Ich bin der ich bin

Die Ich-bin-Worte

Alle Bibelstellen wurden aus der Schlachter Version 2000 entnommen.

Ich bin der ich bin! – 2. Buch Mose Kap. 3, Vers 14.

Wie kann man den Bibelvers aus 2. Buch Mose 3,14: Ich bin der ich bin! oder anders übersetzt: Ich werde sein, der ich sein werde! richtig verstehen? Der hebräische Satz, so wie Gott sich Mose am brennenden Busch vorstellt, lautet – eheje ascher eheje und wird allgemein mit Ich bin, der ich bin! oder Ich werde sein, der ich sein werde! übersetzt, was seinen Ursprung in der griechischen Septuaginta-Übersetzung ego eimi ho on hat, woraus der lateinische Vulgatatext ego sum qui sum stammt. Dies ist grundsätzlich nicht verkehrt, übersieht aber eine wichtige Nuance und bleibt somit eine unpersönlich griechische Philosophie, denn Ich bin, der ich bin ist platonisch abstrakt.

Als Mose fragt, welchen Namen er Pharao und den hebräischen Israeliten  nennen soll, damit sie wissen, wer ihn gesandt hat, nennt Gott ihm keinen Namen und meint damit: mein Name tut jetzt nichts zur Sache. Er sagt nur, was er für die Israeliten sein wird, und das ist eheje ascher eheje. Hierin unterscheidet sich Gott von allen anderen Göttern mit ihren künstlichen Namen. Gottes ureigener Name Jachweh tritt erst später in Erscheinung, so als wollte Gott seinem Volk mit der kraftvollen Befreiung aus der Sklaverei zuerst zeigen bzw. unter Beweis stellen, wer er ist.

Um dies richtig zu verstehen, müssen wir das eheje ascher eheje analysieren, denn dieser Satz heißt genau: Ich werde da sein, der ich immer da sein werde und gerade auf dieses weggelassene da kommt es hier an, denn dadurch muss der Satz mit Ich bin der Dabeiseiende übersetzt werden. Nicht das Sein Gottes, die Existenz Gottes, ist für die Israeliten das Entscheidende, sondern Gottes Dabei-Sein.

Darauf beruft sich auch der jüdische Exeget Raschi (11. Jh.) und legt dies wie folgt aus: Der Heilige sprach zu Mose: Geh zu den Israeliten und sage ihnen: Ich war mit euch in eurer Unterwerfung, und werde mit euch in der Unterwerfung eurer Feinde sein.

Gott war mit seinem Volk in Auschwitz und kehrt nun mit seinem Volk nach Zion zurück, denn er ist der immer Dabeiseiende. Daher kann Jesus als Sohn Gottes nichts anderes sagen, als:

So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.  (Matthäus 28,19-20)

Quelle: http://zeltmacher.eu/ich-bin-der-ich-bin-2-mose-314/

1.   Die sieben Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums sind Spitzensätze neutestamentlicher Christologie. Sie akkumulieren aber keine Hoheitstitel, sondern beschreiben in starken Worten und klaren Symbolen die Heilsbedeutung Jesu.

Im Johannesevangelium steht geschrieben:

 

6,35

Ich bin das Brot des Lebens (vgl. Johannes 6,41.48.51)

8,12

Ich bin das Licht der Welt.

10,7.9

Ich bin die Tür für die Schafe.

10,11.14

Ich bin der gute Hirt.

11,25

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

14,6

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

15,1

Ich bin der wahre Weinstock.

Überdies findet sich absolutes ego eimi in 6,20; 8,24.58; 13,19; 18,5.6.8.

2.Die Basis der Ich-bin-Worte ist die alttestamentliche Offenbarungsformel Gottes: Ich bin. Sie begegnet entweder in der absoluten Form oder in einer kennzeichnenden Ergänzung. Das Pathos der alttestamentlichen Offenbarungsformel liegt darin: dass Gott sich offenbart (was alles andere als selbstverständlich ist), also sich erkennbar, ansprechbar, auch verwundbar macht; dass er sich als er selbst offenbart, also nicht nur etwas von sich zu erkennen gibt, sondern seine Identität.

Die Kernaussage ist 2.Buch Moses 3,14: Ich bin, der ich bin.

Im griechischen Judentum ist aus der alttestamentlichen Offenbarungsformel abgeleitet worden, dass Gott allein alles Sein gebührt, dass nur ER im vollen Sinn des Wortes Ich sagen kann (Philo von Alexandrien).

