Gibt es Widersprüche in der Heiligen Schrift?

Gibt es Widersprüche in der Heiligen Schrift?

Vorweg: Angebliche Widersprüche, entstehen durch die Menschen selbst. Warum? Weil sie verfälschte Bibel haben. Das ist der Grund, warum Widersprüche entstehen.  Ich benutze ausschließlich nur noch die Schlachter Version 2000 (Originaler Grundtext).


Grundlegende Gedanken zum Umgang mit Kritik an der Bibel

Von Marcel Wildi


1. Vorbemerkungen
1.1 Warum ist die Bibel das meistkritisierte Buch der
Weltgeschichte?
1.2Die prinzipielle Fragestellung
1.3 Das Kriterienproblem der Bibelkritik
1.4 Menschliche Überheblichkeit
1.5 Jesus und das AT
1.6 Der Lawineneffekt der Bibelkritik
1.7 Das wichtigste Auslegungsprinzip für biblische Texte

2. Entstehung und Eigenart der Bibelkritik
2.1 Der Ursprung der Kritik: die Aufklärung
Die Unterscheidung von Wort Gottes und Heiliger Schrift
2.2 Der Mechanismus der Bibelkritik
2.3 Besonders gefährdete Texte
2.4 Bibelkritik äußert sich vor allem in 3 Punkten

3. Das Problem der Wissenschaftlichkeit
3.1 Wissenschaft ist subjektiv und zeitbedingt
3.2 Kriterien für Wissenschaftlichkeit?
3.3 Zwei verschiedene wissenschaftliche Weltbilder
3.4 Die historisch-kritische Theologie ist unwissenschaftlich

4. Häufige Mißverständnisse bezüglich der Bibel

4.1 Bibel und Archäologie
4.2 Glaubwürdigkeit der Bibel und anderer Quellen
4.3 Die Bibel - ein unhistorisches Glaubenszeugnis?
4.4 Die "Knechtsgestalt" der Bibel
4.5 Ist die Bibel zeit- und kulturbedingt?

5. Widersprüche in der Bibel?

6. Das Selbstzeugnis der Bibel


1. Vorbemerkungen

1.1 Das am meisten verkaufte, am meisten gelesene, am häufigsten übersetzte Buch der Weltgeschichte, die Bibel, ist auch das meistkritisierte! Warum? Die Aussagen der Bibel sind und bleiben eine Provokation für jeden Menschen, der nicht wiedegeboren ist, denn er ist geistlich tot. Deshalb wird sie von den einen geliebt und von den andern gehaßt. Der Teufel, der Vater der Lüge, versucht mit allen Mitteln die Menschen davon abzuhalten, dem zu glauben, was in der Bibel steht, weil er weiß, daß es die Wahrheit ist, und daß allein die Bibel den Menschen den Weg zurück in die Gemeinschaft mit Gott zeigen kann. Dies ist ihm leider recht gut gelungen, vor allem mit Hilfe der Philosophen und leider auch der Theologen [sh. 2.].

1.2 Die Frage nach der absoluten Glaubwürdigkeit der Bibel ist von entscheidender Bedeutung. Es geht um die grundlegende Frage, ob das Wort Gottes prinzipiell irrtumslos und damit vertrauenswürdig ist oder nicht. Es geht darum, wie sicher und verläßlich das Fundament ist, auf dem unser christlicher Glaube und damit unser ewiges Leben ruht. Wie soll ich meines Glaubens sicher sein, wenn ich annehmen muß, daß gewisse Dinge in der Bibel nicht stimmen? Woher weiß ich dann, was stimmt und was nicht? Welches wäre der Maßstab zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit dieser und der Unglaubwürdigkeit jener Stelle?

Was bedeutet eigentlich das Wort - Glaube - ? Glaube ist keine Religion, sondern, Glaube ist ein Erlebnis mit Gott! 

1.3 Die Hauptschwierigkeit, wenn ich die Bibel nicht in jedem Punkt, im vollen Umfang und in jeder Hinsicht als irrtumslos und zuverlässig akzeptiere, ist folgende: Wer gibt mir auf Grund welcher Autorität welche Kriterien, um entscheiden zu können, was nun an der Bibel wahr sein darf, was hingegen nur sinnbildlich, aber nicht historisch zu verstehen ist, und was überhaupt nur mythologischen, märchenhaften oder legendären Charakter hat? Diese Versuche, die Bibel zu kritisieren oder ein eigentliches Evangelium im Evangelium („Kanon im Kanon") herauszukristallisieren, führen in die totale Subjektivität und Beliebigkeit, weil es diesen geforderten Maßstab nicht gibt, nicht geben kann. Jeder bastelt sich so seine eigene Glaubensgrundlage zurecht.

1.4 Wo Menschen anfangen, darüber zu urteilen, welche Teile der Bibel wahr sein können und welche nicht, erheben sie sich über Gott. Sie machen sich zum Richter über das, was Gott gesagt hat. Die Geschöpfe stellen sich über den Schöpfer. Diese Selbstüberhebung war der Grund von Satans Fall (Jes.14, 12-15) und der Grund des menschlichen Sündenfalls im Paradies (1.Mose 3,5-6).

1.5 Jesus, der Sohn Gottes, hat das Alte Testament (AT) nie kritisiert, korrigiert oder auch nur irgendwie in Frage gestellt, sondern immer vollumfänglich bestätigt, z.B. die Schöpfung (1.Mose 1,27; 2,24 - Matth.19,4-5); Noah und die Sintflut (1.Mose 6-9 - Matth.24,37-39); Jona (- Matth.12,39-41); Abraham (1.Mose 15,5 - Joh.8,37); Mose und seine 5 Bücher (- Joh.5,46-47); die Königin von Saba und Salomo (2.Kön.10 - Matth.12,42) etc, etc. Genau gleich war die Haltung der Apostel (auf Beispiele verzichte ich hier). Wollen wir, die Geschöpfe eine andere Einstellung zur "Heiligen Schrift" haben als unser Schöpfer und Erlöser, der Sohn Gottes?

