Wir werden von Gott belehrt sein

Die Heilige Schrift – Gottes vollkommene Offenbarung

Rudolf Ebertshäuser

Der Name Jachweh wird in Deutsch wiedergegeben, auf Hebräisch heißt er: Zidkenu.

Überarbeiteter Text, April 2017

Ich zitiere die Schlachter Version 2000, Hervorhebungen in fetter Schrift sind von Textautoren.

Gott der Herr sagt in seinem Wort, das wir von Ihm belehrt werden, wie es geschrieben steht in 1. Johannes 2,27: Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, daß euch jemand lehrt; sondern so, wie euch die Salbung selbst über alles belehrt, ist es wahr und keine Lüge; und so wie sie euch belehrt hat, werdet ihr in ihm bleiben. (vgl. Joh 14,26; Kol 2,6-7; 1Kor 2,12; 1Joh 2,20)

 

Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wißt alles. Ich habe euch nicht geschrieben, als ob ihr die Wahrheit nicht kennen würdet, sondern weil ihr sie kennt und weil keine Lüge aus der Wahrheit ist. (1.Johannes 2,20-21)

Das Wort Salbung = Heiliger Geist: Andere Übersetzung: versteht alles / könnt alle Dinge erkennen; dasselbe Wort wird im V. 21 zweimal mit »kennen« übersetzt.

1. Die Heilige Schrift – Gottes vollkommene Offenbarung

Von unserem richtigen Verständnis und unserer rechten Herzensstellung zu Gottes Wort hängt in einem gewissen Sinn unser ganzes geistliches Leben ab. Daran entscheidet sich, ob wir in eine echte, tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn kommen und Ihm fruchtbar dienen können, oder ob wir auf falsche, gefährliche Abwege kommen und in Verführung und fruchtlosem Eigenleben fern vom Herrn umherirren.

Wir wollen in dieser Schrift nicht irgendwelche klug erdachten Menschengedanken oder "Theologien" über die Bibel verfolgen, sondern das betrachten und zu verstehen suchen, was das Wort Gottes über sich selbst aussagt.

Weshalb gab uns Gott die Bibel? Was ist das Ziel der Heiligen Schrift? Die erste Antwort auf diese Frage, die die Schrift uns selbst gibt, ist, daß die Menschen durch den Sündenfall so von Gott getrennt und in ihrem Herzen und Verstand verfinstert wurden (Röm 1,18-32; Eph 4,17-18), daß sie von sich aus weder Gott selbst noch Seinen Willen für uns Menschen richtig und vollständig erkennen können (1Kor 2,9-16).

Der Mensch ist darauf angewiesen, daß Gott ihm sich selbst und Seinen Willen, Seine Gedanken offenbart, d.h. von sich aus die Hülle wegzieht, durch die alles Göttliche dem sündigen Menschen verhüllt ist.

Der zweite Grund ist der, daß Gott in Seiner unendlichen Liebe und Gnade die sündige, von Ihm abgefallene und Ihm feindlich gegenüberstehende Menschheit nicht verwerfen und dem wohlverdienten Verderben überlassen wollte, sondern Er wollte sie zur Umkehr rufen und in die verlorengegangene Gemeinschaft mit Ihm, dem lebendigen Gott und Schöpfer, zurückführen.

Deshalb ließ Er göttliche Erkenntnisse über sich selbst, über die sündige Menschheit, über Sein Heilshandeln und insbesondere über den einen Retter und Herrn Jesus Christus der Welt niederschreiben, den Er gesandt hat: Jesus Christus, den Sohn Gottes.

So ist mit Recht immer wieder festgestellt worden, daß die ganze Heilige Schrift ein Grundthema hat, eine Mitte, ein Ziel, und das ist der Herr Jesus Christus. In IHM, durch den die ganze Welt und alle Geschöpfe geschaffen wurden, um dessentwillen Gott das ganze All und besonders alle Menschen schuf, und der von Gott, dem Vater, zum Oberhaupt, zum Herrscher und Erhalter der ganzen Welt eingesetzt ist, laufen alle Linien der Heiligen Schrift zusammen. Ja, die Bibel offenbart uns, daß Er, der ewige Sohn, zugleich DAS WORT GOTTES ist, der umfassende Ausdruck, die vollkommene Wesensäußerung und Offenbarung des unsichtbaren Gottes.

Zugleich ist Er in Seiner Person die Tür, der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Heiligen Schrift. Gott hat uns Jesus Christus selbst zur Weisheit gemacht (1Kor 1,30), und ohne den Glauben an Ihn, ohne Seine Innewohnung in unserem Herzen können wir die Schrift letztlich nicht verstehen. Denn die Wahrheiten der Schrift sind geistlicher, himmlischer, göttlicher Natur. Erst wenn wir durch Umkehr und Glauben an Jesus Christus Seinen Heiligen Geist empfangen haben, bekommen wir das göttliche Licht, das uns zu wahrer Erkenntnis der Selbstoffenbarung Gottes führt (1. Korinther Kap. 2,1-16).

Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. (1.Johannes 5,20; vgl. Lk 24,45; 1Kor 2,12; Phil 3,10; Kol 2,2)

Gottes Wort weist uns zuerst zur Umkehr und zum Glauben an den Herrn Jesus Christus, und wer diesen Schritt nicht tut, empfängt keine echte Erkenntnis des Wortes, auch wenn er noch so viel äußeres Wissen über die Bibel aufhäufen mag.

Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift zielt letztlich immer auf unser Herz, auf unsere innerste Grundhaltung dem ewigen, heiligen Gott gegenüber. Sie zielt darauf, uns zu Christus hinzuführen, der die Quelle des ewigen, göttlichen Lebens ist, der Friede, den Gott den sündigen, friedlosen Menschen anbietet. Sie zielt darauf, uns mit Gott zu versöhnen durch das vollkommene Sühnopfer, das Jesus Christus am Kreuz darbrachte, indem Er alle Schuld der Menschen auf sich nahm und die gerechte Strafe trug. Das Wort will in den Menschen, die es hören und lesen, Glauben und Gehorsam und damit Errettung und Wiedergeburt wirken.

In den Gläubigen, die es von Herzen angenommen haben, wirkt es beständig weiter zu immer tieferer Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, zur Reinigung, Heiligung und Umgestaltung in das Bild des Christus, damit wir Gläubigen die Gesinnung unseres Herrn empfangen und in unserem ganzen Leben IHN offenbaren können.

Das Wort Gottes ist kein "toter Buchstabe", sondern es ist Geist und Leben (Joh 6,63; 5Mo 32,47). Es ist lebendig und kräftig und wirkt an unserem Herzen, schärfer als ein zweischneidiges Schwert (Hebr 4,12). Es ist eine Kraft Gottes zur Errettung (Röm 1,16; 1Kor 1,18). Es ist vollkommen (Ps 19,8), rein und geläutert (Ps 12,7). Es ist reine, lichte Wahrheit (2Sam 7,28; Joh 17,17), es ist das göttliche Wort der Wahrheit (Eph 1,13).

