Nur die Klugen kommen ins Himmelsreich!

Überarbeiteter Text, April 2017

Nur die Klugen kommen ins Himmelreich

Von Prof. Dr. Werner Gitt

 1 Einleitung

Es gibt Bibeltexte, die in Predigten, Bibelstunden und Wortbetrachtungen immer wieder verwendet werden und solche, die in der Verkündigung von merkwürdiger Rarität sind. Zu den letzteren gehört ohne Zweifel der Text über den so genannten ungerechten Haushalter nach Lukas 16,1-8:

1. Er sagte aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; und dieser wurde bei ihm verklagt, dass er seine Güter verschleudere.

2. Und er rief ihn zu sich und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Lege Rechenschaft ab von deiner Verwaltung; denn du kannst künftig nicht mehr Haushalter sein!

3. Da sprach der Haushalter bei sich selbst: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht; zu betteln schäme ich mich.

4. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich, wenn ich von der Verwaltung entfernt bin, in ihre Häuser aufnehmen!

5. Und er rief jeden von den Schuldnern seines Herrn zu sich und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?

6. Er aber sprach: 100 Bat Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setze dich und schreibe schnell 50!

7. Darnach sprach er zu einem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der aber sagte: 100 Kor Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreibe 80!

8. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts.

Liest man diese Verse gründlich und sucht dazu sensationelle Überschriften im Zeitungsstil, so könnte man formulieren:

Leitender Angestellter prellt seinen Arbeitgeber,

Urkundenfälscher mit durchdachtem System,

Schuldner und Prokurist machen gemeinsame Sache,

Geschäftsführer kürzt eigenmächtig Sollbetrag,

Gaunerei bei Pachtverträgen,

Jesus rühmt einen Fälscher.

Aber auch völlig entgegen gesetzte Schlagzeilen wären denkbar:

Der kluge Verwalter,

Ein Pfiffikus von Format,

Unternehmensleiter mit Weitblick,

Der kluge Mann sorgt vor,

Jesus blickt tiefer.

Eine gründliche Textbetrachtung soll uns zum besseren Verständnis des Gleichnisses verhelfen. In der „Wuppertaler Studienbibel" finden wir folgenden entmutigenden Kommentar: „Das Gleichnis vom ungerechten Haushalter ist zu allen Zeiten für die Ausleger eine der schwierigsten Stellen des Evangeliums gewesen. Die Feinde des Evangeliums haben sogar dieses Gleichnis als Angriffswaffe benutzt, um darzustellen, wie unmoralisch Jesus hier seine Zuhörer belehrt." So hat jemand gesagt, dieses sei das grauenvollste der Gleichnisse. Kritische Ausleger haben dem Herrn Jesus vorgeworfen, er verwende hier den jesuitischen Grundsatz „der Zweck heiligt die Mittel". Das Gleichnis enthält in der Tat einige Probleme, die wir kurz skizzieren wollen:

Problem 1: Der Haushalter lässt die Schuldscheine auf einen geringeren Betrag ändern, d.h. er schädigt seinen Chef empfindlich. Jesus lobt dennoch sein Verhalten. Wie passt das mit der Gerechtigkeit Jesu zusammen?

Problem 2: In Vers 8 heißt es: „Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt hatte." Es steht hier nicht „der Herr Jesus", so dass es für unsere Überlegungen noch offen ist, wer hier lobt. Es kann auch der reiche Mann gemeint sein. In der NT-Übersetzung von Albrecht wird die Entscheidung zugunsten des reichen Mannes bereits unterstellt, wenn er formuliert: Und der Herr lobte seinen betrügerischen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.

Der Bibelübersetzer Hans Bruns überträgt in entsprechender Weise: Der Herr lobte den Verwalter trotz seines Betruges. Albrecht oder Bruns lesen, werden bereits auf eine Meinung fixiert, die aus dem griechischen Grundtext keineswegs folgt. Hieran wird schon die Problematik vieler nicht grundtextnaher Bibelübersetzungen deutlich. In nicht bibeltreuen Übersetzungen finden wir häufig die eigene Meinung der Übersetzer wieder, und der Leser gelangt nicht an die tiefere biblische Bedeutung des Textes. 