1.6 Wo einmal angefangen wird, die Bibel zu kritisieren, ihre Wahrheit in irgendeinem Punkt in Frage zu stellen (z.B. in irgendeinem Lebensbericht eines israelitischen Königs oder beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten), beginnt ein Prozeß der ständigen Zunahme der Kritik, bis schließlich Jesus nicht mehr Gottes Sohn ist, sondern nur noch ein Mensch, bis es keine Sünde mehr gibt und deshalb ein Sterben des Gottessohnes am Kreuz nicht mehr nötig ist, bis Jesus nur noch ein Liebe verkündender Sozialrevolutionär ist. Die Kritik bekommt eine Eigendynamik, es entsteht eine lawinenartige Abwärtsbewegung, bis schließlich fast nichts mehr vorhanden ist. Die Kirchen- und Theologiegeschichte hat dies zur Genüge gezeigt [vgl. 2.].

1.7 Das wichtigste Auslegungsprinzip für biblische Texte heißt deshalb: Ein Bibeltext ist wörtlich und historisch zu verstehen, solange der Kontext nicht ausdrücklich dagegen spricht. [Ausführlicher äußere ich mich zu den Auslegungskriterien in meinem Artikel "Prinzipien der Bibelauslegung"]

2. Die Bibelkritik: Entstehung und Eigenart

2.1 Bibelkritik gibt es schon so lange, wie es die Bibel oder Teile davon gibt. Bereits im 2.Jh. n.Chr. mußten sich die christlichen Apologeten (Verteidiger des Glaubens) gegen Vorwürfe gegen den christlichen Glauben und gegen die Bibel wehren. So richtig setzte die Kritik an der Bibel aber erst mit dem Zeitalter der Aufklärung (Mitte 18.Jh.) ein. Der einzelne Mensch wird selbständiger, die Technik kommt langsam auf. Die Vernunft des Menschen wird immer wichtiger und bald einmal als seine größte Fähigkeit angesehen. Der Mensch rückt ins Zentrum allen Geschehens und Seins, das Transzendente, das Jenseitige tritt in den Hintergrund, verliert an Bedeutung. So formuliert Immanuel Kant (1724-1804): "infinitum non capax infiniti" ("das Endliche ist nicht fähig, das Unendliche zu erfassen"). Das war von ihm allerdings noch nicht negativ gemeint, denn die "Nichtexistenz Gottes" ist nach Kant "nicht beweisbar", genauso wenig wie seine Existenz. Damit hat er an sich natürlich Recht, denn wir Menschen können von uns aus wirklich nichts über Gott aussagen; wir wissen von ihm nur, was Er selber uns (in der Bibel) über sich offenbart hat. Das ist unsere einzige Chance, etwas Verläßliches über Gott zu erfahren, seine Selbstoffenbarung. Wenn wir allerdings diese Möglichkeit ausschließen, dann bleiben wir tatsächlich im Nebel der Unkenntnis und Unsicherheit stecken.

Kants Zeitgenosse Johann Salomo Semler (1725-1791; Theologieprofessor in Halle) ist der eigentliche Begründer der Bibelkritik, weil er zwischen "Wort Gottes" und "Heiliger Schrift" zu unterscheiden begann. "Wort Gottes" innerhalb der "Heiligen Schrift" war dabei vor allem, was (ganz der Philosophie der Aufklärung entsprechend) zur sittlichen Besserung des Menschen dient. Was dieser nicht dienlich war, wurde zum "Menschenwort" innerhalb der "Heiligen Schrift" degradiert und für nicht verbindlich erklärt. Im Laufe der Zeit und Theologiegeschichte hat sich dann natürlich ständig verändert, was Gottes- und was Menschenwort in der Bibel sei, je nach gerade herrschender philosophischer oder ideologischer Modeströmung.

Die Entwicklung, die unter anderem Kant und Semler ins Rollen brachten, konnte nicht mehr gestoppt werden. Es war nahe liegend, etwas später zu sagen, daß die Existenz Gottes nicht beweisbar sei. Gott hat sich aber in seinen Werken die Er Vollbracht hat, beweisbar gemacht (vgl. Johannes 14,21; Römer 1,18-21).   Dies ist ja an sich richtig, nur wurden daraus ganz falsche Schlüsse gezogen. Aus der Nichtbeweisbarkeit Gottes ergaben sich hauptsächlich drei verhängnisvolle ideologische Entwicklungslinien:

a) Nur was mit der menschlichen Vernunft oder den fünf Sinnen erkannt werden kann, hat in der Religion Platz ("ich glaube, was ich sehe"). So sagte beispielsweise Rudolf Bultmann (1884-1976), der die Bibel "entmythologisierte": "Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben."
b) Religion ist nur ein Gefühl (so der deutsche Theologieprofessor Friedrich Schleiermacher, 1768-1834, und die meisten Theologen, Philosophen und Psychologen bis heute).
C) Es gibt überhaupt keinen Gott (= Atheismus, z.B. Karl Marx, 1818-1883).

Die entscheidenden Impulse bei der Entwicklung der Bibelkritik gingen dabei meistens von den Philosophen aus. Die Theologen zogen dann etwas später nach.

2.2 Es ist wichtig, den Mechanismus der Entstehung von bibelkritischen Äußerungen zu kennen und zu durchschauen. Er geht folgendermaßen: 1. Auf Grund der ideologischen Vorurteile [sh. 2.1 und 2.3] wird ein Bericht in der Bibel abgelehnt. 2. Dann werden Gründe gesucht, mit denen man die Ablehnung plausibel zu machen versucht (z.B. verschiedene Sprachstile in den verschiedenen Paulusbriefen oder innerhalb des Jesajabuches). 3. Schließlich wird die Sache so dargestellt, als ob die "Gründe" die Ablehnung nahe legten oder geradezu erforderlich machten, und nicht die Vorurteile.

