Dr. Martin Luther und seine Reformation.

 

Diese Zeitgeschichte stammte aus dem 1600-1700 Jahrhundert!

Dr.Martin Luther

Die Vorläufer, die Reformation des Dr. Martin Luthers und  der Verlauf der Reformation und der Bauernkrieg und der Dreißigjährige Krieg. Die Wiedertäufer. Zwingli und Calvin.

Vorläufer der Reformation

1. Johann Wiclef. Im Mittelalter traten in verschiedenen Ländern Geistliche und Laien auf, die sich gegen die weltliche Herrschaft des Papstes und die Lehren der Kirche wandten. Johann Wiclef, ein englischer Professor der Theologie und Pfarrer, lehrte im 14. Jahrhundert, die Päpste wären nicht von Gott als seine Statthalter eingesetzt, sondern hätten ihre Stellung durch die Gunst der Kaiser erhalten. Er griff ferner die Lehre von der Brotverwandlung an und tadelte Ohrenbeichte, Ablass und Heiligendienst. Als Quelle des Glaubens galt ihm die Heilige Schrift. Sie übersetzte er darum in die Landessprache.

2. Johann Hus. Wiclefs Lehren erneuerte der Tscheche Johann Hus in Böhmen und rief dadurch eine gewaltige Bewegung hervor. Auch verlangte er, dass dem Volke beim Abendmahl der Kelch gereicht werde. Hus wurde zur Verantwortung vor das Konzil zu Konstanz geladen, dort trotz des kaiserlichen Geleitsbriefes gefangen gesetzt und 1415 als Irrlehrer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bei der Nachricht von dem Feuertode des Johann Hus scharten sich in Böhmen Ritter, Bauern und Handwerker zusammen und forderten den Kelch beim Abendmahle. Den Kaiser Sigismund wollten sie als König von Böhmen nicht anerkennen, weil er wortbrüchig geworden sei. Unter Führung des wilden  Ziska, des Einäugigen, schlugen sie die Reichsheere, die gegen sie aufgeboten waren, in die Flucht. Sie durchzogen 17 Jahre lang, mit Sensen, Keulen, Dreschflegeln und Lanzen bewaffnet, Böhmen, Bayern und Franken, plünderten Kirchen und Klöster und verwüsteten das Land. Später kam ein Vertrag zustande, wonach die Hussiten Sigismund als König anerkannten und ihnen unter gewissen Bedingungen der Kelch beim Abendmahl zugestanden wurde.

2. Dr. Martin Luther.

Jugend. Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und am folgenden Tage auf den Namen Martin getauft.

 

Er sagt von sich selbst: "Ich bin eines Bauern Sohn. Mein Vater, Großvater und Ahnherr sind rechte Bauern gewest. Danach ist mein Vater (von Eisleben) nach Mansfeld gezogen und allda ein Bergmann geworden. Mein Vater ist armer Häuer gewest, die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken eingetragen, damit sie uns Kinder erziehen könnte. Sie haben es sich lassen blutsauer werden. Meine Eltern haben mich gar hart gehalten, dass ich auch darüber ganz schüchtern wurde. Die Mutter stäupte mich einmal um einer geringen Ruß willen, dass das Blut danach floss. Meiner Mutter ernst und gestreng Leben, das sie führte, das verursachte, dass ich hernach in ein Kloster ging und ein Mönch wurde."

Frühzeitig besuchte Luther die Schule, und da er fleißig war und schnell lernte, so sollte er einmal ein gelehrter Mann werden. In seinem 14. Jahre brachten ihn seine Eltern auf die lateinische Schule nach Magdeburg und ein Jahr später nach Eisenach. Hier ging er nach altem Brauch mit andern Chorschülern von Zeit zu Zeit in den Straßen umher und sang vor den Häusern reicher Leute fromme Lieder. Frau Cotta, die an seinem schönen Gesang Gefallen fand, nahm den Knaben in ihr Haus und an ihren Tisch. Jetzt konnte er ohne Sorge fleißig arbeiten und auch noch Flöte und Seitenspiel lernen.

