Was ist Wahrheit?

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Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! (Joh 14,6; Schlachter Version; vgl. Hebr 10,20; 1Joh 5,20; 2Joh V. 2; Offb 3,14; Joh 1,4; 6,6,63; 17,2-3; 1Joh 1,2; Mt 11,27; Apg 4,12)

Der Name Jachweh wird in deutsch wiedergegeben. 

Überarbeiteter Text, April 2017

Pilatus Fragt: – Was ist Wahrheit?

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit

Dem Begriff Wahrheit werden verschiedene Bedeutungen zugeschrieben, wie Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, einer Tatsache oder einem Sachverhalt, aber auch einer Absicht oder einem bestimmten Sinn bzw. einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung (Truism oder Gemeinplatz) oder den eigenen Erkenntnissen, Erfahrungen und Überzeugungen (auch Wahrhaftigkeit).

Das zugrundeliegende Adjektiv wahr kann aber auch die Echtheit, Reinheit oder Authentizität einer Sache, einer Handlung oder einer Person, gemessen an einem bestimmten Begriff, beschreiben (Ein wahrer Freund)[1]. Alltagssprachlich kann man die Wahrheit von der Falschheit, der Lüge als absichtlicher Äußerung der Unwahrheit und dem Irrtum als dem fälschlichen Fürwahrhalten abgrenzen.

Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und der Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet. Dabei können grob die Fragen nach einer Definition der Wahrheit und nach einem Kriterium dafür, ob etwas zu recht „wahr“ genannt wird, unterschieden werden.

In der Aussagenlogik kann jeder Aussage ein Wahrheitswertzugeordnet werden. Ist diese Zuordnung auf dem Weg der logischen Ableitung möglich, spricht man auch von Entscheidbarkeit. Ein Logischer Kalkül, in dem jede wohlgeformte (d.h. korrekt gebildete) Aussage entscheidbar ist, heißt vollständig.

Wahrheit ist als Abstraktum zum Adjektiv wahr gebildet, das sich aus dem indogermanischen Wurzelnomen (ig.) *wēr- Vertrauen, Treue, Zustimmung entwickelt hat.

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Hervorhebungen vom Textautor. Ich verwende die Schlachter Version 2000.

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Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber anders ist der Glanz der Himmelskörper, anders der der irdischen; (1Kor 15,40)

Es ist vielleicht bezeichnend, daß die wohl fundamentalste Frage der Philosophie – nämlich die Frage nach der Wahrheit – nicht mit dem Namen eines bedeutenden Philosophen verknüpft ist, sondern mit dem Namen eines politischen Funktionärs: mit Pontius Pilatus. Der Statthalter des römischen Reiches hatte – folgt man dem Text des Neuen Testamentes – erhebliche Schwierigkeiten, die Ausführungen seines posthum berühmt gewordenen Gefangenen Jesus von Nazareth nachzuvollziehen. Dieser behauptete doch, als König der Könige und Herr aller Herren (1Tim 6,15; Offb 17,14; 19,16) – eines jenseitigen Reiches in die Welt gekommen zu sein, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.

In der wohl rhetorisch gemeinten Frage des Pilatus: Was ist Wahrheit? Spiegelt sich ein gehöriges Maß an Skepsis wider – nicht nur gegenüber den konkreten Ausführungen des vor ihm erschienenen Gefangenen, sondern auch (zumindest wird die Pilatusfrage heute meist in diesem weiterführenden Sinn verstanden) gegenüber dem Wahrheitsbegriff im Allgemeinen. Schauen wir uns die entsprechende Passage des Johannesevangeliums (Joh 18,28-40) etwas genauer an:  

Sie führten nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium. Es war aber noch früh. Und sie selbst betraten das Prätorium nicht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passah essen könnten.

Anmerkung: Das Betreten des Amtssitzes von Pilatus hätte die Ankläger nach jüdischem Brauch unrein gemacht und von der Teilnahme am Passah ausgeschlossen.

Da ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: Was für eine Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre er kein Übeltäter, so hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert!

Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden nun sprachen zu ihm: Wir dürfen niemand töten! – Damit Jesu Wort erfüllt würde, das er sagte, als er andeutete, durch welchen Tod er sterben sollte.