2.3 Besonders gefährdet für Kritik sind dabei (wie sich aus der Überbetonung der Vernunft und der weltimmanenten Naturwissenschaft [vgl. 3.] ergibt) hauptsächlich Texte mit folgendem Inhalt:

a)Wunder So z.B. Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, Naturwunder von Jesus und auch den Aposteln; die Jungfrauengeburt; Engelserscheinungen. Dagegen werden die alttestamentlichen Geschichtsabschnitte aus der Königszeit weniger in Frage gestellt, weil in diesen Texten fast nichts Übernatürliches vorkommt, sondern reine Politik.

b)Prophezeiungen:
So wird z.B. das Buch des Propheten Jesaja (Berufung spätestens im Jahr 736 v.Chr.), ganz grob gesagt, aufgespalten in Jesaja, Deuterojesaja und Tritojesaja, weil Jesaja im dritten Drittel seines Buches ganz genaue prophetische Angaben über das erst gut 100 Jahre nach seinem Tod beginnende babylonische Exil Judas macht (ab 597 v.Chr.) und sogar den Namen des persischen Königs (Cyrus) nennt, der das Exil 538 v.Chr. offiziell beendet. Deshalb werden diese Passagen einfach in die Zeit des zu Ende gehenden Exils datiert und anderen unbekannten Propheten (Deuterojesaja, Tritojesaja) in den Mund gelegt. Nachträglich wird nun mit (fadenscheinigen, aber genaueren Prüfungen nicht Stand haltenden) sprachlichen Argumenten versucht, diese Spaltung zu begründen.

c)Heilsbedeutende Tatsachen Hierzu gehört alles, was mit Sünde, Hölle, Teufel, Gottheit Jesu, stellvertretendem Kreuzestod, Auferstehung, Wiederkunft Jesu, 1000-jährigem Reich, Jüngstem Gericht, u.ä. zu tun hat.

2.4 Bibelkritik zeigt sich vor allem in folgenden 3 Punkten:

a)Datierung und Verfasserschaft: - z.B. Deuteropaulinen: Paulusbriefe, die nicht von Paulus sein sollen, sondern z.B. von einem Schüler von ihm erst einige Jahrzehnte nach seinem Tod geschrieben worden seien und darum historisch nicht mehr zuverlässig seien. Ihre Aussagen werden zu urchristlicher Tradition degradiert, statt daß sie verbindliche Offenbarung Gottes sind. - z.B. Mosebücher: J (Jahwist), E (Elohist), D (Deuteronomium) und P (Priesterschrift) seien die hauptsächlichen Quellen, aus denen der Pentateuch (= 5 Bücher Mose) von mehreren Redaktoren zusammengesetzt worden sei. Die Mosebücher seien also nicht im 15.Jh. v.Chr. zur Zeit von Israels Wüstenwanderung entstanden, sondern in einem Zeitraum zwischen den ersten Königen (um 1000 v.Chr.) und nach dem Exil (um 500 v.Chr.). Dabei hat man bis heute neben den Dutzenden zusammenhängenden Pentateuch-Manuskripten noch keine einzige dieser einzelnen Quellen in schriftlicher Form gefunden!

b) Historische und naturwissenschaftliche Glaubwürdigkeit Berichte in der Bibel seien entweder nicht historisch oder stimmten mit der Erkenntnis der modernen Naturwissenschaft nicht überein. Sie werden zu symbolischen "Bildern", "Mythen", "Legenden", "Märchen", "ätiologischen Sagen" (eine erfundene Geschichte, die in späterer Zeit z.B. die Herkunft eines Namens zu erklären versucht), reinen "Glaubenszeugnissen" oder "persönlichen Glaubens-erfahrungen" aus alter Zeit.

c) Situationsbedingtheit: Diese Art der Kritik ist zwar die am wenigsten radikale, aber nichtsdestotrotz prinzipiell fragwürdig und gefährlich. Sie rüttelt nicht an den entscheidenden Aussagen der Bibel wie z.B. über die Natur von Jesus Christus und die historische Tatsache und theologische Bedeutung seines Todes und seiner Auferstehung, aber sie behauptet von Passagen, die nicht zum ethischen Denken der Gegenwart passen, sie seien zeitbedingt, d.h. heute überholt und deshalb nicht mehr gültig (wie beispielsweise Aussagen über die Stellung von Mann und Frau, über den Umgang mit der Sexualität oder der Ehescheidung).

Nebenbei: Vorsicht mit Bemerkungen und Erklärungen in den meisten Bibeln. Sie sind oft auch geprägt von der historisch-kritischen Theologie, z.B. bei den Zeittafeln im Anhang!

3. Das Problem der Wissenschaftlichkeit:

3.1 Die Unglaubwürdigkeit der Bibel wird heutzutage immer wieder mit den Resultaten der modernen Wissenschaften begründet. Aber: Die Wissenschaft ist nicht das Maß aller Dinge, wie sie immer meint. Wissenschaft ist subjektiv und zeitbedingt, nicht objektiv und zeitlos.
 

Ein Beispiel: Zur Zeit der beginnenden Bibelkritik glaubte man, daß die Menschen zur Zeit der ersten israelitischen Könige (um 1000 v.Chr.) noch nicht schreiben konnten. Dementsprechend datierte man alle Bücher des Alten Testaments in die Zeit nach 1000 v.Chr. um. Bücher, von denen man bisher ohne Weiteres glaubte, daß sie in einer Zeit vor den Königen geschrieben worden waren (so etwa der Pentateuch Moses um 1400 v.Chr). Man meinte dabei natürlich, sie jetzt als unhistorisch betrachten zu können, weil so auf einmal mehrere Jahrhunderte zwischen einem Ereignis und seiner Niederschrift lagen. Heute weiß man, daß bereits um 3000 v.Chr. eine Hochblüte des Schreibens herrschte. Leider wurden die theologischen Schlüsse, die man damals gezogen hatte, im großen Ganzen nicht dementsprechend korrigiert.

