Die Definition von Religion

Die Definition von Religion

Von Prof. Dr. Werner Gitt

Und die anderen Religionen?

Vorwort: Im Blick auf die vielen religiösen Systeme stellt sich die alte Frage ganz neu, ob jeder nach seiner Fasson selig werden kann, oder ob es letztlich nur einen Weg zu Gott gibt. Da von der Beantwortung dieser Frage eine ganze Ewigkeit abhängt, lohnt es sich, über dieses Thema intensiv nachzudenken.

In einer Zeit, in der man sich vom »Dialog zwischen den Religionen« und von »Toleranz und Verständigung« viel für die Zukunft unseres Planeten verspricht, bietet dieses Buch eine wertvolle Orientierung. Es geht um die Frage: »Es gibt so viele Religionen. Sind alle falsch, gibt es eine richtige, oder führen letztlich doch alle zum Ziel?«

Der Autor zeigt anhand des Themas »Erfindungen«, dass letztlich auch alle Religionen menschliche Erfindungen sind und nicht zu Gott und ewigem Leben führen können. Der Unterschied zwischen Religiosität und lebendigem Glauben, zwischen Religion und Evangelium wird sehr deutlich herausgestellt.

176 Seiten, Taschenbuch, Best.-Nr. 255146

Was ist eine Religion?

Die Religionen der Menschen: 1000 verschiedene Wege

Das Problem des Menschen

Unser großes Problem vor dem Schöpfer, dessen Existenz uns nach den vorangegangenen Aussagen bewusst ist, ist die Schuld vor diesem Gott und vor Menschen. Seit dem Sündenfall lebt der Mensch getrennt von Gott, und das Gewissen weist ihn deutlich auf diesen Zustand hin:

»Denn wenn die Heiden (= Menschen, die den Gott der Bibel nicht kennen), die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz; denn sie beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihrem Herzen, da ja ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen« (Römer 2,14-15).

In der Guten Nachricht (1982) sind diese im Folgenden wichtigen Verse leichter verständlich übertragen: »Die anderen Völker haben das Gesetz Gottes nicht; aber es gibt unter ihnen Menschen, die aus natürlichem Empfinden heraus tun, was das Gesetz verlangt. Obwohl es ihnen nicht bekanntgemacht worden ist, tragen sie es doch in sich selbst. Ihr Verhalten zeigt, dass ihnen die Forderungen des Gesetzes ins Herz geschrieben sind, und dasselbe beweist ihr Gewissen, dessen Stimme sie abwechselnd anklagt oder verteidigt.« Mit dem Gewissen hat der Schöpfer nicht nur den Christen, sondern auch allen Heiden einen Indikator mitgegeben, der darauf hinweist, dass es Gut und Böse gibt. Das griechische Wort für Gewissen heißt im NT »syneidesis« und bedeutet wörtlich »Mit-Wisser«. Es ist also eine Instanz, die alles miterlebt, was ein Mensch tut und denkt. In seiner Schöpfungsordnung hat uns Gott mit diesem Bestandteil der Gottesebenbildlichkeit geadelt. Neben vielem anderen hat uns Gott auch hiermit deutlich vom Tier unterschieden, das sein eigenes Handeln nicht moralisch beurteilen kann. Der Mensch aber weiß, dass er sich für sein Tun einmal verantworten muss. Das Fehlverhalten, das die Bibel mit Sünde bezeichnet, belastet uns und zeigt damit den Bruch zwischen Gott und dem Menschen an. Zu allen Zeiten wurde diese Situation als Grundproblem erkannt, und so machte sich der menschliche Erfindergeist daran, mit Gott in Ordnung zu kommen und das Gewissen zu beruhigen.

