Kann ein Christ verloren gehen?

Kann ein Christ verloren gehen?

Aus seinem Buch »Heisse Eisen«

Autor: Norbert Lieth

Alle Bibelstellen wurden aus der Schlachter Version 2000 (Grundtext)  & Scofield Bibel entnommen. Hervorhebungen in fetter Schrift sind von den Autoren.

2. Timotheus 4, 1-4: Daher bezeuge ich dir ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.

Mit der Bezeichnung Christ ist ein Mensch gemeint, der sich in Busse zu Jesus gekehrt hat und durch Seine Gnade die Wiedergeburt erlebte, indem er den Heiligen Geist empfing.

I. Die Antwort auf die Frage, ob ein Christ sein Heil in Jesus verlieren kann, lautet: Nein, er kann unmöglich verloren gehen!

   Die Bibel spricht im Gesamtzusammenhang zu eindeutig und an zu vielen Stellen von der ewigen Seligkeit eines Kindes Gottes, als dass sie diese Garantie an anderer Stelle wieder aufheben würde. In einigen Versen, wo uns daran Zweifel kommen könnten, muss also etwas anderes gemeint sein. Wenn man diese kritischen Stellen genauer liest und, wie erwähnt, im Gesamtzusammenhang der Bibel betrachtet und vergleicht, verstehen wir, dass hier von etwas anderem gesprochen wird.

   Nur durch eine exegetische Verbiegung des Wortes Gottes kann man dahin kommen zu glauben, ein Kind Gottes könne verloren gehen. Die Schrift lehrt genau das Gegenteil und das sehr eindeutig. Wir müssen davon ausgehen, dass die Bibel sich nicht widerspricht. Ich möchte im folgenden drei Argumente angeben, die meines Erachtens für die ewige Erlösung eines wiedergeborenen Christen sprechen.

1. Die ewige Errettung ist einzig und allein auf das vollumfängliche Werk Jesu am Kreuz von Golgatha gegründet

   Unsere Erlösung gründet sich niemals auf uns oder auf unsere Werke. Man kann es mit einem Geschenkpaket vergleichen, das wir nur anzunehmen brauchen und welches wir nicht wieder abgeben müssen. Wenn wir hier und da nicht in dem Willen Gottes stehen, werden wir auf andere Weise Schaden leiden – mit Auswirkungen, die bis in die Ewigkeit reichen. Aber das Geschenk des Heils wird Er uns nicht wieder abnehmen. Welcher Vater würde wohl seinem Kind das eben geschenkte Paket wieder wegnehmen, weil es vielleicht später ungehorsam ist? Er wird das Kind auf andere Weise mit Massen züchtigen.

   Wir sind einzig und allein durch die Person Jesu Christi und in Ihm gerettet. Es heisst im bekannten hohenpriesterlichen Gebet Jesu in Johannes 17, 19:

Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. (Johannes 17,19)

   Das bedeutet, dass jeder, der an Jesus glaubt, in Seiner Heiligung – der Stellung nach – geheiligt ist. Ein Mensch, der gläubig geworden ist, ist damit in die Stellung Jesu versetzt. Er ist in Christus und wird von Gott, dem Vater, in der Stellung Seines Sohnes gesehen. Eine andere Übersetzung sagt hier in Johannes 17, 19: «Für sie gebe Ich Mein Leben hin, damit ihr Leben Dir (Jesus) gehört.»

   Jesus gab Sein vollkommenes Leben für Sünder hin, damit ihr Leben dem Vater gehört. Er ist der Grund und das Fundament. Wenn jemand gläubig und von neuem geboren wird, ist sein Leben in Jesu Leben versetzt und das ist unverlierbar. Darum betet der Herr Jesus im selben hohenpriesterlichen Gebet ganz konkret und bestimmt in Johannes 17, 24:

Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. (Joh 17,24)

   Alle von neuem geborenen Menschen sind dem Sohn vom Vater gegeben. Sie werden bei dem Sohn sein und immer bei Ihm bleiben und Seine Herrlichkeit sehen. Das ist Seine Gemeinde und sie ist ein Leib, der nicht wieder getrennt wird.          

   Die Aussage in Johannes 6, 37-39 weist in die gleiche Richtung:  Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin aus dem Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am letzten Tag. (vgl. Joh 17,2; Jes 55,7; Mt 11,28; Lk 23,43; Apg 13,48; 1Tim 1,15; 5,30; Phil 2,8)

   Wenn ein wiedergeborener Mensch verloren gehen könnte, wäre das, nach meiner Erkenntnis, eine Schande für das Opfer Jesu am Kreuz. Die Lehre von der Verlierbarkeit des Heils nimmt Jesus die Ehre und lässt Gnade nicht mehr Gnade sein. Im Blick auf das Ganzopfer Jesu ist es der Wille des Vaters, dass niemand verloren geht, der zu Jesus gehört und zu Ihm gekommen ist. Jesus hat einen vollkommenen Sieg vollbracht, und Sein Triumph besteht darin, dass wir ein für allemal dem Feind entrissen sind und zu Seinem Reich gehören.