3.2 Kriterien, ob heute etwas als wissenschaftlich bewiesen angesehen werden kann oder nicht: a) Ein Ereignis muß, von allen ersichtliche, innerweltliche Entstehungsgründe haben.
b) Ein Ereignis muß jederzeit wiederholbar sein
c) Ein Ereignis muß mit innerweltlichen Methoden überprüfbar sein.

Diese Kriterien, so hilfreich sie für die Physik oder Chemie auch sein mögen, sind natürlich bei praktisch allen grundlegenden Inhalten des christlichen oder eines anderen Glaubens nicht anwendbar. Es sind offensichtlich alles von der Ideologie der Aufklärung [sh =siehe. 2.1] geprägte und deshalb eingeschränkte Kriterien. Die Aufklärung geht von einem auf die reine Weltimmanenz eingeschränkten Weltbild aus. Die Bibel, die allermeisten Religionen oder die Esoterik dagegen haben ein zum Transzendenten (Metaphysischen, Übernatürlichen, Göttlichen) hin offenes Weltbild. Dieses Weltbild ist zwar anders, aber genauso wissenschaftlich. Beide Weltbilder sind genauso wissenschaftlich oder unwissenschaftlich; ihre Wissenschaftlichkeit ist nur verschieden definiert. Deshalb ist weder das eine Weltverständnis noch das andere letztlich zu beweisen. Sowohl das eine als auch das andere kann nur geglaubt werden. Das transzendente (biblische) Weltbild ist offener und deshalb realistischer. Auch die Erfahrung von Millionen von Christen, die Gottes übernatürliches Eingreifen schon erlebt haben, bestätigen das zweite.

3.3 Es gibt viele Dinge, die wissenschaftlich richtig sind, auch wenn sie nicht in "wissenschaftlicher Form" aufgeschrieben sind (z.B. der Schöpfungs- oder der Sintflutbericht). Ob ich den Hergang eines Autounfalls im Stile eines Polizeirapportes oder in Gedichtform aufschreibe, ist eine Formfrage, hat aber keinen Einfluß auf seinen Wahrheitsgehalt.

3.4 Die so genannte "historisch-kritische Theologie" arbeitet in Wirklichkeit entgegen ihrer Selbstbehauptung unwissenschaftlich. Sie behandelt die Bibel eben gerade nicht wie jedes andere Buch der Weltgeschichte, wie sie dauernd behauptet. Ganz im Gegenteil. In der Rechtssprechung gibt es das Prinzip: Ein Angeklagter gilt so lange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Einen ähnlichen Satz kennen auch die Altertumswissenschaften, die Altphilologie ein-geschlossen: Ein Fundstück (z.B. eine literarische Vorlage) gilt so lange als authentisch, bis seine Nichtauthentizität bewiesen ist.

Wenn Philologen, Archäologen, Historiker oder Altorientalisten sehen, wie schnell Theologen von einem Paulusbrief sagen, er sei nicht von Paulus, obwohl es mehrmals im Text drinsteht, oder von einem Psalm, er sei nicht von David, obwohl in der Überschrift in allen verfügbaren Handschriften sein Name vorkommt, so kommen sie doch ins Staunen. Die "historisch-kritische Theologie" geht mit ideologischen Vorurteilen an ihre Texte heran. Sie verkennt und ignoriert die Güte der Überlieferung der biblischen Schriften (im Vergleich zu anderen Werken der Antike).

Nebenbei: Öffentliche Schulen sind in den naturwissenschaftlichen Fragen fast immer viele Jahre hintendrein. Dies zeigt sich u.a. im Biologieunterricht in den angeführten Gründen für die Evolutionshypothese oder eben auch in den Argumenten, mit denen die Bibel kritisiert wird (seien sie sprachlicher, archäologischer, natur-wissenschaftlicher oder religionsgeschichtlicher Art).

4. Häufige Mißverständnisse bezüglich der Bibel

4.1 Es wird behauptet, als wahr könne etwas in der Bibel erst gelten, wenn es durch Funde aus der Umwelt bestätigt werden könne (also archäologische oder literarische Funde). Das heißt: Die Aussage der Bibel ist erst dann wahr, wenn sie von außerhalb der Bibel bewiesen werden kann. Das Wort Gottes sei nicht an sich ("per se") wahr. Beispiel: Der Bericht Josuas in Jos.7,2 wird als historisch falsch angeschaut, da man die dort erwähnte Stadt Ai bei Ausgrabungen bis heute (noch!) nicht gefunden hat.

Antwort: Diese Ansicht ist von ideologischen Vorurteilen behaftet und kann deshalb als unwissenschaftlich und nicht kompetent für dieses Problem angesehen werden. Das Beispiel Ai ist außerdem ein klassisches "argumentum e silentio" (ein Argument aus dem Schweigen), das, bekanntlich und für jeden einsichtig, kein stichhaltiges Argument ist (nur weil nirgends schriftlich oder bildlich festgehalten wurde, daß ich letzen Sommer auf dem Eiffelturm war, heißt das noch lange nicht, daß ich nicht tatsächlich dort war). Die Bibel darf einfach kein historisch glaubwürdiges Buch sein! Eine Ausgrabung von ein paar geschichteten Steinen dagegen, die man so oder anders interpretieren kann, würde als wissenschaftlicher Beweis gelten.