2. Auf der Universität. 18. Jahre alt, bezog Luther die Universität Erfurt. Hier studierte er mit großem Fleiß, und obwohl er ein hurtiger und fröhlicher Geselle war, fing er doch alle Morgen sein Lernen mit Gebet an. Sein Sprichwort war: "Fleißig gebetet, ist über die Hälfte studiert". Auf der dortigen Bibliothek fand er zum ersten mal die ganze Heilige Schrift. Diese lag ihrer  Seltenheit wegen an einer Kette, damit sie nicht abhanden kommen sollte. Bisher hatte Luther nur einige Stücke aus der Bibel kennen gelernt; jetzt hatte er den ganzen Schatz. Das war eine Freude für ihn. Er studierte nun eifrig darin. 1505 erlangte er die Würde eines Magisters und hielt Vorlesungen an der Universität zu Erfurt. Einst verfiel er in eine schwere Krankheit und war dem Tode nahe. Da besuchte ihn ein alter Priester und sprach: "Seid getrost, Ihr werdet dieses Lagers nicht sterben. Unser Gott wird noch einen großen Mann aus Euch machen. Denn aus wem Gott etwas ziehen will, dem legt er beizeiten das heilige Kreuz auf".

3.Im Kloster. Als Luther 1505 zur Osterzeit seine Eltern  besuchen wollte, verletzte er sich unterwegs mit einem Degen, wie ihn nach damaliger Sitte die Studenten trugen, die Hauptader des Beines, so dass er fast den Tod davon gehabt hätte. Einige Monate später wurde er durch den plötzlichen Tod eines Freundes tief erschüttert. Und als er im Juli desselben Jahres von einer Reise zu seinen Eltern nach Erfurt zurückkehrte, überraschte ihn ein heftiges Gewitter, und ein Blitzstrahl fuhr dicht neben ihm in die Erde. Da gelobte der durch alle diese Ereignisse schwermütig gewordene Jüngling: „Hilf, liebe Sankt Anna, ich will ein Mönch werden!“ In der Hoffnung, „sich durch klösterliches Leben die ewige Seligkeit zu verdienen“, führte er dieses Gelübde ohne Wissen seines Vaters aus und trat in das Augustinerkloster zu Erfurt ein. Hier ließ er es sich blutsauer werden. Er machte, betete, fastete und studierte, unterzog sich auch willig der niedrigsten Dienste im Kloster und ging mit dem Bettelsack in der Stadt umher. Ruhe für seine Seele aber fand er nicht. Als er so hungerte und dürstete nach Gerechtigkeit, tröstete ihn ein Ordensbruder mit den Worten des Glaubensbekenntnisses: Ich glaube an eine Vergebung der Sünden. Auch der Vorsteher der Augustinerklöster, Dr. Staupitz, nahm sich väterlich seiner an und wies ihn auf das Studium der Bibel hin. Immer mehr kam er dann zum Frieden durch die Gewissheit, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben (Römer 3,28). Im Jahre 1508 berief ihn Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, zum Lehrer an die Neugegründete Hochschule in Wittenberg. Hier wohnte er im Augustinerkloster. In der alten Klosterkirche predigte er auch. Später wurde er vom Rate der Stadt auch zum Prediger der Pfarrkirche ernannt.

Petersplatz in Rom

4. Reise nach Rom. Im Jahre 1510 wurde Luther in Ordensangelegenheiten nach Rom geschickt. Er trat die Reise mit großen Erwartungen an, fand sich aber sehr getäucht, als er die Sittenlosigkeit der Geistlichen aus eigener Anschauung kennen lernte. Mit Abscheu sah er, wie sie mit dem Allerheiligsten Spott trieben und die Messe gedankenlos herplapperten. Das erfüllte ihn mit tiefen Schmerz, hielt ihn aber nicht zurück, alle Satzungen der Kirche treu zu erfüllen. So rutschte er z.B. demütig auf den Knien die Pilatusstige hinauf, um den daran geknüpften Ablass zu erlangen. „Nicht tausend Goldgulden wollte ich nehmen,“ sagte Luther später von dieser Reise, „dass ich Rom nicht sollte gesehen haben. Ich müsste sonst immer besorgen, ich täte dem Papste Gewalt und Unrecht. Aber was wir sehen, das reden wir!“