     Der Apostel Paulus schreibt in Römer 8, 38-39: Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (vgl. Eph 6,12; Kol 2,15; Jes 54,10; 1Pt 1,6-8)

     Das ist die erfahrbare Liebe der Erlösung. Damit ist nicht die Liebe Gottes zu allen Menschen gemeint, sondern die Liebe zu denjenigen, die Christus gefunden haben. Ein deutlicheres und allumfassenderes Argument kann es kaum geben. In den Begriffen «weder Tod noch Leben» ist alles inbegriffen, was einen Einfluss auf unser Leben haben könnte. Ein wirklich wiedergeborener Mensch kann sich nicht von Gott trennen, das kann nur jemand, der nicht wiedergeboren ist, sich aber dem Anschein nach als Christ ausgibt. Es kann im Leben oder Tod nichts passieren, was uns von der Liebe Gottes trennen kann. Selbst in der Welt der Geister gibt es keine Macht und keinen Einfluss, die uns von Jesus trennen könnten. Es gibt kein Ereignis, weder gegenwärtig noch zukünftig, das dazu führen könnte; auch nicht die Macht der Sünde, nichts Hohes und nichts Tiefes und kein anderes Geschöpf. Warum nicht? Weil das Werk von Golgatha alles überragt. Wir lesen in diesem Zusammenhang in Römer 8, 34:

Wer will verurteilen? Christus, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt! (Römer 8,34; vgl. Hebr 7,25; 1Joh 2,1)

2. Die ewige Errettung ist nicht auf unsere Werke gegründet, sondern ganz und gar auf die Gnade

   Nehmen wir zum Beispiel das Bürgerrecht: Sie sind in einem Land geboren und somit Bürger dieses Landes, sofern die Eltern ebenfalls Bürger dieses Landes sind des Glaubens, der, obwohl Er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes, und in Philipper 1, 3-6:

Ich danke meinem Gott, so oft ich an euch gedenke, indem ich allezeit, in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue, wegen eurer Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt, weil ich davon überzeugt bin, daß der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi. (Phil 1,3-6; vgl. Phil 4,15-18; Eph 2,8-10.13; Ps 138,8; 1Pt 5,10; 1Kor 1,8)

3. Die ewige Errettung ist gegründet auf die vielen Verheissungen, die sie garantieren

   Wir wiederholen es nachdrücklich: Die Bibel kann sich nicht widersprechen, indem sie auf der einen Seite die ewige Seligkeit garantiert und auf der anderen Seite diese Gewissheit wieder nimmt. Wir führen nur einige wenige Bibelstellen an, die diese Garantie der Seligkeit enthalten:

Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. (1.Petrus 1, 23; vgl. Lk 8,11; 1Joh 3,9; Jak 1,18)

  Und Jesus sagt noch vollkendes, das ist in Wahrheit Wörtlich zu verstehen, wer nicht gerufen (hörbar) der sollte sich Gedanken machen. Er = Jesus ruft uns mit unserem Namen. Warum werde ich von Jesus nicht gerufen, hörbar:   

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen. (Joh 10, 27-29; vgl. Joh 17,8.14.4; 1Joh 2,6; Offb 14,4; Röm 6,23; 1Joh 5,11; Röm 8, 35-39; 2Tim 1,12; Hebr 7,25; Jes 40,18; Dan 4,31-32; Eph 4,6; 1Pt 1,5)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. (Johannes 5, 24; vgl. Joh 3,16.36; Eph 2,5; 1Joh 3,14)

So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Römer 8,1-2; vgl. Röm 8,34; 1Kor 1,30; Röm 8,6.11; 2Kor 3,17; Joh 8,36)

Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus gegeben ist, daß ihr in allem reich gemacht worden seid in ihm, in allem Wort und in aller Erkenntnis, wie denn das Zeugnis von Christus in euch gefestigt worden ist, so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gnadengabe, während ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch fest machen wird bis ans Ende, so daß ihr unverklagbar seid am Tag unseres Herrn Jesus ChristusGott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1. Kor 1, 8-9; vgl. 2Kor 1,21; Phil 1,6.10; Kol 1,22; 1Th 5,24; 2Th 3,3; Kol 3,15; 1Th 2,12; 1Joh 1,3)

Ein Christ kann, wenn er dem Herrn Jesus Christus nicht in der ersten Liebe nachfolgt,

– die Freude des Glaubens verlieren;

– den Drang zur Gemeinschaft mit Gläubigen verlieren;

– ein schlechtes Gewissen bekommen und in seiner Seele gequält sein;

– den Herrn nicht mehr vor Augen haben, so dass ihm grosser Segen verloren geht;

– unter die Züchtigung Gottes fallen bis hin zum Tod;

– den Lohn verlieren, den Gott ihm zuteilen wollte; aber er wird gerettet sein, so doch wie durchs Feuer.

