Jenseits des Unsichtbaren

Jenseits des Unsichtbaren

Wenn Gott in seinem Wort die Geistliche Welt hinter dem Vorhang des sichtbaren beschrieben hat, dann ist es an uns, diese Offenbarung ernst zu nehmen.

Die Realität des Teufels, der unsichtbaren Welt und des geistlichen Kampfes der Christen.

C. S. Lewis meinte: Es gibt zwei gleich große und doch gegensätzliche Irrtümer, die der Mensch hinsichtlich des Teufels und seiner Dämonen begehen kann. Der eine ist, nicht an ihre Existenz zu glauben, und der andere, an sie zu glauben und ein übermäßiges und ungesundes Interesse an ihnen zu haben. Sie freuen sich über beide Irrtümer gleichermaßen und begrüßen einen Materialisten ebenso überschwänglich wie einen Zauberer.

Als ein Schachmeister durch eine Kunstgalerie in Europa ging, stieß er auf ein Gemälde, das ihn faszinierte. Das Bild zeigte einen jungen Mann, der mit dem Teufel Schach spielte. Entzücken lag auf dem Gesicht des Feindes und Panik auf dem des jungen Mannes. Das Gemälde trug den Titel Schachmatt.

Während sich der Schachmeister das Bild ansah, störte ihn etwas – an dem Gemälde stimmte etwas nicht. Er suchte den Kurator der Galerie auf und bat ihn, das Bild abzunehmen. Als das nicht ging, bat er um ein Treffen mit dem Künstler. Der willigte ein und verabredete sich mit ihm in der Galerie.

Der Schachmeister brachte ein Schachbrett und Schachfiguren mit. Er stellte die Partie genauso auf, wie der Künstler sie auf dem Gemälde abgebildet hatte, und sagte: «Etwas stimmt nicht mit Ihrem Gemälde.» Als sich der Künstler erkundigte, was das sein könnte, meinte der Schachmeister: «Sie haben Ihrem Bild den Titel Schachmatt gegeben, aber das setzt voraus, dass der junge Mann keinen Zug mehr machen kann.» Der Champion zog den König des jungen Mannes auf ein anderes Feld und sagte: «Jetzt ist der Teufel schachmatt.» Dann schaute er den jungen Mann auf dem Bild an und sagte zu ihm: «Junger Mann, dein Feind ist einer verhängnisvollen Fehleinschätzung unterlegen. Du musst nicht verlieren. Du gewinnst!»

Vielleicht fühlen Sie sich hin und wieder wie der Mann auf dem Gemälde. Möglicherweise sogar in diesem Augenblick. Angst und Sorge verfolgen Sie Tag und Nacht, während Sie sich vorstellen, wie der Teufel den letzten Zug in Ihrem Leben macht. Sie haben den Eindruck, als würden Sie schon bald schachmatt gesetzt werden von ehelichen, finanziellen, beruflichen, gesundheitlichen oder einem anderen der zahllosen Probleme.

Ich habe großartige Neuigkeiten für Sie. Wenn Sie Jesus Christus als Ihrem Erlöser vertrauen, werden Sie gewinnen! Ihr Champion hat den Feind besiegt. Der König machte Seinen letzten Zug und verkündete durch Seine Auferstehung aus den Toten: «Schachmatt.» Der Kampf ist bereits gewonnen. Alles, was Sie und ich jetzt noch tun müssen, ist, unter Seiner leitenden Hand und unserem Sieg in Ihm das Spiel zu Ende zu bringen. Das Volk Gottes kämpft gegen den Feind auf der Grundlage eines bereits geschehenen Sieges, nicht um den Sieg. Im Gegensatz zu dem, was viele Menschen denken mögen, ist geistliche Kampfführung keine furchterregende oder beängstigende Sache. Wenn wir sie verstehen, gibt sie uns Hoffnung, Mut und die Sicherheit, dass der Sieg unser ist durch unseren Herrn Jesus Christus.

Ein weiterer Grund, warum wir uns mit der geistlichen Kampfführung und der unsichtbaren Welt um uns herum beschäftigen sollten, ist, dass Gott sie uns geoffenbart hat. Das allein rechtfertigt unser Interesse an diesem Thema und die Zeit, die wir mit seinem Studium verbringen. Wenn Gott in Seinem Wort die geistliche Welt hinter dem Vorhang des Sichtbaren beschrieben hat, dann ist es an uns, diese Offenbarung ernst zu nehmen.

Zum ersten Mal wird der Teufel in 1.Buch Mose Kap. 3 erwähnt und zum letzten Mal in Offenbarung Kap. 20. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass man die Bibel von Anfang bis Ende nicht richtig verstehen kann, wenn man nichts über den Teufel und seine bösen Handlanger Weiß. Gott hat uns vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung Wahrheiten über die unsichtbare Welt preisgegeben. Daher müssen sie für uns wichtig sein.

Ein dritter Grund, weshalb wir uns mit geistlicher Kampfführung beschäftigen sollten, ist, dass viele verschiedene Ansichten zu diesem Thema existieren. Verfechter der heutigen «Spiritual Warfare»-Bewegung befürworten Cosmic-Level Spiritual Warfare (geistliche Kampfführung auf kosmischer Ebene), Spiritual Mapping (geistliche Landkarte) sowie die Identifizierung und Konfrontation territorialer Geister. Viele andere treten für Befreiungsdienste ein, einschließlich des Tadelns und Bindens des Teufels und dämonischer Geister. Sind diese Praktiken biblisch? Sollten Gläubige sich daran beteiligen? Was sagt die Schrift? Aufgrund unterschiedlicher Ansichten und Praktiken müssen Nachfolger Christi heute verstehen, was die Schrift über geistliche Kampfführung sagt, um nicht von unbiblischen Praktiken überrollt zu werden und nicht auf der Opferliste zu landen. Geistliche Kampfführung ist kein Spiel. Ein erfolgreicher Kampf gegen den Feind muss mit der Kraft Gottes und nach Seinen Grundsätzen geführt werden.