Himmel und Erde werden vergehen, aber das Wort Gottes bleibt ewiglich bestehen (1Petr 1,25).

Auf ewig, o Jachweh, steht dein Wort fest in den Himmeln; deine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht! Du hast die Erde gegründet, und sie steht; nach deinen Bestimmungen stehen sie noch heute; denn alles muß dir dienen! (Psalm 119,89-91)

Durch dieses Wort sind die Welten gemacht worden (Hebr 11,3); dieses Wort bestimmt letztlich den Lauf der Weltgeschichte, denn Gott wacht darüber, es auszuführen (2Petr 3,5-7; Jer 1,12), bis alles geschehen ist, was in ihm niedergeschrieben wurde (Mt 5,18).

2. Die Heilige Schrift als das Wort Gottes, das Er aus Seinem Mund gesprochen hat und so steht es geschrieben.

Wohl die allermeisten Gläubigen werden sofort zustimmen, daß die Bibel das Wort Gottes ist. Aber zu wenige Gläubige machen sich bewußt, was dies in der Konsequenz bedeutet, und diese Oberflächlichkeit und Verunsicherung macht sich der Feind für seine Verführung zunutze. Es ist daher wichtig, sich einige grundlegende Punkte vor Augen zu halten:

a) Die Heilige Schrift ist Gottes vollkommene und vollständige Selbstoffenbarung

In den 66 Büchern der Bibel hat Gott all das geoffenbart, was Er uns offenbaren wollte. Selbstverständlich enthält die Schrift nur einen Bruchteil aller Erkenntnis über Gott und Sein Handeln – aber sie enthält alles, was Gott in Seiner Weisheit uns wissen lassen wollte! Das, was uns Gott in ihr gegeben hat, ist völlig genügend, um zu bewirken, dass:

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. (2Tim 3,16-17)

Mehr wissen zu wollen, als Gott uns wissen lassen wollte, und sich nach neuen, fremdartigen "Offenbarungen" auszustrecken, die nicht in der Schrift enthalten sind, ist gefährlicher Hochmut und Vermessenheit Gott gegenüber. Nicht umsonst hat Gott an das Ende des letzten Buches Seiner inspirierten Selbstoffenbarung die Warnung gesetzt:

Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.  (Offb 22,18-19)

b) Die Heilige Schrift ist in ihrer Gesamtheit das Wort Gottes an uns Menschen.

Die Bibel enthält nicht nur Gottes Wort, wie manche behaupten, sondern sie ist Gottes Wort.

Alle Schrift ist von Gott eingegeben [gr. theopneustos = gottgehaucht, inspiriert, von Gott durch Seinen Geist gewirkt] (2Tim 3,16).

Wenn wir die Schrift lesen und erforschen, so weist uns das Wort selbst an, sollen wir uns zuallererst darüber klar sein:

Daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben [od. geführt, geleitet, bewirkt; gr. pherò] haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2Petr 1,20-21)

Heute wird diese Lehre von der "Verbalinspiration", der wörtlichen Eingebung der gesamten Heiligen Schrift, von vielen Theologen angefochten (zunehmend auch von solchen, die sich "evangelikal" und

"bibeltreu" nennen), doch für jeden gläubigen Bibelleser zählen nicht Menschenmeinungen und Menschenweisheit, sondern das Zeugnis der Schrift selbst.

Wenn Gott mehrfach bezeugt, daß Er Seine Worte in den Mund der Propheten, d.h. der heiligen Sprecher Gottes legte (vgl. u. a. Jer 1,9; 2Sam 23,2; 2Chr 36,21), die das Wort Gottes verkünden und niederschreiben sollen, dann dürfen wir glauben, daß es genauso ist. Wenn die Schrift uns bezeugt, dass Mose alle Worte dieses Gesetzes auf einen Stein schreiben sollte (5Mo 27,3; vgl. Jer 30,2), daß er die Worte des Gesetzes vollständig (w. bis zu ihrer Vollständigkeit) in ein Buch schrieb (5Mo 31,24), dann enthält diese Schrift nichts anderes als die vollständige Offenbarung Gottes an Mose.

Die Ehrfurcht vor dem heiligen Wort der Gottesoffenbarung wird bestärkt, wenn wir uns die Haltung unseres Herrn Jesus Christus zur Heiligen Schrift des AT vor Augen halten. Nicht nur bestätigt Er mehrfach, daß es Gott war, der durch Mose, Jesaja und andere Werkzeuge geredet hat, und führt Schriftstellen als Gottes Wort an, sondern Er bestätigt auch, daß die Schrift bis aufs Wort, ja bis auf ein Jota inspiriert und gültig ist:

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. (Mt 5,18)

Wenn wir mehrfach in der Schrift ermahnt werden, von ihren Worten nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen, das bezieht sich vornehmlich auf Bibeln und Bibelverse die durch Menschen verfälscht wurden und werden. Dann muß die Schrift in ihrem Umfang bis aufs Wort von Gott eingegeben sein (vgl. 5Mo 4,2; Offb 22,18-19).

Die Bibel ist also vollständig und vollkommen Gottes Wort und nicht zugleich auch Menschenwort, wie heute manche ins Gewand falscher "Demut" gekleidete evangelikale Theologen behaupten. Sie hat keine Fehler und Irrtümer an sich, sondern die Fehler und Irrtümer liegen auf der Seite ihrer Kritiker, die ihren eigenen Verstand höher einstufen als das Offenbarungswort Gottes. Die Bibel ist in allem irrtumslos und frei von menschlichen Beimischungen. Daß es Stellen in ihr gibt, an denen der begrenzte menschliche Verstand Mühe hat, dies nachzuvollziehen, ist von Gott zugelassen, damit Er die Herzen prüfen kann, wie sie zu Ihm und Seinem Wort stehen – ob sie sich wirklich unter das Wort beugen oder sich darüber erheben.

Die göttliche Inspiration der Schrift in den Originalhandschriften wird ergänzt durch die göttliche Bewahrung des Wortes in getreuen Abschriften durch alle Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte (vgl. Ps 12,7-8; Ps 119,52; Mt 24,35; 1Petr 1,21). Gott hat dafür gesorgt, daß Sein Wort vollständig und unverfälscht überliefert und bewahrt wurde, so daß wir es heute als Gottes Wort lesen dürfen. (Zu dieser Frage vgl. die Schrift des Verfassers: "Der überlieferte Text des Neuen Testaments und die heutigen Bibelübersetzungen".)

c) Die Heilige Schrift ist Offenbarung Gottes an die Menschen, nicht Verhüllung.