Die Bibel ist als geoffenbartes Wort Gottes (nach ihrem eigenen Anspruch [sh. 6.]) an sich wahr und als solches nicht beweisbedürftig aus anderen Quellen. Im Gegenteil, andere Quellen sind anhand der Bibel auf ihre Wahrheit hin zu prüfen. Im Mindesten aber muß die Bibel als eigenständige historische Quelle gleichberechtigt mit anderen Quellen angeschaut werden.

4.2 Es wird behauptet, wenn sich Aussagen der Bibel und der Umwelt (etwa eines andern antiken Schriftstellers) widersprechen, dann sei die Wahrheit nicht in der Bibel zu finden. Bsp.: Die (scheinbar) widersprüchlichen Erwähnungen über die Volkszählung des Augustus von Lukas und ausserbiblischen (z.B. römischen oder jüdischen Quellen). Der Bibel wird in so einem Fall vorgeworfen, ihre Schriftsteller würden Fakten zu ihren eigenen ideologischen Gunsten umändern, sie seien "Tendenzschriftsteller".

Antwort: Daß auch viele ausserbiblische Quellen nachweislich tendenziös sind, steht merkwürdigerweise meistens nicht im Blickfeld der historisch-kritischen Theologen. Es wird oft zu wenig beachtet, daß es von biblischen Texten Tausende, beinahe identische Handschriften gibt (zeitlich teilweise nur einige Jahrzehnte von ihrem Original getrennt), von ausserbiblischen Schriftstellern dagegen meist nur einige wenige, teilweise stark widersprüchliche oder lückenhafte und zeitlich durch Jahrhunderte vom Original getrennte Abschriften. Bsp.: Die Pilatusbriefe gibt es in einer einzigen Abschriftensammlung aus dem 7. oder 8. Jh. und doch gibt ihnen der Herausgeber punkto Glaubwürdigkeit bei der Darstellung der Geschehnisse rund um Jesus größeres Gewicht als den vielen identischen Bibelhandschriften aus dem 2.-4. Jahrhundert.

4.3 Es wird behauptet, die Bibel wolle nur ein Glaubenszeugnis sein und sei deshalb an historischer Wahrheit nicht   interessiert.

Antwort: Die Bibel ist ein Glaubenszeugnis und will gerade deshalb historisch wahr sein, weil der christl. Glaube ein Glaube ist, der auf historisch vorgefallenen Tatsachen beruht. Darum sagt z.B. Paulus in 1.Kor.15, 14: Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, so ist unsere Verkündigung vergeblich, und vergeblich auch euer Glaube!

Lk.1,1-4:  Nachdem viele es unternommen haben, einen Bericht über die Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind,  so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, damit du die Gewißheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.

Wie könnte Paulus in 1.Kor.15,6 rund 500 größtenteils noch lebende Augenzeugen des Auferstanden Jesus zu erwähnen wagen, wenn die Auferstehung Jesu niemals historisch stattgefunden hätte. Es wäre für die Christentumsgegner ein leichtes gewesen, ihn als Lügner zu entlarven.
 

1.Joh.1,1-4: Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens - und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist -, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.

4.4 Es wird behauptet, die Bibel sei uns nur in der sog. "Knechtsgestalt" gegeben. Dieser Begriff wird aus Jesaja Kapitel  53 übernommen, wo er sich allerdings auf den kommenden Messias, auf Jesus Christus, bezieht. Man meint damit: Wenn Gott sich den Menschen in sprachlicher Form mitteilt, dann könne dies nur geschehen, indem er die sprachlich-menschliche Unzulänglichkeit in Kauf nehme. Mit andern Worten: Gott sei nicht fähig, uns Menschen mit menschlichen Methoden etwas weiterzugeben, ohne daß er dabei Fehler vermeiden kann. Andere interpretieren die "Knechtsgestalt" sogar so, daß Gott es gar nicht gewollt habe, uns Menschen eine irrtumslose Schrift zu geben. Dies sei eine besondere Form der Herablassung Gottes in unsere Welt und geradezu das Wunderbare an der Bibel.

Antwort: Die "Knechtsgestalt" gilt nur für Jesus selber, der als Gott ein Mensch (= Knecht) wurde. Aber selbst als ein Mensch blieb er ohne Sünden, ohne Fehler. Wenn man also schon diesen ungerechtfertigen Übertragungsversuch auf die Bibel macht, dann erhält man aus dem Vergleich mit Jesus immer noch eine irrtumsfreie Schrift. Die Bibel selber spricht nirgends in diesem Sinne über sich selbst, ganz im Gegenteil [sh. dazu die angeführten Bibelstellen in 6.]. Auch hier stellt sich außerdem wieder die Frage, die in 1.3 schon aufkam: Wer kann mir aufgrund welcher objektiven Kriterien sagen, welche Bibelverse denn nun zu den Stellen gehören, die Gott irrtumslos haben wollte oder konnte, und welche nicht?

4.5 Es wird behauptet, die Bibel sei zeit- und kulturbedingt. Gewisse Aussagen in ihr seien deshalb:

a) Wissenschaftlich überholt. So wird der Bibel im Alten Testament z.B. ein geozentrisches, dreistöckiges Käseglocken-Weltbild unterschoben, da es in einer Zeit entstand, als die Völker rund um Israel herum ein solches Weltbild hatten.

Antwort: In der Bibel kann man bei vorurteilsfreiem Lesen dieses Weltbild nirgends finden. Im Gegenteil: Die Schriftsteller des Alten Testaments überraschen immer wieder mit "modernen" Kenntnissen, die man ihnen eigentlich gar nicht zugetraut hätte.

b) heute nicht mehr gültig, da wir in einer anderen Zeit und Kultur lebten und die Dinge eben nicht mehr gleich verständen wie damals. Der Maßstab für die Gültigkeit einer biblischen Aussage sei nicht ihre wörtliche, sondern ihre sinngemäße, dem Evangelium Jesu oder der Liebe Jesu entsprechende Auslegung. So gälte zum Beispiel die Ablehnung des Geschlechtsverkehrs außerhalb der Ehe heute nicht mehr, da Jesus ja alle Menschen liebe, und folglich auch niemand ein Recht habe, diese Menschen wegen ihres sexuellen Verhaltens zu verurteilen, das heute allgemein anders beurteilt werde.