Eine vierte Motivation für das Studium des Teufels, der Dämonen und der geistlichen Kampfführung ist, dass das Wirken von Dämonen und der geistliche Kampf laut Bibel in der Endzeit dramatisch zunehmen werden (s. Offenbarung Kap. 9). Wir können davon ausgehen, dass sich das dämonische Wirken beschleunigt, je näher wir ihr kommen, und genau das scheint zurzeit der Fall zu sein. Während das dämonische Wirken an Intensität zunimmt, sollten wir es nicht zulassen, dass unser Verständnis und Bewusstsein vom unsichtbaren Krieg zurückgeht. Das ist eine gefährliche Kombination. Unser Studium des geistlichen Kampfes muss seiner Ausbreitung in unserer heutigen Welt entsprechen. Wir können es uns nicht leisten, unbewaffnet zu sein.

Eine fünfte Motivation, die unsichtbare Welt um uns herum zu verstehen, ist, dass es uns hilft, einen Sinn hinter dem zu erkennen, was wir sehen können. Der Bibel zufolge tobt überall um uns herum ein unsichtbarer Weltkrieg. Diesen Krieg zu begreifen, gibt uns eine einzigartige Perspektive, die die Menschen ohne dieses Wissen nicht haben. Ray Stedman gibt uns einen wichtigen Einblick darin, warum wir den geistlichen Krieg um uns herum verstehen müssen. Lesen Sie aufmerksam das folgende Zitat: «Während die größten Führer der Welt mit dem Dilemma des modernen Lebens zu kämpfen haben, können sie nur sagen: ‹Was läuft falsch? Was ist das unbekannte Element, das dahintersteckt? Wir können es nicht verstehen noch erklären! Etwas entgeht unserem Verständnis von der menschlichen Natur und dem menschlichen Verhalten. Was ist es nur? ›

Die Antwort: Hinter den Kulissen der Geschichte ist ein geistlicher Krieg im Gange, und dieser geistliche Kampf in der unsichtbaren Welt treibt die Ereignisse in unserer sichtbaren Welt an. In der materiellen Welt gibt es keinen Frieden, weil in der geistlichen Welt gerade ein Krieg tobt.

Nichts ist sinnvoller, wichtiger und realer, als uns an der Sache Gottes in diesem gewaltigen geistlichen Krieg zu beteiligen. Die biblische Lehre vom geistlichen Kampf zeigt uns die Wahrheit über das Grundproblem der menschlichen Existenz und Geschichte. ...

‹O›, sagen Sie jetzt vielleicht, ‹das ist alles ziemlich deprimierend. Ich möchte lieber nicht daran denken.› Ich denke auch nicht gerne daran, aber ich habe festgestellt, dass man sich die Wahrheit nicht einfach wegwünschen kann. Man kann nur auf eine Weise realistisch an diesen Kampf herangehen, und das ist, stark im Herrn zu sein und in der Macht Seiner Stärke (Epheser Kap. 6, Vers 10).

Wer diesen Aufruf und den um ihn herum tobenden Kampf ignoriert, ist verurteilt, ihm zum Opfer zu fallen. Wir können nicht neutral bleiben. Wir müssen uns für eine Seite entscheiden. Wir müssen uns hinter die Mächte Gottes, die Mächte des Guten, stellen.» Wenn wir diesen unsichtbaren Krieg verstehen, können wir die Welt so sehen, wie sie wirklich ist. Eine der grundlegenden Wahrheiten des Wortes Gottes ist, dass hinter der hauchdünnen Fassade dieser Welt ein unsichtbarer und gnadenloser Kampf tobt. Die Waffen des Teufels sind geladen und entsichert, und auf seinen Kugeln steht unser Name. Wenn wir nicht zu den Opfern zählen wollen, müssen wir diesen Kampf begreifen und die mächtigen Waffen Gottes anlegen. Der Feind hat uns im Fadenkreuz.

Ich habe einmal ein «Far Side»-Cartoon von zwei Hirschen gesehen, die nebeneinander standen. Einer der beiden Hirsche sieht herab auf eine Zielscheibe auf seinem Bauch. Da sagt der andere Hirsch zu ihm: «Blödes Muttermal, Hal.» Ob es uns gefällt oder nicht, wenn wir für Christus und zu Seiner Verherrlichung leben wollen, sind wir zur Zielscheibe geworden.

Mein Freund, Pastor Philip De Courcy, erzählte mir die Geschichte, die Jill Briscoe vor ein paar Jahren vor einer Gruppe zum Besten gab. Sie kam am 11. September 2001 zurück aus Übersee in die Vereinigten Staaten. Als die Terroristen zuschlugen, wurde ihr Flugzeug nach Reykjavík, Island, umgeleitet, wo Flugpersonal und Passagiere einige Tage verbringen mussten, bevor sie ihre Reise fortsetzen konnten. Im Flughafen bemerkte Jill Briscoe eine junge amerikanische Soldatin. Sie wirkte sorgenvoll und erschüttert. Schließlich sprach Jill Briscoe sie an, um herauszufinden, ob es ihr gut ging, und um ihr Mut und Trost zu geben. Die Ereignisse vom 11. September hatten die junge Dame sehr mitgenommen. Als Jill sich erkundigte, was sie so bewegte, sagte die junge Frau vorausschauend auf ihre Zukunft: «Ich bin nicht in die Armee eingetreten, um in den Krieg zu ziehen.» Viele Gläubige sind heute wie diese junge Soldatin. Sie haben sich nicht verpflichtet, um in den Krieg zu ziehen. Viele wollen nicht einmal daran denken. Die Wahrheit ist aber, dass jeder Christ in den Krieg muss. Wir haben keine Wahl, deshalb sollten wir sichergehen, dass wir die Strategie des Feindes kennen und unsere Waffen parat haben.