Um diese Zielvorgabe zu erreichen, hat der Mensch viele Versuche unternommen. Viele verschiedene Gottes Vorstellungen sind dabei erdacht worden. In tausenderlei Religionen finden diese ihren Niederschlag. Nur einige Beispiele seien hier kurz erläutert:

Polytheismus (griech. Polys = viel; Vielgötterei): Mehrere oder viele Götter werden verehrt. Monotheismus (griech. Mónos = allein, einzeln; Eingottlehre): Hier liegt die Vorstellung von nur einem Gott als höchstem Wesen zugrunde. (Bei genauerer Differenzierung müsste man zwischen einem monistischen und einem dreieinigen Monotheismus unterscheiden [S4].) Die Vertreter der Evolutionslehre sehen den Monotheismus als die höchste religiöse Entwicklungsstufe an.

Pantheismus (griech. Pan = all, ganz, gesamt; Allgottlehre): Gott wird im All und in der Natur gesehen, d.h., Gott und die Welt sind danach eins. Schopenhauer nannte den Pantheismus die vornehme Form des Atheismus.

Theismus (griech. Theós = Gott; Gottglaube): Danach gibt es einen einzigen persönlichen, außer- und überweltlichen Gott der alles erhält und regiert, aber kein bestimmtes Verhalten vom Menschen fordert und keine Beziehung zu ihnen sucht.

Deismus (lat. deus = Gott; Gottlehre): Diese seit der Aufklärung in England entstandene Lehre geht zwar von einem Gott als Urgrund der Welt aus, der das Räderwerk des Universums in Gang gebracht, nun aber nichts mehr mit diesem zu tun hat. Bekannte Vertreter waren Voltaire, Rousseau und Lessing.

Atheismus (griech. Àtheos = ohne Gott, gottlos): Dies ist eine Weltanschauung (und darum auch eine Religionsart), die kein göttliches Wesen anerkennt. Die Religionswissenschaft unterscheidet zwischen theistischen und atheistischen Religionen (z.B. Hinayana-Buddhismus und der ältere Taoismus). In »christlichen« Ländern verstand sich der Atheismus oft als Gegenbewegung zum Christentum: »Kein Jenseits gibts, kein Wiedersehn.« Der Marxist August Bebel bemerkte allerdings: »Wenn es doch einen Gott gibt, dann sind wir die Angeschmierten.«

New Age (engl. Neues Zeitalter): Es ist der Versuch, die fernöstliche Religiosität mit dem modernen Fortschrittsglauben zu kombinieren. Das New-Age-Denken verspricht die Auflösung aller die gegenwärtigen Krisen hervorrufenden Gegensätze in einer höheren Einheit, die Mensch, Natur und Gott in einem paradiesischen Reiche verbinden wird.

Synkretismus (spätgriech. Synkretismós = Vereinigung zweier  Streitender gegen einen Dritten): Vermischung verschiedener  Religionen, Weltanschauungen und philosophischer Lehren zu einer neuen Lehre. Nach den Vorstellungen der Primitiven Religionen leben in der Natur Wesen und Mächte, die der Mensch durch Opfer und rituelle Bräuche günstig stimmen oder durch Zaubersprüche fernhalten kann. Solche Vorstellungen nennt man:

Animismus (lat. Anima = Seele; Seelenglaube): Die gesamte Natur wird als beseelt angesehen. Der Animismus äußert sich in Vorstellungen von unzähligen Gespenstern, Ahnengeistern und Geistern in der Natur. Er tritt aber auch in monotheistischen Religionen auf.

Fetischismus (port. feitiço = Zaubermittel): Leblose Gegenstände werden verehrt und angebetet, weil sie geheimnisvolle Kräfte besitzen sollen. Auch der Glaube des modernen Menschen an Amulett und Talisman ist hier einzuordnen.

Totemismus (Indian.): Dieses ist der Glaube an die Abstammungsverwandtschaft zwischen einer Menschengruppe (oder einem einzelnen) und einem Naturgegenstand. Danach stammen Menschengruppen entweder von einem Tier, einer Pflanze, einem Gestirn oder einem Gerät ab und sind mit diesem verwandt. Das Totem ist eine Verkörperung, das als mächtiger Beschützer des Stammes und als Symbol der inneren Verbundenheit verehrt wird.

Was ist eine Religion?

