Kommen am Ende alle Menschen in den Himmel?

 

Überarbeiteter Text, April 2017

Kommen am Ende alle Menschen in den Himmel?

Die Lehre der Allversöhnung gewinnt im Christentum (Religionen) an Zuspruch. Ist diese Lehre legitim? Sollten wir sie als ernstzunehmende Alternative zu unseren traditionellen Vorstellungen von der Ewigkeit erwägen?

Eine Stellungnahme, von Samuel Rindlisbacher

Es gibt verschiedene Varianten der Allversöhnung – die einen berufen sich mehr auf die Bibel als die anderen. Doch eines vereint alle Allversöhner, nämlich die Vorstellung, dass am Ende aller Dinge, wenn Gott der Vater »alles in allen sein wird«, dass Er auch alles und jeden mit sich selbst versöhnt haben wird. Mit anderen Worten: Am Ende wird es keine verlorenen Menschen und keine gefallenen Engel mehr geben, sondern alle Geschöpfe werden durch Jesus Christus gerettet sein – auch die, die Ihn abgelehnt haben, zu Lebzeiten.

Diese Idee der Allversöhnung müssen echte Christen, wir aufgrund des Gesamtzusammenhangs der Bibel entschieden ablehnen, und zwar aus folgenden Gründen:

So reizvoll dieser Gedanke menschlich nicht mehr als eine „christliche“ Philosophie und Spekulation, die über Gottes offenbartes Wort hinausgeht. Gott warnt durch den Apostel Paulus mit eindringlichen Worten: Habt acht, daß euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß. (Kolosser Kap. 2, Vers 8; vgl. Römer 16,17; Titus 1,14; Hebräer 13,9; Galater 4,9; 2.Johannes Verse 9-11)

Und an anderer Stelle betont er: Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, so daß wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangennehmen zum Gehorsam gegen Christus, und auch bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, sobald euer Gehorsam vollständig geworden ist. (2.Korinter Kap. 10, Verse 3-6)

Dabei geht die Gottes Wort sogar so weit zu sagen, dass jedes menschliche Denken, das sich nicht bedingungslos dem Wort Gottes (Bibel) unterstellt, unfähig ist, Gott und Seine Wahrheit zu erkennen. Denn das menschliche Denken ist durch die Sünde verfinstert. Hiob bringt es auf den Punkt, wo er sagt: »Wer verfinstert da den Ratschluß mit Worten ohne Erkenntnis?« Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, Dinge, die mir zu wunderbar sind und die ich nicht begreifen kann! (Hiob Kap. 42, Vers 3; vgl. Römer 1,21)

Allein das Wort Gottes kann und soll, bei unseren Fragen der Maßstab sein – erst recht in Bezug auf die Ewigkeit. Und wenn uns in gewissen Fragen die Bibel keine klare Antwort gibt, dann darf unsere Auslegung nicht über das von ihr gegebene Wissen hinausgehen. Tun wir es dennoch, dann ist es reine Spekulation und kann das Ganze in einer Irrlehre enden, z.B. bei den Sekten, die da heißen: Zeugen Jehovas, Mormonen, die Zehn Stämme, Koran, Katholische Kirche und so weiter.

Leider zeigen die Lehrsätze der Allversöhnung, dass sie über das Wort Gottes hinausgehen. Allversöhner benutzen Gottes Aussagen zwar, reißen sie aber aus dem Kontext.

Ein beliebter Bibelvers der Allversöhner ist 1.Korintherbrief Kap. 15, Vers 22:  »Denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.«

Zitiert man jedoch diesen Vers isoliert, dann wird außer Acht gelassen, dass die Bibel selbst klar definiert, wer mit diesen »allen« gemeint ist. Im folgenden Vers nämlich begrenzt Paulus »alle« eindeutig auf die, »welche des Christus sind« (1.Korinther 15,23). Die Auferstehung zum ewigen Leben betrifft nur diejenigen, die durch ihren Glauben & ihre Sündenvergebung an Jesus Christus und durch Sein Erlösungswerk gerettet worden sind (Hebräer 11,6; Römer 3,28 & 10,14; Johannes 3,3-7.11).

Haben Sie schon die Vergebung der Sünden erlangt?

»Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht. Durch diesen haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Durch Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind.« (Hebräer 11,1-3)

Allversöhner meinen, dass 1.Korinther 15,28 ihre Position untermauert: Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei.

Hier sehen sie einen Hinweis auf die Idee, dass es in der Ewigkeit nicht zwei unterschiedliche Gruppen geben könne (die der ewig Erretteten und die der ewig Verlorenen). Dabei geht es in diesem Text gar nicht um individuelle Erlösung, sondern um Gottes universale Herrschaft. Es ist die Erfüllung des Gebetes Jesu: »Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden« (Matthäus 6,10) Das es in der Ewigkeit sehr wohl zwei unterschiedliche Gruppen geben wird, bezeugt Jesus Christus selbst (Matthäus 25,31-46).

Ein Bibeltext, der als Kronzeuge für die Allversöhnung verwendet wird, ist Kolosser 1,19-20: Denn es gefiel [Gott der Vater], in ihm [Jesus Christus] alle Fülle wohnen zu lassen und durch ihn [Jesus] alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er [Jesus] Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn, sowohl was auf Erden als auch was im Himmel ist.