Nun ging Pilatus wieder ins Prätorium hinein und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete ihm: Redest du das von dir selbst aus, oder haben es dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die obersten Priester haben dich mir ausgeliefert!

Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.  

Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du also ein König? Jesus antwortete: Du sagst es; ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.

Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und sprach zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm! Ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch am Passahfest einen freigebe; wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden freigebe?

Da schrieen sie wieder alle und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Mörder.

Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! (Joh 8,32; vgl. Röm 6,22; Jak 1,25)

Was ist die Wahrheit?

Wir sind alle auf der Suche nach Wahrheit, nach dem wahren Leben, der wahren Liebe, der wahren Erkenntnis. Und trotzdem haben wir immer das Gefühl irgend etwas ist faul an der Wahrheit. Da kommen Zweifel, Unsicherheit, Ängste und Schuldgefühle hoch. Vieles was wir für wahr betrachtet haben, stellt sich mit der Zeit als unwahr heraus. Die Enttäuschung ist dann groß. Und an vielen Unwahrheiten tragen wir selber dazu bei. Hier mal ein (Not) Lüge, dort mal eine falsche Aussage - und das alles nur um uns und unser Gesicht zu wahren.

Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen, das hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt. Er wußte wohl, daß diese auch mit Zweifeln, Unsicherheit und Ängsten zu kämpfen hatten. Ein paar Beispiele kennst Du sicherlich auch. Aber er verspricht uns eines: wenn Du die Wahrheit erkannt hast, dann wird Dich diese Wahrheit frei machen.

Du kannst Gott kennen lernen: durch sprechen, reden und zusammen sein.

Sprechen bedeutet Beten.

Reden bedeutet von ihm reden und Ihn weitersagen.

Zusammensein bedeutet: Ihn überall dorthin mitnehmen wo auch Du hingehst.

Das Erkennen der Wahrheit, die Jesus meint, ist gar nicht so einfach zu verstehen. Nikodemus war auch auf der Suche nach der Wahrheit und er hatte viele Fragen an Jesus. Ob er die Antworten alle verstanden hat? Und wenn er sie verstanden hat, ob er sie dann auch für sich persönlich angewendet hat? Davon steht nun leider nichts in den Evangelien drin, aber ihr kennt sicherlich ein paar Beispiele, wo Menschen, die Jesus begegnet sind und eine persönliche Beziehung zu ihm entwickelt haben, sich dadurch ihr Leben komplett geändert hat (Beispiel: Zachäus, Paulus, Schächer am Kreuz)

Hast Du die Wahrheit schon erkannt, oder trifft der Satz aus Johannes 8,32 noch nicht auf Dich zu?

1. Wahrheit im Kontext

Mit dem Ausdruck Wahrheit (griech. ἀλήθεια; alētheia) und seinen Derivaten werden im → Neuen Testament sowohl Eigenschaften von Sätzen und Redeweisen wie auch zentrale theologische Sachverhalte zur Sprache gebracht. Es ist immer zu fragen, ob eine eher formale oder eine materiale Verwendung vorliegt, wobei beide Verwendungsweisen eng miteinander zusammenhängen können. Einen besonderen formalen Wahrheitsbegriff etwa im Unterschied zum Alten Testament und vor dem Hintergrund der antiken griechischen Literatur, wie er im Anschluß an Hans von Soden (1951) und Martin Heidegger (1993, § 44) von Rudolf Bultmann (1933) und nach ihm von vielen anderen behauptet wurde, bietet das Neue Testament nicht (Landmesser, 1999, 207–253). Sowohl im Alten Testament (Michel, 1968) wie auch in der antiken griechischen Literatur und im Neuen Testament ist ganz selbstverständlich auch von der Wahrheit von Sätzen die Rede, ohne die eine intersubjektive Kommunikation nicht auskommt. Die Bestimmung des formalen Wahrheitsverständnisses ist seinerseits strittig und Gegenstand weitreichender philosophischer Debatten (Gloy, 2004; Landmesser, 1999; Puntel, 1993).

Die Besonderheit der Rede von der Wahrheit im Neuen Testament ist also in der Frage nach der materialen Wahrheit zu finden. Das → Johannesevangelium und die Paulusbriefe bieten ein profiliertes und ihre Theologie konturierendes Wahrheitsverständnis, aber auch andere Schriften des Neuen Testaments haben eine ausdrücklich theologische Rede von Wahrheit.