5.Tetzel. Um diese Zeit schrieb Papst Leo X., der zum Bau der Peterskirche in Rom viel Geld nötig hatte, einen vollkommenen Ablass aus. Jeder, der sich einen Ablassbrief kaufte, sollte, nachdem er gebeichtet und Absolution empfangen hatte, von allen ewigen und zeitlichen Sündenstrafen befreit sein. Unter den in Deutschland herumziehenden Ablasskrämern ist besonders Tetzel, ein Mönch aus Pirna, bekannt geworden. Er machte aus dem Ablasshandel ein gewöhnliches Geldgeschäft. Nach seiner Preisliste zahlte man für Kirchenraub neun, Totschlag sieben, Hexerei sechs Dukaten usw. Von Reue und Buße war nicht die Rede. Man konnte bei ihm sogar Ablass für verstorbene Verwandte kaufen, um arme Seelen aus dem Fegefeuer zu erlösen. Es wird erzählt, dass er gerufen habe: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt". So verführte er die Leute immer mehr zu dem Glauben, dass für Geld wirklich Vergebung der  Sünden zu erlangen sei.

Vergleiche, Apostelgeschichte Kap.5, Verse 1-11: Der Betrug von Ananias und Saphira, denn sie dachten man kann sich den Himmel bzw. das Ewige Leben erkaufen! Oder sie versuchten Gott, zu betrügen, die Folgen waren der sofortige Tod.

6. Die 95 Thesen. Im Jahre 1517 trieb Tetzel auch ganz in der Nähe von Wittenberg, in Jüterbogk, sein Wesen. Luther sah mit heiligem Zorn auf diesen Ablassunfug und zog in seinen Predigen gewaltig dagegen los. Aber wenn er die Leute zur Buße ermahnte, so beriefen sie sich auf ihre Ablasszettel und meinten, der Buße nicht mehr zu bedürfen. Da schlug Luther am 31. Oktober 1517  seine 95 Sätze an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Sie waren sämtlich gegen den Ablass gerichtet. Die 32. These lautet z.B.: "Die werden samt ihren Meistern zum Teufel fahren, die da meinen, durch Ablassbriefe ihrer Seligkeit gewiss zu sein". Gegen jedermann wollte Luther seine Sätze verteidigen. "Der wird, s tun! Er kommt, auf den wir alle gewartet haben", rief ein frommer Leser aus.

7. Luther sagt sich vom Papste los. In 14 Tagen verbreiteten sich Luthers Sätze in ganz Deutschland, und in 4 Wochen waren sie in der ganzen Christenheit bekannt. Viel Gerede erhob sich dafür und dawider. Luther aber sprach: "Ist das Werk nicht in Gottes Namen angefangen, so ist es bald gefallen; ist es aber in seinem Namen angefangen, so lasset denselben walten".

Kurfürst Friedrich der Weise

Der Papst war entrüstet und verlangte Luthers Auslieferung; aber Kurfürst Friedrich der Weise schützte ihn. Dagegen musste sich Luther 1518 in Augsburg vor dem Kardinal Kajetan verantworten; aber diese Unterredung war ohne Erfolg. Darauf suchte ihn der Papst durch den Kammerherrn von Miltiß durch freundliches Zureden zum Schweigen zu bringen. Luther versprach zu schweigen, wenn auch seine Gegner schwiegen. Als aber bald darauf Dr. Eck öffentlich den Ablass zu verteidigen suchte, hielt sich Luther nicht mehr an sein Versprechen gebunden. Er hatte in Leipzig mit Eck eine mehrtägige öffentliche Unterredung. Im heftigen Wortstreit sprach Luther seine Überzeugung zum ersten mal aus, dass die Kirchenversammlungen irren könnten und dass ein göttliches Recht des Papstes nicht in der Schrift begründet sei. Der erzürnte Eck eilte nach Rom und bewirkte eine päpstliche Bulle, die Luthers Bücher zum Scheiterhaufen verdammte und ihn selber mit dem Banne bedrohte. Luther aber verbrannte am 10. Dezember 1520 die päpstlichen Rechtsbücher und die Bulle öffentlich vor dem Elstertore zu Wittenberg und sagte sich damit für immer von dem Papste los.

