Ist Weihrauch ein Gräuel vor Gott?

 Autor: Norbert Lieth

Verkündiger, Bibellehrer und Vorstandsmitglied des Missionswerkes Mitternachtsruf.

Ist Weihrauch ein Gräuel vor Gott?

Hervorhebungen in fetter Schrift sind vom Textautor.

Ich zitiere die Schlachter Version 2000.

Matthäus 2,10-11: Als sie nun den Stern sahen, wurden sie sehr hoch erfreut; und sie gingen in das Haus hinein und fanden das Kind samt Maria, seiner Mutter. Da fielen sie nieder und beteten es an; und sie öffneten ihre Schatzkästchen und brachten ihm Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Anmerkung: Zu Weihrauch.

Hebr. Lebonah,  griech. λιβανος. Weihrauch ist ein wohlriechendes Harz. Er war ein Bestandteil des heiligen Salböls  und wurde im Tempeldienst gebraucht (2Mo 30,34-35; 3Mo 2,1.15-16; 5,11; 24,7; Hl 3,6; 4,6.14; Jer 41,5; Mk 15,23; Joh 19,39; Spr 31,6-7). Er bildete einen Teil der Geschenke der Magier für den Herrn (Mt 2,10-11) und befand sich unter den Dingen, die in Offenbarung 18,13 zu der großen Stadt Babylon getragen wurden. Er lässt sich zurückführen auf die botanische Boswellia serrata, die in Indien wächst. Wenn man ihre Rinde anritzt, tritt das Harz aus. Das beste Harz ist weiß und von bitterem Geschmack, aber das weitgehend benutzte besitzt eine gelbliche Farbe. Aber in der griechischen und römischen Kirchen wird häufig das farbige verwendet.

Fragen und Antworten

Ist Weihrauch ein Gräuel vor Gott?

Im Jesaja 66,3 finde ich eine Aufzählung, was Gott ein Gräuel ist. Wie ist es mit dem Weihrauch zu verstehen? Ich denke unter anderem an den Weihrauch in den katholischen Kirchen oder, was für mich aber wichtiger ist, da ich kein Katholik bin, wie verhält es sich, wenn man Weihrauchkerzchen zu Weihnachten bzw. zur Adventszeit anzündet, wie es im Erzgebirge so üblich ist.

Was denkt Ihr, wie es mit dem Gebrauch von Weihrauch hier in Jesaja zu verstehen ist? Im NT findet man ja auch den Einsatz von Weihrauch.

Mt 2,11: Und sie gingen in das Haus hinein und fanden das Kind samt Maria, seiner Mutter. Da fielen sie nieder und beteten es an; und sie öffneten ihre Schatzkästchen und brachten ihm Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Der von Ihnen erwähnte Abschnitt aus Jesaja 66 beschreibt das damalige antigöttliche Verhalten Israels. Die Israeliten hatten zwar einen Tempel und wirkten in diesem, sie opferten, hielten ihre Zeremonien, beteten dort und hatten ihre Gottesdienste, doch ihr Herz war weit von Gott entfernt. Die Sünden, die sie taten und nicht losließen, waren so schrecklich, daß ihre Zeremonien vor Gott ein Gräuel waren und das Gegenteil bewirkten.

Jesaja 66,3: Wer einen Ochsen schächtet, der einen Menschen erschlägt; wer ein Schaf opfert, der einem Hund das Genick bricht; wer Speisopfer darbringt, der Schweineblut; wer Weihrauch anzündet, der einen Götzen verehrt – sie alle erwählen ihre eigenen Wege, und ihre Seele hat Wohlgefallen an ihren Greueln. (Vgl. Jes 1,11; 53,6; Spr 15,8)

Anmerkung, was bedeutet Schächten?

Antwort: Das Schächten oder Schechita (hebr.שחט šacḥaṭ „schlachten“) ist das rituelle Schlachten von koscheren Tieren, insbesondere im Judentum. Die Tiere werden mit einem speziellen Messer mit einem einzigen großen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in dessen Folge die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, getötet. Mit dem Schächten soll das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden. Der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch in der Jesus Gemeinde verboten.

Apg 15,26-29:  Männern, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus.  Wir haben deshalb Judas und Silas gesandt, die euch mündlich dasselbe verkündigen sollen. Es hat nämlich dem Heiligen Geist und uns gefallen, euch keine weitere Last aufzuerlegen, außer diesen notwendigen Dingen, daß ihr euch enthaltet von Götzenopfern und von Blut und vom Erstickten und von Unzucht; wenn ihr euch davor bewahrt, so handelt ihr recht. Lebt wohl!

{Anmerkung: Das bezieht sich, sowohl für Männer und auch Frauen, die im Namen des Herrn Jesus Christus, errettet sind; vgl. 1Th 4,8; 1Kor 2,16; Joh 16,13; enthaltet euch von Blut usw. Psalm 1,1-3; 119,1-3; Jak 1,25}

Das Schächten erfolgt ohne vorgängige Betäubung des Tieres, da z.B. nach strenger jüdischer Auffassung das Tier durch die Betäubung verletzt und das Fleisch dadurch zum Verzehr unbrauchbar wird.

Weihrauch wurde ursprünglich als Opfergabe im Alten Testament vorgeschrieben (2Mo 30,34; 37,29; 1Chr 9,29-30).

Die Römisch-katholische Kirche hat dies, wie vieles andere, aus dem Bund Gottes mit Israel entnommen und auf ihre Kirche gelegt, weil sie sich «anstelle von Israel» eingesetzt sah. Die Opferung mit Weihrauch symbolisierte einen Wohlgeruch vor Gott, ein angenehmes Opfer. Natürlich ist diese religiöse Übernahme aus dem Alten Bund nicht richtig, aber das bedeutet nicht, daß wir nicht Weihrauchkerzen an und für sich benutzen dürften.

»In Ihm, in Jesus Christus, sind auch wir ein Wohlgeruch für Gott, dem Vater«

2.Korinther 2,15: Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch des Christus unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verlorengehen; (Vgl. 1Kor 1,18)

Philipper 4,18: Ich habe alles und habe Überfluß; ich bin völlig versorgt, seitdem ich von Epaphroditus eure Gabe empfangen habe, einen lieblichen Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig. (Vgl. 3Mo 2,2.9; Joh 12,3-6)

Da die Gemeinde des Neuen Bundes nicht unter dem Gesetz steht (Röm 6,14; 8,2; vgl. 1Kor 15,56; Hebr 8,8-12), muß sie kein Rauchopfer mit Weihrauch, ja überhaupt keine Opfer mehr opfern, wie es im AT gegeben war. Jesus Christus ist in Seiner Person in jeder Beziehung das vollkommene Opfer. Sein Leben war Gott ein Wohlgeruch bzw. Wohlgefallen (Mt 3,17).

Außer dank sollen wir darbringen und Jesus immer nennen: Wir sollen für alles Dankbar sein, das heißt: Gott für alles Danken, was ich von Ihm bekomme, was ich zum leben Brauche usw. (Vgl. Jak 1,17; Kol 3,15-17; 1Th 5,18)

Es ist daher auch keine götzendienerische Opferhandlung, wenn wir zu bestimmten Feiertagen Weihrauchkerzen anzünden. Denn wir tun dies ja nicht, um zu opfern oder uns Zugang zu Gott zu verschaffen. Wir haben alles in Christus, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

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