2. Der Ausdruck ἀλήθεια (alētheia) und seine Derivate in den Schriften des Neuen Testaments

2.1. ἀλήθεια (alētheia) und seine Derivate in den Synoptikern und in der Apostelgeschichte.

Die häufigste Verwendungsweise von ἀλήθεια (alētheia) und seinen Derivaten in den → Synoptikern und in der → Apostelgeschichte steht in Verbindung mit verba dicendi oder mit Ausdrücken des Lehrens (Mk 5,33; Mk 12,14; Mk 12,32; Lk 4,25; Lk 9,27; Lk 12,44; Lk 20,21; Lk 21,3; Apg 26,25). Mit dieser Ausdrucksweise wird die der Wirklichkeit entsprechende Rede betont, an den meisten Stellen mit Blick auf Äußerungen Jesu. Dabei kann ‚Wahrheit‘ das direkte Akkusativobjekt sein (Mk 5,33: ‚sie sagte ihm die ganze Wahrheit‘) oder in einer Genitivverbindung mit einem Akkusativobjekt stehen (Apg 26,25: ‚ich sage frei heraus Worte der Wahrheit und der Vernunft‘), es kann die präpositionale Wendung έπ ἀλήθειαs (ep’ alētheías; ‚der Wirklichkeit entsprechend‘, ‚wahrheitsgemäß‘) zur Kennzeichnung der Rede Jesu eingesetzt werden (Mk 12,14; Mk 12,32; Lk 4,25; Lk 20,21) oder einfach das Adverb ‚wahrhaftig‘, ‚in Wahrheit‘, ‚tatsächlich‘ (Lk 21,3).

Ein → Schriftgelehrter bestätigt nach Mk 12,32 Jesus, daß er wahrheitsgemäß rede, wenn er an die Einzigkeit Gottes (5Mo 6,5) und an das Liebesgebot (3Mo 19,18) erinnere. Die wahrheitsgemäße Rede Jesu stimmt mit der Schrift und mit der Einschätzung des Schriftgelehrten überein. Auch die ausdrücklichen Gegner Jesu bestätigen ihm, daß Er έπ ἀλήθεια (ep alētheías; der Wirklichkeit entsprechend, wahrheitsgemäß), daß er also wahrhaftig den Weg Gottes lehre (Mk 12,14; Lk 20,21; Mt 22,16: έν ἀλήθειαi; en alētheíai), denn er richte seine Lehre nicht nach dem vordergründigen Ansehen. Abgeleitet von seiner wahrhaftigen Rede kann dann Jesus auch selbst als wahrhaftig (ἀλήθης; alēthēs) bezeichnet werden (Mk 12,14; Mt 22,16). An einer solchen Schnittstelle wird deutlich, wie das Urteil über die semantische Wahrheit zu einer personalen Einschätzung als wahrhaftig führen kann.

Ein ausdrücklich christologisches Urteil wird dort erkennbar, wo ausgesagt wird, daß → Jesus wirklich, tatsächlich (griech. ἀλήθ?ς; alēthōs) der Sohn Gottes gewesen sei, war, ist, kommt wieder (Mk 15,39; Mt 14,33; 27,54). Damit wird die in den synoptischen Evangelien grundlegende Frage nach Jesus, wie sie nach Mk 4,41 (parr. Mt 8,27; Lk 8,25) von den → Jüngern im Anschluß an die Sturmstillung gestellt wird, angemessen beantwortet.

Die Einleitung mancher Rede Jesu mit der Wendung wahrlich, wahrlich, ich sage euch (griech. ἀμήν, λέγ? ύμιν; amēn, légō hymīn; Mk 9,1;16,28; 24,47; Mk 12,43; vgl. auch Lk 4,25) kann in Lk 9,27;12,44 und Lk 21,3 durch die Wendung ich sage euch aber wahrhaftig (griech. λέγ? δε ύμιν ἀλήθ?ς; légō de hymīn alēthōs) ersetzt werden. Jesus redet hier mit dem Anspruch höchster Autorität. Mit der Präpositionalwendung έπ ἀλήθεια (der Wirklichkeit entsprechend, wahrheitsgemäß) wird in Apg 4,27 die tatsächliche Erfüllung der in Apg 4,25f aufgerufenen → Prophezeiung aus Ps 2,1f LXX behauptet, daß sich die Könige der Erde und die Fürsten der Welt in → Jerusalem gegen Gott und seinen Gesalbten versammelt werden.