Antwort: Auch hier wieder die Frage: Woher nehme ich mir das Recht und die Kompetenz, darüber zu urteilen, was denn nun zeit- und kulturbedingt, und was allgemein gültig sei? Mit einer solchen Argumentation kann sich jedermann und jedefrau ihre eigene Bibel zusammenstellen.

5. Widersprüche in der Bibel?

Gibt es, wie so oft behauptet wird, in der Bibel Widersprüche (vor allem in den Doppelberichten der Geschichtsbücher des Alten Testaments (Samuel; Könige; Chronik) und in den drei ersten Evangelien)? Nein! Begründung:

a) Sh. die Bibelstellen unter 6., die die durchgehende und allgemeine Wahrheit der Bibel bezeugen.

b) Verschiedene Berichte können verschiedene Aspekte ein und desselben Ereignisses wiedergeben, die sich ergänzen, nicht aber widersprechen (Bsp.: Die verschiedenen Passions- und Auferstehungspassagen bei den 4 Evangelien).

c) Es sind gar keine widersprüchlichen Angaben über ein und denselben Bericht, sondern es handelt sich um verschiedene Ereignisse. Bsp.: Die Tempelreinigung Jesu in Joh.2,13-25 bei Dienstantritt und in Matth.21,12-17 kurz vor der Kreuzigung; die Speisung der 5000 in Matth.14,13ff und der 4000 in Matth.15,32ff. Hierzu gehören auch die beiden Stammbäume Jesu in Matth.1 und Luk.3: Matth.1 ist der jüdisch-rechtliche von Joseph, Luk.3 ist der biologisch- "geistliche" von Maria (wegen Ps.132, 11).

d) Es gab Fehler bei der Überlieferung des Textes, so daß zwischen einzelnen Handschriften Widersprüche auftraten, die aber in der Urfassung nicht vorhanden waren. Dies kommt im Alten Testament sehr selten und dann besonders bei den Zahlen vor. Dabei ändert sich aber nichts an der prinzipiellen Inspiration und Irrtumslosigkeit des Urtextes.

e) Wir finden keine Lösung. Dies kann es in ganz seltenen Fällen geben, weil unser menschlicher Verstand zu klein ist, um Gottes volle Größe und gesamte Wirklichkeit erfassen zu können. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren Verstand in Demut zu halten und der Bibel (bzw. Gott) zu glauben (z.B. wenn es um die Frage des Zusammenspiels vom freien menschlichen Willen und der Vorsehung Gottes (Prädesetination) geht).

6. Das Selbstzeugnis der Bibel

Zum Schluß: Was sagt die Bibel über sich selber? Wie will sie selber, daß man sie versteht? Einige Bibelstellen in Auswahl:

a) Johannes 21,24-25: Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist. Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eines nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären. Amen.

b) Johannes 5,46-47: Denn wenn ihr Mose glauben würdet, so würdet ihr auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?
 

Wer dem nicht glaubt, was Mose (und zwar er selber) in seinen 5 Büchern geschrieben hat (dies gilt vor allem auch für die Urgeschichte in 1.Mose 1-11, die am meisten bestritten wird), wird früher oder später auch Jesus Christus ablehnen, und wenn nicht er/sie selber, so doch seine/ihre Nachfolger. Die Kirchen- und Theologiegeschichte hat es zur Genüge bestätigt. Kritik an der Glaubwürdigkeit der Bibel begann fast ausnahmslos in den ersten 11 Kapiteln; aber sie blieb auch fast so ausnahmslos nicht dabei stehen. Wie Recht doch Jesus hatte.

c) 2.Petrus 1, 21: Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.
 

Und 1.Joh.5, 6: Er ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist, Jesus der Christus; nicht durch Wasser allein, sondern durch Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis gibt, weil der Geist die Wahrheit ist.

d) 2.Tim.3, 16-17: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. 

"(wörtlich: vom göttlichen Geist eingehaucht)"
 

Und 4.Buch Mose 23,19: Gott ist nicht ein Mensch, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen?

Generell by Pfr. Marcel Wildi, Heldaustr. 16, CH-9470 Buchs.
Nichtkommerzielles Verwenden und Kopieren unter Wahrung von Form, Inhalt und Autorenangabe erlaubt.

Quelle: http://www.progenesis.ch/articles/gl_bibelkritik/Wildi_Bibelkritik.html


Vorweg möchte ich sagen, das es keine Widersprüche in der Heiligen Schrift (Grundtext) gibt, sonder die sogenannten Widersprüche entstehen durch die Menschen selbst. Warum? Weil sie in Wahrheit keine echten Christen und sich daran gemacht haben, die Heiligen Büchern zu verfälschen und zu verwässern! So entstehen die Widersprüche. Man muß oft sehr graben, um den einen und anderen Vers zu verstehen. Man kann nicht irgendeinen Vers herausreisen und dann sagen, das ist ein Widerspruch, nur weil der Leser den Vers oberflächlich ließt. Manche Verse ergänzen sich oft gegeneinander.  

Viele Menschen meinen, die Bibel sei voller Widersprüche. Bibeltreue Christen sagen, die Bibel habe keinerlei Widersprüche! Und manche von ihnen behaupten sogar, dies müsse man  glauben, um gerettet zu werden.

Ein paar Beispiele von Widersprüchen, die gar keine sind, möchte ich hier nennen:

Beispiel 1:

In der Bergpredigt lesen wir Matthäus 5, 14-16:  Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Und dann lesen wir weiter Matthäus 6, 1-4: Habt acht, daß ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gepriesen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, er wird es dir öffentlich vergelten.

