Langer Anton

Ausleihe von Marburger Museum Riesenskelett "Langer Anton" geht auf Reisen

Veröffentlicht am 27.06.2017

In Nürnberg ist Anton am Montag im Germanischen Nationalmuseum heil angekommen. Für die Ausstellung "Luther, Kolumbus und die Folgen" wird das Skelett an einen Nagel gehängt.

Zu Lebzeiten war er eine Berühmtheit: Als Bodyguard schützte der "Lange Anton" einst einen Herzog. Jetzt wurde das 400 Jahre alte und 2,40 Meter große Skelett für eine Ausstellung von Marburg nach Nürnberg überführt.

Aus der Quelle gibt es auch ein Video, zum Ansehen & Bilder, Sie müssen nur unten am Ende der Schrift aus die Quelle (Hessenschauch.de) rauskopieren, und in einem Browser einfügen, um es zu sehen.

Sorgsam in ein Tuch gewickelt und in eine spezielle Transportkiste verpackt, ist Anton am Montag im Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg heil angekommen. Auf der Reise von Marburg nach Nürnberg erlitt das Riesenskelett aus dem 16. Jahrhundert keine Knochenbrüche. Alles ist gut gegangen.

Im medizinischen Museum Anatomicum der Universität Marburg gehört Anton de Franckenpoint - alias Anton - zu den Hauptattraktionen. Für die Ausstellung "Luther, Kolumbus und die Folgen" wird Anton nun in Nürnberg zu sehen sein.

Schon damals wegen seiner Größe berühmt

Nürnberg ist für Anton keine unbekannte Station: Der zwischen 1544 und 1561 in Geldern am Niederrhein geborne Hüne besuchte die Stadt im Jahr 1575, wie ein historischer Holzschnitt zeigt. Krankheitsbedingt war Anton ganze 2,44 Meter groß. Damals war das noch außergewähnlicher als heutzutage, seine Größte brachte ihm eine gewisse Berühmtheit - sogar über den Tod hinaus.

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Museum Anatomicum

Das medizinhistorische Museum Anatomicum beherbergt eine Sammlung von etwa 3.000 Exponaten. Das älteste ist eine mehr als 1.000 Jahre alte Mumie.

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Anton besuchte zu Lebzeiten auch andere Städte, wie die Marburger Medizinhistorikerin und Kuratorin Nina Ulrich berichtet. "Durch die außergewöhnliche Größe, die er hatte, ist er durch Deutschland gezogen und hat sich ausgestellt", sagt Ulrich. Anton sei deswegen durchaus bekannt gewesen.

Anton war Bodygard eines Herzogs

Allerdings dürften die Reisen für ihn zumindest in späteren Jahren beschwerlich gewesen sein. Davon zeugen seine etwa 1,70 Meter große Krücke sowie degenerative Veränderungen an Gelenken und Wirbelsäule, bedingt durch den Riesenwuchs. Zudem hatte Anton zwei Oberschenkelhalsbrüche. "Er wird sicherlich Bewegungseinschränkungen und auch Schmerzen gehabt haben", sagt Ulrich.

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Ursache für Größe noch unklar

Forscher gehen davon aus, dass der "Lange Anton" wegen eines Tumors in der Hypophyse, wo unter anderem Wachstumshormone produziert werden, so groß geworden ist. Der Tumor könnte eine unkontrollierte Ausschüttung von Wachstumshormonen verursacht haben. Belgische Forscher haben eine DNA-Probe genommen, um die genaue Ursache für seine Größe zu finden.

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Seine enorme Größe verhalf ihm aber auch zu einem Posten bei Herzog Heinrich Julius (1564-1613) von Braunschweig-Wolfenbüttel. "Er hat ihn als Leibwächter begleitet, er war ein richtiger Bodyguard", berichtet der Marburger Anatomie-Professor Gerhard Aumüller, der nach eigenen Angaben in Archiven Antons Leben erforscht hat. 1596 starb Anton.

Quelle: http://hessenschau.de/kultur/riesenskelett-langer-anton-geht-auf-reisen-,skelett-langer-anton-100.html

Quelle: Carolin Eckenfels (dpa/lhe), hessenschau.de

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Ärzte Zeitung online, 19.06.2017

Riesenskelett

Langer Anton geht auf Reisen

Marburgs "Langer Anton" war ein Gigant: 2,44 Meter misst der Riese, über den die forensische Anthropologin Nina Ulrich forscht. Wissenschaftler wissen heute, warum er so groß wurde – und warum Herrscher ihn liebten.

Von Gesa Coordes

Der lange Anton mit der forensischen Anthropologin Nina Ulrich.