II. Ein «Christ» kann verloren sein

   Es heisst in einem Lied: «Das wird ein Staunen geben, ein Köpfe verdrehn, wenn wir nach diesem Leben vor Jesus stehn.»

   Es werden manche im Himmel sein, die wir dort vielleicht nie vermutet hätten, aber es werden auch manche nicht dort sein, von denen wir geglaubt haben, sie dort zu sehen.

   Nicht jeder, der sich Christ nennt, ist nämlich wiedergeboren. Das Problem liegt darin, dass sich manche unter uns wohl den Anschein geben, Christen zu sein, aber es in ihren Herzen nicht wirklich sind.

Dazu einige Beispiele:

David Brainerd – Der Indianermissionar

   Die Kirche besuchte David regelmässig. Auch betete er häufig und las viel in der Bibel. Aber er hatte keine Freude und keinen Frieden im Herzen. Er wusste, er war mit Gott immer noch nicht im reinen. Was aber sollte er noch tun? Er beschloss, ein strenges, religiöses Leben zu führen. «Ich wurde sehr streng in bezug auf meine Gedanken, Worte und Taten und war der Meinung, ich hätte mich ganz dem Herrn geweiht.» Trotzdem war er noch nicht glücklich.

   Kurz nach seinem 21. Geburtstag wurde ihm die Wahrheit über die Erlösung durch Jesus Christus klar. Er brauchte ja gar nichts dafür zu tun; er konnte sein Heil nicht selber schaffen. Jesus hatte doch die Strafe für seine Sünden bezahlt, als er am Kreuz auf Golgatha gestorben war. Alles, was Gott von ihm wollte, war, dass er dieses Heil annahm und sein Leben Gott auslieferte. Diese Entscheidung traf David am 12. Juli 1739. Von diesem Augenblick an war sein ganzes Leben verwandelt. («Agenten Gottes», Ruth Johnson)

   John Wesley, der Gründer des Methodismus, war ein Prediger der Episcopal-Kirche, und doch war er, wie er selber sagte, nicht bekehrt. Er betrachtete sich als einen Christen, weil er religiös war, weil er seine Bibel las, weil er zur Kirche ging und Gebete sagte. Er sagte, dass er ein bis zwei Stunden täglich für seine «stille Zeit» gebrauchte; er ging zum Abendmahl und betete um innere Heiligung. Er fastete am Mittwoch und Freitag. Er wurde Missionar unter den Indianern und predigte das Evangelium. Aber Wesley war nicht gerettet. «Wer soll mich bekehren?», rief er aus. O was für ein Bekenntnis! Sein tiefster Beweggrund, als er Missionar wurde, war nach seinen eigenen Worten, «die Hoffnung, seine eigene Seele zu retten.» (Dr. Oswald J. Smith)

Gottes Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind, und wenn das nicht der Fall ist, sind wir nicht wirklich wiedergeboren (Römer 8,16).

   Auch müssen wir davon ausgehen, dass die Apostel ja vorwiegend die Briefe an die ganze Gemeinde schrieben, wie z.B. an die Gemeinde zu Rom oder Korinth und nicht an einzelne Personen. Und schon damals gab es innerhalb der Gemeinden – das entnehmen wir den Briefen – solche Leute, die sich wohl dazu hielten, aber nicht dazu gehörten. Und auch diese Menschen sollten ja in den Briefen angesprochen und getroffen werden: «Deshalb sage ich euch heute in aller Deutlichkeit: Ich bin nicht schuld daran, wenn einer von euch verlorengeht. Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern euch den ganzen Plan Gottes zur Rettung der Welt verkündigt» (vgl. Apg. 20, 26-27).

Wie ist das möglich, dass manche, die sich eine Zeitlang als »Christen« ausgaben, plötzlich radikal vom Glauben abfallen – ich meine jetzt keinen Ausrutscher, sondern wirklich ganz und gar –, in der Sünde verharren und sich in der Welt wieder wohl fühlen können?

   Ein wiedergeborener Christ kann nicht radikal vom Glauben abfallen. Er leidet zwar auch oft unter seinem Versagen, aber er kommt doch immer wieder zu Jesus und sucht einen Neuanfang.

