Werner Keller über Moab

 

Überarbeiteter Text, April 2017

MOAB aus: Werner Keller - Und die Bibel hat doch recht, Wien ³1964

Die Kunde, daß Israel ganz Jordanien erobert hatte, versetzt den König Balak von Moab in Schrecken. Er fürchtet, daß auch sein eigenes Volk diesen harten Nomadensöhnen physisch und militärisch nicht gewachsen sein wird. Er beruft die Ältesten der Midianiter und hetzt sie gegen die Kinder Israel auf (4.Buch Mose 22, 4). Sie beschließen den Einsatz anderer als militärischer Mittel. Sie wollen versuchen, Israel mit der Magie Einhalt zu gebieten. Zaubersprüche und Flüche, an deren Wirkung die Völker des Alten Orients fest glauben, werden gewiß die Kraft Israels brechen. Bileam wird von Pethorl in Babylonien, wo diese dunklen Künste blühen, eilig herbeizitiert. Aber Bileam, der große Zauberer und Magier, versagt. Sobald Bileam einen Fluch aussprechen will, wird ein Segen für Israel daraus (4.Buch Mose Kap. 23). Da wirft der König von Moab den gefährlichsten Trumpf in die Waagschale, den es überhaupt gibt, einen bösen Trumpf, der nachhaltig auf das Leben der Kinder Israel wirken wird.
 

Die Bibelstelle, die eine Schilderung der durchtriebenen Kriegslist des Königs Balak enthält, wird von Theologen als peinlich empfunden und daher gern übergangen. Die Frage liegt nahe, warum etwas so »Anstößiges« überhaupt in der Bibel steht. Die Antwort ist einfach: Die Begebenheit wird für das Volk Israel von tiefster, schicksalsträchtiger Bedeutung. Das ist auch der Grund für den Chronisten (Gott der HERR) gewesen, nichts schamhaft zu verschweigen, sondern wahrheitsgemäß und mit rücksichtsloser Offenheit zu schildern, was sich zugetragen hat.
 

Erst seit die Arbeitsgeräte französischer Ausgräber in den dreißiger Jahren am Mittelmeerhafen Ras Schamra - dem Fenchelkap- an der phönikischen Küste - unter Leitung von Prof. Claude Schaeffer, Straßburg, einen Teil der Kulte Kanaans wieder an das Tageslicht hoben, können wir ermessen und verstehen, was in 4.Buch Mose Kap. 25 berichtet wird.
 

Und Israel ließ sich in Sittim nieder; und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern der Moabiter, und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel begab sich unter das Joch des Baal-Peor. Da entbrannte der Zorn des Jachwehs über Israel. (4.Buch Mose 25,1-3)
 

Es ist nicht die Verlockung des Lasters, was hier den Kindern Israel entgegentritt. Des Lasters, das es in aller Welt und bei allen Völkern gab und gibt; es sind nicht Berufsdirnen, die Israel verführen. Es sind die Töchter der Moabiter und Midianiter, ihre eigenen Frauen und Mädchen. Sie locken und verführen die Söhne Israels zu den Baalskulten, zu den Fruchtbarkeitsriten Kanaans. Was Israel, noch jenseits des Jordans, entgegenschlägt, ist die sinnenbetörende Kultwelt Phönikiens mit all ihren Gottheiten.
 

Schnell und hart schlagen Israels Führer zurück. Sie schonen auch nicht ihre eigenen Männer. Wer sich vergangen hat, wird gewürgt und gehängt. Pinchas, der Großneffe Moses, der einen Israeliten mit einer Midianiterin ins Zelt gehen sieht, nimmt einen Spieß und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und das Weib, durch ihren Bauch (4.Buch Mose 25, 8). Das Volk von Moab, mit dem Israel durch verwandtschaftliche Bande verknüpft ist - Lot, der Neffe Abrahams, gilt als sein Stammvater (1.Buch Mose 19, 36) -, wird geschont. Gegen die Midianiter jedoch entbrannt ein Vernichtungskrieg, wie er im Gesetz festgelegt ist (5.Buch Mose 7, 2 ff.; 20, 13 ff.). So erwürget nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben, befiehlt Mose. Nur Mädchen werden verschont, alle anderen werden getötet (4.Buch Mose 31, 7.17-18).