Was stimmt nun? Soll man jetzt über seine guten Werke reden oder nicht? Die Verse sagen doch schon alles aus, nein, wir sollen nicht über unsere guten Werke reden.

Beispiel 2:

In der Apostelgeschichte 9, 3-7 des Lukas heißt es über Saulus, der die Christen verfolgt hat:  Als er aber hinzog, begab es sich, daß er sich Damaskus näherte; und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul! Saul! Warum verfolgst du mich? Er aber sagte: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen! Da sprach er mit Zittern und Schrecken: Herr, was willst du, daß ich tun soll? Und der Herr antwortete ihm: Steh auf und geh in die Stadt hinein, so wird man dir sagen, was du tun sollst! Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.

In Apostelgeschichte 22, 6-9: erzählt Saulus, der nun Paulus genannt wird:  Es geschah mir aber, als ich auf meiner Reise in die Nähe von Damaskus kam, daß mich am Mittag plötzlich vom Himmel her ein helles Licht umstrahlte. Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach: Saul! Saul! Warum verfolgst du mich? Ich aber antwortete: Wer bist du, Herr? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus, der Nazarener, den du verfolgst! Meine Begleiter aber sahen zwar das Licht und wurden voll Furcht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht.

Erst heißt es, die Gefährten hörten die Stimme, und dann, sie hörten sie nicht. Widerspruch!

In einem Internet-Forum hat mir eine Christin den Widerspruch erklärt: Im Griechischen kann das Wort "hören" mit Dativ oder Akkusativ benutzt werden. Einmal heißt es "hören" im Sinne von wahrnehmen, einmal im Sinne von "verstehen". Also: Die Gefährten hörten die Stimme in Form eines Geräusches und sahen keine Person; sie verstanden die Stimme nicht, sahen aber das Licht. Widerspruch aufgelöst!

Beispiel 3:

Jesus sagt zu seinen Jüngern in Lukas 14, 26: Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.

Jesus beschreibt diesen Vers, sinnbildlich.

Das hat mir als Kind sehr Angst gemacht. Wieso soll ich meine Eltern und Familie hassen, wenn ich an Jesus glaube? Die Auflösung bekommt man durch einen anderen Vers, der den einen sagt was damit gemeint ist. So machte es Gott, mit den Heiligen Büchern. 

1) Auflösung des Widerspruchs (von Lk 14, 26); Lk 9,59-62:  Er sagte aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben! Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Es sprach aber auch ein anderer: Herr, ich will dir nachfolgen; zuvor aber erlaube mir, von denen, die in meinem Haus sind, Abschied zu nehmen! Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes!

Gott der Herr weiß, wer für das ewige Leben bestimmt ist, und wer nicht.

2) Auflösung des Widerspruchs (von Lk 14, 26); Matthäus 10,37: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Wir müssen Gott mehr lieben, als alles auf dieser Erde.

3) Auflösung des Widerspruchs (von Lk 14,26); Apg 20, 22-24: Und siehe, jetzt reise ich gebunden im Geist nach Jerusalem, ohne zu wissen, was mir dort begegnen wird, außer daß der Heilige Geist von Stadt zu Stadt Zeugnis gibt und sagt, daß Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht; mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.

4) Auflösung des Widerspruchs (von Lk 14, 26); Offb 12,11: Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod!

Wem haben die Wiedergeboren Menschen überwunden? Antwort, den Teufel & die Welt. Damit ist alles gesagt, von Lk 14, 26 was damit gemeint ist!  Ende desWiderspruchs.

Nun, das Wort "hassen" kann auch mit "mehr lieben" übersetzt werden. Also: Wir sollen unsere Familie lieben, aber in Entscheidungssituationen Jesus mehr lieben. Wenn z.B. der Mann Fahrerflucht begeht und die Frau zu einer Lüge drängt soll sie die Wahrheit sagen, also Gott gehorchen.

Beispiel 4:

Es stellt sich die Frage, ob Jesus unerwartet und plötzlich gemäß etlicher Bibelstellen "wie ein Dieb in der Nacht" kommt oder ob sich sein Kommen ankündigt. In Lukas 21, 25-28 heißt es: Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden Angst der Heidenvölker vor Ratlosigkeit bei dem Tosen des Meeres und der Wogen, da die Menschen in Ohnmacht sinken werden vor Furcht und Erwartung dessen, was über den Erdkreis kommen soll; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so richtet euch auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.

Also: Das Kommen Jesu kündigt sich an!

Und dann in Lukas 21, 34-36: Habt aber acht auf euch selbst, daß eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch und Trunkenheit und Sorgen des Lebens, und jener Tag unversehens über euch kommt! Denn wie ein Fallstrick wird er über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen. Darum wacht jederzeit und bittet, daß ihr gewürdigt werdet, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll, und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!

Hier steht, daß sich das Kommen Jesu nicht ankündigt! Was stimmt nun?

Erklärung: Für den an biblischen Prophezeiungen Interessierten wird es sich ankündigen, wenn er die Zeichen aufmerksam beobachtet. Für den normalen Menschen (der ohne Gott, lebt) jedoch wird es unerwartet sein.

Evangelische und insbesondere evangelikale Christen betonen, daß Jesus der einzige Erlöser ist und daß mit seinem Leiden die Erlösung der Menschen vollendet wurde (was ich auch glaube). Sie berufen sich z.B. auf  Johannes 19,30: Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Es gibt sicher viele Menschen, die meinen, daß die Bibel keine Widersprüche hat, und die wegen ihrer Nächstenliebe und ihrer Liebe zu Gott gerettet werden. Und es gibt leider auch viele Menschen, die glauben, daß die Bibel keine Widersprüche hat, und die trotzdem in das Gericht Gottes gehen.