Johannes sagt uns in 1. Johannes 2, 19-20:

   Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber es sollte offenbar werden, daß sie alle nicht von uns sind. Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wißt alles. (vgl. Apg 20,30; 1Kor 11,19; 2Kor 1,21-22; Joh 16,13; 1Kor 2,12)

   Diese Menschen haben sich zwar eine Zeitlang zur Gemeinde gehalten und sich als »Christen« ausgegeben, aber das Entscheidende fehlte ihnen: die Versiegelung mit dem Heiligen Geist, d.h. die Salbung. Sie waren nicht wiedergeboren.

   Johannes macht einen ganz deutlichen Unterschied zwischen «sie» und «ihr». Es ist möglich, jahrelang in einer christlichen Gemeinde zu sein, ohne mit dem Heiligen Geist versiegelt zu sein. Gerade aber diese Versiegelung ist ein Hinweis darauf, dass ein Christ nicht verloren gehen kann:

   In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung,  der das Unterpfand unseres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Lob seiner Herrlichkeit. (Epheser 1, 13; vgl. Eph 2,13.22; Kol 1,5; 1Pt 1,22-23; 2Kor 1,22; Apg 2,39; Gal 3,14)

   Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung! (Epheser 4, 30; vgl. Jes 63,10; Apg 7,51; Eph 1,13-14; 2Kor 1,21-22)

   Diese Versiegelung wird nicht wieder weggenommen, sie gilt ein für allemal. Es ist Gottes Eigentumssiegel, aber wenn wir dieses Siegel nicht haben, sind wir nicht Sein. Wenn ein Christ leichtfertig in Sünde verharren kann, wenn er absolut keinen Zug zur Bibel und zum Gebet hat, dann müssen wir seine Wiedergeburt ernsthaft in Frage stellen, auch wenn er sich sonst noch so christlich gibt.

Der Herr Jesus selbst macht das in Matthäus 7,21-23  sehr deutlich:

   Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! (vgl. Röm 2,13; Jak 1,22; Jes 29,13; Mt 25,11; 24,11.24; 4Mose 24,4; Mk 9,38; Mt 10,33; Ps 101,4, 50,16-22)

   Hier wird sehr deutlich, dass nicht das «Herr, Herr» Sagen das entscheidende Kriterium der Erlösung ist, auch nicht gewisse christliche Taten. Das Entscheidende ist, dass der Herr uns kennt. Das macht die Aussage Jesu deutlich: «Ich habe euch noch nie gekannt». Dasselbe sagt Er auch den fünf törichten Jungfrauen in Matthäus 25, 12: Er aber  antwortete und sprach: Wahrlich, Ich sage euch: Ich kenne euch nicht!

   Diese Menschen waren nie wiedergeboren worden. Jesus sagt nämlich in Johannes 10, 27: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. // wie oben schon erwähnt.

   Der Hebräerbrief wendet sich an vielen Stellen deutlich an sogenannte «Mitläufer» oder betrügerische Arbeiter (vgl. 2Kor 11,13; Mt 7,15; 2Pt 2,1; 1Joh 4,1; Offb 2,2; Apg 20,30; Röm 16,18; Phil 3,2; Tit 1,10; Joh 10,1.10), die sich schon damals innerhalb der Gemeinde aufhielten. Nichts deutet darauf hin, dass in diesen Stellen echte, bekehrte, wiedergeborene Menschen angesprochen werden. Die Bibel, die vom Heiligen Geist inspiriert ist, weiss um das grosse Problem des Mitläufertums (betrügerische Arbeiter) innerhalb der Gemeinden. Es geht hier um Menschen, die nicht bereit sind, wirklich alles loszulassen und Christus ganz zu ergreifen. Gerade sie werden seelsorgerlich angesprochen:

    Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen! Denn ein Erdreich, das den Regen trinkt, der sich öfters darüber ergießt, und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; dasjenige aber, das Dornen und Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluch nahe; es wird am Ende verbrannt. (Hebräerbrief 6, 4-8; vgl. Apg 28,23; 2Kor 4,6; Joh 4,10; 2Kor 9,15; Joh 16,8; Apg 5,3.9; vgl. Jes 63,10-11; Mt 13,20; 1Pt 2,3; Hebr 2,4; Apg 2,43; 5,12; 15,12; Hebr 10,26-27; Mt 12,31; Joh 15,6; 2Pt 2,20-22; Mt 27,39-41; Röm 2,24; Ps 65,10; Jes 55,10; 1Mose 3,18; Jes 5,6; Hosea 10,8)

   Wenn wir den Gesamtzusammenhang beachten, fällt uns auf, dass hier die Rede von «Erleuchteten» ist, also nicht von Menschen, die das Licht empfingen und selber zum Licht geworden sind. Nach Johannes 1, 9 wird jeder Mensch auf dieser Welt mit dem wahrhaftigen Licht Jesu erleuchtet. Aber gehört deshalb jeder Mensch zur Gemeinde Jesu und ist errettet? Nein, nur die, in welche das Licht der Wiedergeburt hineinkam und die nun selber zum Licht geworden sind:

   Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen bleiben (Matthäus 5, 14; vgl. Jes 60,3; Joh 8,12; Eph 5,8)

     Wenn jemand eine Botschaft aus dem Wort Gottes hört, wird er erleuchtet mittels des Wortes durch den Heiligen Geist, aber das heißt nicht, dass das Licht schon in ihm ist. Das geschieht erst durch eine echte Bekehrung des Menschen zu Jesus und durch die Wiedergeburt mittels des Heiligen Geistes.