Diese Prophezeiung ist noch nicht eingetreten und in der Jesusgeschichte ist sie schon Wirklichkeit geworden. Auch in Apg 12,9 wird das tatsächliche Geschehen von einer → Vision abgegrenzt, wenn → Petrus, als er vom → Engel aus dem Gefängnis geführt wurde, noch nicht verstand, daß dieses Geschehen ἀλήθης εστιν (alēthēs estin), daß es sich also wirklich ereigne. Die Befreiung durch den Engel aber geschieht tatsächlich und ist nicht nur eine Einbildung des Petrus. In Apg 10,34 wird berichtet, daß Petrus wirklich (έπ ἀλήθειας; ep’ alētheías) begreife, daß Gott nicht parteiisch sei.

Sowohl die der Wahrheit und der Wirklichkeit entsprechende Redeweise wie auch die Wahrhaftigkeit einer Person können mit dem Ausdruck Wahrheit und seinen Derivaten zur Sprache gebracht werden.

Zuletzt ist noch zu erwähnen, daß in Lk 16,11 in einer absoluten Wendung dem ungerechten Mammon oder Besitz das wahre Gut (griech. τ? ἀλήθινόν; to alēthinón) entgegen gesetzt wird, womit das → eschatologische und bleibende Heilsgut gemeint ist.

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Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den anderen aber in Gleichnissen, damit sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht verstehen. (Lukas 8,10; vgl. Joh 15,15)

2.2. Wahrheit und ewiges Leben im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen

In den Johanneischen Schriften (→ Corpus Johanneum) erhalten der Ausdruck Wahrheit und seine Derivate neben der die Rede kennzeichnenden Funktion eine herausragende theologische Bedeutung. Aber auch für das Johannesche Wahrheitsverständnis ist zunächst festzustellen, daß mit verba dicendi eine Redeweise als wahr oder wahrhaftig (griech. ἀλήθ?ς; alēthōs) gekennzeichnet wird (Joh 4,17f; Joh 10,41; Joh 19,35) wie auch das Erkennen (Joh 7,26; Joh 17,8). Die Wahrheit ist ein Gegenstand des Erkennens (Joh 8,32; 2Joh 1), des Wissens (1Joh 2,21) und des Sagens (Joh 8,40). Für die Christologie des Johannesevangeliums ist es entscheidend, daß Jesus sie Wahrheit sagt, wodurch der Unglaube seiner Gegner ins Unrecht gesetzt (Joh 8,45) oder an anderer Stelle seine Jünger auf sein Weggehen und das Kommen des - Parakleten vorbereitet werden (Joh 16,7).

Ein für das Johannesevangelium wichtiger Topos ist das → Zeugnis (griech. ή μαρτυρία; hē martyría) über Jesus. Würde Jesus nur von sich selbst zeugen, dann wäre dieses Zeugnis nicht wahr (Joh 5,31), da aber ein anderer, hier → Johannes der Täufer, von Jesus zeugt, kann sich Jesus darauf berufen, daß dessen Zeugnis wahr (griech. ἀλήθες, alēthēs) ist (Joh 5,32). Von dem ‚wahren‘ oder ‚unwahren Zeugnis‘ ist mehrfach die Rede (Joh 8,13f; 8,17; 19,35; vgl. auch im Nachtragskapitel Joh 21,24; 3Joh 12). Der Hinweis in Joh 8,17 in Anspielung auf 5Mose17,6 und 5Mose 19,15, daß zwei oder drei Menschen Zeugnis wahr sei, lässt zum einen die forensische Dimension dieser Begrifflichkeit erkennen und zum anderen das Motiv der Übereinstimmung eines Zeugnisses mit der Wirklichkeit deutlich werden.

Bereits diese einführenden Hinweise legen nahe, daß im Johannesevangelium ein bedeutsames materiales Wahrheitsverständnis wahrzunehmen ist. Dabei sind die christologische und die theologische Dimensionen grundlegend, auf welche die pneumatologischen und ekklesiologischen Aspekte stets zu beziehen sind.

