für sie ein Anzeichen des Verderbens, für euch aber der Errettung ist, und zwar von Gott. Gibt es nun Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen, so macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und auf das Eine bedacht seid. (Phil 1,27-28; 2,1-2)

Ich ermahne Euodia und ich ermahne Syntyche, eines Sinnes zu sein im Herrn. (Phil 4,2)

Schließlich geht es um die Einheit eines liebevollen, versöhnten Zusammenlebens unter den wiedergeborenen Gläubigen (vgl. Eph 4,32-5,2; Kol 3,12-15). Eine solche Einheit kann nur auf der Grundlage der biblischen Wahrheit angestrebt werden. Gegenüber allen, die falsche Lehre annehmen und verbreiten, gilt das klare biblische Gebot der Absonderung (vgl. auch 1Tim 6,5; 2Tim 3,5): Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Gebt acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse bewirken im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, und meidet sie! Denn solche dienen nicht unserem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durchwohlklingende Reden und schöne Worte verführen sie die Herzen der Arglosen. Denn euer Gehorsam ist überall bekanntgeworden. Darum freue ich mich euretwegen, möchte aber, daß ihr weise seid zum Guten und unvermischt bleibt mit dem Bösen. (Röm 16,17-19)

b) Wir sollten die unbiblische Einheit der Ökumene durchschauen und ablehnen:

Für die wahren Gläubigen ist es in der heutigen Zeit besonders wichtig, daß sie die irreführenden Anwendungen von kostbaren Aussagen der Bibel auf die falsche ökumenische Einheit durchschauen und ablehnen. Die heutigen Befürworter der großen ökumenischen Vermischung berufen sich gerne auf das Gebot der Liebe unter Gläubigen, wie es unser Herr uns gegeben hat (vgl. Joh 13,34; Joh 15,12; 1Joh 4,7-21). Doch wir wollen festhalten, daß sich dieses Gebot nur auf die wahren, aus dem Geist Gottes geborenen Gotteskinder bezieht und niemals auf Namenschristen, die nie dem biblischen Evangelium geglaubt haben. Solche nicht wiedergeborenen Scheinchristen zu „lieben“, indem man sich mit ihnen eins macht, bedeutet einen zweifachen Verstoß gegen die echte, biblische Liebe: * Zum einen ist es Lieblosigkeit gegen diese Scheinchristen selbst, denen man vormacht, sie seien gerettet, während sie in Wahrheit verlorengehen, wenn sie nicht Buße tun und das wahre, biblische Evangelium von Jesus Christus annehmen.

Sie zu lieben bedeutet, sie liebevoll zu warnen und ihnen den Weg zu wahrer Errettung zu bezeugen. Gerade daran wollen uns jedoch die Befürworter der ökumenischen „Einheit“ hindern! * Zum anderen wäre eine solche falsche „Liebe“ ein Verstoß gegen die Liebe zu unserem Herrn und Heiland, der uns mit Seinem Blut erkauft hat. Ihn zu lieben bedeutet an Seinem Wort unbeirrbar festzuhalten, die Schmach der Absonderung und die Feindschaft der Welt (auch der religiösen Welt) standhaft zu ertragen und das Böse zu hassen. Wie können wir den Herrn lieben, wenn wir uns mit denen eins machen, die Ihn verworfen haben und Seine Wahrheit verachten? Das zweite große Verführungsargument der Ökumeniker liegt in der mißbräuchlichen Berufung auf das Wort unseres Herrn von der Einheit aus Johannes Kap. 17.

Wir haben schon unter Punkt a) gesehen, daß diese vollkommene Einheit, von der der Herr spricht, durch das Wirken des Geistes unsichtbar schon besteht – aber nur zwischen allen wahren, wiedergeborenen Gläubigen. In diesem Sinn kann kein Mensch etwas für diese Einheit tun, sie fördern oder bewirken – sie ist längst von Gott gewirkt und Realität im geistlichen Sinn. Diese geistgewirkte Einheit schließt aber alle Irrlehrer und Verführer, alle falschen Propheten und Apostel aus, die nach dem Zeugnis der Schrift nicht wiedergeboren, sondern Werkzeuge des Widersachers sind (vgl. u. a. Mt 7,15-23; 2Kor 11,13-15; Röm 16,17-18; Gal 5,7-12; Phil 3,18-19; Kol 2,16-19; 2Th 2,9-12; 1Tim 6,3-5; 2Tim 3,1-13; 2Pt 2,1-22; 1Joh 2,19-26; 1Joh 4,1-6; 2Joh 7-10; Judas 4-19).