   Es ist auch die Rede von «geschmeckt haben». Sie haben wohl gekostet, aber den Herrn Jesus nicht aufgenommen, nicht «gegessen». Der Herr aber sagt in Johannes Kap. 6 ganz deutlich, dass man Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken muss, um ewiges Leben zu haben, nicht nur schmecken. 

    Darum sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. (Joh 6,53-56)

   Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wußte von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. (Joh 6,63-64)

   Aus diesem Anlaß zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. (Joh 6,66; vgl. Joh 6,15; Lk 9,62; Hebr 10,38)

   Diejenigen, die damals nur «geschmeckt» hatten, gingen nicht mehr mit Ihm. Auch bedeutet «des Heiligen Geistes teilhaftig sein» nicht, dass diejenigen Ihn in sich hatten. Nein, sie hatten Teil am Wirken des Geistes, dadurch, dass sie in die Gottesdienste kamen, wo der Geist wirkte, das Wort Gottes hörten, welches vom Heiligen Geist inspiriert ist. Er wirkte an ihnen, nicht in ihnen. Der Heilige Geist wohnte nicht in ihnen, und sie waren nicht mit Ihm versiegelt worden.

   Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind (Hebräer 6,4; wie oben schon erwähnt wurde)

Zu diesem Vers finden wir in der Scofield Bibel folgende sehr gute Anmerkung:

   Die Warnung in den VV. 6-8 ist auf verschiedene Weise verstanden worden. Die hauptsächlichen Auslegungen sind folgende:

(1) Die Warnung ist an einige Christen aus dem jüdischen Volk gerichtet, die bekannten, dass sie Gläubige an Christus wären, aber die doch nicht zu dem wahren Glauben an Ihn vordrangen, obwohl sie bis an die Schwelle der Erlösung gekommen waren.

(2) Die Warnung betrifft einen gedachten (hypothetischen) Fall; wenn jemand «abfallen» könnte (V. 6), so würde es unmöglich sein, ihn wieder zur Busse zu erneuern; denn in einem solchen Fall würde es für Christus nötig sein, ein zweites Mal gekreuzigt zu werden. Offensichtlich wird das nie geschehen (Hebr. 10, 12.14); also ist es unmöglich, abzufallen.

   Aber, es gibt Christen die vorgegeben das zu sein was sie behaupten und sind es doch nicht. Sondern betrügerische Arbeiter die sich verstellen, und in den Gemeinden für Verwirrung sorgen oder auch bei einzelnen echten Christen. Um solche zur erkennen, bedarf es die Gemeinschaft des Geistes Christi.    

(3) Die Warnung richtet sich an Gläubige, die in einem solchen Ausmass in Sünde gefallen sind, dass sie selbst den Sohn Gottes aufs neue gekreuzigt haben (V. 6) und sich also nicht bewährt haben und ihre Belohnung verlieren werden (siehe 1. Kor. 9, 27, Fussnote).

Und (4) die Warnung richtet sich an Gläubige an den Herrn Jesus Christus, die in Gefahr sind, abzufallen durch den Unglauben oder durch die Sünde, und also ihre Erlösung verlieren. Die korrekte Wiedergabe des Satzes «teilhaftig geworden des Heiligen Geistes» (V. 4) lautet «und mit dem Heiligen Geist gingen». Die Warnung richtet sich an solche, die unterwiesen worden sind und sogar bewegt wurden durch den Heiligen Geist, aber die sich nie wirklich an Jesus Christus ausgeliefert haben. Die ganze Stelle bewegt sich um das Wort «Besseres» in V. 9. Wenn alles, was in den VV. 1-5 geschrieben ist, gleichbedeutend mit der Erlösung wäre, so könnte es nichts Besseres geben. Die Erfahrungen, die hier wiedergegeben werden, mögen der Erlösung vorausgehen oder sie sogar begleiten, aber sie wirken sich nicht immer zur Erlösung hin aus. Die Schrift versichert an vielen Stellen die ewige Sicherheit des Gläubigen; darum kann die Stelle nicht dahin ausgelegt werden, als ob sie lehre, dass die Gläubigen an Christus ihre Erlösung verlieren können.