3. Schon vorjohanneisch ist die Ich-bin-Formel – gerade in ihrer absoluten Form – christologisch appliziert worden, so in der Selbstoffenbarung Jesu beim Seewandel Markus 6,48-51 (im Griechischen steht nicht ich bin es, sondern nur ego eimi). Die Pointe: Jesus ist die Epiphanie Gottes. In Jesus offenbart Gott sich selbst (Gerade die Orthodoxie hat dieses Moment besonders stark betont).

4. Johannes baut die synoptischen Vorgaben aus. Die Ich-bin-Worte müssen nicht ipsissima verba im historisch-kritischen Sinn des Wortes sein, sondern sind Herren-Worte, in denen sich die Erinnerung an typische Redeformen, den messianischen An-spruch und signifikante Sprach-Bilder wie Verkündigungsthemen Jesu mit christologisch stimulierter Erinnerungsarbeit mischt. Die Ich-bin-Worte sind eminente Selbst-Identifikationen Jesu, die seine Gottessohnschaft voraussetzen und seine absolute Heilsbedeutung zur Sprache bringen. Sie offenbaren sowohl seine Einheit mit dem Vater (Johannes 10,30) als auch die radikale Hingabe seines ganzen Lebens für die Rettung der Verlorenen und, mehr noch: für ihre Anteilgabe am ewigen Leben Gottes.

5. Im Gegensatz zu den Gleichnissen Jesu, die mit einer Fülle farbiger Bilder aus der Alltagswelt arbeiten, konzentriert sich die Metaphorik des Johannesevangeliums und speziell der Ich-bin-Worte auf ganz wenige, aber zentrale Symbole wie Brot, Licht, Tür, Hirte, Weg, Weinstock und Urworte wie ewiges Leben und Wahrheit. Diese Symbole sind als Archetypen tief in der Neutestamentlich verwurzelt, haben aber allesamt auch starke Anklänge in der alttestamentlichen Theologie. Die Archetypik macht die Ich-bin-Worte zu Brücken zwischen Neu & Alttestamentlich und Biblischer Theologie; sie schafft Anknüpfungspunkte zum Verstehen für Menschen, die nicht schon durch die Schule biblischer und neutestamentlicher Theologie gegangen sind, lässt sie aber nicht im Vorhof der Heiden stehen, sondern geleitet sie bis ins Allerheiligste des Neuen Testaments.

6. Die Ich-bin-Worte sind jeweils genau auf den Kontext und in ihrer Abfolge auf das Gesamt des Evangeliums abgestimmt.

Brot (Johannes Kap.6, Verse 35.58) nimmt nicht nur die wunderbare Brotvermehrung, d.h. die Speisung des Gottesvolkes mit den überreichen Lebensgaben Gottes auf (6,1-15), sondern auch die Brotrede, die beim Hunger des Volkes beginnt und über das Manna (6,49) bei der Eucharistie endet (6,52-58). Jesus gibt nicht nur etwas, sondern sich selbst - zum Leben der Welt.

Licht (8,12) bereitet nicht nur die Offenbarungsrede über die Blindheit des Unglaubens wie der Sünde und die Helligkeit des Glaubens wie der Liebe vor (8,12-59), sondern auch das Wunder der Heilung des Blindgeborenen (Johannes Kap.9). Jesus stößt diejenigen, die die Finsternis mehr lieben als das Licht (3,19; vgl. 1,5), nicht in die absolute Dunkelheit zurück, sondern spendet ihnen das Lebens-Licht Gottes.

Tür und Hirte (10,7.9.11) ist Jesus als derjenige, der Juden wie Heiden das Tor zum Reich Gottes öffnet und ihnen seine Gemeinschaft schenkt. Er öffnet nicht nur die Tür, sondern ist diese Tür, weil er das Heil nicht nur zeigt, sondern bringt.

Auferstehung und Leben (11,25) ist Jesus als derjenige, der Lazarus aus dem Grabe holt und damit nicht nur die endzeitliche Auferstehung der Toten antezipiert, sondern die Gegenwart des Heiles mitten im Leben der Glaubenden verheißt: Der Tod hat schon jetzt keine Macht mehr über sie, weil Jesus die Glaubenden und Liebenden auf die Seite des Lebens zieht.