Damit sind auch alle Päpste und Patriarchen, Kardinäle und katholische sowie liberal-protestantische Bischöfe, alle bibelkritischen Theologieprofessoren und charismatischen Falschpropheten, und damit auch alle Führer der ökumenischen Bewegung ausgeschlossen! Die wahre, geistgewirkte Einheit der Gläubigen schließt auch alle Namenschristen aus, die nie das biblische Evangelium angenommen haben und sich nie zu dem biblischen Herrn Jesus Christus bekehrt haben. Nicht das äußerliche Bekenntnis zu irgendeinem „Jesus“ oder „Christus“ zählt hier – die Bibel selbst warnt uns ja, daß es in der letzten Zeit viele falsche „Jesus“ gestalten und Christusse geben wird! – sondern allein der echte Glaube an den wahren Herrn Jesus Christus, so wie ihn uns das Wort der Heiligen Schrift offenbart. Und dazu gehören auch die Maßstäbe für echte Christen, wie sie uns die Schrift gibt (vgl. u. a. Röm 8,5-9; 1Kor 6,9-10; 2Kor 4,3-6; Gal 3,10; Eph 5,1-14; 1Joh 2,3-6; 1Joh 3,1-10; 1Joh 5,10-13).

Wenn wir die Maßstäbe der Bibel anlegen, dann erkennen wir die Einheitsbestrebungen der Ökumene als unbiblisch und betrügerisch. Wir erkennen, daß sie im Grunde die biblisch gebotene Einheit unter den Gläubigen beeinträchtigen und dem wirklichen Sinn der Gebote und Gebete des Herrn zuwiderlaufen. Diese falsche Einheit anzustreben bedeutet im Grunde, unseren Herrn und Sein Wort zu verraten und den Abfall von Ihm zu fördern. Deshalb können wir als Gläubige, die dem Herrn und seinem Wort wirklich treu sein wollen, jede solche unbiblische Einheit nur entschieden verwerfen und dürfen nichts mit den ökumenischen Bestrebungen zu tun haben.

c) Wir sollten entschlossen festhalten am Wort der Wahrheit:

Ein wichtiger Überlebensgrundsatz für die wahre Gemeinde in dieser Zeit ist das unbedingte, unbeirrte, entschlossene Festhalten am Wort Gottes, an der Heiligen Schrift und ihrer gesunden Lehre. Allein das Wort Gottes kann den wahren Gläubigen in dieser an Verführungen reichen Zeit noch klare Orientierung und Wegweisung geben. Dieses irrtumslose, inspirierte Wort zu verteidigen, zu studieren und im Glaubensgehorsam auszuleben ist wesentlich für die Gemeinde der Endzeit.

Der erhöhte Herr lobt die Gemeinde von Philadelphia, die ein prophetisches Bild für den treuen Überrest der Gläubigen in der Endzeit ist, gerade deshalb: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben, und niemand kann sie schließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Weil du das Wort vom standhaften Ausharren auf mich bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, damit die versucht werden, die auf der Erde wohnen. (Offb 3,8+10)

Gerade angesichts zunehmender Verführungen in der Endzeit, die in Zukunft sicherlich auch mit Verfolgung einhergehen werden, ist es so wichtig, daß wir ganz bewußt den Weg der Treue erwählen und uns gegenseitig zur Treue und Liebe unserem Herrn gegenüber anspornen. Wir brauchen die „Einfalt Christus gegenüber“ (2Kor 11,3), um all den raffinierten Argumenten der Verführer standzuhalten, die von der pseudowissenschaftlichen „Bibelkritik“ bis hin zu emotionalen Aufrufen zu einer falschen Einheit und schwärmerischen Visionen und Ekstaseerlebnissen alle Register ziehen, um die Heiligen und Auserwählten zu verführen.