Bild von Worms, Siehe Internet.

8. Reise nach Worms. Da die Aufregung über Luthers Lehre im Volke immer größer wurde, brachte man den Streit vor den Kaiser Karl V. Der beschied Luther 1521 vor den Reichstag in Worms, damit er sich vor Kaiser und Reich verantworte. Luther versprach zu kommen, wenn ihm sicheres Geleit zugesagt würde. Das geschah. Aber seine Freunde zitterten dennoch für ihn. Als sie ihn an das Schicksal Hussens erinnerten, sprach er: "Und ob sie ein Feuer anzündeten, das zwischen Wittenberg und Worms bis zum Himmel reichte, so wollte ich doch mitten hindurchgehen". Am 4. April 1521 fuhr er, von drei Freunden begleitet, in einem kleinen, bedeckten Rollwagen ab, den ihm der Rat der Stadt Wittenberg zur Verfügung gestellt hatte. Voran ritt ein kaiserlicher Herold. In der Nähe von Worms bat ihn ein Freund nochmals zu fliehen. Luther aber sprach: "Wenn so viel Teufel in Worms wären, wie Ziegel auf den Dächern, ich wollte doch hinein". An allen Orten war sein Wagen von einer großen Menschenmenge umringt, und etliche hundert Reiter begleiteten ihn bis Worms. Als der Wächter auf dem Turme des Domes seine Ankunft durch Trompetenstoß ankündigte, sammelten sich wohl an 2000 Menschen um seinen Wagen.

9. Der Reichstag zu Worms. Am folgenden Tage wurde Luther zur Reichsversammlung beschieden. Der Reichstag fand im Bischofspalaste statt. Dorthin ging Luther um 16 Uhr nachmittags. Das Gedränge des Volkes auf den Straßen war so groß, dass viele auf die Dächer stiegen, um Luther zu sehen. Luther wurde zuerst in einen großen Saal geführt, wo er zwei Stunden warten musste. An der Tür stand der Kriegshauptmann Georg von Frundsberg. Der klopfte ihm auf die Schulter und sprach: "Mönchlein, Mönchlein, du gehst jetzt einen schweren Gang, dergleichen ich und mancher Oberster auch in der allerernstesten Schlacht nicht getan haben. Bist du aber rechter Meinung und deiner Sache gewiss, so fahre in Gottes Namen fort und sei nur getrost, Gott wird dich nicht verlassen". Um 6 Uhr führte man Luther in den Reichstag. Unter einem purpurnen Thronhimmel saß der Kaiser, umgeben von vielen Kurfürsten, Herzögen, Bischöfen, Grafen und Rittern. Auf einer Bank lagen sämtliche Schriften Luthers aufgeschlagen. Man fragte ihn, ob er diese Bücher geschrieben habe. Luther bejahte es. Dann fragte man ihn weiter, ob er seine Lehren und Schriften widerrufen wollte. Da bat er sich einen Tag Bedenkzeit aus. Die Nacht darauf verbrachte er inbrünstigem Gebet, und am 18. April trat er, die Bibel im Arm, mit Entschlossenheit wieder in den Saal. Mutig verteidigte er seine Bücher und Lehren in einer zweistündigen Rede in lateinischer und deutscher Sprache. Der Kanzler sagte, man brauche seine Sätze nicht zu widerlegen, sie seien schon auf dem Konzil zu Konstanz verurteilt worden. Er solle schlicht und einfach beantworten, ob er widerrufen wolle oder nicht. Da sprach Luther: "Nun, so will ich eine Antwort geben, die weder Hörner noch Zähne haben soll. Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit klaren und hellen Gründen überwunden werde und also mein Gewissen in Gottes Wort  gefangen ist, so kann und will ich nichts widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun".

