Ein Aprilscherz der besonderen Art!

Text: Norbert Lieth MNR.

Ein Aprilscherz der besonderen Art

Sollte der Thron des Verderbens mit dir Gemeinschaft haben, der Unheil schafft durch Gesetz? (Psalm 94,20)

Diese provokante Frage könnte man der Evangelischen Kirche Deutschland stellen. Sollte sich evangelische Theologie mit dem Thron des Verderbens verbünden, mit einer Lehre wie der Evolutionstheorie, die Unheil gegen jegliche göttliche Ordnung schafft?

Am 1. April dieses Jahres überraschte der Rat der EKD die christliche Öffentlichkeit mit einem Aprilscherz der ganz besonderen Art: Der Aufkündigung des jahrzehntelang praktizierten Burgfriedens zwischen evangelikal- „bibeltreuen“ und liberal – modernistischen Mitgliedern hinsichtlich der Streitfrage der Evolution. War es bislang unausgesprochener Konsens gewesen, die Annahme oder Ablehnung der eigentlich eindeutig widergöttlichen! Evolutionstheorie dem Gewissen des einzelnen Gläubigen anheimzustellen, so wurde an diesem Tag mittels einer ausschließlich zu diesem Zweck konzipierten EKD – Orientierungshilfe klargestellt, daß die Evolution des Lebens ohne göttliche Einflußnahme auf deren Verlauf mittlerweile zur offiziellen Doktrin der evangelischen Amtskirche avanciert ist! Der Streit um die Frage, ob man als Christ gleichzeitig an die Evolutionstheorie glauben könne, ist dabei selbstredend alles andere als neu. Neu ist aber die brüskierende Eindeutigkeit der Kirchenführung gegenüber den Evangelikalen, die ganz offensichtlich nur noch als Cheerleader bei Evangelisationen wie ProChrist oder Christival gebraucht werden – ansonsten aber doch bitteschön von jeglichem konsequenten Zeugnis für die uneingeschränkte Autorität des Wortes Gottes Abstand nehmen sollen!

Wie konnte es nur zu dieser verhängnisvollen Entwicklung kommen?

Eine Schlüsselfigur war sicherlich ein gewisser Dr. habil. Hansjörg Hemminger [ein studierter Biologe und mittlerweile Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Württemberg], der bereits Anfang der 1980er Jahre Aufsätze über die seiner Meinung nach notwendige Integration der Evolutionstheorie in Glaube und Lehre der evangelischen Kirchen verfaßt hätte. Damit schien er jedoch zunächst nur wenig Erfolg gehabt zu haben. Die Leitungsspitze der EKD wußte sicherlich nur zu genau, daß eine klare Absage an den biblischen Schöpfungsglauben (Kreationismus) von bibelgläubigen Christen niemals akzeptiert werden würde.

Mittlerweile aber scheinen die Mächte der Finsternis davon überzeugt zu sein, der Einfluß bibeltreuer Christen innerhalb der Landeskirchen sei derart marginal geworden, daß man die EKD ruhig ganz offen in einem Tempel des Deismus um funktionieren könne (Deismus ist der religionsphilosophische Fachbegriff für die unbiblisch – freimaurerische Lehre, ein wie auch immer gearteter Gott habe in einem einmaligen Schöpfungsakt das Universum erschaffen, nehme aber seitdem keinen übernatürlichen Einfluß mehr auf die Welt).

Denn genau darauf läuft es in letzter Konsequenz hinaus: Wenn Gott tatsächlich nur durch die Naturgesetze schöpferisch tätig wäre (so wie es Hemminger behauptet), dann hätte es den Stillstand der Erdrotation bei Josua, das Sprechen des Esels Bileams (4Mo 22,28), die wundersame Brotvermehrung bei der Speisung der Fünftausend (Mt 16,9; Mk 8,19) und vor allem die leibliche Auferstehung und Himmelfahrt des höchst gelobten Herrn Jesus Christus niemals gegeben! Somit wäre dann auch Sein kostbares Blut am Kreuz von Golgatha umsonst vergossen worden und die Gläubigen dürften nicht auf ihre Erlösung und ihr ewiges Heil hoffen!