Wenn wir im Folgenden noch oft den Begriff Religion verwenden, müssen wir genau festlegen, was wir darunter verstehen. Dies ist deshalb nötig, weil es verschiedene Definitionen gibt. Die zahlreichen Bezeichnungen für das Phänomen Religion lassen die unterschiedlichen Aspekte dieses komplexen Begriffs erkennen [B3, 5]: Das von den Römern gebildete lateinische Wort Religio versteht  Cicero als sorgfältiges Achthaben auf eine wichtige Sache, als gewissenhafte Pflichterfüllung gegenüber den Göttern. Im Griechischen spielt der Ausdruck eusebeia (Gottesfurcht, Frömmigkeit) die entsprechende Rolle. Das arabische und neupersische dinhebt den rechtlichen Aspekt hervor. Das indische Wort dharma (Sanskrit) bzw. dhamma (Pali) meint »das, woran man sich zu halten hat«, nämlich das Gesetz. Das chinesische chiao, das japanische kyo und das koreanische hak hingegen weisen auf »die Lehre« hin.

Definitionen für Religion nach der heutigen Religionswissenschaft: In seinem Buch »Marxismus – Opium für das Volk?« [S2] befasst sich Thomas Schirrmacher mit verschiedenen Definitionen für Religion, wie sie die Religionswissenschaft hervorgebracht hat. Danach gibt es im Rahmen dieser Fachdisziplin keine einheitliche und verbindliche Festlegung; vielmehr hat der Religionswissenschaftler Christoph Elsas Hunderte von Definitionen gesammelt und sie nebeneinander gestellt. In der Vergleichenden Religionswissenschaft ist keine Religion aus den vielen auswählbar, die dann als Definitionsmuster für alle anderen Religionen dienen könnte. Das Spektrum der Religionen ist so breit, dass nur sehr wenige gemeinsame Merkmale auffindbar sind. Vier Definitionen seien hier stellvertretend für viele genannt [S2, 46-47]:

(1) »Die spezifische Funktion der Religion liegt in der Bereitstellung letzter grundlegender Reduktionen, die die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit des Welthorizontes in Bestimmtheit oder doch Bestimmbarkeit angebbaren Stils überführen« (Niklas Luhmann).

(2) »Als religiöses System wird jeder Zusammenhang gedanklicher Elemente (und darauf bezogener Handlungen, Darstellungen und Gegenstände) bezeichnet, der die Funktion erfüllt, dem Menschen eine nicht weiter reduzierbare Erklärung seiner Welt und nicht weiter ableitbare Normen für sein Verhalten zu geben« (Ulrich Berner).

(3) »Jede Religion reduziert das Leben und die Weltgeschichte auf die zentralen Fragen. Es sind diese letzten Größen und Werte, die nur noch akzeptiert, nicht aber weiter zurückverfolgt werden können, die das Wesen der Religion ausmachen« (Thomas Schirrmacher).

(4) Religion ist eine Weise menschlichen Existierens aus der Relation zu einem Sinn-Grund, wobei dieser Sinn gewährende Grund in den verschiedenen Religionen entweder überweltlich oder innerweltlich verstanden wird (H. R. Schlette, G. J. Bellinger [B3, 5]).

Aus diesen weiten Fassungen, die über die unter 4.1 genannten Vorstellungen erheblich hinausgehen, folgt ein grundlegender Satz:

Religion ist ein grundlegendes Bedürfnis jedes Menschen!

Der russische Religionskritiker Nikolai Berdjajew brachte es auf eine ähnliche Formel: »Der Mensch ist unheilbar religiös.« Die Annahme eines höheren Wesens oder das Praktizieren von Gebeten und Ritualen ist nach den Definitionen (1) bis (4) nicht mehr notwendige Voraussetzung für eine Religion. Ihr Vorhandensein ist jedoch hinreichend, ein entsprechendes System als Religion zu bezeichnen. Jeder Mensch braucht eine letzte Erklärung für seine Welt, in der er lebt, und er braucht Normen, nach denen er sich richtet. Dies ist der Ansatzpunkt für Religion [B3, 5]:

»In dem Augenblick, wo Menschen aus einer Weltanschauung die Konsequenzen für ihre Lebensführung ziehen, wo sie aus gemeinsamen Wert- und Zielvorstellungen, die für sie sinnstiftenden Charakter haben, ihr Leben normativ gestalten, beginnt Religion.« In diesem Sinne gehört nicht nur das Christentum zu den Religionen, sondern auch der Marxismus ist eine spezifische Form davon. Auch der Marxist glaubt an nicht weiter hinterfragbare Glaubenssätze, nämlich, dass für ihn die Materie ewig ist, dass für ihn die Arbeit den Menschen erschaffen hat und dass nach seinem Glauben der dialektische Grundsatz der Geschichte die kommunistische Gesellschaft herbeiführen wird. Entsprechende Grundüberzeugungen gab es auch im  Nationalsozialismus, sodass auch dieses System eine Religion  darstellt [S3].

Hitler sprach immer wieder von der »Vorsehung« als einem höheren Wesen. Denkt man an das Bekenntnis des Reichsjugendführers Baldur von Schirach zu Hitler, so erkennt man leicht die Gebetsform wieder [R2, 42]:

»Wir hörten oftmals Deiner Stimme Klang und lauschten stumm und falteten die Hände, da jedes Wort in unsere Seelen drang. Wir wissen alle: Einmal kommt das Ende, das uns befreien wird aus Not und Zwang. Was ist ein Jahr der Zeitenwende! Was ist da ein Gesetz, das hemmen will – Der reine Glaube, den Du uns gegeben, durchpulst bestimmend unser junges Leben. Mein Führer, Du allein bist Weg und Ziel!«

Auch die Kunst kann den Stellenwert einer Religion einnehmen. So hat Richard Wagner (1813-1883) folgendes Glaubensbekenntnis verfasst, das rein äußerlich an christliche Formulierungen erinnert, aber inhaltlich nichts damit zu tun hat [W1, 62-63]:

»Ich glaube an Gott, Mozart und Beethoven, in gleichem an ihre Jünger und Apostel; ich glaube an den Heiligen Geist und an die Wahrheit der einen, unteilbaren Kunst; ich glaube, dass diese Kunst von Gott ausgeht und in den Herzen aller erleuchteten Menschen lebt; ich glaube, dass wer nur einmal in den erhabenen Genüssen dieser hohen Kunst schwelgte, für ewig ihr ergeben sein muss und sie nie verleugnen kann; ich glaube, dass alle durch diese Kunst selig werden, und dass es daher jedem erlaubt sei, für sie Hungers zu sterben;ich glaube, dass ich durch den Tod hoch beglückt sein werde; ich glaube, dass ich auf Erden ein dissonierender Akkord war, der sogleich durch den Tod herrlich und rein aufgelöst werden wird. Ich glaube an ein Jüngstes Gericht, das alle diejenigen furchtbar verdammen wird, die es wagten, in dieser Welt Wucher mit der hohen keuschen Kunst zu treiben, die sie schändeten und entehrten aus Schlechtigkeit des Herzens und schnöder Gier nach Sinneslust; ich glaube, dass diese verurteilt sein werden, in Ewigkeit ihre Musik zu hören. Ich glaube, dass dagegen die treuen Jünger der hohen Kunst in einem himmlischen Gewebe von sonnendurchstrahlten, duftenden Wolkenklängen verklärt und mit dem göttlichen Quell aller Harmonie in Ewigkeit vereint sein werden. Möge mir ein gnädig Los beschieden sein! Amen.«

Aus der Bibel hergeleitete Definition für Religion: Bei unseren folgenden Betrachtungen greifen wir nicht auf eine der vielen Definitionen der Vergleichenden Religionswissenschaft zurück, sondern entscheiden uns für eine aus der Bibel ableitbare Begriffsbestimmung. Das tun wir aus dem Grunde, weil wir die Religionen nicht aus eigener subjektiver, sondern aus der Sicht der Bibel beurteilen wollen (siehe Kap. 5.3). Das Wort »Religion« kommt in der Bibel nicht direkt vor, aber dennoch wird die Thematik präzise beschrieben. Eine wichtige Aussage in diesem Zusammenhang steht in Psalm 96,5:

»Alle Götter der Völker sind Götzen, aber der Jachweh hat den Himmel gemacht.« (Luther Bibel 1912, ist diese Übersetzung; vgl. 1.Chronik 16,26)

Denn alle Götter der Völker sind nichtige Götzen; aber der Jachweh hat die Himmel gemacht. (Psalm 96,5 ist aus der Schlachter Version)

Anmerkung: Götze ist keine abwertende Bezeichnung für einen der eigenen Religion fremden Gott, insbesondere einen Abgott, also die Darstellung einer Gottheit in einem kultisch verehrten Bildwerk. Derartige "Götzenbilder" verstoßen gegen das biblische Bilderverbot (5.Buch Mose 5,8) und galten den abrahamitischen Religionen daher lange als heidnisch. Andere Bezeichnung zu Götze(en): es sind daher tote Götter die in Wahrheit nicht leben. Es sind erfundene Götter von Menschen!

Denn es gibt nur einen lebendigen Gott, der über alle Götter steht.

Denn der Jachweh, euer Gott, Er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtgebietende Gott, der die Person nicht ansieht und kein Bestechungsgeschenk annimmt, der der Waise und der Witwe Recht schafft und den Fremdling liebhat, so daß er ihm Speise und Kleidung gibt. (5.Buch Mose Kapitel 10, Verse 17-18; vgl. Offb 17,14; 5.Buch Mose 7,21)

Auch im Hinblick auf noch weitere zu nennende biblische Aussagen definieren wir Religion wie folgt:

(Aus der Bibel abgeleitete) Definition für Religion (D1):

Als Religion bezeichnen wir aus biblischer Sicht jegliche wie auch immer geartete Gottesvorstellung der Völker sowie alle gedanklichen Systeme mit nicht mehr hinterfragbaren Glaubenssätzen und Normen des Handelns, die bewusst oder auch unbewusst an die Stelle jenes Schöpfergottes treten, den die Bibel nennt.

Nach dieser unserer Definition D1, von der wir bei allen folgenden Betrachtungen ausgehen werden, fällt also der Glaube an den Gott der Bibel und der Glaube an Jesus Christus nicht unter die Rubrik »Religion«. Das Evangelium von Jesus Christus darf also danach auf keinen Fall mit Religion verwechselt wer den. Anzumerken ist, dass das Christentum in seiner Geschichte durchaus als Religion aufgetreten ist. So sind die 95 Thesen Luthers ein Ruf zur Abkehr von den Praktiken einer Kirche, die in Religion erstarrt war, und zur Hinwendung zum Evangelium. Auch die »christlichen« Sekten beschreiten je nach Ausprägung mehr und mehr den Weg der Religion.

Welche Systeme rechnen wir nun zu den Religionen? Die folgende Dreiteilung mag uns die Einordnung erleichtern:

1. Religionen in engerem Sinne: Systeme, die wir nach allgemeiner landläufiger Auffassung als Religion bezeichnen, weil es dort offiziell Götter oder Geister, Priester und Tempel gibt. Gebete und Rituale spielen eine wichtige Rolle (z.B. Islam, Hinduismus).

2. Philosophische Systeme, in denen im allg. keine Götter verehrt werden, die aber eindeutig an die Stelle des Schöpfers der Bibel treten (z.B. Marxismus, Nationalsozialismus, Anthroposophie). Auch die Evolutionslehre nimmt gemäß Definition D1eindeutig den Rang einer Religion ein, weil der Schöpfer nicht als Ursache des Lebens angesehen, sondern durch eine anderweitige Erklärung ersetzt wird. So schreibt der Biologe Sir Julian Huxley [U1]:

»Für mich persönlich ist die geistige Erleichterung, die aus der Zurückweisung der Idee eines Gottes als übernatürliches Wesen erwächst, enorm ... Der Darwinismus entfernte die Idee des Schöpfer-Gottes aus der Sphäre rationaler Erörterung.«