Unser Feind ist gnadenlos und sucht stets nach einer günstigen Gelegenheit. Sir William Slim war Kommandant in der britischen Armee; er wurde in beiden Weltkriegen für seinen Dienst ausgezeichnet und drei Mal verwundet. Als er einmal gefragt wurde, wo er seine wichtigste Lektion als Soldat lernte, erzählte er eine Geschichte, die so einfach und doch so entscheidend ist, dass sie heute zum Lehrbuch des US-Marineinfanteriekorps gehört: «Vor vielen Jahren hoffte ich als Kadett, eines Tages Offizier zu werden. Ich studierte die ‹Grundregeln des Krieges› in den alten Aussendienstbestimmungen, als der Oberfeldwebel auf mich zukam. Er sah mich freundlich und vergnügt an. ‹Zerbrich dir nicht den Kopf mit all diesen Dingen, mein Junge. Es gibt nur eine Grundregel im Krieg, mehr nicht. Triff den anderen so schnell und hart du kannst, wo es ihn am meisten schmerzt und er nicht hinschaut.›»

Der Teufel wendet diese Strategie täglich beim Volk Gottes an. Unsere Gedanken über den geistlichen Kampf müssen natürlich ausgewogen sein. Gläubige können dazu verführt werden, den Feind entweder zu ignorieren oder sich zu sehr mit dem Teufel zu beschäftigen. Beide Extreme sind schädlich, und dem Feind sind sie beide recht. Den Teufel und seine Strategien nicht zu beachten, ist geistlicher Selbstmord. Sich hingegen zu viel mit ihm und seinem Reich zu beschäftigen, ist ebenso gefährlich. A. W. Tozer betont die Gefahr, sich zu sehr auf den Teufel zu konzentrieren, und ruft Christen auf, Christus zum Mittelpunkt aller Dinge zu machen: «Um die Dinge zu sehen, wie die Schrift sie sieht, müssen wir stets den Herrn vor Augen haben und Christus zum Zentrum unseres Blickfelds machen. Wenn der Teufel herumschleicht, dann taucht er nur am Rand auf und wird von uns als Schatten neben einer strahlenden Helligkeit gesehen. Das umzukehren, ist immer falsch – den Teufel in den Mittelpunkt unseres Blickfelds zu rücken und Gott an den Rand zu drängen. Eine solch verdrehte Sichtweise kann nur eine Tragödie zur Folge haben.

Den Feind halten wir am besten draußen, wenn Christus im Fokus steht. Die Schafe brauchen keine Angst vor dem Wolf zu haben; sie müssen nur nahe beim Hirten bleiben. Der Teufel fürchtet nicht das Gebet der Schafe, sondern die Gegenwart des Hirten. Ein in der Bibel unterrichteter Christ, dessen Fähigkeiten vom Wort Gottes und dem Heiligen Geist geschult wurden, wird den Teufel nicht fürchten. Wenn nötig, wird er sich den Mächten der Finsternis entgegenstellen und sie durch das Blut des Lammes und sein Zeugnis überwinden. Er wird die Gefahr, in der er steht, erkennen und wissen, was er zu tun hat. Er flüchtet sich in die Gegenwart Gottes und wird es nicht zulassen, dass der Teufel sein Denken bestimmt.»

Wir müssen uns daran erinnern, dass Paulus das Wort «Satan» nur zehn Mal und «Teufel» nur sechs Mal verwendet. Umgekehrt finden wir die Worte «JESUS» in 219 Versen, «HERR» in 272 Versen und «CHRISTUS» in 389 Versen. Klar ist, wir sollten unsere Aufmerksamkeit auf Christus lenken, nicht auf den Teufel. Wir müssen Christus in den Mittelpunkt stellen, nicht den Teufel.

Offenbarung Kap. 5, Verse 5–7 sagt uns, dass das geschlachtete Lamm im Mittelpunkt von allem im Himmel steht. Wenn das gekreuzigte und auferstandene Lamm der Fokus des Himmels ist, wie viel mehr sollte es dann das Zentrum von allem hier auf der Erde sein – in unseren Gemeinden, unseren Familien, unserer Ehe und unserem Leben. Wir dürfen es nicht zulassen, dass unsere Aufmerksamkeit abgelenkt wird von unserem teuren Lamm, das für uns geschlachtet wurde. Unser Schwerpunkt sollte auf der Anbetung liegen, nicht auf dem geistlichen Kampf.

Unsere Einstellung zu unseren geistlichen Feinden sollte dem Blick eines Kapitäns eines Footballteams für die gegnerische Verteidigung gleichen. Wenn er sich zu sehr mit den Verteidigern der anderen Mannschaft beschäftigt, wird er nie bemerken, wenn seine Mitspieler in eine günstige Position laufen. Der Spielführer muss in erster Linie auf seine eigenen Verteidiger und Angreifer achten. Gleichzeitig darf er aber nicht die gegnerischen Verteidiger aus dem Auge verlieren und muss ihre Bewegungen vorhersehen, sonst kommt sein Wurf nicht an. Ein fähiger Kapitän muss stundenlange Videoanalysen vornehmen, um die Spielweise des Gegners zu studieren. Wenn er dann aber auf dem Rasen steht, muss er sich auf sein eigenes Spiel und seine Mitspieler konzentrieren. So sollten auch wir im geistlichen Kampf agieren. Unser Blick ist auf Christus und Seine Spieltaktik für unser Leben gerichtet. Wenn wir aber den Teufel und seine Pläne ignorieren, sind wir töricht.

Zwei wesentliche Stellen in der Schrift zeigen Satans Ursprung und den Beginn des unsichtbaren Krieges: Jesaja Kap. 14, Verse 12– 19 und Hesekiel Kap. 28, Verse 11–19. Diese beiden Texte berichten von seinem ursprünglichen Zustand im Himmel, seiner Sünde und seinem Fall. Sie beschreiben, was wir den kosmischen Fall aus dem Himmel nennen könnten. Sie machen die Erschaffung, Verdorbenheit und Verurteilung des Teufels deutlich.

Nicht jeder ist der Meinung, dass diese Stellen den Teufel beschreiben. Sollte er jedoch nicht gemeint sein, haben wir keinen biblischen Bericht von seinem Fall und seiner Rebellion gegen Gott. Ich glaube, dass der Teufel das Thema dieser beiden Stellen ist, und wir ihnen die Geschichte von seinem Fall entnehmen können.