Im Dezember 2007 veröffentlichte Hemminger für die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) das Pamphlet: Mit der Bibel gegen die Evolution (EZW – Text 195), in welchem er rücksichtslos mit dem evangelikalen Schöpfungsglauben abrechnet. Nicht nur das: Er ging sogar ein kaum verhohlenes Bündnis mit der überwiegend einem atheistischen Naturalismus huldigenden Arbeitsgemeinschaft Evolutionsbiologie ein und veröffentliche schließlich am 11. Februar gemeinsam mit deren Geschäftsführer Martin Neukamm einen Text, in welchem er die evangelikale Studiengemeinschaft Wort und Wissen  in deren biblisch fundierten Überzeugungen als lächerlich darstellt. Der Geschäftsführer der Studiengemeinschaft, Dr. theol. Reinhard Junker, hatte zuvor dieses Zusammengehen eines Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen Kirche mit einer Vereinigung überwiegend atheistischagnostischer Evolutionsbiologen scharf kritisiert und die Evangelische Kirche in einer Streitschrift dazu aufgefordert, ihre Position klar zu benennen. Dies ist nun offensichtlich mit unüberbietbarer Klarheit gesehen – wenn auch sicherlich nicht im Sinne Junkers, der wohl darauf gesetzt hatte, die EKD – Spitze werde Hemminger schleunigst zurückpfeifen. Was aber ist nun von Hemmingers wissenschaftlichen Ausführungen zur Evolutionsbiologie zu halten? Ist die Evolution innerhalb der Naturwissenschaften tatsächlich so gut belegbar, wie er behauptet? Auch wenn es in evangelikalen Ohren äußerst unschön klingen mag: Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein. Die Lehre von der Evolution paßt hervorragend zu den heute als hinreichend abgesichert geltenden kosmologischen, geologischen, paläontologischen, biogeografischen und molekuargenetischen Erkenntnissen. Auch der Vordenker schöpfungsgläubiger Evolutionskritik im deutschsprachigen Raum, Professor Siegfried Scherer, räumte auf seiner Homepage zwischenzeitlich unumwunden ein, daß insbesondere das biblische Kurzzeit- Schöpfungsmodell (Erschaffung des Kosmos vor höchstens 10 000 Jahre) nur (Zitat) entgegen der meisten derzeit akzeptierten astronomischen und geophysikalischen Daten geglaubt werden könne und überdies die Annahme, daß die meisten geologischen Schichtfolgen in einem Jahr gebildet wurden … mit geologischen und paläontologischen Daten unvereinbar sei.

Dabei gilt es jedoch aus evangelikaler Sicht unbedingt zu beachten: So im Römerbrief 1,18-21; Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.

In diesem Zusammenhang stellt sich dann die unausweichliche Frage, von welchen Prinzipien sich der Mensch bei seiner Suche nach der Wahrheit leiten läßt: Verläßt er sich auf die von fehlbaren und allzu oft völlig gottlosen Menschen betriebene Naturwissenschaft – oder aber vertraut er voll und ganz der Heiligen Schrift, die den Weg zum ewigen Heil weist? Dabei ist keineswegs zu leugnen, daß wir durch die Naturwissenschaft in vielerlei Hinsicht wahrlich gesegnet wurden? Sicher, es hat von einigen Seiten Versuche gegeben, durch offensichtlich gezieltes und trickreiches Kleinrechnen des ungeheuren Kapazitätsproblems diese Geschichte rational akzeptabler erscheinen zu lassen. Aber sind dies nicht lediglich hilflose Verrenkungen, die letztendlich nur Ausdruck unserer Unfähigkeit sind, die völlige Andersartigkeit Gottes zu akzeptieren? Warum also sollte aus der Anerkennung der Tatsache, daß die Evolutionstheorie unter atheistisch – materialistischen Prämissen durchaus glaubwürdig erscheint, folgen, daß bibelgläubige Menschen, die sich in der Hand eines allmächtigen und liebenden Vaters im Himmel getragen wissen, diese gottlose Theorie auch als faktische Wahrheit akzeptieren müssen? Denn genau in dieser Frage der Vereinbarkeit von biblischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie argumentieren Hemminger und die EZW unredlich: Sie tun einfach so, als ob es die offenkundige Unvereinbarkeit der Evolution mit dem Zeugnis der Genesis und der Sühneopfertheologie des Römerbriefs (insbesondere Römer 5,12) überhaupt nicht gäbe!

Wie Professor Dr. Werner Gitt in einem diesbezüglichen Leserbrief an ideaSpektrum vom 23. April ganz richtig bemerkte (Zitat): Nach der Bibel ist der Tod die Folge der Sünde und nicht der Urgrund des Lebens.

Genau Letzteres aber postuliert die Evolutionstheorie; sie bedarf wahrlich ungeheurer Hekatomben an Leichen, um die Vielfalt des Lebens durch brutale Selektionsprozesse hervorzubringen. Anders wäre Evolution überhaupt nicht möglich! Und dies soll nach Ansicht der EKD der Gott der Bibel, soll unser

Vater im Himmel in Seinem souveränen Schöpferwillen intendiert haben?

Was bedeutet das nun alles?

Dem Wort des Herrn ergebene Christen müssen leider zur Kenntnis nehmen, daß sie in der EKD nur noch insoweit erwünscht sind, als es der Amtskirche darum gehen muß, ihren unaufhaltsam scheinenden Mitgliederverlust durch maßgeblich von Evangelikalen getragen Missionsdienste zumindest abzumildern.

Wer als bibeltreuer Christ unter diesen Kautelen immer noch zur EKD steht, sollte zumindest seinen geharnischten Protest an die Kirchenführung richten und für deren Umkehr beten, auch wenn diese endzeitlichen Zustände wohl nur wenig Anlaß zu berechtigter Hoffnung geben.

Dr. Med. Michael Seeber- Psychiater und Psychotherapeut aus Essen.

 

Überarbeiteter Text, April 2017

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