DIE MOABITER
aus: Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, Wien ³1964

 

Der Stamm der Moabiter, der sich erst allmählich durch Angliederung verwandter Elemente zum Volk der Moabiter entwickelte, ist gleich den israelitischen Stämmen erobernd im Ostjordanland eingezogen. Die biblischen Geschichtsquellen nehmen, wenigstens in der uns vorliegenden Gestalt, an, daß die Moabiter bereits im Lande saßen, als die Israeliten ansäßig wurden und daß ursprünglich freundschaftliche Beziehungen zwischen Moab und Israel bestanden (5.Buch Mose 2, 18 sqq.). Dagegen spricht, daß sie in den uns bekannten vorisraelitisch-kanaanitischen Urkunden nicht erwähnt werden, auch spricht die Lage ihrer Wohnsitze nächst der Wüste dafür, daß sie erst eingezogen sind, als die Israeliten bereits feste Wohnsitze innehatten.

2.Könige Kap. 3: David hatte mit Waffengewalt (2.Samuel 8,3) die Moabiter unter seine Herrschaft gebracht. Die dunkle Stelle 2.Samuel 8,2 von der Ausmessung sagt wahrscheinlich, daß 1/3 des Landes an den Sieger fiel, 2/3 bei Moab blieb ("er maß 2/3 zum Tode und das dritte Drittel zum Leben ab" ist vielleicht der technische Ausdruck für diese Teilung beim Friedensschluß), der Sieg ist wohl nach orientalischer Sitte durch Einführung des Landeskultus, also der JACHWEH-Verehrung besiegelt worden; die Mesha-Inschrift Z. 18 berichtet aus späterer Zeit, daß Geräte JACHWEHS aus der moabitischen Stadt Nebo fortgeführt wurden. Umgekehrt hat David moabitische Heiligtümer nach Jerusalem gebracht (2.Samuel 8, 10sqq.). Diese Trophäen wurden zu Salomos Zeiten verhängnisvoll; man hat sie wahrscheinlich zunächst in Kreisen eingewanderter Moabiter zu götzendienerischen Zwecken benutzt (1.Könige 11, 5: Verehrung des Kemosch in Jerusalem). Nach dem Buche Ruth war David selbst moabitischer Abstammung.

Wir haben keine Ursache, die Geschichtlichkeit der Angabe zu bezweifeln, obwohl man 1.Samuel 22, 3 sq., wo David "für Vater und Mutter" Zuflucht in Moab sucht, eine Andeutung erwarten würde. Das Buch Ruth diente vielleicht als staatsrechtliches Aktenstück, das den Moabitern den Anschluß an das Davidreich leichter machen sollte. Nach dem Sturze des Davidreichs ist Moab naturgemäß wieder unabhängig geworden. Aber während der Herrschaft der Omri - Dynastie wurde es von dem Nordreiche wieder in Tributpflicht gehalten.

Omri hat den moabitischen König Kamosch-kan, den Vater des durch die Steininschrift wohlbekannten Mesha, nach der Eroberung der Stadt Mehedeba (ca. 882 v. Chr.) unterworfen; Ahab hat dann unter Mesha die Unterwerfung erneuert. Zwei biblische Geschichtsquellen (2.Könige 1,1; 3,5) berichten dann, daß der König von Moab nach Ahabs Tode den Tribut verweigerte. Joram zog gegen ihn zu Felde und Josaphat von Juda leistete ihm Heeresfolge (2.Chronik Kap. 20 stellt es als selbständigen Kriegszug Josaphats dar). Der Feldzug hat nicht zur Unterwerfung Moabs geführt; vielmehr kann der Meshastein, der nach dem 2.Könige Kap. 3 berichteten Feldzuge und nach dem Sturze des Hauses Omri geschrieben und aufgerichtet wurde (also etwa 842 v. Chr.), von einer Ausdehnung seines Gebietes (nach Horonen, jedenfalls in israelitisches Gebiet hinein) berichten. Die Angaben Meshas stimmen in allem mit denen der Bibel völlig überein. Gewiß ein wichtiges Zeugnis für die Zuverlässigkeit der biblischen Geschichtsquellen!
 

Unter König Joram, dem Sohn des Ahab, erleidet Israel also eine Invasion mit schrecklichen Folgen und einen empfindlichen Gebietsverlust. Die Aramäer brechen ins Land und belagern Samaria. Eine furchtbare Hungersnot peinigt das Volk.
 