Hesekiel 28,11–19 enthält den Aufstieg und Fall einer Person, die König von Tyrus genannt wird:  Weiter erging das Wort des Jachwehs an mich folgendermaßen: Menschensohn, stimme ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott, der Jachweh: O du Siegel der Vollendung, voller Weisheit und vollkommener Schönheit! In Eden, im Garten Gottes warst du; mit allerlei Edelsteinen warst du bedeckt: mit Sardis, Topas, Diamant, Chrysolith, Onyx, Jaspis, Saphir, Karfunkel, Smaragd, und mit Gold. Deine kunstvoll hergestellten Tamburine und Flöten waren bei dir; am Tag deiner Erschaffung wurden sie bereitet. Du warst ein gesalbter, schützender Cherub, ja, ich hatte dich dazu eingesetzt; du warst auf dem heiligen Berg Gottes, und du wandeltest mitten unter den feurigen Steinen. Du warst vollkommen in deinen Wegen vom Tag deiner Erschaffung an, bis Sünde in dir gefunden wurde. Durch deine vielen Handelsgeschäfte ist dein Inneres mit Frevel erfüllt worden, und du hast gesündigt. Darum habe ich dich von dem Berg Gottes verstoßen und dich, du schützender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine vertilgt.  Dein Herz hat sich überhoben wegen deiner Schönheit; du hast deine Weisheit um deines Glanzes willen verderbt. So habe ich dich auf die Erde geworfen und dich vor den Königen zum Schauspiel gemacht. Mit deinen vielen Missetaten, durch die Ungerechtigkeit deines Handels, hast du deine Heiligtümer entweiht; da ließ ich ein Feuer von dir ausgehen, das dich verzehrte, und ich habe dich zu Asche gemacht auf der Erde, vor den Augen aller, die dich sahen. Alle, die dich kennen unter den Völkern, entsetzen sich über dich; du bist zum Schrecken geworden und bist für immer dahin!

Hesekiel schrieb diese Worte im 6. Jahrhundert v.Chr. während der 70-jährigen Gefangenschaft Judas in Babylon. Seine Prophezeiungen können in drei Hauptabschnitte eingeteilt werden: Hesekiel Kapiteln 1–24: Gericht über Juda. Hesekiel Kapiteln 25–32: Gericht über Judas Nachbarn. Hesekiel Kapiteln 33–48: Wiederherstellung Judas und Israels. Im zweiten dieser drei Abschnitte erzählt Hesekiel vom kommenden Gericht über Judas heidnische Nachbarstaaten und sagt den Fall des Führers von Tyrus voraus (Kap. 28, Vers 2). Bibelkommentatoren sind sich im Allgemeinen einig, dass Hesekiel Kap. 28, Verse 2–10 vom phönizischen König Etbaal III handelt, der über die Festung von Tyrus an der Meeresküste herrschte. Er war ein überheblicher und habgieriger Monarch, und Hesekiel prophezeite das Gericht, das ihn nicht lange nach dieser Prophezeiung einholte. Aber in Hesekiel 28,12 sehen wir einen plötzlichen Wechsel. Auf einmal wird der König von Tyrus vorgestellt. Er ist nicht dieselbe Person wie der Führer von Tyrus in Vers 2. Der Führer in 28,2–10 wird zwei Mal als Mensch bezeichnet (V 2.9), während den König von Tyrus eine übernatürliche Beschreibung charakterisiert, die weit über das hinausgeht, was über einen Menschen gesagt werden könnte. Keine Person, insbesondere nicht der böse Führer von Tyrus, könnte mit Worten beschrieben werden wie «Vollendung, voller Weisheit und vollkommener Schönheit». Außerdem wurde der König von Tyrus erschaffen (V 13.15), was eine seltsame Aussage über einen menschlichen König wäre. Menschen werden geboren, nicht erschaffen. Aufgrund dieser Aussagen und Beschreibungen glaube ich, dass dieser Text vom Teufel vor seinem gefallenen Zustand spricht. Indem er zuerst den menschlichen Führer von Tyrus (V 2–10) und anschließend den König von Tyrus erwähnt (V 12–19), scheint Hesekiel die übernatürliche Macht hinter dem menschlichen Führer aufzuzeigen, so wie der Teufel in der Endzeit die treibende Kraft hinter dem Antichristen sein wird (Offenbarung Kap. 13, Verse 2–4).

Wenn dieses Verständnis richtig ist, dann genoss der Teufel vor seinem Fall beispiellose Privilegien. Er war der mächtigste und majestätischste aller Engel. Der »Heilige Berg Gottes« in Vers 14 könnte sich auf den Sitz des Teufels in der Gegenwart Gottes vor seinem Fall beziehen. Er erfreute sich der begehrten Nähe zu Gott selbst. Er wird auch als «gesalbter, schützender Cherub» bezeichnet (V 14.16). Engel sind in zwei Klassen eingeteilt, und die Cherubim sind eine spezielle Klasse, die besonders verantwortlich ist, die Gegenwart und Heiligkeit Gottes zu schützen.

Die Worte «Tamburine» und «Flöten» (V 13) unterstützen die Vorstellung, dass Satan als himmlischer Hohepriester diente und im Himmel die Anbetung Gottes leitete. Vers 18 spricht von seinen Heiligtümern. Es ist unmöglich, sich der vollen Bedeutung all dieser Aussagen absolut sicher zu sein, aber Donald Grey Barnhouse liefert eine Erklärung, die die unterschiedlichen Teile zusammenführt: «Die Vorstellung, die in dem Wort schützend zum Ausdruck kommt, wurde von Bibelkommentatoren weithin besprochen. ... Hier sehen wir ihn in seiner priesterlichen Funktion, in Verbindung mit den Cherubim, die auch heute die Anbetung im Himmel leiten (Offb Kap. 4, Verse 9.10; Kap.5, Verse 11–14) und sich nahe dem Throne Gottes aufhalten. Die Tatsache, dass Luzifer Heiligtümer hatte, deutet auf Anbetung und Priesterschaft hin. Es scheint, als hätte er die Anbetung des Universums unter ihm empfangen und sie dem Schöpfer über ihm gebracht. ... Hier in der Gegenwart Gottes brachte Luzifer die Anbetung eines Universums voller Geschöpfe dar und empfing seine Befehle vom Allmächtigen als der Prophet Gottes und übermittelte sie der anbetenden Schöpfung.»