d) Wir sollten die Absonderung von allem Widergöttlichen als ein Lebensgesetz der wahren Gemeinde beachten und praktizieren:

Wie muß die Stellung der wahren Gläubigen zu den Ökumenebestrebungen aussehen? Die Antwort finden wir in einer grundlegenden Aussage des Apostels Paulus, die von großer Wichtigkeit für jeden Gläubigen und jede biblische Gemeinde ist: Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. (2Kor 6,14-18)

Hier ist ein göttlicher Grundsatz ausgesprochen, der die Voraussetzung für das geistliche Überleben der wahren Gemeinde Gottes ist. Die wahre Gemeinde kann nur dann in der Endzeit geistlich bestehen, wenn sie sich konsequent und klar trennt von der Hure, von der heidnischen Namenschristenheit, von Irrlehre und gefälschtem Christentum, wie es heute überhandnimmt. Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! (Offb 18,4)

Die Gemeinde steht hier in einem geistlichen Kampf auf Leben und Tod, der von dem Fürsten dieser Welt mit allen Waffen seiner List geführt wird, und in dem wir die ganze Waffenrüstung Gottes brauchen, um überleben zu können. Das Ziel des Teufels ist es, die keusche Jungfrau, die Braut zu verderben und in die geistliche Hurerei der großen Hure Babylon mit hineinzuziehen (vgl. 2Kor 11,2-3).

Die wahre Gemeinde hat eine herrliche Berufung und einen überaus wichtigen Auftrag von Gott empfangen. Sie ist das Licht der Welt mitten in schlimmster Finsternis, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit in dieser von Lügenfluten überschwemmten Welt, der einzige Herold des wahren Evangeliums der Gnade Gottes in Christus, das heilige Priestertum, das inmitten der Scharen von blinden Götzendienern den wahren Gott anbetet und Ihm dient; die reine Braut, die ihrem himmlischen Bräutigam erwartet und sich in der Hoffnung auf Ihn von der Welt unbefleckt erhält.

All dies und noch viel mehr steht auf dem Spiel, wenn es dem Verderber und Verführer gelingt, die Gemeinde in die Irrlehren und Greuelsünden der Ökumene zu verstricken. Die wahre Gemeinde, bzw. der treue Überrest der Gläubigen, der die Berufung der wahren Gemeinde noch ernst nimmt, muß deshalb alles daransetzen, sich klar und vollständig von den verführerischen Irrströmungen dieser letzten Zeit abzusondern. Dazu gehören neben der Ökumene vor allem auch die falschprophetische Pfingst- und Charismatische Bewegung sowie die Bibelkritik in jeder Form und Spielart. Alle diese verführerischen Strömungen verderben die Gemeinde und ziehen sie in den großen Strom der babylonischen Hurerei mit hinein (vgl. dazu meine Schrift „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde!“ Die Bedeutung des geistlichen Wächterdienstes für die endzeitliche Gemeinde). Gerade diesen Strömungen haben wichtige Führer der evangelikalen Christenheit in den letzten Jahren Tür und Tor geöffnet! Die wahren Gläubigen, die dem Herrn konsequent nachfolgen wollen, können auch nicht in solchen vermischten und verführten „evangelikalen“ Kreisen bleiben; das Gebot der Absonderung von allem Sauerteig des Bösen führt sie außerhalb des „evangelikalen“ Lagers in biblischen Gemeinden und Hausversammlungen zusammen.