Unter Joram verlor Israel ein großes Gebiet im Ostjordanland. Moab in Transjordanien war Israel tributpflichtig. Ausführlich wird von einem Feldzug gegen Mesha, den abtrünnigen "Hammel-König", berichtet: Mesha aber, der Moabiter König, hatte viele Schafe und zinste dem König Israels Wolle von 100.000 Lämmern und von 100.000 Widdern. Da aber Ahab tot war, fiel der Moabiter König ab vom König Israels (2.Könige 3, 4-5). Israel ruft das Südreich Juda und das Land Edom zu Hilfe. Sie beschließen, gemeinsam von Süden her den Angriff auf Moab zu führen. Der Weg dorthin führt um das Tote Meer herum. Im Vertrauen auf die Prophezeiung:

Denn so spricht der Jachweh: Ihr werdet keinen Wind noch Regen sehen; dennoch soll dieses Tal voll Wasser werden, so daß ihr zu trinken habt, ihr und auch euer kleines und großes Vieh. (2.Könige 3, 17: Schlachter)

Wagen die Verbündeten den Marsch durch das öde Land. - Und da sie sieben Tagereisen zogen, hatte das Heer und das Vieh, das unter ihnen war, kein Wasser mehr. Auf den Rat des Propheten Elisa machten sie hier und da Gräben. Des Morgens aber ... siehe, da kam ein Gewässer des Weges von Edom und füllte das Land mit Wasser. - Moabs Späher sahen das, und es - deuchte die Moabiter das Gewässer ihnen gegenüber rot zu sein wie Blut (2.Könige 3, 9.16.20-23), und sie glaubten an ein Gemetzel.

Die alliierten Streitmächte haben Erfolg in Moab, sie verwüsten das Land. Die Städte zerbrachen sie, und ein jeglicher warf seine Steine auf alle guten Äcker, und machten sie voll und verstopften alle Wasserbrunnen und fällten alle guten Bäume, bis daß nur die Steine von Kir-Hareset übrigblieben. (2.Könige 3, 25). Merkwürdigerweise endet der erfolgreiche Feldzug damit, daß sie von ihm abzogen und kehrten wieder in ihr Land. (2. Könige 3, 27)

Die Richtigkeit dieser biblischen Erzählung nachzuprüfen, erschien unmöglich

1868 bereist der deutsche Missionar F. A. Klein die biblischen Stätten in Israel, ein Weg führt ihn u. a. durchs Ostjordanland, durch Edom und schließlich nach Moab. Auf einem Ausritt in die Umgebung von Diban, dem alten Dibon am Mittellauf des Arnon, erregt ein großer behauener Stein sein besonderes Interesse. Gelber Sand hatte ihn fast völlig zugeweht. Neugierig springt Klein vom Pferd und beugt sich über den Stein. Das ist doch unverkennbar althebräische Schrift! Er glaubt seinen Augen nicht zu trauen! Es kostet allerlei Anstrengung, in der heißen Mittagssonne den Stein aus schwerem Basalt aufzurichten. Er ist einen Meter hoch und oben abgerundet. Klein säubert ihn sorgsam mit Messer und Taschentuch. Dabei kommen die Textzellen zum Vorschein.

Am liebsten nähme er das steinerne Dokument gleich mit, aber es ist viel zu schwer. Außerdem ist im Nu eine Schar von bewaffneten Arabern zur Stelle. Wild gestikulierend umringen sie den Missionar, behaupten, der Stein sei ihr Eigentum, und fordern von ihm einen schwindelerregend hohen Kaufpreis.

Klein ahnt einen aufschlußreichen Fund und ist verzweifelt. Missionare haben nie viel Geld. Vergeblich versucht er die Einheimischen umzustimmen. Es bleibt ihm nichts weiter übrig, als den Fundort genau in eine Karte einzutragen. Dann verzichtet er auf die weitere Reise, reitet eilends nach Jerusalem und fährt unverzüglich nach Deutschland, wo er versuchen will, das nötige Geld für die Araber aufzutreiben.
 

Inzwischen handeln andere! Und das war gewiß gut, sonst wäre vielleicht ein ungemein wertvolles Zeugnis der biblischen Geschichte für immer verlorengegangen.