Vor seinem Fall war der Teufel anscheinend der Pförtner der Herrlichkeit Gottes, der himmlische Hohepriester und Anbetungsleiter. Doch der tragische Wendepunkt kam in Vers 15: «Du warst vollkommen in deinen Wegen vom Tag deiner Erschaffung an, bis Sünde in dir gefunden wurde.» An keiner Stelle erklärt die Bibel den Ursprung der Sünde deutlicher. Satan war vollkommen in allen einen Merkmalen und Taten bis zu dem furchtbaren Augenblick, als Sünde in ihm gefunden wurde. Im einen Moment gab es sie noch nicht und im nächsten war sie da. Der Teufel war der erste Sünder im Universum.

Der Fall des Teufels wird in den Versen 16–19 geschildert. Zuerst heißt es: «Durch deine vielen Handelsgeschäfte ist dein Inneres mit Frevel erfüllt worden, und du hast gesündigt.» Arnold Fruchtenbaum erklärt, was das bedeutet: «Diese Aussage findet sich auch bei dem menschlichen Fürsten von Tyrus in den Versen 1–10. Bei dem Fürsten von Tyrus bedeutete das, dass er von Hafen zu Hafen ging und Reichtum anhäufte (V 5). Für den König von Tyrus, den Teufel, bedeutete es, dass er von Engel zu Engel ging und Gott verleumdete, um ihre Loyalität zu gewinnen. … Dass ihn seine vielen Handelsgeschäfte … mit Frevel erfüllten, bezieht sich darauf, dass er mit den Engeln handelte und über Gott lästerte. In seinem Frevel führte er im Himmel einen Aufstand gegen Gott an.»

Der Teufel begann eine Verleumdungskampagne, indem er von Engel zu Engel ging und Gott schlechtmachte. In Bezug auf den Versuch des Teufels, Gott zu besiegen und die Herrschaft im Himmel an sich zu reißen, sagte mal jemand: «Satan würfelte und hatte nur zwei Einsen.» Oder wie Erwin Lutzer bemerkt: «Er hat seine Zukunft an einem Spielautomaten verzockt, der keinen Gewinn ausschüttet.» Vers 17 zeigt, dass die Sünde des Teufels, die erste jemals begangene Sünde, Stolz war. «Dein Herz hat sich überhoben wegen deiner Schönheit; du hast deine Weisheit um deines Glanzes willen verderbt.» Diese Sünde hat den Teufel verdorben, und er wurde gestürzt. Sein beängstigender Fall war vollständig. Die zweite Stelle, die meines Erachtens den ursprünglichen Fall des Teufels schildert, ist Jesaja 14,12–19. Hier wird eine ähnliche Geschichte erzählt wie in Hesekiel: «Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, du Überwältiger der Nationen! Und doch hattest du dir in deinem Herzen vorgenommen: ‹Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden; ich will emporfahren auf Wolkenhöhen, dem Allerhöchsten mich gleichmachen!› Doch ins Totenreich bist du hinabgestürzt, in die tiefste Grube! Die dich sehen, schauen dich verwundert an, sie betrachten dich und sagen: Ist das der Mann, der die Erde erzittern ließ, der Königreiche erschütterte; der den Erdkreis zur Wüste machte und seine Städte niederriss; der seine Gefangenen nicht nach Hause entließ? Alle Könige der Völker, sie ruhen in Ehren, jeder in seinem Haus; du aber bist hingeworfen fern von deiner Grabstätte, wie ein verabscheuter Schössling, bedeckt mit Erschlagenen, vom Schwert Durchbohrten, die in eine mit Steinen bedeckte Grube hinabfahren, wie ein zertretenes Aas.»

Bibelkommentatoren sind sich einig, dass Jesaja Kap. 14, Verse 4–11 den historischen, irdischen König von Babylon beschreibt, doch wie in Hesekiel 28 herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Stelle danach weiter von einem menschlichen Führer spricht oder zu der Macht wechselt, die ihn antrieb. Ich glaube, der Begriff «Glanzstern» in Vers 12 bezieht sich auf den Teufel vor seinem gefallenen Zustand. Die Verse 12–14 führen seine Sünden an und in den Versen 15–19 wird sein Fall beschrieben. Jesaja Kap. 14 ähnelt Hesekiel Kap. 28 in mindestens zwei Punkten. Erstens wird der Teufel in beiden Texten als die Macht hinter einem bösen menschlichen König dargestellt. In Jesaja 14 ist er die Macht hinter dem König von Babylon, und in Hesekiel 28 steht er hinter dem König von Tyrus. Zweitens zeigen beide Passagen, dass Stolz die ursprüngliche Sünde des Teufels war. Jesaja 14,13–14 wird oft als die fünf «Ich will» des Teufels bezeichnet.

Unerklärlicherweise stellte er seinen Willen über den Willen Gottes. «Ich will zum Himmel emporsteigen.» Der Teufel wollte seinem Schöpfer gleich sein. Ich will «meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen». Die Sterne Gottes sind die anderen Engel. Der Teufel wollte über der ganzen Schöpfung stehen und ihre Anbetung empfangen. Ich will «mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden». Der Versammlungsberg wird normalerweise gleichgesetzt mit dem Ort, an dem Gott herrscht. Der Teufel wollte den Gipfel der Autorität besetzen. «Ich will emporfahren auf Wolkenhöhen.» Wolken symbolisieren in der Schrift häufig die Herrlichkeit Gottes. Der Teufel wollte die Herrlichkeit, die allein Gott zusteht. Ich will «mich dem Allerhöchsten gleichmachen»! Der Teufel wollte Gott ersetzen. Kurz gesagt, der Teufel wollte Besitz von Gottes Schöpfung ergreifen und alleinige Autorität über sie haben. Er versuchte, nach oben zu kommen, wurde aber hinabgestürzt. Der Teufel verlor für immer seinen Platz im Himmel. Wie Erwin Lutzer festhält: «Kein Wunder, dass der Teufel wütend ist. … Denken Sie nur an all das, was er aufgegeben hat. Er kann nicht länger ein Prophet sein, der für Gott spricht. Er kann kein Priester mehr sein, der die Anbetung an Gott weitergibt. Er, der wie Gott sein wollte, ist ihm schließlich am unähnlichsten geworden. Kurz gesagt, er hat alles verloren und nichts gewonnen.»