2. Der Schlüssel zum Text:

Wie gelangen wir nun an die Bedeutung dieses sicherlich schwierigen Textes heran? Nun, der eigentliche Schlüssel ist der Herr Jesus selbst. In Matthäus 13,10-12 sagt uns der Herr Grundlegendes zu den Gleichnissen: Da traten die Jünger herzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen mit ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu verstehen; jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat.

Hier erfahren wir zwei Grundzüge der Gleichnisse:

1. Die Gleichnisse reden durchweg vom Reich Gottes: Drei Fragen werden dabei beantwortet: Was ist das Wesen des Reiches Gottes, das bei Matthäus mit Himmelreich bezeichnet wird?

Wie komme ich in den Himmel?

Wer kommt in den Himmel?

2. Die Wirkung der Gleichnisrede ist folgende:

Die einen werden es noch besser begreifen und darum im Sinne des Himmelreiches noch konsequenter handeln können. Die anderen verstehen immer weniger. Sie werden dem Reich Gottes gegenüber immer gleichgültiger und sagen schließlich: „Für den Himmel interessieren wir uns gar nicht, denn damit befassen sich nur einige überspannte Leute. Die eigentlichen Probleme der Kirche sind doch Friedenspolitik und Abrüstung, Umweltverschmutzung, Emanzipation der Frau, dritte Welt u. a. Mit dem Himmel aber wissen wir nichts anzufangen." Nach dem bisher Gesagten können wir schon folgendes festhalten: Bei dem Gleichnis in Lukas 16 geht es um den Himmel, auch wenn das auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich ist. Wie noch näher zu zeigen ist, informiert uns das Gleichnis über einen ganz besonderen Aspekt des Himmels, nämlich: Wer kommt dort hinein? Es ist klar, dass Jesus der einzige Weg zum Himmel ist, denn er sagte, dass ohne ihn niemand zum Vater kommen könne. Aber Jesus sagte auch: Ringt danach! (Lukas 13,24). Wie dieses Ringen geschieht, das sagen uns die Gleichnisse. An einigen Beispielen wollen wir uns einzelne Aspekte anschauen:

a) Gleichnis vom Schatz im Acker (Matthäus 13,44): Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem verborgenen Schatz im Acker... Es liegt nicht auf der Straße. Aber wenn ich darauf stoße - wenn es mir verkündigt wird, dann habe ich zuzugreifen. Aspekt: ... Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht! Und: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu dem du auch berufen bist...  (Hebräer 4,7; 1. Timotheus 6,12).

b) Gleichnis vom Kaufmann und der Perle (Matthäus 13,45): Das Reich Gottes ist das Kostbarste, was es gibt - symbolisiert durch die kostbare Perle. Man muss sie suchen. Aspekt: Das Himmelreich, finden die Suchenden.

c) Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32): Das Reich Gottes ist das Vaterhaus. Der Himmel ist, wo Gott der Vater ist. Der verlorene Sohn musste sich aufmachen; er musste sich für den Heimweg entscheiden. Aspekt: Ins Himmelreich gelangen nur die Heimkehrer, die sich bewusst auf den Weg Gottes begeben.

d) Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lukas 19,11-27): Das Wesen des Reiches Gottes ist Herrschaft. Dort sind wir zum Königtum berufen. Aspekt: Den Himmel erreicht nur, wer mit anvertrauten Pfunden gewuchert hat. Wir haben nun im Folgenden zu erarbeiten, welchen Aspekt des Himmelreiches wir in dem Gleichnis von dem ungerechten Haushalter vorfinden. Dass es sich bei diesem Gleichnis um eine Aussage darüber handelt, wer in das Himmelreich eingeht, geht aus den folgenden Versen deutlich hervor: V. 9: „auf dass sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten." V.11: „wer will euch das wahre Gut anvertrauen?" V.13: „wer wird euch geben, was unser ist?" V.16: „Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt und jedermann drängt sich mit Gewalt hinein."