Um 20 Uhr gab der Kaiser Befehl, die Versammlung zu schließen. Da hörte man Luther noch die Worte rufen: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen. 

Die Anhänger des Papstes drangen in den Kaiser, dem Ketzer nicht Wort zu halten, sondern ihn sogleich verbrennen zu lassen. Aber der jugendliche Kaiser soll geantwortet haben: "Ich will nicht mit Sigesmund erröten". Obwohl er nun gegen Luther die Acht aussprach, bewilligte er ihm doch freies Geleit auf 21 Tage.

Bild von der Wartburg, siehe Internet.

10. Auf der Wartburg. Als Luther auf der Rückreise von Worms bei Eisenach durch den Wald fuhr, sprengten plötzlich fünf verkappte Ritter auf ihn zu, zogen ihn aus dem Wagen und schleppten ihn mit sich in das Gebüsch. Hier setzten sie ihn auf ein Pferd und brachten ihn auf die nahe Wartburg. Luther zog jetzt die Kleidung eines Ritters an, trug hohe Stulpenstiefel, ließ sich Bart und Haupthaar wachsen und führte den Namen „Junker Georg“. Nur der Schlosshauptmann kannte ihn. Die verkappten Ritter waren nämlich von Friedrich dem Weisen geschickt, der den Geächteten auf diese Weise vor den Augen seiner Feinde zu verbergen musste. Während man Luther tot glaubte, saß er auf der Wartburg und fing an, die Bibel in die deutsche Sprache zu übersetzen, wodurch er sich ein unsterbliches Verdienst um das deutsche Volk erworben hat.

11. Die Bilderstürmer. Als er etwa ein Jahr auf der Wartburg war, erhielt er die Nachricht, dass sein Freund und Amtsgenosse Karlstadt in seinem schwärmerischen Eifer so weit ging, mit seinem Anhange die katholische Geistlichen zu vertreiben und Heiligenbilder und Altäre zu vernichten. Da hielt es Luther nicht mehr länger auf der Wartburg. Entrüstet eilte er nach Wittenberg und predigte acht Tage lang so eindringlich gegen Karlstadt und seine Anhänger, dass diese  die Stadt verlassen mussten.

12. Melanchthon war Luthers treuster Freund und ein sehr gelehrter und frommer Mann. Er hieß eigentlich Schwarzert und war der Sohn eines Waffenschmieds. Auf der Schule war er der Liebling der Lehrer, und mit 21 Jahren schon wurde er Professor an der Universität zu Wittenberg. Hier schloss er eine innige Freundschaft mit Luther. Er war von zarter Gestalt, schlicht, sanft und aufrichtig und stand Luther in allen Dingen treu zur Seite, besonders beförderte er durch seine Sprachkenntnisse das Wert der Bibelübersetzung. Er ist auch der Verfasser der Augsburgischen Konfession.

13. Luthers Familienleben. Luthers Frau – eine ehemalige Nonne aus dem Kloster Rimbschen bei Grimma – hieß Katharina von Bora. Mit ihr lebte er in glücklicher Ehe. Ich bin im Besitze meiner lieben Käthe reicher und glücklicher als Kröfus, sagte er. An seinen Kindern hatte er große Freude. Aber obwohl er sie lieb hatte, erzog er sie doch sehr streng. Er war sehr gastfrei; täglich hatte er arme Studenten bei sich zu Tisch, aber auch vornehme und gelehrte Gäste kehrten bei ihm  ein. Da sprach er denn manch ernstes treffliches Wort, aber er liebte auch heitere Unterhaltung, und wenn man abends an seinem Hause vorüberging, so hörte man darinnen anmutige Musik erklingen. Seine Kinder sangen und Luther selbst begleitete den Gesang mit Flötenspiel oder mit der Laute.