Der Sinn der Worte, die Gott zu den Menschen redet, ist zwar dem Nichtwiedergeborenen im wesentlichen verborgen und unverständlich; einem wiedergeborenen Gläubigen jedoch, der durch den Heiligen Geist gelehrt ist, ist der Sinn der Worte Gottes im wesentlichen klar und offenbar.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß je ein Gläubiger die Bedeutung dieser herrlichen, reichen Offenbarung völlig erkennen oder ausschöpfen könnte. Es wird auch immer ein geistliches Wachsen in der Schrifterkenntnis geben; immer wieder erschließen sich dem gottesfürchtigen Gläubigen, der eifrig in der Schrift forscht, neue Dimensionen des Verständnisses. Und doch gilt das Selbstzeugnis der Schrift aus Spr 8,8-9:

Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Verdrehtes darin. Den Verständigen sind sie alle klar, und wer Erkenntnis sucht, findet sie richtig. (Spr 8,8-9)

Mit anderen Worten: Gott meint, was Er in Seinem Wort sagt. Es gibt nicht, wie in den Schriften der dämonischen Religionen, irgendwelche "verborgenen", okkulten Bedeutungen, die nur dem "Eingeweihten", "Erleuchteten" bekannt wären. Dort, wo das Wort Gottes in Bildern und übertragenen Bedeutungen redet, ist dies in der Regel ohne weiteres erkennbar. Für solche Symbole oder typische (vorbildhafte) Bedeutungen liefert die Schrift selbst in der Regel die Auslegung.

Es ist unzweifelhaft so, daß der Heilige Geist Gläubigen bestimmte Erkenntnisse der Schrift besonders beleuchten und tiefer klar machen kann und will (vgl. Ps 119,130; Eph 1,17-19) – aber die Schrift lässt keine Umdeutung durch "Offenbarungserkenntnisse" zu, die ihr willkürlich einen anderen Sinn unterschieben und durch betrügerisches Geisterwirken zustandegekommen sind (1Tim 4,1). Dagegen gilt die Grundregel "Schrift muß durch Schrift ausgelegt werden", d. h. die verschiedenen Offenbarungen Gottes über einen Gegenstand ergänzen und erschließen sich gegenseitig zu einem vollständigen, klaren Bild.

Dort aber, wo Gott sich auf Andeutungen und Bruchstücke der Erkenntnis beschränkt, muß der verantwortliche Ausleger der Schrift sich von willkürlichen und selbsterdachten Schlußfolgerungen zurückhalten und das Geheimnis sein lassen, was nach Gottes Willen Geheimnis bleiben soll.

d) Die Heilige Schrift ist eine fortschreitende Offenbarung, die ihre Krönung und Vollendung in Christus und der Lehre des Christus findet.

Auch wenn alle Schrift von Gott eingegeben und Wort Gottes ist, so erkennen wir doch ein klares Fortschreiten, eine planmäßige Entwicklung in Gottes Offenbarung von sich selbst und Seinem Heilshandeln. Im Fortschreiten der Heilsgeschichte enthüllte Gott immer mehr von Seinem Wesen und von Seinem göttlichen Heilsplan. Das Wort Gottes selbst zeigt uns, daß es in diesem Fortschreiten einen entscheidenden Wende- und Zielpunkt gibt: Jesus Christus.

Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräerbrief 1,1-3)

Wir dürfen also die Heilige Schrift in gewisser Weise einteilen in eine vorbereitende, teilweise, in vielem noch andeutende, vorbildhaft ausgedrückte Offenbarung in den Propheten des Alten Testaments und in die erfüllende, tiefer enthüllende, klare Volloffenbarung in Christus – das Neue Testament. Diese Volloffenbarung in Seinem Sohn ist der Abschluß von Gottes Offenbarungshandeln, bis dieses Zeitalter beendet ist und Jesus Christus wiederkommt, um das Zeitalter des Tausendjährigen Reiches einzuleiten. Unser Herr Jesus Christus ist selbst die vollkommene Offenbarung Gottes –

Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater?  (Joh 14,9)

Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. (Kol 1,15)

Darüber hinaus ist das Wort des Christus, die "Lehre des Christus" (2Joh 9) die Vervollkommnung und Vervollständigung dessen, was Gott uns über sich und Seinen Heilsplan mitteilen wollte. Dieses Wort des Christus ist jedoch selbst noch einmal in zwei Abschnitte der Offenbarung des Christus eingeteilt.

In der Zeit Seines irdischen Wirkens konnte der Herr Jesus Christus den Juden und selbst Seinen Jüngern nicht alles mitteilen, was Er ihnen offenbaren wollte, denn sie hatten noch nicht das geistliche Verständnis dafür (Wiedergeburt). Deshalb kündigt Er ihnen an, daß sie die vollständige Christusoffenbarung erst nach dem Kommen des Heiligen Geistes empfangen würden:

Noch vieles hätte ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. (Joh 16,12-14; vgl. Joh 3,12)

So finden wir die vollständige Offenbarung des Geheimnisses der Gemeinde, die göttlichen Richtlinien für ihren Aufbau und ihren Dienst erst in den Lehrbriefen des NT. Auch die Erläuterung des Heilsratschlusses Gottes, die himmlische Stellung des Christus und Seiner Gemeinde nach der Auferstehung und Verherrlichung des Herrn finden wir erst in den Briefen geoffenbart. Hier setzt der Herr Jesus Christus durch Seine Apostel und Propheten die "Lehre des Christus" fort und vervollständigt auf höchster Ebene, was Er in Seiner Erdenzeit begonnen hatte.

Für die Gemeinde ist daher die Lehre der Apostel und Propheten die unmittelbar verbindliche Richtschnur des Handelns (vgl. Apg 2,42), so wie die Evangelien das Zeugnis von Jesus Christus als dem Sohn Gottes und Messias Israels geben und Sein vollkommenes Sühnopfer in Kreuzestod und Auferstehung bezeugen, während die Schriften des AT ihr als Vorbild zur Belehrung und Ermahnung dienen (vgl. 1Kor 10,1-13; Röm 15,4).

3. Unsere Herzenshaltung zum Wort Gottes

Weil die Heilige Schrift vom Anfang bis zum Ende das geoffenbarte Wort des lebendigen, allmächtigen Gottes ist, und weil Jesus Christus, unser Herr und Erlöser, DAS WORT GOTTES genannt wird, spiegelt unsere Einstellung, unsere innere Haltung zum Wort Gottes unsere Haltung zu Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus selbst wider.

Wenn wir wahrhaft Gott fürchten und lieben, wenn wir Ihn erkannt haben und uns Ihm ganz hingegeben haben, dann werden wir auch Seinem Wort in einer Haltung der Ehrfurcht, in demütiger Unterwerfung und Gehorsam begegnen. Wenn wir wissen, daß in diesem Buch der heilige Wille dessen, der uns errettet hat und dem wir uns ganz anvertraut und hingegeben haben, geoffenbart wird, dann werden wir Sein Wort bewahren, befolgen und ernstlich erforschen, um Seinen Willen zu erkennen und zu tun.