3. Das Gleichnis

Zwei Personen treten hier besonders auf: - der reiche Mann und - der Haushalter. Der reiche Mann ist ein Großgrundbesitzer mit vielen Ländereien. Zurzeit Jesu gab es insbesondere in Galiläa solche Grundbesitzer. In Lukas 19,11-27 steht das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden. Dort ist von einem Edlen die Rede, der wegzog, um das Königtum zu erlangen. Wir können uns gut vorstellen, dass der reiche Mann, der hier genannt wird, ebenfalls nicht am Ort ist, sondern irgendwo in der Ferne lebt. Er hat die Verwaltungsgeschäfte einem fähigen Mann überlassen. Dieser Verwalter oder Haushalter ist mit allen Vollmachten ausgestattet. Er hat also Prokura. Was er unterschreibt, ist rechtsgültig; es ist somit vertraglich absolut verbindlich. Der Verwalter ist niemandem Rechenschaft schuldig als allein seinem Herrn, dem Großgrundbesitzer. Nun geschieht etwas, was so häufig passiert. Jemand setzt ein Gerücht in die Welt: So wird dem reichen Mann zugetragen, dass der Geschäftsführer ihm sein Vermögen nicht ordentlich verwalte. In Vers 1 lautet der Schrifttext: „Der Verwalter ward vor ihm beschuldigt, er vergeude ihm seine Güter." (Luther) „Es war ein gewisser reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe." (Elberfelder) Auch im griechischen Grundtext steht nicht, dass er wirklich verschwenderisch handelt. Das Verb steht bewusst im Konjunktiv, es drückt also nur eine Möglichkeit aus. Ob der Vorwurf oder das Gerücht zu Recht bestehen, bleibt offen. Durch Schlussfolgerung können wir diese Frage noch beantworten, obwohl die Antwort im Augenblick noch nicht wichtig ist. Der reiche Mann geht jedenfalls davon aus, dass der Verwalter sein Vermögen tatsächlich vergeudet. Die Hauptperson ist nicht der reiche Mann, sondern der Verwalter, den wir uns noch näher ansehen müssen. Zuvor ist noch eine andere wichtige Frage zu beantworten: 3.1 Wer ist der Herr in Vers 8? Am Ende des Gleichnisses heißt es in Vers 8: Und der Herr lobte den ungetreuen Haushalter, dass er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts. Wer ist dieser Herr? Ist es der reiche Mann oder der Herr Jesus? Viele Ausleger vertreten die Ansicht, dies sei der reiche Mann. Wenn Ludwig Albrecht übersetzt Und der Herr lobte seinen betrügerischen Verwalter, dann hat er etwas Bedeutungsveränderndes hinzugefügt, was so nicht im Grundtext steht. Wir können jedoch durch Beachtung einiger Fakten herausbekommen, wer dieser Herr ist. Ich bin davon überzeugt: Es ist der Jachweh = Jesus Christus! Wie lässt sich das begründen?

1. Der reiche Mann hatte gar keinen Grund, ihn zu loben, denn er war ja der Geschädigte. Durch die herabgesetzte Schuldsumme war sein Gewinn geschmälert. Der reiche Mann konnte eigentlich nur sagen: Mein Verwalter ist zwar pfiffig, er ist ein durchtriebener Fuchs, aber loben kann ich ihn nicht, denn er hat nicht in meinem Sinne gehandelt.

2. Wenn das Gleichnis mit einem Lob des reichen Mannes für den Verwalter endet, dann bleibt unverständlich, warum er ihn entlassen hat. Einen klugen Mann behält man doch und macht ihn sich zunutze.

3. Entscheidend ist jedoch noch Folgendes: Der gesamte Vers 8 steht in einem so engen logischen Zusammenhang, dass der Sprechende in beiden Fällen derselbe sein muss. Es ist klar, dass die Aussage „die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts" eine Aussage Jesu ist. Da der ganze Vers 8 ein einziger Satz ist, ist somit eindeutig, dass mit hier der Herr Jesus Christus gemeint ist.