Weg (14,6) ist Jesus als derjenige, der seine irdische Sendung durch den Weg ans Kreuz und über das Kreuz durch seinen Hinübergang zum Vater vollendet (vgl. 13,1f). Als Weg ist Jesus Wahrheit, weil er nicht nur mit seinen Worten, sondern mit seinem ganzen Lebens-Geschick Zeugnis ablegt von der Liebe Gottes; als Weg ist Jesus Leben, weil er zum Vater geht, um die Jünger durch seinen Tod und seiner Auferstehung Anteil nehmen zu lassen an jener Liebe zwi-schen dem Vater und dem Sohn, die zur Sendung Jesu geführt hat (3,16) und alles Heil in sich birgt.

Weinstock (15,1) ist Jesus als derjenige, der in Gemeinschaft mit den Jüngern, seinen Freunden lebt (15,1); so wenig die Jünger, losgelöst von Jesus irgend etwas tun können, so sehr gibt Jesus ihnen die Lebenskraft, die sie brauchen.

7.  Die Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums sind allesamt einladend und anspruchsvoll zugleich. Sie geben zu erkennen, dass Jesus von Gott her und auf Gott hin mehr als genug, nämlich alles zum Heil der Welt getan und dass er davon in einer klaren, einfachen, verständlichen Sprache handelt, die durch sein Tun gedeckt ist. Sie fordern aber auch heraus, diesem Jesus Folge zu leisten und sich von ihm die Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, schenken zu lassen.

1.Buch Mose Kap. 26, Vers 24: Und der Herr erschien ihm in jener Nacht und sprach: Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, und ich will dich segnen und deinen Samen mehren um Abrahams, meines Knechtes, willen!

2.Buch Mose 3,14: Und Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt. (vgl. Jesaja 42,8; Maleachi 3,6; Johannes 18,5-6; Hebräer 13,8; Offenbarung 1,4.8)

Josua 1,9: Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.«

Psalm 61,4: Denn du bist meine Zuflucht geworden, ein starker Turm vor dem Feind.

Psalm 139,18: Wollte ich sie zählen, - sie sind zahlreicher als der Sand. Wenn ich erwache, so bin ich immer noch bei dir!

Jesaja 41,8-10:  Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, mein Auserwählter, du Same Abrahams, meines Freundes,  den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren entferntesten Winkeln berufen habe, und zu dem ich gesprochen habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich auserwählt und nicht verworfen – fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ja, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit!

Jesaja 43,5: Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Ich will deinen Samen vom Osten herführen und dich vom Westen her sammeln.

Jesaja 45,3: Und ich will dir verborgene Schätze geben und versteckte Reichtümer, damit du erkennst, das ich, der HERR, es bin, der dich bei deinem Namen gerufen hat, der Gott Israels.

Jesaja 15,20:  Und ich will dich diesem Volk gegenüber zur festen, ehernen Mauer machen; und sie werden gegen dich kämpfen, aber sie sollen dich nicht überwältigen; denn ich bin bei dir, um dich zu retten und um dich zu befreien, spricht der HERR.

Jeremia 30,11: Denn ich bin mit dir, spricht der Herr, um dich zu erretten; denn ich will allen Heidenvölkern, unter die ich dich zerstreut habe, ein Ende machen; nur dir will ich nicht ein Ende machen, sondern dich nach dem Recht züchtigen; doch ganz ungestraft kann ich dich nicht lassen.

Jeremia 46,28:  Fürchte du dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Herr; denn ich bin mit dir; denn ich will allen Völkern, unter die ich dich verstoßen habe, ein Ende machen; dir aber werde ich nicht ein Ende machen, sondern dich nach dem Recht züchtigen; doch ganz ungestraft kann ich dich nicht lassen.

Apostelgeschichte 26,16-18: Aber steh auf und stelle dich auf deine Füße! Denn dazu bin ich dir erschienen, um dich zum Diener und Zeugen zu bestimmen für das, was du gesehen hast und für das, worin ich mich dir noch offenbaren werde; und ich will dich erretten von dem Volk und den Heiden, unter die ich dich jetzt sende, um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Herrschaft des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbteil unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind!

»Ich bin´ s, fürchtet euch nicht«

Matthäus 14,27: Jesus aber redete sogleich mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!

Markus 6,50: Denn sie sahen ihn alle und erschraken. Und sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!

Johannes 6,20: Er aber sprach zu ihnen: Ich bin's, fürchtet euch nicht!

Jeremia 42,11: Fürchtet euch nicht vor dem König von Babel, vor dem ihr Angst habt; fürchtet euch nicht vor ihm, spricht der Herr; denn ich bin mit euch, um euch zu helfen und euch aus seiner Hand zu erretten!

 

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