Siehe Johannes 3,15-16.36; 10,27-30; Römer 8,35.37-39; Epheser 1, 12-14; 4,30; Philipper 1,6; Hebräer 10,12-14; 1. Petrus 1,3-5.

   Wieviele Menschen waren damals schon und sind auch heute vom Wort Gottes angetan, bewegt, berührt, beeindruckt. Das heisst aber noch lange nicht, dass sie es aufgenommen haben. Sie sind mit der Kraft des «zukünftigen Zeitalters» in Berührung gekommen, aber es wurde nie zur Kraft in ihnen.

   Das Resultat wird in Hebräer 6, 8 beschrieben: «Wenn sie (die Erde) aber Dornen und Disteln trägt, bringt sie keinen Nutzen und ist dem Fluch nahe, so dass man sie zuletzt abbrennt.» Sie sind unfruchtbar, unbrauchbar gewesen und werden somit der Verbrennung übergeben. Sie waren nicht wiedergeboren, sie sind nie ein guter Acker gewesen, auf dem Frucht des Geistes entstehen konnte; im Gegensatz zu den wiedergeborenen Christen, die in Hebräer 6, 7 angesprochen werden: «Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott.»

   In Hebräer Kap. 10 und 12 ist die Rede von «Widersachern», von Menschen, die das Blut Jesu mit Füssen treten und für nutzlos achten; Menschen, die mit dem Evangelium berührt werden, aber nicht darauf eingehen.

   Ein wiedergeborener Christ aber ist doch kein Widersacher und wird das Blut Jesu nie mit Füssen treten, das er zur Vergebung seiner Sünden angenommen hat. Das ist unmöglich!

   In Hebräer 10, 29 sind meines Erachtens abgefallene Namenschristen gemeint. Der Schlüssel zur Aufklärung liegt im letzten Vers, worin es heißt:

    Wir aber gehören nicht zu denen, die feige zurückweichen zum Verderben, sondern zu denen, die glauben zur Errettung der Seele. (Hebr. 10, 39)

   Mit der Beschreibung «wir» setzt der Hebräerbriefschreiber einen Unterschied zwischen den unechten und echten Christen. Unechte Christen können abfallen (V. 29), echte, wiedergeborene (wir) nicht! Das heisst, dass diejenigen, welche in den vorhergehenden Versen beschrieben wurden, keine wirklichen Christen im biblischen Sinn waren. Denn ein echter, wiedergeborener Christ ist kein «Widersacher», wie in V. 27 beschrieben, auch nicht einer, der das teure Blut des Herrn für nutzlos achtet (V. 29).

   Auch schlägt er die Gnade, die ihm durch Jesus angeboten wurde, nicht aus wie es in Hebräer 12, 15-17 heißt:

   Und achtet darauf, daß nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden, daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Denn ihr wißt, daß er nachher verworfen wurde, als er den Segen erben wollte, denn obgleich er ihn unter Tränen suchte, fand er keinen Raum zur Buße. (Hebr 12,15-17; vgl. Hebr 2,1; 2Kor 6,1; 5Mose 29,17; Apg 8,23; Jak 3,11.14; Gal 5,7-9; 2Tim 2,17; 1Kor 10,14; Eph 5,3)

      In Hebräer 10, 29 geht es um eine beabsichtigte, eindeutige und bewusste Weigerung, den Sohn Gottes als Person anzuerkennen. Sie waren wohl erleuchtet worden, dadurch, dass sie an den Gottesdiensten teilnahmen, in welchen das Wort Gottes in der Kraft des Heiligen Geistes verkündigt wurde. Sie hatten die Erkenntnis in Bezug auf Jesus und Seine Erlösungstat empfangen. Sie waren dadurch, dass sie sich zur Gemeinde hielten, mit abgesondert, d.h. «geheiligt», aber nicht gerettet. Dass man auch als Unerretteter in gewisser Weise geheiligt sein kann, beweist 1. Korinther 7, 14:

    Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Mann; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig. (1Kor 7,14; vgl. 1Tim 4,5; Ps 103,17; Röm 11,16)

     Diese aber haben das Blut Jesu zur wahren Erlösung und Vergebung der Sünden nicht angenommen, sondern es als etwas gewöhnliches abgetan, durch ihren Unglauben; oder sie glauben nicht an die Existenz Gottes; man kann sogar «gemein geachtet» übersetzten für «unrein geachtet».

