Schwarzbrot statt Weißbrot

 

Überarbeiteter Text, April 2017

Bibel

Schwarzbrot statt Weißbrot

Sind wir solche, die geistlich feste Speise vertragen können, oder brauchen wir noch leichtere Kost? Der Hebräerbrief mahnt, zur vollen Reife überzugehen. Eine Anwendung auf das christliche Gemeindeleben.

Schon in Bezug auf das physische Leben sagt man, dass Vollkornbrot wesentlich gesünder ist als Weißbrot. Solange ein Mensch sich im Kleinkindalter befindet, noch nicht richtig kauen und verdauen kann, ist das weichere Weißbrot angebracht, wenn er aber heranwächst, sollte er immer öfter auch zu Vollkornbrot greifen. Dasselbe trifft auf das geistliche Leben zu.

«Über ihn haben wir viel zu sagen, und zwar Dinge, die schwer zu erklären sind, weil ihr träge geworden seid im Hören. Denn obgleich ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch lehrt, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Wer nämlich noch Milch genießt, der ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit; denn er ist ein Unmündiger. Die feste Speise aber ist für die Gereiften, deren Sinne durch Übung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen. Darum wollen wir die Anfangsgründe des Wortes von Christus lassen und zur vollen Reife übergehen, wobei wir nicht nochmals den Grund legen mit der Busse von toten Werken und dem Glauben an Gott, mit der Lehre von Waschungen, von der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht» (Hebräerbrief Kapitel 5, Verse 11 bis Kapitel 6, Vers 2).

Die Hebräer machten in der Erkenntnis und im Glaubensgehorsam keine Fortschritte. Im Gegenteil, sie entwickelten sich sogar zurück, und statt mündig zu werden, degenerierten sie zu Unmündigen. Ihr Gemeindeleben drehte sich immer noch um die Anfangsgründe, und darum entwickelten sie sich nicht weiter. Die Apostel hätten ihnen gemäß Hebräerbrief Kap. 5, Vers 11 über den Herrn Jesus viel mehr und tiefgründigere Dinge zu sagen gehabt. Sie hätten somit zugänglicher sein sollen für geistliche Dinge, die schwerer zu verstehen sind. Aber es war unmöglich, ihnen das beizubringen, weil sie dafür nicht empfänglich waren. Wären sie noch jung im Glauben gewesen, dann hätte der Autor darauf Rücksicht genommen. Nun aber kam ihr Mangel an Reife einer geistlichen Katastrophe gleich. Sie waren unterentwickelt, weil sie sich mit Milch begnügten. Wenn ein mündiger Erwachsener sich wie ein Kind benimmt, ist das tragisch, ja einfach lächerlich. Von einem Erwachsenen wird erwartet, dass er sich erwachsen benimmt und sich dementsprechend entwickelt.

Die Situation hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Es gibt leider unterentwickelte Gemeinden und Christen, die nicht empfänglich sind für festere Speise. Sie vermögen nicht zu unterscheiden und nehmen eine Abwehrhaltung ein, wenn es darum geht, sich auch einmal mit den tieferen Lehren der Heiligen Schrift auseinanderzusetzen.

Erlauben Sie mir ein Beispiel; vielleicht erschrecken Sie jetzt, dennoch ist es wahr: Der Gemeindegottesdienst ist nicht in erster Linie ein Ort der Evangelisation, sondern vorrangig ein Ort der Anbetung Gottes und der Unterweisung der Gläubigen. Je besser eine Gemeinde in der Lehre unterwiesen wird, desto besser wird der einzelne Christ das Wort der Gerechtigkeit auch verstehen. Durch die Unterweisung in der Lehre, in der festen Speise, werden die Glieder motiviert und ausgerüstet, im Alltag ihre Mitmenschen mit dem Evangelium zu erreichen. Wenn ein Christ hingegen nur Milch genießt, bleibt er unbeholfen. Er weiß nicht, wie er das Wort des Christus richtig weitergeben soll, weil er nie über die Anfangsgründe hinausgekommen ist (Hebräer 5,13). Wer aber erwachsen geworden ist, kann andere an die Hand nehmen und sie im Evangelium anleiten (Hebräer 5,14).