Der → Logos, also Christus, erscheint in der Welt (Joh 1,1–16; 1Joh 1,1f) und mit Ihm auch die Fülle der Gnade und Wahrheit (Joh 1,14), womit die Fülle von Gottes Heil für die Menschen im Blick ist. Diese Gnade und Wahrheit wird durch Jesus Christus geoffenbart (Joh 1,17), denn Er allein kommt aus der Nähe Gottes. Gott aber, der Jesus gesandt hat, ist wahrhaftig (Joh 3,33; 7,28; 8,26) Die von Jesus geoffenbarte Wahrheit verbindet sich im Johannesbrief mit seiner Person, die in dem: Ich-bin-Wort zugespitzt wird: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! (Joh 14,6)

Die Identifikation Jesu mit der Wahrheit begründet auch die folgende exklusive Aussage: Niemand kommt zum Vater als nur durch mich! (Joh 14,6b). Die Wahrheit, die Jesus ist, bedingt das Heil der Menschen. Den wahren Gott, der Jesus Christus gesandt hat, zu erkennen, bedeutet ewiges Leben, also das Heil (Joh 17,3; vgl. auch Joh 1,14). Die christologische und theologische Rede von Wahrheit bringt die → soteriologische Funktion Jesu ins Spiel und begründet diese mit der Herkunft Jesu von Gott. Die soteriologischen Metaphern in Verbindung mit dem Motiv der Wahrheit unterstreichen diesen Sachverhalt: Jesus ist das wahre Licht (Joh 1,9), das wahre Brot, vom Vater gegeben (Joh 6,32; Joh 6,55), der wahre Weinstock (Joh 15,1), und überhaupt ist er Wirklichkeit (wie das Amen) (griech. ἀλήθ?ς; alēthōs) der Retter der ohne ihn verlorenen Welt (Joh 4,42).

Anmerkung: Nach jedem Gebet steht das Wort Amen. Zumindest bei den Christen. Ich weiß nicht ob das bei anderen Konfessionen genau so ist. Welche Bedeutung hat das Wort?

Antwort: Das Wort ist eine Bekräftigung und hat am Ende eines Gebets die Bedeutung So ist es, so sei es, so soll es geschehen.

Der nachösterlichen Gemeinde ist von Christus die Gegenwart des Parakleten zugesagt. Dieser wird als der Geist der Wahrheit bezeichnet (Joh 14,17; 15,26; 16,13; vgl. 1Joh 4,6). Dieser → Geist hat die Aufgabe, die Gemeinde in die ganze Wahrheit zu führen (Joh 16,13), ihr also das zu eröffnen, was Christus geoffenbart hat. Nach 1Joh 5,6 ist der Geist selbst die Wahrheit. Diese Identifikation des Geistes mit der Wahrheit, die an Joh 14,6a erinnert, wo Jesus von sich selbst sagt, er sei die Wahrheit, legt es nahe, daß mit der Gegenwart des Geistes in der nachösterlichen Gemeinde Christus selbst bei dieser ist. Der bei der → Gemeinde gegenwärtige Geist geht ebenfalls von Gott aus und wird von Jesus gesandt und legt Zeugnis ab über Jesus (Joh 15,26).

Die Vorstellung von der Wahrheit umfaßt dann auch die Gemeinde. Wer die Stimme Jesu hört, womit auch ein physisches Hören, sondern nicht nur der Glaube an Christus gemeint ist, der ist dann auch selbst aus der Wahrheit (Joh 18,37).

Die anschließende Frage des → Pilatus Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) dokumentiert dessen Unglauben, er ist nicht aus der Wahrheit (vgl. 1Joh 2,21; 3,19). Jesus bittet Gott, daß er die Jünger heilige in der Wahrheit, denn Gottes Wort ist selbst die Wahrheit (Joh 17,17; 17,19). Auf diese Weise bekommen die Jünger Anteil an dem von Christus geoffenbarten Heil Gottes. Dieses Heil findet seine Konkretion darin, daß die Jünger dann auch die Wahrheit tun, womit im Johannes gemeint ist, daß sie an Christus glauben (vgl. die parallelen Formulierungen in Joh 3,18.21) (Hofius, 68–70; Landmesser, 1999, 238–245). Die an Christus Glaubenden sind es dann auch, die wahrhaftig anbeten, sie werden den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten. Dies ist die einzige Möglichkeit, Gott angemessen anzubeten, denn Gott selbst ist Geist (Joh 4,23).