Unser Herr Jesus Christus hat mehrfach deutlich gemacht, daß es Ihm auf unsere Herzenshaltung zu Seinem Wort ankommt, und daß unser Gehorsam Seinem Wort gegenüber der Maßstab für unsere Liebe zu Ihm und für unsere Nachfolge ist. Jedem Gläubigen sollte die Frage des Herrn mahnend in Erinnerung bleiben:

Was nennt ihr mich aber »Herr, Herr« und tut nicht, was ich sage?  (Lk 6,46; vgl. Jak 1,22).

Wie klar und ernst sagt uns der Herr Jesus Christus:

Und daran erkennen wir, daß wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht; wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen geworden. Daran erkennen wir, daß wir in ihm sind. Wer sagt, daß er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist.  (Joh 14,23-24; vgl. 1Joh 2,3-6)

Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! (Joh 8,31-32)

Jesus ist die Wahrheit, und nur Er kann uns zur Wahrheit führen. Wie tut Er das? Indem wir in der Heiligen Schrift lesen und forschen.

Wenn unser Herz durch Verharren in Sünde, durch fleischliche Eigensucht und Rebellion gegen Gott verunreinigt und verhärtet ist, dann kann Gottes Wort nicht recht zu uns reden; wir werden geistlich kurzsichtig oder gar verblendet (vgl. 2Petr 1,9!). Dagegen ist Buße und die Bereitschaft zum Gehorsam die Grundvoraussetzung jeder geistlichen Erkenntnis, wie das Wort des Herrn zeigt:

Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selbst rede. (Joh 7,17)

Denn Jesus sagte: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. (vgl. Johannes 7,16; 5,19, 8,28; Hebr 1,1)

Jede nur verstandesmäßige Aufnahme des Wortes Gottes ist darum keine echte, tiefe Erkenntnis und bleibt unfruchtbar. Wo uns das Wort Gottes nicht in der Tiefe des Herzens, im Zentrum unserer ganzen Person ansprechen und verändern kann, bleiben wir in pharisäischer, äußerlicher Schriftgelehrsamkeit stecken. Wenn das Wort Gottes nicht bewirkt, daß der Christus in uns Gestalt gewinnt (Gal 4,19), wenn es nicht den durch Liebe wirksamen Glauben in uns hervorruft, dann ist unsere Herzenshaltung verkehrt, und wir brauchen dringend Buße.

Das bedeutet jedoch nicht, wie manche schwarmgeistig beeinflußte Christen meinen, daß das göttliche Wort unseren Verstand beiseitelassen würde und wir dasselbe tun müßten. Gott gibt uns in der Wiedergeburt ein durch Seinen Geist geöffnetes und erneuertes Verständnis (Lk 24,45; Röm 7,25; 12,2; Eph 4,23; Offb 13,18), einen geistlichen Verstand, den Sinn des Christus (1Kor 2,16), so daß wir Gott und Sein Wort klar erkennen können. Gottes Wort spricht in erster Linie unseren Geist, unser geistliches Erkenntnisvermögen an.

Der natürliche (oder "seelische") Mensch nimmt dagegen nicht an, was aus Gottes Geist kommt (1Kor 2,14) und ist unfähig zu rechter Erkenntnis! Im Gegensatz zu den ekstatischen dämonischen Religionen, in denen Trance, Schauungen und innere Gefühle die Illusion einer "Gottesoffenbarung" erwecken, offenbart sich Gott dem Gläubigen durch Sein Wort in seinem vom Heiligen Geist erleuchteten geistlichen Bewußtsein (1Kor 2,1-16; Eph 1,17-19; Kol 1,6-11).

Die rechte Herzenshaltung dem Wort Gottes gegenüber wird immer wieder in der Schrift angesprochen:

Und du sollst den Jachweh, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; (5.Buch Mose 6,5-7)

Das beginnt mit dem rechten Hören auf Gottes Wort:

Bewahre und befolge alle diese Worte, die ich dir gebiete, damit es dir und deinen Kindern nach dir gut geht ewiglich, weil du tust, was in den Augen des Jachwehs, deines Gottes, recht und wohlgefällig ist. (5Mo 12,28)

Zum richtigen Hören gehört ein demütiges Herz, das bereit ist, das Gehörte ganz ernst zu nehmen und auch im Leben umzusetzen.

Darum legt ab allen Schmutz und allen Rest von Bosheit und nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf, das die Kraft hat, eure Seelen zu erretten! (Jak 1,21)

Das rechte Hören wird dazu führen, daß wir das Wort in unserem Herzen bewahren, es immer wieder auf uns wirken lassen, uns in Erinnerung rufen, und daß wir es gehorsam umsetzen in der Kraft, die der Herr uns gibt:

Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun; du sollst nichts zu ihm hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen! (5Mo 13,1)

Schließlich sollen wir das Wort Gottes eifrig studieren, erforschen und auf uns wirken lassen. Auch wir sollten uns Gottes Mahnung an Josua zu Herzen nehmen:

Sei du nur stark und sehr mutig, und achte darauf, daß du nach dem ganzen Gesetz handelst, das dir mein Knecht Mose befohlen hat. Weiche nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du weise handelst überall, wo du hingehst! Laß dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln! (Jos 1,7-8)

Auch Esra kann uns in seiner Haltung zum Wort Gottes ein Vorbild sein:

Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Jachwehs zu erforschen und zu tun, und in Israel Gesetz und Recht zu lehren. (Esra 7,10)

4. Die fleischlich-eigenmächtige Überhebung über das Wort Gottes

Weil das Wort Gottes Geist und Leben ist, wehrt sich die fleischliche, natürliche, von der Sünde geprägte Wesensart des Menschen gegen dieses Wort.

Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so daß ihr nicht das tut, was ihr wollt (Gal 5,17; vgl. Römer 7 u. 8); (...) weil nämlich das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist; denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht, und kann es auch nicht (Röm 8,7).

Wenn Gläubige noch fleischlich sind, d.h. in ihrem alten menschlichen Wesen leben, anstatt im Neuen des Geistes, dann können sie Gottes Wort nicht richtig erkennen und auch nicht tun (vgl. 1Kor 3,1-3). Sie leben in einem Herzenszustand, der dem Wort Gottes gegenüber Zweifel, Unglaube, fehlende Einsicht, Verdunkelung, Verwirrung und willentliche Fehldeutung, Ungehorsam und innere Auflehnung hervorbringt und verhindert, daß dieses Wort seine gute Frucht hervorbringen kann.