   Wahrscheinlich werden im Hebräerbrief Juden angesprochen, die ja von der Erwählung her zum auserwählten Volk gehören und daher meinten, sie bräuchten den Herrn Jesus zur Erlösung nicht (vgl. Judas Vers 4). Dass ein Wiedergeborener nicht mehr verloren gehen kann, beweist uns auch das Wort aus 2.Johannes 1, 2;

   Der Älteste an die auserwählte Frau und ihre Kinder, die ich in Wahrheit liebe, und nicht ich allein, sondern auch alle, welche die Wahrheit erkannt haben, um der Wahrheit willen, die in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit. Gnade, Barmherzigkeit und Friede sei mit euch von Gott, dem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe! (2Joh 1,1-3; vgl. Joh 8,32; 15,7; 1Pt 1,23-24; 1Tim 1,2; Tit 2,11; Phlm 25; 1Kor 1,3; Eph 1,2; 2Tim 1,2; Mt 3,17; 17,5; 27,54; Joh 1,18; 1Joh 4,14-15)

     Ebenfalls in der bekannten Stelle aus Johannes 15, dem Gleichnis Jesu über den Weinstock und die Reben, scheint es bei den «nicht fruchtbringenden Reben» nicht um Seine Jünger zu gehen, denn diese waren schon rein: «Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das Ich zu euch geredet habe» (V. 3); sondern um «jemanden»: «Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen» (V. 6).

Hierzu ein Kommentar aus «Was die Bibel lehrt» (Dillenburg):

   Wir sind mit jenen Auslegern einverstanden, die der Meinung sind, dass es in diesem Vers nicht um Gläubige geht. Es handelt sich nicht um einen Christen, der einmal eine Rebe war, der dann seiner Schwachheit wegen abgeschnitten wurde und verloren ging. Es betrifft vielmehr einen religiösen Bekenner, der das Leben Christi nicht besitzt.

   Ein Gläubiger kann nie die Lebensverbindung mit Christus durchschneiden, ist er doch als dessen Schaf  immer in der Hand des guten Hirten (vgl. Joh. 10, 28-29).

   Hier sind vielmehr die Pharisäer und Priester gemeint, falsche Propheten, Diener und Bauende, Anhänger des jüdischen Systems.

   Zweifelsohne können die ersten Priester, Aaron und seine zwei treuen Söhne, als Reben bezeichnet werden; aber spätere Träger seines Amtes wie Annas und Kaiaphas waren falsche Reben. Ihr endgültiges Schicksal war es, wie Unkraut gesammelt und verbrannt zu werden (Mt. 13, 40-42).

   (Das muss von 1. Korinther 3, 13-15 unterschieden werden, wo Werke im Feuer verbrennen, wiewohl der Mensch, der sie gewirkt hat – ein fleischlicher Christ – gerettet bleibt.)

   «Verdorrt» heißt, dass die entsprechenden Leute geistlich tot sind. In der Tat wird totes Holz für allerlei attraktive Gebilde verarbeitet, unter anderem auch für Götzen. Wozu es auch verarbeitet wird, das Holz ist tot. Das Holz des Weinstockes ist hingegen für nichts zu gebrauchen (Hes. 15, 1-5), es kann nur als Brennmaterial gebraucht werden.

    Ein Schreiber drückte es wie folgt aus: «Zuerst tritt geistlicher Tod ein – das Verdorren; dann der ewige Tod – das Verbrennen.»

III. Was ist der Grund, dass Menschen

zur Gemeinde gehören können ohne wirklich

gerettet zu sein?

   Es fehlt ihnen an wirklicher Herzensübergabe und Umkehr. Es ist keine entscheidende Lebensübergabe da, keine echte Bekehrung; vielleicht fromm anerzogen, wie so vieles anerzogen sein kann, aber kein ganzes, eigenständiges Ja zu Jesus. Diese Menschen haben den Schein oder die Form eines gottseligen Lebens, dessen Kraft aber verleugnen sie:

   Dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab! (2. Tim. 3, 5; vgl. Mt 5,13; 23,13; Tit 1,16; Röm 16,17; 2Th 3,6)

Jeder Mensch muss seine Entscheidung für Jesus selbst treffen.

   Die Gabe des ewigen Lebens ist Gottes freies Geschenk an uns, ohne das Hinzutun unserer Werke, aber es braucht unser ganzes vollumfängliches Ja und unsere ganze Lebensübergabe. Kein perfektes Leben, sondern eines mit all seinen Problemen und Schwierigkeiten.

   Wir lesen dazu eine Begebenheit aus der Apostelgeschichte:

    Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sich Männer und Frauen taufen. Simon aber glaubte auch und hielt sich, nachdem er getauft war, beständig zu Philippus; und als er sah, daß Zeichen und große Wunder geschahen, geriet er außer sich. (Apg. 8, 12-13)

  Du hast weder Anteil noch Erbe an diesem Wort; denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott! So tue nun Buße über diese deine Bosheit und bitte Gott, ob dir die Tücke deines Herzens vielleicht vergeben werden mag; denn ich sehe, daß du in bitterer Galle steckst und in Fesseln der Ungerechtigkeit! (Apg 8,21-23; vgl. Ps 18,27; Hes 14,3; Mt 6,24; Jes 55,7; 2Tim 2,25; Jer 4,18; Spr 5,22; Joh 8,34)