MARBURG: "Riesen haben die Menschen seit jeher fasziniert", sagt die Anthropologin Nina Ulrich, die einem ungewöhnlichen Mann im Rahmen ihrer Dissertation über die Herkunft der Präparate aus der Anatomischen Sammlung der Uni Marburg nachgespürt hat.

Anton Franck hieß er eigentlich, nannte sich aber Anton de Franckenpoint, was nobler klang und an seinen niederrheinischen Geburtsort Pont, einen Ortsteil von Geldern an der niederländischen Grenze erinnerte. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt, da Holzschnitte aus Nürnberg und Straßburg unterschiedliche Daten vermuten lassen.

Zu viele Wachstumshormone

Auch Knochenuntersuchungen hätten in diesem Fall nichts genützt, sagt Nina Ulrich. Das liegt nicht am beeindruckenden Alter des mehr als 400 Jahre alten Skeletts, sondern an Antons Riesenwuchs, der die üblichen Anhaltspunkte für das Alter eines Menschen über den Haufen wirft. Die forensische Anthropologin geht aber davon aus, dass der Mann 1561 geboren wurde.

Er litt an einem Tumor der Hirnanhangdrüse, wodurch zu viele Wachstumshormone produziert wurden. Ob es auch genetische Ursachen für seinen Gigantismus gab, wird zurzeit von Endokrinologen aus dem belgischen Gent geklärt, die kürzlich kleine Proben aus dem Innenohr von Antons Skelett genommen haben. Sie hoffen, darin Spuren seiner DNA zu finden.

Nina Ulrich vermutet, dass er bereits im Alter von zehn bis zwölf Jahren auf Wanderschaft ging: "Da er normale Berufe kaum ausüben konnte, machte er aus seinem Leid eine Tugend." Er reiste in größere Städte, um sich bei Jahrmärkten und anderen Veranstaltungen wohl gegen Geld auszustellen.

Ob er auch Kunststücke vorgeführt hat, weiß man nicht. Belegt ist, dass er als 14-Jähriger in Nürnberg auftrat. Zu diesem Zeitpunkt maß er bereits 2,30 Meter.

Herrscher umgaben sich gerne mit "Riesen"

Später diente er als sogenannter "Heiduck" in der Leibgarde des Herzogs Heinrich Julius zu Braunschweig-Wolfenbüttel. Herrscher umgaben sich gern mit Riesen, die ihre Macht unterstreichen sollten, so Ulrich.

Davon zeugt ein Gemälde, das im Treppenaufgang des Marburger Anatomiegebäudes hängt. Es zeigt den langen Anton in einer prächtigen Uniform in Braunschweiger Farben. Vermutlich sorgte er allein durch seine imposante Erscheinung für Eindruck bei Freund und Feind.

Besonders kräftig war er allerdings nicht. Durch seine Erkrankung waren alle Organe vergrößert, weshalb er unter Diabetes, verknöcherten Bändern und massiver Arthrose litt.

Man fand auch eine lange Krücke, die heute neben dem Skelett steht. "Er hatte mit Sicherheit Schmerzen bei Gehen und Stehen", so Ulrich. Oberschenkelhalsbrüche an beiden Beinen lassen sich bis heute nachweisen.

Von Helmstedt nach Marburg

Er wurde auch nicht alt und starb am 21. November 1596 im Schloss Gröningen. Da war er wahrscheinlich erst 35 Jahre alt. Sein Skelett wurde der Anatomie der Universität Helmstedt übergeben. Gut 200 Jahre lang stand der lange Anton im medizinischen Hörsaal der Hochschule.

Doch die Universität Helmstedt wurde 1810 geschlossen und der Anatom Christian Heinrich Bünger erhielt einen Ruf nach Marburg. Das Skelett und andere wertvolle Präparate nahm er mit und begründete die Marburger Sammlung. Heute gehört der lange Anton zu den Highlights des Museums Anatomicum.

Erstmals wird dieses älteste Präparat der Sammlung nun ausgeliehen: Der lange Anton wird am 26. Juni nach Nürnberg gebracht, wo er bis November in einer Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums zu sehen ist.

Das Museum Anatomicum hat sich auf die Leihgabe nur eingelassen, weil Anton eigens in Vakuumkissen verpackt über die steilen Treppen in den Süden gebracht wird – von Spezialisten, die bereits die Terrakottaarmee des Ewigen Kaisers transportiert haben.

Der bis heute nachweislich größte vermessene Mensch der Welt war der US-Amerikaner Robert Wadlow (1918-1940), der mit seinen 2,72 Meter im Guiness-Buch der Rekorde steht.

Der größte lebende Mensch ist der Türke Sultan Kösen mit 2,51 Meter. Der langer Anton schafft es nach diesem Ranking auf die 25. Stelle weltweit.

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/938016/riesenskelett-langer-anton-geht-reisen.html

 

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