Innerhalb einer Auseinandersetzung Jesu mit seinen Gegnern (Joh 8,12–59) werden in Joh 8,31 verschiedene Aspekte des Johanneischen Wahrheitsverständnisses zusammengeführt. Wer an der Rede Jesu bleibend festhält, ist tatsächlich (griech. ἀλήθ?ς; alēthōs) ein Jünger. Diese Jünger erkennen die Wahrheit, und diese im Christusgeschehen eröffnete Wahrheit bzw. Christus selbst wird die Jünger von der Sünde frei machen (Joh 8,34–36).

Mit dem Motiv der Wahrheit wird im Johannes der gesamte Raum des durch Gott, durch Jesus Christus und den Parakleten erschlossenen Heils für die Glaubenden beschrieben.

In den Johannesbriefen rückt im Anschluß an und Jes 26,10  die ausdrücklich ethische Dimension in den Blick, wenn vom Tun der Wahrheit die Rede ist (1Joh 1,6) oder vom Wandeln in der Wahrheit (2Joh 4).

Wer Gott zu kennen vorgibt, aber seinen Willen nicht erfüllt, der lügt und in ihm ist keine Wahrheit (1Joh 2,4; vgl. auch 1Joh 1,6).

Wer aber Gottes Wort, also seinen Willen, erfüllt, der erweist seine Zugehörigkeit zu Gott. – Der 1. Johannesbrief mündet in die Aussage, daß der Sohn Gottes gekommen sei, daß wir den wahrhaftigen Gott erkennen. Genau das bedeutet ewiges Leben (1Joh 5,20).

2.3. Die Wahrheit des Evangeliums in den Paulusbriefen

Auch in den Paulusbriefen ist Wahrheit zunächst ein Gegenstand des Redens. Zu Beginn seiner Überlegung zum Verhältnis Israels zu Gott vor dem Hintergrund des Christusgeschehens unterstreicht → Paulus das Gewicht dieser Gedanken damit, daß er ausdrücklich notiert, die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen (Röm 9,1). In der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern betont er, daß er auch dann die Wahrheit sagen würde, wenn er sich rühmte (2Kor 12,6), entspräche doch dieser Selbstruhm des Paulus der Wirklichkeit. Und wenn Paulus nach 2Kor 7,14 die Korinther gegenüber → Titus rühmt, so entspricht auch dies der Situation der Gemeinde, das Rühmen des Paulus erweist sich als wahr (griech. ἀλήθεια εγενηθη; alētheia egenēthē).

Und wenn Gott im Endgericht das Urteil über die Menschen spricht, dann geschieht das in Wahrheit, also ihrem Handeln entsprechend (Röm 2,2).

Wird Christus aufrichtig verkündigt, dann geschieht dies nicht mit einem täuschenden Vorwand, sondern in Wahrheit, also wahrhaftig (Phil 1,18). Hier wird der Entsprechungsgedanke mit der ethischen Dimension verbunden. In 1Thess 1,9 findet sich das Adjektiv ἀλήθινός (alēthinós) zur Unterscheidung des wahren und lebendigen Gottes von den Göttern, die tatsächlich keine sind und von denen sich die Glaubenden in → Thessalonisch abgewandt haben.

Im ersten Teil des → Römerbriefs, wo Paulus von der universalen Sünde der Menschen redet, setzt er die Wahrheit Gottes der Lüge der Menschen entgegen, die darin besteht, daß diese statt den Schöpfer das Geschöpf verehren (Röm 1,25; vgl. Röm 3,7).

Gott ist wahrhaftig und jeder Mensch ist ein Lügner (Röm 3,4). Den der Wahrheit ungehorsamen Menschen, die der Ungerechtigkeit folgen, wird Gott im Endgericht mit Zorn begegnen. Die Sünde trennt die Menschen von der heilsbringenden und rettenden Wahrheit Gottes.