Hier stellt uns die Schrift besonders das mahnende Beispiel des Volkes Israel vor Augen, in dem uns die "Gesinnung des Fleisches" anschaulich gezeigt wird, damit wir uns von ihr abkehren. Ihre Herzenshaltung zum Wort Gottes war von Zwiespalt und Heuchelei gekennzeichnet; auf der einen Seite versicherten sie:

Und Mose kam und verkündigte dem Volk alle Worte des Jachwehs und alle Verordnungen. Da antwortete das Volk einstimmig und sprach: Alle Worte, die der Jachweh geredet hat, wollen wir tun! (2Mo 24,3), auf der anderen Seite glaubten sie dem Wort nicht, waren untreu und ungehorsam (vgl. Hebr 3,7-4,13).

Von den Israeliten heißt es, daß sie "den Worte Gottes widerstrebt und den Rat des Höchsten verachtet hatten" (vgl. Psalm 107,11-43)

Gott mußte über sie sagen: auf meine Worte haben sie nicht geachtet (Jer 6,19), ja, schlimmer noch: sie haben das Wort des JACHWEHS verworfen (Jer 8,9)

Diese Auflehnung des Fleisches gegen das heilige Wort Gottes bedeutet in seiner letzten Konsequenz Frevel gegen Gott, freche Gottlosigkeit (der Gottlose ist nach der Schrift nicht ein Atheist oder Heide, sondern ein scheinbar Gläubiger, der in seinen Taten Gott verleugnet!):

Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was zählst du meine Satzungen auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht haßt und meine Worte verwirfst? (Psalm 50,16-17)

Diese Haltung des Frevels gipfelt in der offenen Verdrehung des Wortes Gottes (Jer 23,36) und im vermessenen Falschprophetentum, das verkehrte Worte im Namen des Jahwes redet (vgl. 5Mo 18,20- 22; Jer 23,9-40).

In unserer heutigen Zeit der endzeitlichen Verderbnis äußert sich die Auflehnung des Fleisches gegen das ewige Wort Gottes in zwei verschiedenen Grundhaltungen:

a) Die verstandesmäßig bemäntelte Auflehnung der "Bibelkritik"

Hier maßt sich der Mensch in seinem Hochmut an, etwas vom Wort Gottes wegzunehmen und es insgesamt von der hohen Warte seines Wissens und seiner Weisheit aus in Frage zu stellen, damit er ihm nicht gehorsam sein muß. Dahinter steckt der Geist Satans mit seiner Frage "Sollte Gott gesagt haben?"

Für gläubige Christen ist die offen "liberale" Bibelkritik, die die Bibel als das Werk von Menschen und ein Stück Weltliteratur unter vielen behandelt und meint, sie in Hunderte von Bruchstücken zerschneiden zu können, weniger gefährlich, denn jeder Wiedergeborene spürt, daß dies die Stimme des Widersachers ist. Welche frevelhafte Anmaßung, wenn verblendete, verfinsterte Menschengeschöpfe mit den Methoden der "Wissenschaft" das heilige, ewige Gotteswort richten, beurteilen und verwerfen, es als "Mythos" oder Produkt von Menschengedanken hinstellen und sich somit über den lebendigen, allmächtigen Gott erheben!

Und doch ist das Gift dieser "Bibelkritik" in verfeinerter, getarnter Form auch in die Gemeinde Jesu Christi eingedrungen und äußert sich in Theorien, die Bibel sei nicht Gottes Wort, sondern sie enthalte nur Gottes Wort, daneben aber menschliche Aussagen und Irrtümer. Solche bibelkritischen Lehren haben inzwischen auch in "evangelikale" Bibelschulen und Predigerseminare Einzug gehalten, die früher einmal klar zur vollen Inspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift gestanden haben.

Auch hier ist es der Mensch, der sich zum Richter aufschwingt und entscheiden will, was er in der Bibel als Gotteswort akzeptiert und was er als Menschenwort zu verwerfen können glaubt. Wer die unvollständigen, begrenzten "Erkenntnisse" der menschlichen "Wissenschaft" höher stellt als die vollkommene Offenbarung Gottes, gerät in Verwirrung und Finsternis, die sich in Theorien wie "Gott schuf durch Evolution" äußert und insgesamt die Tendenz enthält: "Die Bibel kann man nicht wörtlich nehmen – ihren wahren Sinn kann nur die Wissenschaft ausdeuten".

Genauso wird das Wort Gottes als objektive, ewige, autoritative Offenbarung Gottes außer Kraft gesetzt und der subjektiven menschlichen Ausdeutung unterworfen, wenn man behauptet, die Bibel werde erst dann zum Wort Gottes, wenn sie den Menschen unmittelbar anspreche; der jeweils subjektiv empfundene "Sinn" ist dann der Maßstab dafür, was Gott gemeint haben könnte – wieder erhebt sich der Mensch zum Richter und Herrn über Gott und Sein Wort. Gerade ein solcher Subjektivismus ist kennzeichnend für den Zeitgeist dieser letzten Tage, und übt seinen Einfluß bis in gläubige Kreise hinein aus.

Noch häufiger ist diese versteckte Art von Bibelkritik anzutreffen, wo es darum geht, Aussagen der Schrift abzuschütteln, die dem heutigen Zeitgeist nicht passen, etwa die Aussagen des Paulus zur Frauenfrage. Hier wird entgegen allen Selbstzeugnissen der Schrift davon geredet, diese Aussagen seien "zeitbedingt" oder "kulturell bedingt" gewesen; sie seien nicht Gottes Wort, sondern die persönliche Meinung des Paulus, der "frauenfeindlich" gewesen sei. Es werden alle Künste des gefallenen menschlichen Verstandes angewandt, um diese unbequemen Weisungen Gottes zu entkräften, zu relativieren oder gar in ihr Gegenteil zu verdrehen. Auch das ist "Bibelkritik", wie auch jede bewußte Missachtung des Wortes Gottes im Leben eines Christen eine Bibelkritik in der Praxis ist, die alle in Worten geäußerten Bekenntnisse zur Autorität der Bibel in Heuchelei verwandelt.

b) Die mystisch verhüllte Überhebung über die Schrift

Es gibt noch eine andere Art von "Bibelkritik", die nicht so leicht durchschaubar ist wie die erstere, obwohl sie durchaus mit ihr einhergehen kann. Hier werden zu dem inspirierten, in der Schrift geoffenbarten Wort Gottes noch andere Worte und Offenbarungen hinzugetan, die angeblich ebenfalls von Gott sind und dieselbe Autorität wie das Wort der Heiligen Schrift beanspruchen.

Solche Menschen öffnen sich "inneren Offenbarungen", die entweder den Worten der Schrift einen anderen, geheimen, nur dem "Erleuchteten" zugänglichen Sinn unterlegen oder zusätzliche Worte, Visionen oder Träume enthalten, die die vollkommene und vollständige Selbstoffenbarung Gottes angeblich noch "ergänzen" und "vervollständigen" sollen.

Dahinter steckt, wie auch hinter der liberalen Bibelkritik, der Geist der Irreführung, die alte Schlange selbst, die die Gläubigen vom einfältigen Glauben und Gehorsam gegenüber dem Wort ablenken will und ihnen andersartige Lehren von Dämonen und Offenbarungen verführerischer Geister einflößen will.