3.2 Ist der Haushalter gut, oder ist er betrügerisch?

Nachdem wir herausgefunden haben, dass Jesus den Abschlusssatz des Gleichnisses sagt, können wir das Urteil über den Haushalter fällen: Er ist völlig o.k.! Er ist weder betrügerisch noch ungerecht. Diese Aussage wollen wir im Einzelnen begründen:

1. Der Schlüssel dazu liegt im Urteil Jesu: Der Haushalter wird von Jesus gelobt. Jesus wird niemals einen ungerechten Menschen loben. Das widerspricht völlig seiner Wesensart. Hier haben wir vom Gesamtzeugnis der Bibel auszugehen und das auch in unsere Auslegung mit einzubeziehen. Jesus sagt allzeit die Wahrheit, er ist absolut gerecht, und er hat nie eine Sünde gutgeheißen. So würde er nie einen Betrüger loben. Er würde ihm seine Schuld vergeben, aber niemals betrügerisches Verhalten loben. Als die Pharisäer eine Ehebrecherin zu Jesus brachten, hat er diese Frau nicht gelobt. Die Sünde nannte er Sünde. Er vergab ihr und ermahnte sie, hinfort nicht mehr zu sündigen. Jesus hat nie eine schlechte Tat gutgeheißen. In diesem Gleichnis lobt Jesus die Tat eines Mannes und nennt das sogar klug! Somit war das Tun des Verwalters keineswegs verwerflich.

2. Der Haushalter handelt in seiner Vollmacht, als er die Schuldscheine ändern ließ. Es gehörte zu seinem Geschäftsbereich - also zu seinen ihm aufgetragenen Obliegenheiten - Verträge für die Pacht von Ländereien abzuschließen und Güter zu verkaufen. Er hatte in dem Betrieb niemanden über sich, dem er einen Vertrag zur Gegenzeichnung hätte vorlegen müssen. Er besaß Prokura und konnte absolut frei handeln. Ob er viel oder wenig erwirtschaftete, war eine zweite Sache. Danach hat ihn sein Arbeitgeber beurteilt. Die Änderung der Schuldscheine lag im Rahmen der Legalität. Er hatte die Schuldscheine in Verwahrung. Er handelte die Pachtsätze aus, er beobachtete die Marktlage und setzte die Preise fest. Es stand in seiner Vollmacht, Verträge mit den Kunden abzuschließen. Von dieser seiner Vollmacht machte er nun reichlich Gebrauch, indem er alle Schuldner bestellte und die Schulden nicht unerheblich senkte. Dass er mit dieser Aktion in den Augen der Schuldner gewann, ist klar. Dass er in den Augen des reichen Mannes verlor, ist ebenso verständlich.

3. Der Haushalter verschafft sich kein Geld in die eigene Tasche: Ein dritter Punkt ist noch wichtig, der uns anzeigt, dass der Haushalter kein Betrüger ist. Wäre er nämlich ein Betrüger, dann hätte er den reichen Mann prellen können. Er hätte von dem Besitz seines Herrn eine Menge Geld für sich beiseite schaffen können. Das aber tat er nicht. Er verkaufte auch keine Grundstücke, um dann das Geld für sich persönlich zu nehmen. Was er tat, war gut ausgeklügelt, aber völlig im Rahmen der Legalität. Er handelte im Rahmen der ihm obliegenden Amtsgeschäfte. Hier nutzte er allerdings seinen Freiraum bis zur Grenze des Möglichen. Es bleibt noch ein Problem übrig, wenn wir ein so gutes Bild von dem Haushalter zeichnen. In Vers 8 steht das Wort "ungerechter Haushalter". Von da her hat das Gleichnis ja auch seinen Namen erhalten.

3.3 "Ungerechter" Haushalter - aus welcher Sicht?