    Wir sehen, es ist also möglich, den Anschein zu geben, gläubig zu sein, sich sogar taufen zu lassen und doch nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Nachfolgend noch einige Verse aus dem Lukasevangelium nach der Übersetzung Hoffnung für alle: «Überlegt es euch vorher, ob ihr wirklich bereit seid, alles für Mich aufzugeben und Mir nachzufolgen» (vgl. Luk. 14, 33). «Wenn einer mit Mir gehen will, so muss Ich für ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben . . .» (Lukas 14, 26). «Wie der Same, der zwischen die Disteln fiel, sind Menschen, die Gottes Wort hören, bei denen aber alles beim alten bleibt. Denn die Sorgen des Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die Jagd nach den Freuden dieses Lebens ersticken jeden Glauben» (vgl. Lukas 8, 14). «Wo eure Schätze sind, da zieht es euch auch hin» (vgl. Lukas 12, 34).

   In Johannes 6, 63 sagt Jesus: Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. (vgl. Röm 8,5-17; 1Kor 2,14; 2Kor 3,6; Joh 6,68; Spr 13,14)

     Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; (Joh 1,12; vgl. Apg 17,31; Gal 3,26; 1Joh 3,1)

Nachfolgend noch ein Auszug aus «Ein Leben für die Schafe» von Ch. Spurgeon:

     «Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus Meiner Hand rauben» (vgl. Johannes 10, 28). Ich weiss nicht, wie manche Leute, die glauben, dass ein Christ aus der Gnade fallen und somit verloren gehen kann, es fertigbringen, glücklich zu sein. Wenn ich nicht an die endgültige Bewahrung der Heiligen glaubte, wäre ich der elendeste unter den Menschen, denn dann hätte ich keine Ursache des Trostes mehr. Ich glaube, dass die glücklichsten und echtesten Christen jene sind, die es niemals wagen, an Gott zu zweifeln, sondern die Sein Wort einfach so, wie es da steht, annehmen, es glauben und nicht in Frage stellen. Sie wissen, dass Gott die Wahrheit spricht, und so bezeuge ich, dass ich keinen Grund habe, an meinem Herrn zu zweifeln. Ich fordere Himmel, Erde und Hölle auf, einen Beweis dafür zu erbringen, dass Gott unwahrhaftig ist. Er ist ein Gott, der Seine Versprechen hält! Niemand wird die Schafe aus der Hand des guten Hirten rauben können. Viele werden es versuchen, aber niemand wird es vermögen. Der Teufel wird ihnen manch schrecklichen Ruck und Stich versetzen, und ihre früheren Genossen und die Erinnerungen an ihre vielen Sünden werden sie mit schweren, listigen Angriffen überfallen; aber der Heiland sagt: «Niemand wird sie aus Meiner Hand rauben.» Es kann sie auch niemand Seinem Schutz entziehen. Er hat Sein Wort gegeben und setzt Seine Ehre darein, sie zu bewahren. Könnte Ihm eines Seiner Kinder entrissen werden, so würde der Teufel frohlocken und triumphieren: «Er konnte es nicht bewahren. Er hat es zwar versprochen, aber Er vermochte Sein Wort nicht zu halten.» Ein so schrecklicher Triumph des Teufels wird jedoch in Ewigkeit nicht gehört werden. Jemand mag einwerfen: «Aber sie können sich doch selbst aus Seiner Hand entfernen.» Wie kann das geschehen, wenn es vorher heisst: «sie gehen nicht verloren ewiglich» – die Idee ausschliesst, dass sie durch ihr eigenes Tun und Treiben Seiner Hand entgleiten können. «Niemand wird sie aus Meiner Hand rauben.» Wer kann den Griff der Hand lösen, die für mich von Nägeln durchbohrt wurde? Der Herr Jesus hat mich zu teuer erkauft, um mich je loszulassen. Er liebt mich so, dass mich Seine ganze Allmacht hält, und da es nichts Grösseres als die Gottheit gibt, kann ich nie aus Seiner teuren Hand geraubt werden.

   So liegt es an uns, fleischliche Furcht sowie fleischliches Vertrauen fahren zu lassen und friedlich in der starken Hand des Erlösers zu ruhen. Das Verhältnis des natürlichen Menschen zu Gott ist das eines Sünders zu seinem Richter. Der Sünder ist in diesem Zustand verloren. Das Verhältnis eines geretteten, wiedergeborenen Menschen zu Gott ist das eines Kindes zu seinem Vater. Ein Kind kann den Vater betrüben und als Folge gezüchtigt werden, aber die Kindschaft wird es nicht verlieren.

Überarbeiteter Text, Mai 2017

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