Zugleich entspricht diese Begehrlichkeit nach mystischen Falschoffenbarungen ganz dem gefallenen, sündigen Hochmut der Menschengeschöpfe, die nach dem Vorbild des Widersachers sein wollen wie Gott. Es schmeichelt dem Fleisch, wenn man sich rühmen kann, Gott und Seine Pläne direkt zu "schauen", von Gott besondere "Offenbarungen", Einsicht in Geheimnisse und "höheres Wissen" zu bekommen. Dahinter steckt letzten Endes Hochmut, ein anmaßendes Mehr-Wissen-Wollen, als uns Gott in Christus geoffenbart hat, eine fromm getarnte Weigerung, das Wort Gottes einfältig zu hören und zu tun.

Es ist daher ganz folgerichtig, wenn solche fromm-mystisch Verführten das Schriftwort abwerten und versteckt angreifen. Man meint, das Forschen in der Schrift nicht mehr nötig zu haben, weil man es durch "Offenbarungserkenntnis" besser weiß; man braucht nicht länger dem bloßen "äußeren Wort" gehorsam zu sein, denn man wird ja durch das "innere Wort" geleitet; man hat den angeblich "toten

Buchstaben" weit hinter sich gelassen, weil man ja den "Geist" (nämlich einen Irrgeist!) hat. Gegenüber den aufregenden, faszinierenden, neuartigen "höheren Offenbarungen" erscheint das Schriftwort veraltet, nichtssagend, kraftlos. Der satanische Hochmut hinter solcher falschen Frömmigkeit wird in dem Schlagwort der aufrührerischen falschen Propheten der Reformation von der Bibel als dem "papierenen Papst" deutlich.

Die Geschichte der Gemeinde zeigt, daß überall, wo diesem verführerischen Geist der Mystik Raum gegeben wurde, sei es in der katholischen Mystik oder bei Pietisten wie Hahn und Oetinger, dämonische Irreführung und gefährliche Verstiegenheit eindringen konnte und Gläubige auf einen falschen Weg geführt wurden. Daß solche mystischen "Neuoffenbarungen" die Quelle aller dämonischen Sekten und Irrlehren bilden, erweist ihre Gefährlichkeit und die Aktualität der Warnung der Schrift:

Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. (1Tim 4,1-2)

Das Schauen auf angebliche neue "Geistesoffenbarungen", die dem geoffenbarten Wort Gottes gleichrangig geachtet werden, ist nichts anderes als ein raffiniert getarntes Einfallstor, durch das der Feind sein vergiftetes, irreführendes Lügenwort und seine Trugoffenbarungen in die Gemeinde schleust. Diese raffinierte Verführung durch gefälschte "Worte des Jachwehs" und Truggesichte finden wir im AT vorgebildet durch die falschen Propheten, die der JACHWEH durch Jeremia bloßstellt und verurteilt (vgl. Jeremia 23; 5Mo 13,1-6). Sie durchzieht die Geschichte der Gemeinde von den Anfängen (vgl. 2Thess 2,2) über Montanus und die mystischen Falschoffenbarungen in der Katholischen Kirche bis zu den falschen Propheten der Pfingst- und Charismatischen Bewegung.

c) Der Boden der Wahrheit ist der Boden des Kreuzes

Wenn das Fleisch die Quelle aller Auflehnung gegen Gottes Wort, der Nährboden für Ungehorsam und Irreführung ist, so gilt umgekehrt, daß das Kreuz Jesu Christi, an dem unser Fleisch gerichtet und mit gekreuzigt wurde, der Ort ist, an dem wir die Wahrheit finden. Gottes Wort wird uns erst richtig aufgeschlossen und zur verbindlichen Richtschnur unseres Lebens, wenn wir als mit Christus Gekreuzigte und Auferstandene unser altes Wesen ablegen und verleugnen und in der Kraft des Geistes wandeln.

Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten – auch der Begehrlichkeit nach "höherer Erkenntnis! (Gal 5,24). Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen. (Gal 5,16)

Wenn wir von Herzen anerkennen und im Glauben festhalten, daß wir mit Christus gekreuzigt, gerichtet und gestorben sind, daß unser altes Fleischeswesen von Gott als untauglich, böse und gottwidrig völlig zunichtegemacht und beiseitegesetzt wurde, dann wird unser Herzensboden bereitet für ein gesundes Wachstum des Samens, der das Wort Gottes ist (vgl. Lk 8,11-15). Dann lernen wir, allen Hochmut, alle Begehrlichkeit nach eigener Größe, alle Widerspenstigkeit und Auflehnung gegen Gott zu verwerfen und im Glauben an die Kraft des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi abzulegen.

Dann empfangen wir echte Demut und echte Bereitschaft zum Gehorsam, zur bewußten, freiwilligen Unterwerfung unter das Wort. In der Anerkenntnis des Gerichtes, das Gott am Kreuz über unser ganzes verderbtes, hochmütiges, eigensüchtiges Wesen ausgesprochen und vollzogen hat, liegt der Anfang der Liebe zur Wahrheit, die uns dazu führt, auch das Wort der Wahrheit zu lieben und ihm zu gehorchen aus Liebe zu dem, der uns geliebt hat und sich selbst für uns dahingegeben hat.

5. Der Kampf des Widersachers gegen das Wort Gottes

Der Satan, der stolze, rebellische Engel, der sich über den allmächtigen Gott erheben wollte, haßt das Wort Gottes, das ihn bloßstellt und verurteilt; er versucht alles, um die sündige Menschheit von der Erkenntnis des Wortes Gottes fernzuhalten und zur Auflehnung gegen das Wort Gottes anzustacheln. Auch gegenüber der Gemeinde ist er durch seinen Geist des Irrtums und der Irreführung (1Joh 4,6) wirksam und sucht sie vom einfältigen Glauben und Gehorsam in bezug auf die Schrift wegzuführen.

Weil eine offene Infragestellung oder Ablehnung des Wortes Gottes von den Gläubigen leicht erkannt und zurückgewiesen würde, verlegt sich der Feind der Gemeinde gegenüber auf eine Taktik, die er meisterhaft beherrscht: die Verführung, die irreführende, betrügerische Verdrehung des Wortes Gottes. Das heißt, er beruft sich auf die Schrift (wie z.B. in der Versuchung unseres Herrn, Mt 4,6), aber er reißt sie aus ihrem Zusammenhang, verstümmelt sie durch Auslassung wichtiger Elemente und unterschiebt ihr einen anderen Sinn als den, den Gott gemeint hat.