Für die Beurteilung eines Menschen ist die jeweilige Sichtweise sehr bedeutsam. Denselben Menschen können zwei Personen sehr unterschiedlich beurteilen. Der eine ist des Lobes voll über ein und denselben Menschen, während der andere ihn nicht mag, ihn nur verurteilt und ihn grund weg ablehnt. Entscheidend ist die Meinung Jesu! So auch in unserem Gleichnis: Jesus bezeichnet das Handeln des Haushalters als klug und darum lobt er ihn. Der reiche Mann hingegen ist verärgert und will ihn entlassen, denn er hat ihm angeblich sein Gut verwirtschaftet. Diese negative Meinung über seinen Haushalter hatte er sich aus Gerüchten gebildet, die sich aber nach dem bisher Erarbeiteten als falsch erwiesen. Er war über den Haushalter verärgert und nannte ihn darum folgerichtig "ungerecht". Meinungen vor Menschen und Meinungen vor Gott sind oft grundverschiedene Dinge. In Lukas 16, Vers 15 sagt der Herr Jesus zu den Pharisäern: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen, aber Gott kennt eure Herzen; denn was bei den Menschen hoch angesehen ist, das ist ein Greuel vor Gott. Es gibt Nobelpreisträger, die erklären, diese Welt habe sich ganz zufällig gebildet. Das Leben ist durch Selbstorganisation der Materie entstanden, durch Mutation und Selektion, also durch Zufallsmechanismen. Diese Leute genießen ein hohes Ansehen und werden von der Gesellschaft und von den Massenmedien geehrt und gefeiert. Aber wie ist das bei Gott? Vor Gott sind sie elende Narren! Gott urteilt in Psalm 14,1: Der Narr spricht in seinem Herzen: >> Es gibt keinen Gott! << Sie handeln verderblich, und abscheulich ist ihr Tun; Da ist keiner, der Gutes tut.  Eine so unterschiedliche Meinung vor Menschen und vor Gott kann auch für eine Gemeinde gelten. Eine Gemeinde hält sich selbst für geistlich, für lebendig und für gesund, aber nach dem Urteil Jesu ist sie nur eine Karikatur dessen, was sie sein sollte. In Offenbarung 3,17 sagt Jesus zur Gemeinde Laodicea: Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt es an nichts! - und du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt. Wir haben immer deutlich zwischen der Meinung Jesu und der Meinung von Menschen zu unterscheiden. (Das kann durchaus zusammentreffen, aber es muss nicht!). In unserem Gleichnis ist es jedenfalls auch ein Unterschied! Nachdem wir herausgefunden haben, ob der Haushalter gut oder ungerecht ist und wie der Herr Jesus ihn beurteilt, wollen wir uns nun mit seiner Tat befassen:

3.4 Die Tat des Haushalters Der Haushalter sieht die anstehende Entlassung vor sich. Er weiß aus Erfahrung, sein Herr ist von kurzem Entschluss und so rechnet er damit, dass er in Kürze von seinem Amt enthoben sein wird. In der verbleibenden Zeit handelt er nun: 1. Klug! 2. Schnell! Sein kluger Entschluss wird in drei Stufen des Selbstgespräches offenbar:

1. Er erfasst schnell die Notsituation, die aus die nicht mehr abzuwendende Entlassung folgt. Die Entfernung aus seinem Amt kalkuliert er als eine feststehende Tatsache. Das wird durch die Gegenwartsform seiner Aussage bekräftigt: "Mein Herr nimmt das Amt von mir."

