Forscher-Prognose: Europa erlebt mehr Hitzewellen

Forscher-Prognose: Europa erlebt mehr Hitzewellen

Der extrem heiße Sommer 2003 forderte Zehntausende Tote in Europa. In Zukunft muss der Kontinent mit deutlich mehr solcher Hitzewellen rechnen, besagt eine Studie.

Hochsommer 2013 (in Hamburg): Temperaturen im Aufwärtstrend

Montag, 08.12.2014

Exeter - Die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen in Europa ist innerhalb des vergangenen Jahrzehnts erheblich größer geworden: Rechneten Experten Anfang des Jahrtausends noch mit zwei besonders heißen Sommern pro Jahrhundert, gehen sie heute von etwa zwei solchen Ereignisse pro Jahrzehnt aus. Auch verheerende Hitzewellen würden in Zukunft häufiger auftreten als bisher angenommen, berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Climate Change". Ein Grund seien wohl die menschlichen Einflüsse auf das Klimasystem.

Die Forscher um Nikolaos Christidis vom Met Office Hadley Centre in Exeter hatten sich eine 2004 erschienene Studie erneut vorgenommen, in der Wissenschaftler den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Hitzewelle im Jahr 2003 untersucht hatten. Zudem integrierten sie neue Temperaturdaten und Ergebnisse neuerer Klimamodellierungen. Sie verglichen dabei zwei Zeiträume: Die Jahre zwischen 1990 und 1999 und die zwischen 2003 und 2012.

Während im ersten Zeitraum statistisch gesehen noch alle 52 Jahre mit einem Sommer gerechnet werden musste, in dem die Durchschnittstemperatur 1,6 Grad Celsius über dem historischen Durchschnitt lag, kommt es im zweiten Zeitraum bereits alle fünf Jahre dazu. Die Wahrscheinlichkeit extremer Hitzewellen mit 2,3 Grad Celsius höheren Durchschnittstemperaturen stieg von einmal in 1000 Jahren auf einmal in 127 Jahren. 2003 waren bei einer solchen Hitzewelle europaweit Zehntausende Menschen gestorben, vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien.

Weitere Analysen legten nahe, dass um das Jahr 2040 herum Sommertemperaturen wie im Jahr 2003 Normalität sein werden, schreiben die Forscher. Gegen Ende des Jahrhunderts würden sie gar als relativ kühle Sommer wahrgenommen.

Gefahr schon länger bekannt

Die Einflüsse des Menschen auf das Klima hätten die Häufigkeit extrem heißer Sommer in Europa in den vergangenen 10 bis 15 Jahren vermutlich erheblich mitbestimmt, schreiben die Wissenschaftler. Da die Sommer-Durchschnittstemperaturen sich auf einer Aufwärtsbahn bewegten, werde sich die Wahrnehmung extrem heißer Sommer in Europa in den kommenden Jahrzehnten merklich ändern. Die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft in den betroffenen Regionen gehöre zu den wichtigsten Herausforderungen für Anpassungsplaner.

Bei einer Analyse deutscher Wetterdaten seit 1950 hatten Forscher bereits herausgefunden, dass in Deutschland die Sommertemperaturen besonders stark gestiegen sind. Eine Studie von 2012 war zu dem Schluss gekommen, dass Hitzewellen infolge des Klimawandels zur Normalität würden.

Quelle:  http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-deutlich-haeufigere-hitzewellen-in-europa-a-1007252.html

 

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