14. Luthers Tod.

Im Jahre 1546 reiste Luther auf Einladung der Grafen von Mansfeld nach Eisleben, um einen Erbschaftsstreit zu schlichten. Er sollte aber Wittenberg nicht wiedersehen. In Eisleben, wo er geboren, sollte er auch sterben. Schon auf der Hinreise wurde er krank, und in Eisleben verschlimmerte sich die Krankheit. Bald befiel ihn eine heftige Brustbeklemmung und warf ihn aufs Krankenbett. Kurz vor seinem Ende rief er dreimal hastig hintereinander: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, du treuer Gott. Dann rief ihm sein Freund Dr. Jonas laut ins Ohr: Ehrwürdiger Vater, wollt Ihr auf Christum und die Lehre, die Ihr gepredigt habt, beständig bleiben? Luther antwortete deutlich hörbar: Ja!, wandte sich auf die rechte Seite und entschlief. Luther wurde nur 63 Jahre alt, und starb. Seine Leiche wurde nach Wittenberg gebracht und dort in derselben Kirche beigesetzt, an deren Tür er einst die 95 Sätze geschlagen hatte.

3. Verlauf der Reformation.

1. Ausbreitung der Reformation. a) Die Lehre Luthers, aus der reinen Quelle des göttlichen Wortes selbst geschöpft, ergriff wunderbar die Herzen des Volks, und an vielen Orten, wo Priester und Volk einig waren, führte man, ohne viel Aufhebens davon zu machen, die Reformation ein. Die Fürsten ließen es entweder stillschweigend geschehen oder gaben wohl selbst die Anregung dazu, so vor allem im Kurfürstentum Sachsen. Hatte schon Kurfürst Friedrich der Weise Luther und sein Werk geschätzt, so tat das erst recht sein Bruder und Nachfolger Johann der Beständige (1525 – 1532). Auch ließ er durch Luther und Melanchthon (1528) die Kirchenvisitation vornehmen, bei der die Reformatoren den evangelischen Gottesdienst einführen. Ferner schloss er mit dem Landgrafen Philipp von Hessen und den Herzögen von Braunschweig und Mecklenburg einen Bund zum Schutze der neuen Lehre. Landgraf Philipp von Hessen war schon seit dem Reichstage zu Worms der Reformation geneigt und erklärte später, er wolle lieber Leib und Leben, Land und Leute lassen, als von Gottes Wort weichen. Nach und nach wurde die neue Lehre auch in Brandenburg und anderen norddeutschen Ländern eingeführt, während in Österreich, Bayern und in dem Herzogtum Sachsen die Anhänger der neuen Lehre durch Kerker, Pranger und Hinrichtungen verfolgt wurden. Auch in Dänemark, Norwegen und Schweden fand die Reformation frühzeitig Eingang.

b) Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen 1539. Im Herzogtum Sachsen regierte seit 1500 Albrechts des Beherzten Sohn Georg, genannt der Bärtige. Er war ein vortrefflicher Regent, gerecht und fürsorglich, aber ein Feind Luthers und der Reformation. Wohl wünschte er auch eine unbedeutenden Mönche. Streng verbot er in seinem Lande alles, was der neuen Lehre entsprach, ließ Luthers Bücher verbrennen und ging gegen Ungehorsame mit harten Strafen vor. Und doch konnte er es nicht hindern, dass sein Volk im Herzen lutherisch gesinnt war, ja dass sogar sein Bruder Heinrich, der in Freiberg residierte, mit seiner Familie offen zur evangelischen Lehre übertrat. Dazu musste er den Schmerz erleben, alle seine Söhne sterben zu sehen, so dass sein Bruder Heinrich sein Erbe war. Wohl trug er sich mit dem Gedanken, sein Land lieber an die katholischen Habsburger zu vererben, als seinem evangelischen Bruder zu hinterlassen, aber ehe der Plan zur Ausführung kam, starb er 1539. Sein Bruder und Nachfolger Heinrich der Fromme (1539-1541) führte auch sogleich die Reformation im Herzogtum Sachsen ein. Er tat es in der schonendsten Wiese und ohne jeden Zwang für die, die katholische bleiben wollten. Doch trat fast das ganze Volk zur neuen Lehre über.