Der französische Forscher Clermont-Ganneau in Jerusalem hatte von der Entdeckung des deutschen Missionars gehört und sich sogleich nach Diban aufgemacht. Es bedarf seiner ganzen Überredungskunst, damit die mißtrauischen Araber wenigstens eine genaue Untersuchung der Schrift auf dem Basaltstein zulassen. Umringt von flintenstarrenden Eingeborenen nimmt Clermont-Ganneau Abklatsche von der Oberfläche.
 

Als nach Monaten den Gelehrten in Paris die Übersetzung des Textes vorliegt, genehmigt die französische Regierung den Aufkauf ohne Zögern. Aber wer vermochte die Enttäuschung des Franzosen zu ermessen, als er mit einer Karawane und dem notwendigen Geld ausgestattet in Diban eintrifft und den Stein nicht mehr vorfindet! Nur ein Rußfleck kennzeichnet noch die Stelle, wo er gestanden hatte. Die Araber hatten ihn mit Flintenpulver gesprengt - aus Geldgier. Von dem Verkauf einzelner Stücke an die altertumsbesessenen Europäer versprachen sie sich ein noch lohnenderes Geschäft.

Was bleibt Clerrnont-Ganneau anderes übrig, als Jagd auf die einzelnen Teile des wertvollen Dokumentes zu machen! Nach vielen Mühen und Suchaktionen, nach endlosem Feilschen hat er endlich einen Teil der Bruchstücke wieder beisammen. Zwei größere Blöcke und 18 kleinere Steinsplitter werden an Hand des Abklatsches zusammengefügt und ergänzt, und noch ehe Missionar Klein überhaupt die geforderte Summe zusammen hat, steht der eindrucksvolle Stein von Diban als wertvolle Neuerwerbung im Louvre-Museum zu Paris.

Dieser moabitische Siegesbericht erregt in wissenschaftlichen Kreisen beträchtliches Aufsehen. Von manchen Gelehrten wird sogar der Verdacht einer Fälschung ausgesprochen. Experten aus aller Welt nehmen den Stein samt Inschrift unter die Lupe. Alle Prüfungen ergeben zweifelsfrei, daß es sich um ein historisches Dokument, einen zeitgenössischen Bericht des biblischen Königs Mesha von Moab handelt. Es ist mit das älteste Schriftdokument aus Israel, um 840 v. Chr. auf moabitisch geschrieben, einem dem biblischen Hebräisch eng verwandten Dialekt. Das ist wirklich eine Sensation!

Will man sich objektiv informieren, ist es stets ratsam, die Kriegsberichte beider Gegner zu studieren. Man hat mehr Sicherheit, ein klareres Bild der Sachlage zu gewinnen. In diesem besonderen Falle ergänzen beispielsweise Bibeldarstellung und Moabtext einander vortrefflich. Die Mesha-Stele gibt die fehlende Illustration und erklärt, was am Bibelbericht dunkel blieb. Im entscheidenden Punkt stimmen Stele und Bibel überein: der Feldzug endete mit der Niederlage des Königs von Israel. Die Bibel schildert ausführlich die Anfangserfolge Israels, die König Mesha mit Stillschweigen übergeht. Den ungünstigen Ausgang des Feldzuges deutet die Bibel nur kurz an, der Moab-König schwelgt von seinem Sieg. Beide sagen die Wahrheit.

Für das »blutige Wasser«, das die Verbündeten auf ihrem Marsch durch das öde Land vor dem Verdursten rettete, fand ein Geologe die natürliche Erklärung. Schlägt man Mulden in den Tuff am Toten Meer, so füllen sie sich alsbald mit Wasser, das aus den Hochebenen durchsickert und seine rötliche Farbe der Bodenbeschaffenheit verdankt. Auch heute noch schaffen sich Hirten im Ostjordanland häufig auf genau die gleiche Weise Wasserstellen.