Das ist das Gegenteil von dem, was der Sohn Gottes tat. Er verließ den höchsten Platz im Universum zur Rechten Gottes, erniedrigte sich und ging den ganzen Weg bis zur Schande am Kreuz. Deshalb hat Gott ihn über alle Massen erhöht (Philipper 2,5–11). Für Jesus gab es nur Gewinn und keinen Verlust. Nach Gottes Gedanken führt der Weg nach oben nach unten und der nach unten nach oben. Es soll uns Mut machen, dass Gott die Demütigen erhöht (Jakobus 4,10; 1.Petrus 5,6).

Wenn Jesaja 14 und Hesekiel 28 tatsächlich den Fall des Teufels beschreiben, wissen wir, dass er ein gefallener Engel ist, der von dieser hohen Stellung gefallen ist. Aber wann war das? Alle sind der Meinung, dass der Teufel irgendwann vor 1.Buch Mose Kap. 3 fiel, als er Adam und Eva zum Ungehorsam gegenüber Gott verführte. Die Frage ist, wann genau sündigte und fiel er vor 1.Buch Mose Kap. 3? Zu diesem Thema gibt es zwei grundlegende Ansichten. Einige glauben, sein Fall fand vor 1. Mose 1,1 statt und Gott beabsichtigte die Schöpfung als Bühne, auf der bewiesen werden sollte, wer das Recht zu herrschen hat. Andere meinen, er fiel irgendwann nach der Erschaffung der Himmel und der Erde, aber noch vor 1.Buch Mose Kap. 3. Das bedeutet, dass es zwischen 1. Mose 1,31 und 3,1 gewesen sein müsste.

In dieser Frage kann man sich unmöglich sicher sein. Aber, Gott weiß es ganz genau, wann das war. Allerdings können uns einige Hinweise helfen, den Zeitpunkt zu rekonstruieren. Wir beginnen mit der Tatsache, dass der Teufel ein erschaffener Engel war und wir in Hiob 38,7 erfahren, dass sich die Engel über Gottes überwältigendes Meisterwerk freuten, als Er das Universum erschuf. Das bedeutet, dass Gott die Engel vor der Erschaffung des Universums gemacht hat. Es macht auch deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein Engel gefallen war und Harmonie herrschte, da sie sich zusammen freuten. Als Nächstes wissen wir, dass Gott Sein Sechstagewerk für sehr gut befand (1. Buch Mose 1,31). Auch das lässt erkennen, dass in Gottes neuem Universum alles in Ordnung war, was mit der Existenz von vielen gefallenen Geschöpfen unvereinbar sein dürfte.

Daher erscheint es am besten, wenn wir den Fall Satans und seiner Schar nach dem siebten Tag datieren, als Gott ruhte und alle Dinge für gut erklärte (1.Mo 1,31), aber noch bevor der Teufel in 1. Mose 3,1 als Versucher auftrat. Auch wenn wir uns nicht sicher sein können, ist es denkbar, dass der Teufel, als er seinen makellosen Zustand nach der Vollendung der Schöpfung sah, einschließlich Adam und Eva und ihre Anbetung Gottes, eifersüchtig wurde und diese Anbetung für sich selbst begehrte. Als Pförtner der Herrlichkeit Gottes und Anbetungsleiter im Himmel sehnte er sich nach dieser Anbetung. In ihm wurde Sünde gefunden und sein Fall war endgültig.

Der Schrift zufolge hat Gott alle Dinge erschaffen, einschließlich der Engel (Kol 1,16). Da Gott heilig und sündlos ist, waren ursprünglich auch alle Engel heilig und sündlos. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gott nicht den Teufel und seine Dämonen erschaffen hat. Gott erschuf einen wunderschönen und gesalbten, schützenden Cherub und eine Schar von vollkommenen, nicht gefallenen Engeln. Der gesalbte Cherub führte einen Aufstand gegen seinen Schöpfer an, was seinen Fall und den von einem Drittel der Engel nach sich zog (Offenbarung Kap. 12, Vers 4). Dennoch bleibt die Frage: Warum ließ Gott das zu? Da Gott allwissend ist, war Ihm klar, was passieren würde. Und Er ist souverän, Er hätte das verhindern können.

Warum tat Er es nicht? Das ist eine der schwierigsten Fragen überhaupt, zusammen mit einer ähnlichen Frage: Warum lässt Gott Leid und Böses in der Welt zu? In gewisser Hinsicht können wir diese Fragen nicht vollständig beantworten, aber trotzdem können wir wissen, dass auch die Anwesenheit des Teufels und seiner Dämonen auf irgendeine Weise zur Verherrlichung Gottes dient, das heißt, um Ihn bekannt zu machen. Gott lässt den Teufel aus Seinen souveränen Gründen existieren, von denen viele zweifellos nur Er allein kennt. Wir aber können in der Tatsache ruhen, dass Gott unendlich weise und liebevoll ist und Seinen Plan ausführt – den besten Plan zu Seiner maximalen Verherrlichung.