2. Wirkungen der Reformation. Die Reformation machte ihren Einfluss bald auf den mannigfaltigen Gebieten geltend. Die Klöster wurden aufgehoben und die Priestern gestattete man, sich zu verheiraten. In Kirche und Schule, in Volk und Familie kam neues Leben. Die von Luther verdeutschte Bibel bildete von jetzt an die alleinige Richtschnur für die kirchliche Lehre. Der Gottesdienst, dessen Mittelpunkt fortan die Predigt war, wurde in deutscher Sprache gehalten. Die Anrufung und Verehrung der Heiligen unterblieb, und beim Abendmahl wurde den Laien auch wieder der Kelch gereicht. Die Gemeinde selbst beteiligte sich am Gottesdienste mit dem Gesange geistlicher Lieder, die größtenteils von Luther selbst gedichtet waren, wie das allbekannte: Ein feste Burg ist unser Gott. Als Luther einst bei der erwähnten Kirchenvisitation die große Unwissenheit des Volkes sowie der Pfarrer und Lehrer kennen lernte, da schrieb er für die Geistlichen und Lehrer den großen, für die Jugend den kleinen Katechismus, aus dem sie lernen sollten, was zu ihrer Seligkeit dienlich sei. Auf sein Drängen wurden an vielen Orten Schulen errichtet, Bibel, Gesangbuch und Katechismus waren darin auf lange Jahre hinaus die einzigen Lernbücher.  

Es gab damals in Deutschland noch keine einheitliche Sprache. Luther lehnte sich bei der Übersetzung der Bibel an die Sprache der sächsischen Kanzlei an und schrieb so klar, schlicht und anschaulich, dass ihn jedermann verstehen konnte. Seine Sprache verdrängte bald alle anderen Mundarten aus der Schriftsprache und wurde die herrschende in Deutschland. So ist Luther durch seine Bibelübersetzung zugleich, des Hochdeutschen Sprache geworden.

Die Bauern stellen ihre Forderungen in" Zwölf Artikeln".

4. Der Bauernkrieg: 1.  Der Aufstand.

Die Not der Bauern war im letzten Jahrhundert noch gewachsen. Die Gutsherrschaft hatte Dienste und Lasten gesteigert und dem Bauer den letzten Rest von Freiheit genommen. Schon im 15. Jahrhundert hatten sich die Bauern empört und versucht, ihr Joch zu erleichtern. Erfolg hatten sie nicht. Im Jahre 1524 kam es zu einem neuen Aufstand, der im Schwarzwald begann und sich über Franken und Thüringen fortpflanzte. Ritter, wie Florian Geyer und Götz von Berlichingen, schlossen sich den Aufständischen an. Die Bauern forderten freie Wahl der Priester, freie Jagd, Fischerei und Holzung, Abstellung des Wildschadens, Aufhebung der Leibeigenschaft, Erleichterung der Frondienste und gerechtes Gericht. Das waren gemäßigte Forderungen. Als aber Schwärmer wie Thomas Münzer in Mühlhausen an die Spitze des Aufruhrs traten, zogen die bewaffneten Haufen sengend und brennend im Lande umher, zerstörten Klöster und Schlösser, vertrieben oder töteten Ritter und Herren und verübten viele Greueltaten.

2. Niederlage. Luther, der anfänglich zum Frieden geraten hatte, forderte jetzt die Fürsten auf, mit dem Schwerte dreinzuschlagen und kein Erbarmen mit den räuberischen und mörderischen Bauern zu haben. Luther, hatte hier seinen Größten Fehler getan. Warum? Weil er lieber die Fürsten geraten hätte, diese Leute eines gerechten Gerichts zu verurteilen. So wäre es richtig gewesen, und gleiches mit gleichen zu vergelten. Was das Neue Testament nämlich nicht lehrt:  Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist. (Römer 12,17; vgl. 1.Petrus 3,9)