Der Widersacher läßt durch seine Werkzeuge ein Evangelium verkündigen, das oberflächlich betrachtet wie das echte Evangelium Gottes aussieht – aber in Wahrheit ist es ein andersartiges Evangelium (2Kor 11,4; Gal 1,6-9), eine Verkehrung des wahren Gotteswortes. Seine Methode ist die Verdrehung des Schriftwortes (Jer 23,36; 2Petr 3,16-17), der betrügerische Mißbrauch der Bibel, um Menschen von der göttlichen Wahrheit abzubringen und auf gottfeindliche Wege zu locken. Er benutzt dabei einzelne Bibelworte, aber er verkehrt ihren Zusammenhang und die Aussagen der gesunden (richtigen, heilsamen) Lehre (vgl. 1Tim 1,10; 2Tim 1,13; 4,3; Tit 1,9; 2,1), d. h. der geistgewirkten und in der Schrift verankerten Auslegung der Zusammenhänge der Schrift.

Bereits am Beispiel der ersten Strömung von Irrlehren, die in der Schrift selbst erwähnt wird, können wir erkennen, daß eine Hauptmethode des Widersachers bei der Verführung der Gemeinde die Vermischung und Verwirrung der heilsgeschichtlichen Aussagen über Israel und die Gemeinde ist. Paulus kämpfte einen entschlossenen Kampf gegen solche Werkzeuge des Satans, die den Gläubigen aus den Heidenvölkern das Gesetz als Heilsmittel verkündigten und sie lehrten, sie müßten sich beschneiden lassen, um errettet zu werden.

Demgegenüber zeigte Paulus vor allem im Galaterbrief, daß die Verordnungen aus Gottes Wort, die für Israel galten, für die Gemeinde nicht gelten, weil das Gesetz in Christus erfüllt und abgetan ist. Er lehrte die Gläubigen Gottes Offenbarung über das Geheimnis der Gemeinde und das volle Heil in Christus, das aus Gnade durch den Glauben empfangen wird und nicht durch die Beachtung der Gebote Gottes aus einer anderen heilsgeschichtlichen Ordnung. Er zeigte auch, daß diese falschen Lehren trotz ihrer Frömmigkeit und ihrer Berufung auf Gottes Wort im Grunde von der Errettung in Christus ablenkten und gegen Christus gerichtet waren.

Auch eine zweite Irrlehre, die in der Schrift erwähnt wird, geht auf ein Durcheinanderwerfen getrennter heilsgeschichtlicher Zeitalter zurück: Satan vermischte die Aussagen in Gottes Wort über die Heilszeit der Gemeinde und die kommende Heilszeit des Tausendjährigen Reiches, indem er den Gläubigen weismachte, sie befänden sich schon in den Gerichten der anbrechenden messianischen Königsherrschaft.

Durch irrgeistige Falschoffenbarungen brachte er die Thessalonicher durcheinander, indem er ihnen vorspiegelte, sie seien schon mitten in der großen Drangsalszeit und damit unter dem Zorngericht Gottes (2Thess 2,1-5), so daß der Apostel Paulus sie mahnen muß:

Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: Laßt euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist, noch durch ein Wort, noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus schon da. Laßt euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muß unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt. (2.Thess 2,1-5)

In eine ähnliche Richtung gingen Irrlehren, die behaupteten, die Auferstehung sei schon geschehen, und damit den Glauben mancher zerstörten (vgl. 2Tim 2,16-18). Beidesmal wird Gottes Heilshandeln zur Zeit der Gemeinde bewußt verwechselt mit Seinem Handeln zur Zeit der großen Drangsal und des Tausendjährigen Reiches.

Dasselbe Muster der Vermischung von Gottes Anweisungen für Israel, die Gemeinde und das Tausendjährige Reich sehen wir fast überall am Wirken, wo in der Geschichte der Gemeinde dämonische Irrlehren Einfluß gewonnen haben: besonders in der katholischen Kirche, die mit der äußerlichen Priesterschaft, dem verfälschten Meßopfer, der Werkgerechtigkeit wesentliche Elemente des Judaismus übernahm, aber auch bei den Hugenotten und Camisarden, die sich durch irreführende, falschprophetische Vergleiche mit Israel verleiten ließen, entgegen dem Wort des Herrn zu den Waffen zu greifen, und bei den "modernen" Sekten wie den Adventisten (Sabbat) und den "Zeugen Jehovas" (Tausendjähriges Reich).

6. Die rechte Auslegung und Teilung des Wortes der Wahrheit

Zur gesunden Lehre der Heiligen Schrift gehört auch als ein wesentliches, notwendiges Element die rechte Auslegung und die rechte Unterteilung und Anwendung des Gotteswortes. Gerade die Gläubigen, für die das Wort Gottes eine heilige, unantastbare Gottesoffenbarung ist, der sie Gehorsam schulden, erkennen beim Studium der Heiligen Schrift die Notwendigkeit, das Wort der Wahrheit recht zu teilen (2Tim 2,15). Hier geht es um ein Unterscheiden aus geistgewirktem, erleuchtetem Verständnis heraus, nicht um ein Zerschneiden wie bei der Bibelkritik.

Jeder Gläubige, der das Wort Gottes ernst nimmt und es auch tun will, wird schnell vor Fragen gestellt wie: Muß ich mich beschneiden lassen? Soll ich den Sabbat halten? Kann ich noch Schweinefleisch essen? Soll ich das Los werfen, wenn ich in einer Frage Gottes Führung brauche? Gibt es heute noch Propheten, die mir Botschaften Gottes vermitteln?

Ein vertieftes Studium der Schrift selbst wird dem Gläubigen klar machen, daß Gott mit Israel und mit der Gemeinde unterschiedlich handelt, daß die Gebote und Anweisungen, die zur Zeit des Gesetzes für Israel gegolten hatten, für die Gläubigen der Gemeindezeit nicht mehr gelten, weil sie in Christus nicht mehr unter dem Gesetz sind, sondern vielmehr das Wort und die Lehre des Christus, wie sie insbesondere in den Lehrbriefen geoffenbart sind.

Wir haben oben schon gesehen, daß die Schrift selbst unterscheidet zwischen der vorlaufenden Offenbarung Gottes durch die Propheten und der Volloffenbarung im Sohn (Hebr 1,1-4), zwischen Gottes Heilshandeln mit Israel in der Zeit des Gesetzes, mit der Gemeinde in der Zeit der Gnade und mit Israel, den Völkern und der verherrlichten Gemeinde in der Zeit des Tausendjährigen Reiches (Galaterbrief, Hebräerbrief u. a.).

Es hat also nichts mit einer Zertrennung oder Außerkraftsetzung von Teilen der Schrift zu tun, wenn biblische Lehre in der Schrift gewisse Heilszeiten bzw. Haushaltungen unterscheidet und versucht, klar zu bestimmen, welche Teile der Schrift als unmittelbare Handlungsanweisung und Richtlinie für die christusgläubige Gemeinde dienen und welche ihr als Vorbild zur Belehrung und Ermahnung gegeben sind (vgl. 1Kor 10,1-13; 1Tim 1,8-11). Diese Unterscheidung ist vielmehr schriftgemäß und auch unbedingt nötig, wenn man gefährliche Irrtümer und eine unbiblische Vermischung von Elementen des abgetanen Gesetzes mit der Gemeindelehre verhüten will.