3. Die Wichtigkeit unabhängiger biblischer Gemeinden und Hausversammlungen heute:

Zu den überlebenswichtigen Grundsätzen für die wahre Gemeinde in der Endzeit gehört die Sammlung der treuen Gläubigen in biblischen örtlichen Gemeinden und Hausversammlungen, die unabhängig von jeder Verstrickung in die Ökumene sind und die biblische Lehre des NT klar festhalten und praktizieren. Es wird zunehmend zu einer geistlichen Gefahr für treue Gläubige, wenn sie in den immer weltförmiger und verderbter werdenden evangelikalen Gemeinden bleiben, die sich für die Ökumene, Charismatik und Bibelkritik öffnen. Im Hinblick auf die Vereinnahmung in die Hure Babylon gilt der ernste Aufruf Gottes im Buch der Offenbarung: Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden reichen bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht. (Offb 18,4-5)

In dieser Stunde gilt es, vor Gott heilige Entschlüsse zu treffen und im Glaubensgehorsam wirklich den Weg der Absonderung auch praktisch zu gehen. Das bedeutet, hinauszugehen aus allen Gemeinden und Kirchengebilden, die Irrlehre dulden oder gar fördern, die der charismatischen und ökumenischen Verführung Raum gewähren oder gar direkt in die Ökumene einbezogen sind (z. B. Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ - ACK).

Aber der feste Grund Gottes bleibt bestehen und trägt dieses Siegel: Der Jahwe kennt die Seinen! und: Jeder, der den Namen des Christus nennt, wende sich ab von der Ungerechtigkeit! In einem großen Haus gibt es aber nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und zwar die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von solchen reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich, zu jedem guten Werk zubereitet. So fliehe nun die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen! (2.Timotheus 2,19-22)

Das gilt ganz besonders für die wahren Gläubigen, die trotz vieler Bedenken immer noch in den protestantischen Volkskirchen ausharren, weil sie von den Führern der Gemeinschaftsbewegung und anderen verleitet wurden, Gottes klar geoffenbarten Willen in bezug auf biblische Gemeinde zu ignorieren und das ungleiche Joch mit Ungläubigen, Irrlehrern und Gottlosen auf sich zu nehmen. Es gilt aber zunehmend auch für Gläubige aus früher klar bibeltreuen freien Gemeinden, die sich vielfach immer mehr dem modernistischen ökumenisch- charismatischen Verführungskurs annähern.

Die Absonderung von Babylon in allen seinen Ausfächerungen muß begleitet sein von einer treuen, opferbereiten Mitarbeit an dem wichtigen Werk des Aufbaus und der Stärkung konsequent biblischer freier Gemeinden, die sich nicht in menschliche Dachorganisationen und Kirchen verstricken lassen, sondern nach dem apostolischen Muster des NT allein dem Herrn und Seinem Wort verpflichtet sind. Wir brauchen ganz dringend solche Gemeinden – und wenn sie auch vielleicht zunehmend nur noch den elementaren Charakter kleinerer Hausversammlungen tragen, weil die Schar der treuen Gläubigen vielerorts nur klein ist oder auch zukünftige Verfolgung heutige Gemeindeformen nicht mehr zuläßt. Wir brauchen die Gemeinschaft und Ermutigung von solchen teuren Kindern Gottes, die den Jachweh aus reinem Herzen anrufen, und der treue Herr will sie uns auch schenken. Laßt uns viel und ernstlich für die Entstehung solcher Gemeinden beten, besonders auch, daß der Herr noch viele klarstehende, treue, opferbereite Brüder als Hirten und Verkündiger in solchen Gemeinden beruft und ausrüstet! Laßt uns selbst dem Herrn vertrauen, daß Er auch uns gebrauchen möchte, solche Gemeinden zu unterstützen, je nach der Gnadengabe, die wir von Ihm empfangen haben!

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Lloyd-Jones, Martyn: Das Fundament der christlichen Einheit. Eine Auslegung von Johannes 17 und Epheser 4 [Auszüge als Sonderdruck] Waldbronn (Bibelbund) [1986]

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Urban, Michael: Ökumene – Zeichen der Endzeit? Eine Bestandsaufnahme unter Bezug auf das prophetische Wort. Pfäffikon (Verlag Mitternachtsruf) 2004

Wagner, Rainer: Alle in einem Boot. Ökumene – und der Preis der Einheit. Bielefeld (Christliche Literaturverbreitung) 2000

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Rudolf Ebertshäuser 1. Auflage 2007

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