Der Teufel erscheint auf der Bühne der Menschheitsgeschichte in 1.Buch Mose Kap. 3 Verse 1-5. Er tritt als Versucher und Verführer des Menschen auf:

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Jahweh gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, daß ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt! Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was Gut und Böse ist! (Verse 1–5)

Nach Adams und Evas Sündenfall belegte Gott alle Hauptbeteiligten mit einem Fluch:

Da sprach Gott der Jachweh zur Schlange: Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang! Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (Verse 14–15)

1. Buch Mose Kap. 3 erwähnt nicht den Teufel oder nennt ihn bei seinem Namen, aber der Kontext und andere Bibelstellen machen deutlich, dass er hinter der Schlange stand (Offenbarung Kap. 12, Verse 3.9). In den ersten fünf Versen von 1. Mose 3 ist drei Mal von der «Schlange» die Rede. Diese Begebenheit wirft viele Fragen auf, inklusive dem beständigen Problem, die Beziehung zwischen dem Teufel und der Schlange zu bestimmen. Ist das alles nur symbolisch gemeint und aus der heidnischen Mythologie abgeleitet? Verwandelte sich der Teufel tatsächlich in eine Schlange, um sich hinter ihr zu verstecken? Oder fuhr der Teufel in eine echte Schlange? Ich glaube, diese Geschichte hat sich wirklich so ereignet und ist keine Mythologie. Nichts in dem Text weist den Leser darauf hin, dass er mythologisch zu verstehen ist, und das Neue Testament sieht den Bericht über Adam und Eva und den Teufel im Garten Eden als historisch an (Matthäus Kap. 19, Verse 4–6; Johannes Kap.  8, Vers 44). Der ganze Schöpfungsbericht wird als Aufzeichnung tatsächlich geschehener Ereignisse betrachtet. Andere Bibelstellen sprechen davon, dass der Teufel andere Geschöpfe verkörperte und durch sie wirkte: der König von Babylon (Jesaja Kap. 14), der Fürst von Tyrus (Hesekiel Kap. 28) und schließlich der Antichrist (Offenbarung Kap. 13). Aus der Schrift wissen wir auch, dass Dämonen in Menschen fahren und die Kontrolle über ihren Körper übernehmen können. Wenn wir dies berücksichtigen, können wir annehmen, dass der Teufel den Körper der Schlange für geeignet ansah, um sich zu tarnen, als er Eva versuchte. Später bezeichnet die Schrift den Teufel auf unterschiedliche Weise, einschließlich Schlange und Drache (2.Kor 11,3; Offb 12,4.7.9.13).

Natürlich wirft dieser Bericht viele weitere Fragen auf. Wie sah die Schlange vor dem Fluch ursprünglich aus? Sie wurde verflucht, Staub zu fressen und auf dem Bauch zu kriechen – bedeutet das, dass sie sich vorher aufrecht fortbewegte? Und warum kam es Eva nicht seltsam vor, als sie eine Schlange sprechen hörte? Konnten die Tiere vor dem Sündenfall reden? Die Antworten auf diese Fragen überschreiten den Rahmen dieses Buches, aber Henry Morris liefert uns einen interessanten und hilfreichen Kommentar: «Es gibt tatsächlich keinen Grund, weshalb wir nicht annehmen sollten, dass die Schlange in ihrem ursprünglichen Schöpfungszustand nicht ein und derartige Erklärungen sind für den ‹modernen Verstand› nur schwer zu akzeptieren. Nichtsdestotrotz sind sie nicht unmöglich oder völlig abwegig im Kontext der ursprünglichen Schöpfung und scheinen sogar direkt aus der natürlichsten und wörtlichsten Lesart dieser Stelle hervorzugehen.»

Eine weitere damit verwandte Frage ist: Warum verfluchte Gott die Schlange für etwas, was der Teufel getan hatte? Warum musste die Schlange für die Taten des Teufels auf dem Bauch kriechen? Wir können dieses Thema unmöglich mit absoluter Sicherheit behandeln, denkbar ist aber, dass die niedrige Stellung der Schlange seit diesem Tag als ein Musterbeispiel gedacht war. Der auf der Schlange lastende Fluch war ein Bild oder ein Schatten dessen, was letzten Endes mit dem Teufel geschieht, wenn er von Gott unterworfen worden ist. Durch den Fluch über die Schlange sagte Gott zum Teufel: «Du wolltest dich als Schlange ausgeben? So soll es sein! Ich werde das Wesen der stolzen Schlange verändern und sie zu einem niedrigen Tier machen, und in gleicher Weise wirst auch du schließlich als ein niedriges, unterworfenes Geschöpf angesehen werden, und der Nachkomme Evas wird dir den Kopf zertreten!»

Welche Antworten wir auf diese Details im Text auch geben, wir können uns sicher sein, dass der Teufel real ist und sich bei seiner ersten Versuchung verstellte, um seine Verführung schmackhafter zu machen. Auch heute noch ist er der Meisterbetrüger. Täuschung ist seine Visitenkarte. Ob es uns bewusst ist oder nicht, wie John Blanchard sagt: «Wir stehen einem lebendigen, intelligenten, einfallsreichen und gerissenen Feind gegenüber, der den ältesten Christen überleben, den Fleißigsten übertreffen, den Stärksten schlagen und den Weisesten austricksen kann.» Epheser 6,11 spricht von «den listigen Kunstgriffen des Teufels». Der mit «listigen Kunstgriffen» übersetzte griechische Ausdruck ist methodeias. Er steht im Plural, daher wissen wir, dass der Teufel viele Methoden und Pläne anwendet, um unser Leben und unseren Dienst zu schädigen. E. M. Bounds meint: «Die Gedanken des Teufels sind voller Pläne. Er hat viele Möglichkeiten, viele Dinge zu tun. Vielleicht verfügt er sogar in jeder Sache über viele Möglichkeiten. Bei ihm ist nichts stereotyp. Er verfällt nie in den immer gleichen Trott. Produktiv, vielfältig und immer neu ist seine Handlungsweise. Indirekt, raffiniert und elegant sind seine Pläne. Er agiert betrügerisch und stets arglistig.»