2. Für seine zukünftige Situation sieht er zwei Möglichkeiten: harte Arbeit oder Bettelei! Das eine kann er nicht, und das andere will er nicht. Er sagt bei sich: „Zur harten körperlichen Arbeit fehlt mir die Kraft, und zum Betteln bin ich zu stolz." Er verwirft beides. 3. In seiner bedrängten Lage sucht er nach einem Ausweg und findet eine kluge Lösung. Er sagt als dritten Satz seines Selbstgespräches: „Ich weiß wohl, was ich tun will." Er hat einen Plan, sich Versorger zu verschaffen, die ihn beherbergen. Er nutzt die kurze ihm noch zur Verfügung stehende Amtszeit, um für die Zukunft Vorsorge zu treffen. Er bestellt die Schuldner seines Herrn zu sich und händigt ihnen den Schuldbrief aus. Der Schuldbrief kann entweder ein Pachtvertrag sein, wenn es Pächter waren oder aber Schuldpapiere, wenn es Händler waren. Beides ist nach dem griechischen Grundtext möglich. Der Verwalter hätte den Schuldbetrag selbst lesen können, aber er handelt klüglich, indem er die Schuldner nach dem Betrag der Schuld fragt. Durch das so gesteigerte Schuldgefühl wird die Dankbarkeit für den Nachlass nachher umso größer sein. Der Herr Jesus sagte einmal von einer Sünderin, dass sie deshalb viel liebt, weil ihr viele Sünden vergeben sind (Lukas 7,47). Unser Haushalter im Text erlässt keinem die ganze Schuld. Auch das ist in doppelter Hinsicht sehr klug: Der reiche Mann wird die Schuldscheine vorfinden, und so kann er dem Haushalter nicht den Vorwurf machen, er hätte ihm sein Vermögen verschleudert. Der Haushalter hatte sicherlich darauf geachtet, dass die Schuldbeträge trotz der Minderung noch im Rahmen der möglichen Marktspanne lagen.  Die Schuldner werden in Demut bleiben, wenn noch eine Restschuld bleibt. Die beiden stellvertretend genannten Schuldner haben eine unterschiedliche Schuld, auch wenn die Zahl "100" bei beiden numerisch gleich ist: 100 t Bat Öl bzw. 100 Kor Weizen. Dem ersten erlässt er 50 % und dem anderen nur 20 %. Dem Wert nach dürften aber die beiden erlassenen Schuldbeträge ungefähr gleich sein, da der auf das Gewicht bezogene Preis des Öls viel höher ist als der des Weizens. Wir hatten am Anfang gesagt, dieses Gleichnis hat es mit dem Himmelreich zu tun. Das müssen wir noch deuten: Der Verwalter hatte die Frage nach der Zukunft: „Wo bleibe ich, wenn meine Zeit als Verwalter abläuft?" Das ist auch unsere Frage: „Wo bleibe ich, wenn meine irdische Zeit, meine Verwalterzeit abläuft? Habe ich vorgesorgt?" Viele Menschen haben die Frage nach der Zukunft - die Frage nach der Ewigkeit - gar nicht. Von diesem Mann aus dem Gleichnis können wir etwas Wichtiges lernen: Er dachte weiter. Er wusste, die verbleibende Zeit ist kurz, und darum handelte er schnell. Unsere irdische Zeit läuft schnell ab. Die Bibel sagt: Unser Leben ist ein Dampf, der verfliegt. Kurz ist unser enteilendes Leben. Haben wir vorgesorgt? Der Haushalter überlegte sich das Danach: - harte Arbeit - oder Betteln, aber beides kam nicht in Frage. Wer in dieser Zeit nicht vorsorgt, hat keine Zukunft; er geht ewig verloren. So können wir in Analogie zu dem Haushalter sagen: Ewig verloren sein, will ich nicht. Für die Hölle bin ich mir zu schade. Ohne Hoffnung und Heimat will ich nicht sein. Ewige Schmach und Schande will ich nicht. Also: Ich muss handeln in dieser Zeit! Die Zeitspanne zwischen Verwaltung und Rechenschaft ist kurz. Das heißt für uns: Die Zeit zwischen diesem Leben und dem Gericht ist kurz. Hätte der Haushalter im Gleichnis gar nichts getan, so wäre er unversehens in diese Notsituation gekommen.

Wer nichts tut, geht ewig verloren.Wer kommt in das Himmelreich?

Antwort: Nur, wer klug handelt! Im Himmel werden wir einmal nur solche Leute finden, die zu Lebzeiten klug handelten. Wer handelt klug?