Manche Christen haben einen ausgesprochenen Richtgeist anderen gegenüber (Matthäus 7, 1-2). Oder sie verdienen viel Geld, aber sie geben kaum etwas ab, als ob sie das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus (Lukas 16, 19-25) nicht kennen.

Es nützt vielen etwas, an die Bibel zu glauben, wenn er aber gegen wesentliche Gebote dieses heiligen Buches verstößt, denn dann wird sein eigener Glaube gegen ihn zeugen.

Jesus sagt nämlich auch (Matthäus 12,37): Denn nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt, und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden!

Das heißt, man soll nicht zu viele unnütze Worte machen, die am ende doch nichts nutzen.

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Welches Kreuz hat Jesus getragen?

von Wolfgang Schneider

 

Matthäus 27,32: Als sie aber hinauszogen, fanden sie einen Mann von Kyrene namens Simon; den zwangen sie, ihm das Kreuz zu tragen.  

Johannes 19,16-17: Da übergab er ihnen, damit er gekreuzigt werde. Sie nahmen aber Jesus und führten ihn weg. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf hebräisch Golgatha heißt.

Die zitierten Schriftstellen scheinen auf den ersten Blick einen eindeutigen Widerspruch darzustellen, aber auch hier gibt es eigentlich keinen Widerspruch in der Bibel. Dieser Widerspruch ist selbst gefertigt, weil man vermutet und Dinge annimmt, die einem von traditionelle Lehre und von vielen Bildern her bekannt sind. Der biblische Bericht in sich ist absolut eindeutig und frei von Widersprüchen.

Wenn man die Berichte in Mt 27,32, Mk 15,21 und in Lk 23,26 beachtet, erhält man ein genaues Bild von dem, was sich an jenem Morgen in Jerusalem zutrug. Als Jesus von den Soldaten zur Hinrichtung abgeführt werden sollte und sie aus dem Prätorium herauskamen, ergriffen sie einen Fremden, der gerade vorüberging, damit dieser das hölzerne Kreuz Jesus nachtragen sollte. Nirgends in diesen drei Versen, noch in den jeweils nachfolgenden Versen über das, was sich auf dem Wege nach Golgatha ereignete, wird berichtet, daß Jesus selbst das hölzerne Kreuz getragen hätte. Er kam erst mit dem hölzernen Stamm in Berührung, als man ihn nach der Ankunft auf Golgatha an den Holzpfahl nagelte. Nach der Folter und den Schmerzen, die man ihm während seiner Verhöre und danach angetan hatte, war er offensichtlich von seinem Leiden so geschwächt, daß er überhaupt nicht in der Lage war, den hölzernen Stamm selbst zu tragen, weshalb die Soldaten ja sofort am Ausgang des Prätoriums einen andern dazu zwangen.

Der Bericht in Joh 19,17 spricht dagegen von "Er trug sein Kreuz". Aus den Berichten in den anderen Evangelien ist klar, daß sich "sein Kreuz" nicht auf den hölzernen Stamm beziehen kann, der ihm ja von Simon von Kyrene ihm nachgetragen wurde, daher muß sich "sein Kreuz" auf etwas anderes beziehen. Und zwar, Er, trug unsere Sünden, damit alle gerettet werden können, die an Ihn glauben und Vergebung der Sünden haben. Um ewige gerettet zu sein. Für immer und ewig!

Das Wort für "Kreuz" wurde von Jesus selbst noch in einer anderen Bedeutung benutzt, als er gegenüber seinen Jüngern davon redete, daß ein jeder "sein Kreuz" auf sich nehmen müsse und nur so Jesu Jünger sein könne (vgl. dazu Mt 10,38 und 16,24; Mk 8,34; Lk 9,23 und 14,27).

Offensichtlich redete Jesus dabei nicht von einem hölzernen Pfahl, einem Holzstamm, an den ein jeder sein Jünger genagelt und auf diese Weise hingerichtet würde. In diesen Versen liegt der gleiche Sprachgebrauch des Wortes "Kreuz" vor, wie in Joh 19,17, wo es heißt, Jesus habe "sein Kreuz" getragen!

Was er von seinen Jüngern verlangte, hat er selbst in seinem Leben vorgelebt und erfüllt -- er nahm "sein Kreuz" auf sich, erfüllte die ihm auferlegte Aufgabe. "Sein Kreuz" war nicht ein Holzstamm, sondern das Werk der Erlösung, das er in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, seines Vaters, vollendete, indem er sein Leben auf Golgatha als Lösegeld für viele dahingab.

Der scheinbare Widerspruch zwischen der Aussage in Joh 19,17 und den Berichten über Jesu Hinrichtung in den anderen Evangelien löst sich auf, wenn man beachtet, daß das Wort "Kreuz" mit unterschiedlicher Bedeutung gebraucht wird und sich nicht überall auf den Holzstamm bezieht, an dem Jesus gekreuzigt wurde.

Einerseits bezieht es sich buchstäblich auf den Holzstamm, den Simon von Kyrene Jesus nachtrug und an dem Jesus dann angenagelt wurde, andererseits wird "Kreuz" mittels einer Redefigur in ganz betonter Weise für das benutzt, was Jesus vollbrachte, als er das Werk, das der Vater ihm aufgetragen hatte, im Gehorsam bis hin zum Tode vollbrachte.

Das Wort "kreuzigen" bezeichnet genauer "an einen Holzpfahl (Baumstamm, Holz) hängen". Das oftmals mit "Kreuz" übersetzte griechische Wort stauros bezeichnet einen Holzstamm, einen Holzpfahl. Das im Christentum verbreitete "Kreuz" in "T" oder "+" Form ist eigentlich entlehnt vom babylonischen Symbol für den Gott "Tamuz".

Quelle:http://www.bibelcenter.de/bibel/widerspruch/d-wds09.php Stand:  23.03.2012 Wolfgang Schneider / Überarbeitet Text, Mai 2017

 

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