Daß auch später Moab dem Staate Israel in Zeiten schwerer Kämpfe mancherlei Not gemacht hat, läßt 2.Könige 13, 20 erkennen. Für die weitere Geschichte der Moabiter bieten die Keilinschriften einiges Material. In der Mitte des 8. Jahrhunderts wurde Moab von unabhängigen "Königen" regiert. Tiglatpileser nennt Salamanu von Moab unter den Königen, die ihm beim Zuge gegen Damaskus Tribut bringen (732, zugleich mit Ja-u-ha-zi von Ja-u-da-ai, d. i. Joahas von Juda). Zwanzig Jahre später finden wir Moab gleich Philistäa, Juda, Edom beteiligt an der von Azuri von Asdod geleiteten Erhebung gegen Assyrien (713 -711), aber Sanherib nennt beim Feldzug 701 unter den Tributären des Westlandes Kammusu-nadab von Moab. Asarhaddon berichtet, daß ihm beim Bau seines Zeughauses wie Manasse von juda und viele andere, so auch Musuiri von Moab frohnden mußten; und Asurbanipal rühmt einen moabitischen König, weil er sich als treuer Vasall erwiesen hat im Kampfe gegen die arabischen Kedar, die in den letzten Zeiten des Reiches Juda nebst den Nebajot das Gebiet von Juda samt dem Hinterland Moab, Ammon, Edom überschwemmten.

Bei der Eroberung Jerusalems werden die Moabiter gleich den Edomitern als schadenfrohe Zuschauer genannt (Hesekiel 25, 8, vgl. jedoch Jeremia 40, 11-12). Sie haben mit Edom, Ammon und andern Stämmen das Gebiet des eroberten Juda während des Exils überschwemmt.
 

Der Ba'al der Moabiter war Kamosch, ein finsterer Kriegsgott, der wohl den Volkscharakter der Moabiter widerspiegelt. Vor seinem Altare wurden die gefangenen Feinde abgeschlachtet (Mesha-Inschrift Z. 11). Nach 2.Könige Kap. 3 opferte in der Kriegsnot Mesha vor Kamosch seinen eigenen Sohn. Die Gottheit (Götze) ASCHTAR KEMOSCH die auf dem Mesha-Stein neben ihm erscheint, ist wohl sein weibliches Korrelat, eine kriegerische Ischtar, der die Kriegsgefangenen vor ihrer Abschlachtung geweiht werden. Der Name Ba'al Peor dürfte ein Epitheton des Kamosch sein, "der Herr von Peor."
 

Die Mesha-Inschrift bezeugt für die Moabiter des 8. Jahrhunderts hohe Kultur. In Zeiten selbständiger Entwickelung hatte man sich in Kanaan von der babylonischen Keilschrift, wie sie die Amarna-Briefe und neuerdings Israelischen Funde für eine frühere Epoche bezeugen, emanzipiert. Der Mesha-Stein zeigt Buchstabenschrift (die Anfänge unserer hebräischen Quadratschrift), in Basaltstein gegraben. In der Inschrift zeigt sich auch, daß sich die Moabiter auf Festungsbau mit Toren und Türmen und auf Anlegung von Kunststraßen (ein mesillat wird am Arnon gebaut) verstanden.

Im Anschluß der Text der Stele und sein alttestamentliches Gegenstück:

Die Stele Meshas, des Königs von Moab

Inhalt: Danksagung an den Gott Kamosch (dem Mesha nach 2.Könige Kap. 3, um seinen Zorn zu versöhnen und Sieg zu erlangen, seinen Sohn opfert), der ihm gegen die Feinde geholfen, sein Reich erweitern und befestigen half.

1Ich bin Mesha, Sohn des Kemosh (kan) König von Moab, von 2.Dibon. Mein Vater herrschte dreißig Jahre lang über Moab und ich regierte 3 nach meinem Vater. Ich habe diesen hohen Ort (zu Ehren) von Kemosh im hohen Qeriho, einer (Stätte) des Heiles errichtet, 4 da er mich von allen Königen befreit hat und mich beim Anblick aller meiner (besiegten) Feinde erfreute. Was Omri angeht, 5 den König Israels: er unterdrückte Moab lange Zeit, so daß Kemosh gegen sein 6 Land wütend war. Sein Sohn folgte ihm auf dem Thron und auch er sagte: "lch werde Moab unterdrücken!". In meiner Zeit hatte er so gesprochen, 7 aber ich erfreute mich bei seinem Anblick und beim Anblick seiner (besiegten) Dynastie. Und Israel wurde für immer vernichtet. Nun hat Omri Besitz ergriffen vorn Land 8 Madaba; (Israel) hatte dort einst gewohnt und die Hälfte der Tage seiner Nachkommenschaft, vierzig Jahre lang, aber 9 Kemosh hat es in meinen Tagen zurückgegeben ca. 908-878 Kamosch-kan,
ca. 878- ? (nach 842) Mesha.

ca. 882 Eroberung der Landschaft um Mehedeba durch Omri (in der Bibel nicht erwähnt).
 