Und es soll geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden.« (Apostelgeschichte 2,21)

Antwort: Wer eine persönliche Glaubensentscheidung für Jesus Christus trifft! Nun mag jemand sagen: Eine Entscheidung für Jesus traf ich vor vielen Jahren. Damit ist ja alles gut. Aber das reicht nicht! Es ist wichtig, dass wir ständig klug handeln. Die 10 Jungfrauen im Gleichnis von Matthäus 25 hatten alle einmal eine Entscheidung für Jesus getroffen „aber gerettet wurden dennoch nur fünf, und das waren die fünf klugen Jungfrauen. Nur die Klugen waren angenommen, als der Herr kam. Wir sind zum klugen Handeln aufgefordert. Die Frage spitzt sich zu:

4. Nur wer klug handelt, ist gerettet:

Der Herr Jesus lobte den Haushalter, weil er klug gehandelt hatte. Auch uns fordert er auf, klug zu sein. In Matthäus 10,16 sagt Jesus: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben! Als Gläubige befinden wir uns in dieser Welt im Wolfslager. Der Wolf ist dem Schaf immer überlegen, weil er beißen kann. Das Beißen aber ist uns untersagt, ebenso die Falschheit. Das sind nicht unsere Waffen. Uns ist die Klugheit aufgetragen! Jakobus stellt die Frage (Kap. 3,13): Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit." Und der Herr Jesus sagt in Matthäus 7,24: Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Wer den Auftrag Jesu in dieser Welt erfüllt, ist klug.

Nur diejenigen, die dem Herrn gehorsam sind, sind wirklich klug. Wir sehen also: Nur die Klugen kommen ins Himmelreich. Die Feinde des Evangeliums behaupten immer, nur für die Dummen ist der Himmel. Weit gefehlt: Den Himmel erreichen nur die Klugen! Nicht die Weltklugen, nicht die Neunmalklugen, sondern die Klugen in Jesus. Klugheit in Jesus und Klugheit dieser Welt haben wir deutlich voneinander zu unterscheiden. Es gibt Menschen, die in rein weltlichen Dingen äußerst klug handeln, aber bezüglich der ewigen Zukunft verhalten sie sich dumm. Wir wollen uns das einmal verdeutlichen an acht Persönlichkeiten, die seinerzeit die wohl einflussreichsten Finanzleute der Welt waren. Sie trafen sich 1923 im Edgewater Beach Hotel in Chikago: Charles Schwab, der Präsident der größten Stahlgesellschaft,  Samuel Insull, der Präsident der größten Elektrizitätsgesellschaft,  Arthur Cutten, der größte Weizenhändler, Richard Whitney, der Präsident der Aktienbörse von New York,  Albert Fall, ein Minister des US-Bundeskabinetts, Jesse Livermore, der größte Aktienhändler von Wallstreet, Leon Frazier, der Präsident der Bank of International Settlements,  Ivan Krueger, der Chef des größten Monopols der Welt (Zündhölzer). Diese Leute beherrschten zusammen mehr Wirtschaftskraft und Kapital als irgendeine Regierung der Erde. Seit Jahren brachten die Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig Artikel über diese Männer, und viele junge Leute träumten davon, es ihnen gleichzutun.

Wir wollen sehen, wie es 25 Jahre später um diese Männer stand: Der Präsident der größten, unabhängigen Stahlfirma lebte die letzten fünf Jahre seines Lebens von geborgtem Geld und starb ohne einen Pfennig. Samuel Insull war der Präsident der größten Elektrizitätsgesellschaft. Er starb ebenfalls in Armut und verachtet. Genauso erging es Arthur Cutten, der verarmt in der Fremde starb. Er war einst der größte Weizenhändler der Welt. Der Präsident der Aktienbörse von New York, Richard Whitney, wurde erst unlängst aus dem Zuchthaus von Sing Sing entlassen. Albert Fall, einst Bundesminister, wurde begnadigt, damit er das Gefängnis verlassen und daheim sterben konnte. Der größte Aktienhändler von Wall Street, Jesse Livermore, beging Selbstmord. Der Präsident der Bank of International Settlement, Leon Frazier, beging Selbstmord, und der Chef des größten Monopols der Welt, Ivan Krueger, beging ebenfalls Selbstmord. Alle diese Männer hatten gelernt, wie man zu Geld und Einfluss kommt. Es waren Menschen, die - wie wir so schön sagen „voll im Leben" standen. Niemand von ihnen hatte an seine Zukunft gedacht. Die Weltklugen erweisen sich oft als die Narren, wenn es um die ewigen Dinge geht. Jesus sagt: Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert? Oder was kann der Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? (Matthäus 16,26)