Hier steht es doch, schwarz auf weiß, dass letztendlich alles und jeder mit Christus versöhnt wird! – so lautet das Argument. Doch wenn man die Worte des Apostels Paulus nur weiterlesen würde, dann würde man sehen, dass diese Versöhnung aller Dinge für uns Menschen an der Bedingung des Glaubens im Hier und Jetzt geknüpft ist: Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt wart in den bösen Werken, hat er jetzt versöhnt  in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht, wenn ihr nämlich im Glauben gegründet und fest bleibt und euch nicht abbringen laßt von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das verkündigt worden ist in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, und dessen Diener ich, Paulus, geworden bin. (Kolosser 1,21-23)

Paulus selbst hat ja auch an eine bleibende Verlorenheit derjenigen, die Christus ablehnen, geglaubt (vgl. Römer Kap. 2, Vers 12; 1.Korinther 1,18; 2.Korinther 2,15; 4,3; 2.Thessalonicher 1,9 & 2,10).

Versöhnung ist nur möglich durch den Glauben (Johannes 20,31; Römer 3,22.25.28.30; 5,2; 11,20; 2.Korinther 1,24; Galater 2,26; Kolosser 2,12). Wenn sich in der Zukunft einmal alle Christus unterwerfen müssen, dann ist dies nicht in jedem Fall zwangsläufig ein Ausdruck des Glaubens, sondern des Sieges Jesu (Philipper 2,9-11). Unterwerfung ist nicht gleich Versöhnung, sondern entspricht der bedingungslosen Kapitulation eines Feindes unter den Sieger.

Doch – so der emotionale und durchaus verständliche Einwand – lässt sich die Lehre von der ewigen Verlorenheit eines Menschen wirklich mit dem Wesen Gottes vereinen? er ist doch Liebe (1.Johannes 4,7-8). dass Gott Liebe ist, steht außer Frage. Aber diese Wahrheit lässt sich nicht vom ganzen Wesen Gottes trennen. Er ist auch vollkommene Gerechtigkeit (Psalm 116,5), er ist vollkommenes Licht (1.Johannes 1,5) und Er ist ewige Heiligkeit (Offenbarung 4,8). Und er ist Richter (Johannes 12,48). Wir dürfen auf keinen Fall eine Wesenseigenschaft Gottes gegen die andere ausspielen. Vielmehr müssen wir die Schrift so stehen lassen (Grundtext; z.B. Schlachter Version), wie sie ist.

Deshalb müssen wir auch die Idee verwerfen, dass die »Hölle« ein Ort der Reinigung sei, wie einige Allversöhner meinen. Das Wort »Hölle« kommt im Neuen Testament 9mal vor. Sie lehren, in der Hölle werde das Evangelium gepredigt, und dabei berufen sie sich auf 1.Petrusbrief Kap. 3, Vers 19-20: In welchem er auch hinging und den Geistern im Gefängnis verkündigte, die vor Zeiten sich weigerten zu glauben, als Gottes Langmut einstmals zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in der wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durch das Wasser,…

Auch hier liegt wieder ein fataler Trugschluss vor. Petrus spricht von einer Proklamation, nicht einer Evangelisation, und benutzt die Begebenheit, um zu zeigen, wie wenige das ewige Leben finden (vgl. Matthäus 7,13 & Lukas 13,24). Damals, während der langen Predigtzeit Noahs (120 Jahre lang), waren am Ende nur acht Menschen bereit, die Möglichkeit der Rettung für sich in Anspruch zu nehmen (1.Petrus 3,20).

Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen. Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden. (Matthäus 7,13-14)

Dass die Hölle ein Ort der Buße, Reinigung und Umkehr sein soll, widerspricht in klarer Weise den Schilderungen des Herrn Jesus Christus in Lukas 16,20-31, wo der verstorbene Reiche Mann und der arme Lazarus, die Kluft zwischen seiner Verlorenheit und dem Paradies nicht überwinden konnte.

Schließen wir unsere Gedanken mit einem letzten Punkt. Vertreter der Allversöhnung betonen, dass die »Ewigkeiten«, von denen die Bibel spricht, nicht Unendlichkeit ausdrücken würden, sondern in sich begrenzte Zeitabschnitte. Doch auch hier gilt wieder: Man beachte den Kontext! Jesus Christus sagte: Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben. (Matthäus 25,46; vgl. Daniel 12,2-3)

Damit ist für Jesus Christus & Gott der Vater sowohl die ewige Pein als auch das ewige Leben, im Paradies von gleicher Zeitdauer. Und warum nun auf der einen Seite die ewige Pein begrenzt sein soll, das ewige Leben jedoch nicht, ist gedanklich nicht nachvollziehbar. Dasselbe denkt auch Paulus: Es gibt nur diese beiden Bestimmungen, nämlich »Zorn & Grimm« oder »Ewiges Leben« (Römer 2,6-10; vgl. Offenbarung Kapitel 21-22).

Die Bibel kennt keinen Zwischenweg. Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3,36)

Die Allversöhnung ist eine grässliche Irrlehre, denn sie stellt die Autorität des Wortes Gottes infrage und meint, besser über Gottes Wesen Bescheid zu wissen als Jesus Christus oder Gott der Vater und die Apostel. Man mag mir Unbarmherzigkeit vorwerfen, was aber nicht gerechtfertigt ist, doch eines bestimmt nicht: Untreue gegenüber dem, was Jesus selbst gelehrt hat. Bei Seiner Lehre möchte ich bleiben, sagt doch unser HERR: Wer meine Gebote festhält und sie befolgt, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Johannes 14,21)

Samuel Rindlisbacher, vom Mitternachtsruf. Alle Bibelstellen wurden aus der Schlachter Version 2000 entnommen.

 

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