Auch in 2. Korinther 2,10–11 ist von den Plänen des Teufels die Rede, aber hier wird das griechische Wort noema benutzt, was «Gedanke» oder «Absicht» bedeutet. Der Teufel arbeitet fieberhaft an seinen Methoden, Plänen und Absichten. Die Bibel macht deutlich, dass er einer Vielzahl von schändlichen Tätigkeiten nachgeht. Er zerstört, betrügt, entmutigt, demoralisiert und verfälscht. Er macht nach, verkleidet sich, täuscht und sät Zweifel.

Satans Hauptmethode ist es, die Sünde zu verharmlosen, um sie für die Menschen attraktiv zu machen. Er lässt die Sünde gut aussehen und verführt uns zu dem Glauben, dass wir unsere Sünde und ihre Konsequenzen beherrschen können. Der Teufel versucht, uns unsere Zufriedenheit in Christus zu nehmen und uns zu überzeugen, dass er etwas Besseres anzubieten hat. Er lockt ahnungslose Personen mit dem Versprechen auf Glück, versteckt aber den Preis, den sie zahlen müssen. Erwin Lutzer brachte diese Strategie eindringlich zum Ausdruck: «Das schlechteste, was er tun kann, ist, unsere Gemeinschaft mit Gott zu unterbrechen; er will, dass wir uns mit Sünde verunreinigen und so den direkten Kontakt zu Gott verlieren. … Wenn er uns schon nicht vom Himmel fernhalten kann, kann er es zumindest verhindern, dass wir auf der Erde von Nutzen sind. Er würde nur allzu gerne beweisen, dass er unsere tiefsten Bedürfnisse besser befriedigen kann als Gott, aber zu welchem Preis? Wenn wir auf ihn hören, so argumentiert er, haben wir mehr Möglichkeiten, Erfüllung und Glück. Er will das für uns tun, was Gott nicht kann. Wir müssen nicht demütig sein, um gesegnet zu werden. Wir brauchen auch nicht unsere Sünde bekennen oder uns dem Allmächtigen unterwerfen. Wir müssen uns nur mit uns selbst beschäftigen und auf uns selbst konzentrieren. Das, zischt die Schlange, ist es, worum es im Leben wirklich geht. …

Am meisten fürchtet der Teufel Christen, die ihre Freude an Gott haben. Er hat nichts, was damit vergleichbar wäre.» Gegen dieses Handeln unseres Widersachers kommen wir nur an, wenn wir uns an unserem Herrn erfreuen. Georg Müller, bekannt für den Bau und die Leitung von Waisenhäusern in England, verbrachte jeden Morgen beträchtliche Zeit mit Gebet und Bibellesen. Er glaubte, es sei die erste Pflicht eines jeden Christen, seine Seele in Gott zu stillen. Müller erzählt, wie er sich an jedem Morgen mit dem Herrn beschäftigte, bis seine Seele «in Gott glücklich» war. Unsere Freude am Herrn ist von weitaus größerem Wert als alles, was der Teufel anzubieten hat.

Wir könnten noch viele weitere Strategien des Teufels beschreiben, aber wir wollen uns mit dieser einfachen Liste begnügen:

Er unterstützt falsche Philosophien (Kolosser 2,8).

Er steckt hinter falschen Religionen (1.Korinther 10,20).

Er steht hinter falschen Lehrern (2.Korinther 11,14–15).

Er erfindet falsche Lehren (1.Timotheus 4,1).

Er ist ein gerissener Betrüger (2.Korinther 11,3).

Er ist der Widersacher (1.Petrus 5,8).

Er ist der Vater aller Lügen (Johannes 8,44).

Er ist der Verleumder (Offenbarung 13,6).

Er ist der Versucher (Matthäus 4,3).

Er ist der Dieb, der kommt, um zu töten und zu zerstören (Johannes 10,10).

Er ist der Menschenmörder (Johannes 8,44).

Er ist der Böse (Matthäus 13,19).

Er verblendet den Verstand der Ungläubigen (2.Korinther 4,4).

Er berauscht und fängt die Verlorenen (2.Timotheus 2,26).

Er verkleidet sich als ein Engel des Lichts (2. Korinther 11,14).

Er bringt falsche Jünger hervor (Matthäus 13,24–30).

Er geht auf der Erde umher und sucht nach Personen, die er verschlingen kann (1.Petrus 5,8).

Er schmiedet listige Pläne, um die Gläubigen zu täuschen (2.Korinther 2,11).

Er beeinflusst Regierungen (Danil 10,13; Offenbarung 16,13–16; 20,3).

Er täuscht und blendet die Verlorenen (2.Korinther 4,4; 2.Timotheus 2,26).

Er verfolgt die Gläubigen (Offenbarung 2,10.13).

Er verklagt das Volk Gottes (Sacharja 3,1; Offenbarung 12,10).

Er behindert Christen im Dienst für Gott (1.Thessalonicher 2,18).

Er fördert Spaltung und Disharmonie (2.Korinther 2,10–11).

Er sät Zweifel (1.Buch Mose 3,1–5).

Er versucht die Menschen zu Sünde (1.Buch Mose 3,1–6), Zorn (Eph 4,26–27),

Stolz (1.Tim 3,6), Selbstvertrauen (1.Chr 21,1), sexueller Unmoral (1.Kor 7,5),

Lügen (Apg 5,3), Mutlosigkeit (1.Petrus 5,6–10).

Seine größte Täuschung ist sicherlich, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie Jesus Christus nicht als ihren Erlöser von der Sünde brauchen. Lassen Sie sich nicht vom Teufel täuschen. Fallen Sie nicht auf diesen Großen Betrug herein. Wenn Sie es noch nicht getan haben, so kommen Sie heute zu Christus und glauben Sie an Ihn.

MARK HITCHCOCK

Gekürzter Auszug aus dem Buch 101 Antworten auf Fragen über Satan, Dämonen und geistliche Kampfführung, Mark Hitchcock, Seite 11–49. Exklusive Vorabveröffentlichung. Erfahren Sie im Buch mehr über das Wesen und Wirken des Teufels und seiner Dämonen und die richtige geistliche Kampfführung. Demnächst beim Verlag Mitternachtsruf erhältlich! Bestell-Nr. 180059.                  Überarbeiteter Text, April 2017

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