Der tiefere Sinn jeder biblischen Schriftteilung ist es, die Volloffenbarung in Christus für die Gemeinde rein und klar herauszuarbeiten und der Gemeinde Jesu Christi die göttliche Offenbarung über ihr Wesen, ihre Berufung und ihren Weg lauter und ohne Vermischung mit falschen, verwirrenden und in die Irre führenden Elementen zu vermitteln.

Eine gesunde, nicht übertriebene Schriftteilung ist eine Grundvoraussetzung für das rechte Verständnis der Offenbarung der Heiligen Schrift und auch für die Erkenntnis der betrügerischen Lehren Satans, der die Heilszeiten durcheinanderwirft, um die Gemeinde in ihrer Stellung in Christus zu verunsichern und vom schriftgemäßen Weg abzubringen.

Eine biblische Schriftteilung erschließt dem Gläubigen erst den ganzen Reichtum und die Tiefe der Heiligen Schrift und führt zu einer Klarheit und Gründung im Wort, die für geistliche Reife unerläßlich ist. Sie wird niemals die grundlegende Einheit der gesamten Heiligen Schrift auflösen, noch wird sie den großen Wert gerade auch des AT für die Unterweisung und Ermahnung des Gläubigen leugnen.

Die Schriftteilung weist im Gegenteil den Weg, auf dem die Schriften des AT für die Gläubigen fruchtbar angewandt und studiert werden können, und weiß um die vielfältige Weise, wie der Heilige Geist Worte aus allen Schriften zur persönlichen Erbauung und Tröstung der Gotteskinder gebrauchen kann. Sie kann helfen, zwischen dem lehrmäßigen Erforschen der Schrift und dem erbaulichen Lesen zu unterscheiden, ohne eines von beiden zu beeinträchtigen, und bringt die Schrift erst zur vollen Wirkung am Herzen des Gläubigen.

Insbesondere für Gläubige, die in den Fangnetzen von Irrlehren und unbiblischen Strömungen verstrickt waren, kann ein richtiges Verständnis der Schriftteilung ein Schlüssel zur Befreiung und zur Erkenntnis der Wahrheit sein. Ohne ein vertieftes Studium der Heiligen Schrift unter heilsgeschichtlichen Gesichtspunkten kommen Menschen, die unter irrgeistigem Einfluß gewesen sind, nur schwerlich zu einem biblisch gesunden Glaubensleben.

7. Der Kampf um das Wort Gottes in der Endzeit

Die Bibel zeigt uns verschiedentlich, daß gerade in der ausreifenden Endzeit ein ernster, schwerer Kampf um das Wort Gottes entbrennen wird. Die Endzeit ist die Zeit des Abfalls vom wahren Glauben (1Tim 4,1), die von der Bibel vorhergesagte Zeit, von der geschrieben steht:

Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden. (2Tim 4,3-4)

In der Tat: Je mehr diese letzten Tage ihrem Höhepunkt und Ende zugehen, desto schlimmer werden die Angriffe auf Gottes Wort – nicht nur im Lager der katholisch- protestantischen Namenschristenheit, sondern in versteckter Form bis in "evangelikale" Kreise hinein.

Die Abkehr von Gottes Wort beginnt dort, wo man es in Worten noch hochhält und sich zu ihm bekennt, sich aber weigert, es in Unterwerfung und Gehorsam zu tun – auch dort, wo das schmerzt und Kreuzeswege bedeutet. Die Frauenfrage und die Frage von Ehescheidung und Wiederverheiratung sind beispielsweise heute Prüfsteine dafür, wie ernst es Gläubige noch mit dem heiligen Wort Gottes meinen – morgen werden wohl andere Prüfsteine dazukommen (z. B. die Haltung zur Homosexualität).

Von einem solchen zwiespältigen, letztlich heuchlerischen Bekenntnis zum Wort Gottes bis zu bewussten Verdrehungen und Beschneidungen des Wortes ist es nur ein kleiner Schritt, auf den dann das Abgleiten in dämonisch inspirierte Irrlehren folgt.

Wer die Liebe zur Wahrheit zurückgewiesen hat, der ist offen für die Irreführung Satans – diese grundlegende Aussage des Wortes Gottes (2Thess 2,10-12) erweist sich heute immer mehr auch in äußerlich noch "evangelikal" und "bibeltreu" geltenden Kreisen. Wo Christen nicht mehr in Treue und einfältigem Glauben unter dem Wort stehen, haben falsche Lehrer und falsche Propheten offene Türen (vgl. 2. Petrus 2, Judasbrief).

Der endzeitliche Abfall vom Wort Gottes beginnt dort, wo man in der Lehre die Inspiration und Vollkommenheit der Heiligen Schrift abschwächt und abstreitet, und dort, wo man sich im Leben ihrer heiligen und göttlichen Autorität als Richtschnur des ganzen Lebens nicht mehr beugt, sondern im Ungehorsam eigene Wege geht. Das Ziel und Ende dieses Abfalls ist die Hure Babylon.

Diesen ernsten und erschütternden Entwicklungen in der äußerlichen Christenheit setzt das Wort Gottes ein ermahnendes und ermunterndes Du aber! entgegen.

Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge, jage aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu dem du auch berufen bist und worüber du das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen abgelegt hast. (1Tim 6,11-12)

Die wahren Gläubigen der letzten Zeit werden in der Schrift aufgefordert, von ganzem Herzen am Wort Gottes festzuhalten, sich in der gesunden Lehre zu gründen und zu kämpfen für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben (Judas 3).

Wir sollen uns nähren durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre (1 Tim 4,6); wir sollen an dem der Lehre entsprechenden zuverlässigen Wort festhalten (Tit 1,9); wir sollen in allem nüchtern sein und Leid ertragen für das Wort (2Tim 4,5); wir werden aufgefordert:

Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt! (2Tim 1,13-14)

Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! (2Tim 4,2)

All jenen, die um den Preis von Spott, Verachtung, Isolation und Unverständnis ernstlich bestrebt sind, mitten im endzeitlichen Glaubensabfall dem Wort Gottes und damit ihrem himmlischen Herrn Jesus Christus treu zu bleiben, gilt der ermutigende Zuspruch des Sohnes Gottes:

Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben, und niemand kann sie schließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. (Offb 3,8)

 

ESRA-Schriftendienst

Postfach 19 10, D-71209 Leonberg

© Rudolf Ebertshäuser

2. Auflage 2007

Eine Überarbeitung des Textes

Das vollständige Vervielfältigen und Verteilen dieser Schrift ist ausdrücklich erlaubt.

 

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