876-855 Ahabs Eroberungen in Moab
 

2.Könige 3, 4; Mesa zahlt Tribut an Ahab.
 

854-843 Joram (und Josaphat) gegen Moab nachdem gewiß 2.Könige 1,1 Mesha nach Ahabs Tode die Tributzahlung eingestellt hatte. Nach 3, 27 hat sich Joram schließlich zurückziehen müssen (der "Zorn" verhüllt den Mißerfolg). Mesa ist dann vorgerückt, erlebte triumphierend den Sturz des Hauses Omri durch Jehu (s. oben "Israel ging auf ewig zugrunde"), eroberte Mehedeba zurück und das Gebiet von 'Atarot und Nebo und Jahad und Horonen und ließ bei seinen Bauten Israeliten Frondienste tun (in der Bibel ist davon nichts erwähnt).
 

ca. 842 Errichtung des Steines, der den Triumph verherrlicht.

Und ich erbaute Baal Meon und baute dort eine Zisterne; und ich baute 10Qiryaten wieder auf. Die Leute von Gad hatten schon immer das Land von Atarot bewohnt und der König von Israel hatte sich 11Atarot gebaut. Ich kämpfte die Stadt und nahm sie ein. Und ich tötete alle 12Einwohner der Stadt, um Kemosh und Moab zu sättigen. Dort nahm ich Ariel, seinen 13Anführer, gefangen und schleppte ihn vor Kemosh nach Qeriot. Ich siedelte dort die 14Leute von Saron und die Leute von Maliarot an. Und Kemosh sagte zu mir: „Geh, nimm 15den Nebo gegen Israel". Ich zog des Nachts und kämpfte gegen sie vom Morgengrauen bis am Mittag. Und ich 16nahm sie ein und zerstörte sie völlig. 7000 Männer, Älteste, Frauen, alte Frauen und 17Konkubinen, denn ich hatte sie Ashtar Kemosh gelobt. Und ich nahm von dort 18die Gefäße Jachwehs weg und brachte sie vor Kemosh. Nun hatte der König Israels Yahat 19gebaut und schlug dort sein Lager auf, als er gegen mich kämpfte. Kemosh aber jagte ihn 20vor mir her. Ich nahm von Moab 200 Männer, all seine Anführer, und führte sie gegen 21Yahat und nahm sie ein, um sie Dibon anzuschliessen. Ich habe Qeriho errichtet, die 22Mauer der Wälder und der kleinen Stadt. Ich habe seine Portale und seine Türme 23gebaut. Ich habe den Königspalast errichtet und die Stütz(mauern) des großen Wasserbeckens 24inmitten der Stadt gebaut. In der Stadt Qeriho gab es keine Zisternen, so gab ich 25dem ganzen Volk die Anordnung: "Macht euch alle eine Zisterne in eurem Haus". Und 26ich ließ die Steine für Qeriho von den israelitischen Gefangenen zuschneiden. Ich habe Aroer erbaut und ich habe die Straße im (Tal des Arnon) angelegt. 27Ich habe Bet Bamot wieder aufgebaut, denn sie war zerstört. Ich habe Betser 28wieder aufgebaut, denn sie lag darnieder in Trümmern, mit 50 Männern von Dibon. da ganz 29Dibon mir unterworfen ist. Ich regierte über Hunderte von Städten, die ich dem Land 30Moab angegliedert habe. Ich habe Madaba und Bet Diblaten erbaut. Was Bet Baal 31Meon angeht, so habe ich dorthin Weinbauern und Hirten für die Herden des Landes 32geschickt. Was Hauronen angeht, wohnte dort ... Kemosh sagte mir: "Komm herab, 33kämpfe gegen Hauronen". Ich stieg hinab und kämpfte gegen sie und nahm sie ein. Und 34ich wohnte in Kemosh in meinen Tagen ... der Regen kam reichlich herab...

ENDE

 

Nach oben