Nun ein Beispiel klugen Handelns in Jesus: Am Karfreitag 1983 lief im dritten Fernsehprogramm ein bemerkenswerter Film mit dem Titel: Jesus. Wie kam es zu diesem Film? Vor ein paar Jahren hetzte der jüdische Filmproduzent John Heyman durch den Flughafen, unterwegs zu den vielen internationalen Verabredungen, die das Leben eines solchen Menschen aufreiben. Er eilte noch zum Zeitungskiosk, um sich für die Flugreise etwas zum Lesen zu kaufen. Sein Blick fiel auf ein Buch mit dem Titel „Die Gute Nachricht". Ohne weiter darin zu blättern, kaufte er sich das Buch. Erst im Flugzeug stellte sich heraus, dass Heyman sich eine Bibel gekauft hatte. Er las die Bibel. Es war für ihn der erste Schritt zu einer Begegnung mit Jesus Christus. Dieser Mann handelte im Rahmen seiner Gegebenheiten klug: Er schöpfte seine Möglichkeiten voll aus und wollte die Bibel treu und ihrem Sinn entsprechend filmisch darstellen. Nach fünfjährigen Forschungs- und Dreharbeiten hat er das Lukasevangelium sehr anschaulich und schriftgemäß verfilmt. Gott hat das kluge Handeln eines Mannes reichlich gesegnet. Dieser Film ist, inzwischen der meistübersetzte Film der Geschichte, existiert bisher in 65 Sprachversionen, wurde von Filmteams in Zusammenarbeit mit den einheimischen Kirchen der 3. Welt und Campus für Christus allein in Indien fast 5 Millionen Menschen gezeigt, ist der meistverbreitete, den inzwischen weltweit 90 Millionen Menschen gesehen haben, ist von manchen als „das beste Werkzeug unseres Jahrhunderts zur Verbreitung des Evangeliums" bezeichnet worden. An zwei ausgewählten und sehr eindrücklichen Beispielen haben wir den Unterschied zwischen Weltweisheit und Klugheit in Jesus herausgestellt. Der Herr erwartet auch von uns, dass wir klug handeln, und zwar in dem Maße und mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.

Nur die Klugen werden das Himmelreich sehen. Der Herr schenke uns eine zukunftsorientierte Klugheit. Das Zeugnis eines ghanesischen Architekten hat mich bewegt: Er erzählte von jenem Friedhof in der Nähe von Accra, auf dem heute noch die Kreuze auf den Gräbern von den ersten in das Land eingereisten Missionaren künden. An den eingetragenen Daten ist ablesbar, dass sie schon wenige Tage nach ihrer Ankunft an Tropenkrankheiten starben. Rein menschlich würden wir sagen, die Arbeit war vergeblich. Ohne auch nur einen Satz des Evangeliums weitergegeben zu haben, gaben sie ihr junges Leben ohne sichtbaren Erfolg dahin. Nun bezeugte mir der ghanesische Freund, dass er durch das stumme Zeugnis jener Kreuze einen entscheidenden Anstoß zum Glauben fand. Ihm wurde deutlich: Mit welch einer Liebe muss Gott diese Menschen ausgerüstet haben, wenn sie unter Einsatz ihres Lebens hinausgingen, um auch anderen davon zu sagen. Dieser Ghanese tat während seines Studienaufenthaltes in Braunschweig einen sehr wichtigen evangelistischen Dienst unter ausländischen Studenten. Jene Missionare hatten ihr Leben dahingegeben. In den Augen der Welt waren sie Narren; in den Augen Jesu wurde ihr Leben bleibende Ewigkeitsfrucht, denn sie handelten klug: Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden! (Matthäus 10,39). Der Auca- Missionar Jim Elliot sagte: Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht behalten kann, auf dass er gewinne, was er nicht verlieren kann.

 

 

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