Bald zogen der Kurfürst von Sachsen, der Landgraf von Hessen u. a. Fürsten mit ihren Scharen nach Thüringen, wo Thomas Münzer mit seinem Anhange arg gehaust hatte. Bei Frankenhausen kam es 1525 zum Kampfe. Die betörten Bauern, die singend und betend den Beistand der himmlischen Heerscharen erwarteten, waren von den krieggeübten Söldnern der Fürsten bald besiegt. Münzer flüchtete nach Frankenhausen und hielt sich in einem Bette versteckt. Er wurde jedoch aufgefunden und nach Mühlhausen gebracht, wo er mit 25 Genossen hingerichtet wurde. Die traurige Lage der Bauern wurde nicht gebessert, an manchen Orten sogar noch verschlechtert.

5. Die Wiedertäufer (Irrlehrer). Es traten Leute auf, die lehrten: Man dürfe nicht die KINDER, sondern nur Erwachsene taufen. Sie tauften deshalb die Leute, die bei ihnen aufgenommen werden wollten, noch einmal; daher nannte man sie Wiedertäufer. Einer ihrer Prediger war Thomas Münzer. Im Jahre 1534 kamen Wiedertäufer nach Münster. Hier fanden sie solchen Anhang, dass sie den Bischof und die Geistlichen vertrieben. Unter ihnen war auch ein Schneider aus Leyden, Johann Bockolt, gewöhnlich Johann von Leyden genannt. Dieser gab sich für einen Propheten aus. Sein Anhang vermehrte sich von Tag zu Tag. Schließlich errichtete er in Münster ein Königreich Zion und kündigte sich als dessen König an. Er führte die Vielweiberei ein und ließ durch seinen Scharfrichter Knipperdolling viele Unschuldige hinrichten. Bald aber erschien der Bischof von Münster mit einem Heere und schloss die Stadt ein, die binnen kurzem ausgehungert war und sich ergeben musste. Johann von Leyden wurde gefangen und ein Jahr lang in mehreren Städten zur Schau ausgestellt, dann aber auf dem Marktplatze in Münster grausam hingerichtet.

6. Zwingli und Calvin. Fast gleichzeitig mit Luther trat auch in der Schweiz ein Reformator auf: Huldreich Zwingli, Pfarrer in Zürich. Wie Tetzel in Deutschland, so trieb damals der Mönch Samson in der Schweiz den Ablasshandel in der unverschämtesten Weise. Das gab Zwingli Veranlassung (1519), öffentlich gegen Ablass und Fegefeuer, gegen die weltliche Macht des Papstes und den Reichtum der Geistlichkeit aufzutreten. Zwingli schöpfte wie Luther alle seine Erkenntnis nur aus der Bibel selbst und stimmte auch in den meisten Punkten mit ihm überein. In der Lehre vom Abendmahl wichen jedoch die beiden Reformatoren voneinander ab. Während Luther behauptete, es müsste heißen: Das ist mein Leib, meinte Zwingli, es sei richtiger zu sagen: Das bedeutet den Leib. Auf Wunsch Philipps von Hessen kamen Luther und Zwingli in Marburg (1529) zusammen, um sich über diesen Punkt zu einigen; aber jeder blieb bei seiner Meinung. – Die Lehre Zwinglis breitete sich in der Schweiz immer mehr aus. Die Kantone  Schwyz, Uri, Unterwalden, Luzern und Zug aber widersetzten sich der neuen Lehre und verbrannten sogar einige Prediger der zwinglischen Lehre. Bald entstand ein blutiger Kampf zwischen den reformierten und katholischen Kantonen. In der Schlacht bei Kappel erlitten die Züricher eine Niederlage, und Zwingli selbst, der das Banner trug, wurde erschlagen (1531). In dem bald darauf folgenden Frieden wurde festgesetzt, dass es jedem Kanton freistehe, seine kirchlichen Angelegenheiten selbst zu ordnen. – Später setzte Johann Calvin in Genf das Werk Zwinglis fort. Seine und Zwinglis Anhänger nennt man Reformierte, während die Anhänger Luthers Lutheraner genannt werden. Die Hauptbekenntnisschrift der Reformierten ist der Heidelberger Katechismus.   

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