Mit dem Ausdruck die Wahrheit des → Evangeliums (griech. η ἀλήθεια του ευαγγελιου; hē alētheia toú euangelíou) erinnert Paulus die inhaltliche Bestimmtheit des Evangeliums, die offensichtlich gerade in den galatischen Gemeinden strittig ist und von der einige bereits abgewichen sind (Gal 2,14). Paulus kämpft um diese Wahrheit des Evangeliums (Gal 2,5). Dabei wird mit diesem Ausdruck die gesamte christologische und soteriologische Bestimmtheit des Evangeliums aufgerufen, die Paulus in allen seinen Briefen entfaltet. Es ist das Evangelium Christi, wobei mit diesem Genitiv sowohl die Herkunft wie auch der Inhalt gemeint ist (vgl. Gal 1,7; 3,1; Röm 15,29; 1Kor 9,12; 2Kor 2,12; Phil 1,27a; 1Thess 3,2). Die Wahrheit des Evangeliums umfaßt das gesamte Christusgeschehen. Mit seiner Missionsarbeit will Paulus das Evangelium bekannt machen, was gerade keine Verfälschung des Wortes Gottes ist (2Kor 4,2).

Wenn Paulus in Gal 5,7 seine Adressaten fragt, wer sie hindere, der Wahrheit gegenüber gehorsam zu sein, dann fürchtet er, daß sich die Galater vom Christusglauben entfernen. Paulus beansprucht für sich selbst, gar nichts gegen die Wahrheit tun zu können, sondern nur für die Wahrheit (2Kor 13,8). Die Verkündigung des Evangeliums steht bei Paulus in einer sachlichen Parallele zum Sagen der Wahrheit (griech. ἀλήθευειν; alētheúein) (Gal 4,13 & 4,16). Das verkündigte Evangelium ist das im Glauben wirkungsvolle Wort Gottes (2Thess 2,13). Dieses verschafft mit dem Christusgeschehen dem glaubenden Menschen die Freiheit von der → Sünde und die Freiheit für die Gerechtigkeit Gottes (Röm 6–8).

2.4. Wahrheit in den weiteren Schriften des Neuen Testaments

Mit dem Ausdruck Wahrheit und seinen Derivaten wird auch in den übrigen Schriften des Neuen Testaments der angemessen bestimmte Inhalt des Sagens und Redens (Eph 4,25; 1Tim 2,7), des Lehrens (Eph 4,21), der → Erkenntnis und damit des Glaubens (1Tim 2,4; 4,3; 2Tim 2,25; 3,7; Hebr 10,26) vorausgesetzt. Neben dem absoluten Gebrauch des Substantivs Wahrheit erscheint die Genitivverbindung Wort der Wahrheit (griech. ό λογος της ἀλήθειας ho logos tēs alētheías), womit ausdrücklich das Evangelium oder die Evangeliumsverkündigung gemeint ist (Eph 1,13; Kol 1,5). Mit diesem theologisch gefüllten Ausdruck Wahrheit wird Gottes Heilshandeln im Christusgeschehen erinnert.

Die Irrlehrer (Sektenführer) widersetzen sich dieser Wahrheit (2Tim 3,8). Strittig ist, ob in Jak 1,18 das ‚Wort der Wahrheit‘ Gottes soteriologisches Handeln oder im Anschluß an Ps 118,43 LXX die Sinaitora meint (vgl. dazu Konradt, 1998, 67–74).

In der → Apokalypse erscheint aus dem entsprechenden Wortfeld nur das Adjektiv wahrhaftig, wahrheitsgemäß, wirklich (griech. ἀλήθινος; alēthinós). In Apk 15,3 werden die Wege Gottes als gerecht und wahrhaftig bezeichnet; beides gilt auch von den Urteilen Gottes (Apk 16,7; Apk 19,2). Und von Jesus wird ausgesagt, daß ER ό ἀλήθινος (ho alēthinós) sei (vgl. auch Apk 3,14; Apk 6,10; Apk 19,11), womit im Anschluß an den Sprachgebrauch der → Septuaginta Jesu göttliche Hoheit ausgedrückt wird (vgl. Jes 65,16).

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Als er so die Herrschaften und Gewalten entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben. (Kol 2,15; vgl. Lk 10,19; 1Joh 3,8; Joh 12,31; Hebr 2,14)

Ich benutze die Schlachter Version 2000 (Grundtext).

 

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