Obgleich es in Hebräer 5,11-6,2 nicht um die Frage der Evangelisation geht, sollten evangelistische Veranstaltungen aus genannten Gründen separat durchgeführt werden. Das beste Argument dafür finden wir in der Bibel. So gingen die Apostel in die Synagogen, auf öffentliche Plätze oder in die Häuser, um Menschen zu evangelisieren (Apg 19,8-10). Aber immer dann, wenn eine Gemeinde entstanden war, konzentrierten sie alle Mühe darauf, sie zu unterrichten. Durch diese Gemeindeglieder kamen dann wieder andere zum Glauben (Apostelgeschichte Kap. 2, Vers 42; 11,26; 18,11; 20,31).

Wenn wir wollen, dass andere Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden, dann müssen wir Wert darauf legen, die Gemeinde in den biblischen Wahrheiten zu unterrichten und sollten auch selbst tiefer ins Wort eindringen. In manchen Gemeinden wird der Gottesdienst missbraucht, um Sonntag für Sonntag die Außenstehenden zu erreichen. Die Gemeinde bemüht sich «besucherfreundlich» zu sein, während die Gemeindeglieder selbst am Hungertuch nagen. Das ist ein fataler Fehler, denn es bringt längerfristig weniger als das Unterrichten der Gemeinde. Im Allgemeinen bekehren sich die Menschen eher durch Einzelkontakte mit Gläubigen; und wenn diese gut unterrichtet sind, können sie umso mehr ausrichten.

Der Gemeindegottesdienst ist nicht in erster Linie ein Ort der Evangelisation, sondern vorrangig ein Ort der Anbetung Gottes und der Unterweisung der Gläubigen.

Es heißt, es mangle 2,5 Milliarden Menschen trotz genügender Nahrungsmittel an lebenswichtigen Nährstoffen. Diese Menschen werden zwar satt, sind aber dennoch unterernährt. Sie leiden an «verborgenem Hunger». Dieser macht sie krank. Das trifft leider auch in geistlicher Hinsicht auf viele Menschen zu: Sie sind satt – und doch fehlt das Wichtigste zum Leben, sie sind geistlich unterernährt. Trotz Geld, Arbeit, Gesundheit, Familie und Hobbys fehlt ihnen das Wichtigste: Jesus Christus. Wer Gott nicht in sich trägt, dem fehlt die geistliche Grundnahrung. Ein solcher Mensch hat dementsprechend Nährstoffmangel, der ihn innerlich krank macht.

Ohne den Glauben an Jesus Christus und Seine Auferstehung von den Toten ist Ihr ganzes Tun nutzbringend wie Sandschaufeln in der Sahara. (Zitat Unbekannt)

Außerdem sollte ein Christ in der Lage sein, sich selbst eine geistliche Mahlzeit zuzubereiten und sich nicht immer nur etwas «vorkochen» zu lassen. Jemand meinte dazu, man müsse die dauerhafte Beziehung zu Gott selbst nähren: selbst beten, selbst die Bibel studieren, selbstständig Nachdenken.

Norbert Lieth – MNR

INFO: Bereits kurz nach der Gründung des Missionswerks wurden einzelne Radiosendungen ab April 1956 über Radio Tanger verbreitet. Zur gleichen Zeit wurde das Programmheft Mitternachtsruf ins Leben gerufen, das sich später zur eigenständigen Missionsschrift entwickelte und sich heute mit rund 140.000 Exemplaren (davon 28.000 in Deutsch) an Radiohörer und andere Interessierte wendet. Die Radiosendungen verbreiteten in Deutsch und einigen weiteren europäischen Sprachen die eschatologisch ausgerichtete Botschaft von Wim Malgo, der das biblische Weltende mehrmals auf die Jahre zwischen 1968 und den 1990er Jahren datiert hatte. Seit dem Tod Malgos setzt Norbert Lieth die Arbeit fort. Später nutzte das Werk die Frequenzen von Radio Monte Carlo, dann diejenigen von Radio Luxemburg.[1] Mit der Gründung von Radio Neue Hoffnung im Jahr 1998 wurden die Sendungen über dieses Webradio und ab 2005 auch über Satellit verbreitet. Heute werden verschiedene Ereignisse des aktuellen Weltgeschehens, vor allem in Israel, der Europäischen Union, Russland und weiteren Ländern als Zeichen der Endzeit gedeutet und in den Sendungen des Missionswerks und der Zeitschrift thematisiert.

Das Missionswerk gibt neben der monatlich erscheinenden Zeitschrift Mitternachtsruf auch die Zeitschrift Nachrichten aus Israel heraus.

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