In diesem Sinne hat Eduard Ostermann aufgrund zahlreicher Zitate von Vertretern der Evolutionslehre ein Glaubensbekenntnis dieser Religion formuliert [O2, 50-51]. In der Evolutionslehre sind Mutation und Selektion, Zufall und Notwendigkeit, unbegrenzte Zeiträume die Ersatzgötter für die Person des Schöpfers. Jeremia 10,11 weist auf solche Götzen hin: So sollt ihr nun zu ihnen sagen: »Die Götter, welche weder Himmel noch Erde erschaffen haben, sie werden von der Erde und unter dem Himmel verschwinden!«

3. Unauffällige Religionen, die uns zunächst gar nicht als Religion, sondern vielmehr als eine individuelle Lebenshaltung erscheinen. Hierzu gehört z.B. der von Jesus genannte Mammon. Mammon ist ein Begriff aus der aramäischen Sprache, der Reichtum und Luxus bedeutet.

In Lukas 16,13 sagt Jesus: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!« Der Mammon tritt hier als Alternative zu Gott auf. An die Stelle des Glaubens an den Gott der Bibel treten Geldliebe und Materialismus. Damit ist auch dieses System nach unserer obigen Definition D1eindeutig der Religion zuzuordnen. Religion ist – anders ausgedrückt – alles, was zu dem biblischen Glauben in Konkurrenz tritt: Worauf verlasse ich mich völlig? Welches ist die Quelle meines Lebenssinns? Woran hängt mein Herz? Woraus leite ich meine grundlegenden Lebensentscheidungen ab? Was liebe ich über alles? Woher beziehe ich meine letzte Ausrichtung für das Handeln? Jesus sagt: »Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein« (Mt 6,21).

Die Religion des Mammon wird bereits im AT genannt. Hiob stellt die zugehörigen Fragen:

»Habe ich mein Vertrauen je auf Gold gesetzt und zum Feingold gesagt: »Sei du meine Zuversicht!«, habe ich mich gefreut, weil ich reich geworden bin und meine Hand viel erworben hat; habe ich die Sonne angesehen, wenn sie leuchtete, und den Mond, wie er so prächtig dahinzog, und habe ich mein Herz im Geheimen verführen lassen, daß ich ihnen Kußhände zuwarf, so wäre auch das ein strafwürdiges Vergehen gewesen; denn ich hätte Gott in der Höhe verleugnet.« (Hiob 31,24-28)

Auch er erkennt den Mammon als Ersatz für den lebendigen Gott, wenn er konsequent folgert: »denn ich hätte Gott ich in der Höhe verleugnet.« (Hiob 31,28)

Herkunft der Religionen

Es ist keine Kultur oder Zivilisation bekannt, in der es nicht irgendeine Form von Religion gibt. So stellt sich die Frage:

»Woher kommt Religion?« Für die Deutung ihrer Entstehung sind zwei Betrachtungsweisen zu unterscheiden:

1. Betrachtung aus der Sicht der Evolutionslehre:

Die Entstehung der vielen Religionen wird nach dieser Auffassung ebenso wie die Entstehung des Lebens als ein Entwicklungsprozess verstanden, wobei nach dem Glauben an Geister und Mächte ein einfacher Polytheismus stand, der im Laufe der Zeit zum Monotheismus (Judentum, Christentum, Islam) überging. Die Übertragung des entwicklungsgeschichtlichen Gedankens auf die Entstehung der Religionen folgt aus den Prinzipien des Evolutionskonzeptes, wonach Evolution als universell gültiges Prinzip angenommen wird. Diese unterstellte Voraussetzung ist jedoch nicht geschichtlich begründbar, da polytheistische Religionen nicht etwa nur in den primitiven Kulturen auftreten, sondern sich in der Geschichte vieler Völker – unabhängig vom jeweils herrschenden Kulturstand – polytheistische und monotheistische Kulte abwechselten (Beispiele: Ägypten, Ninive).

2. Betrachtung aus der Sicht der Bibel: Nach der Bibel verfügen alle Menschen über drei grundlegende Informationen, die ihnen schöpfungsmäßig mitgegeben sind.

– Aus den Werken der Schöpfung können wir auf den dazu notwendigen Schöpfer schließen (Römer 1,19-21).

– Unser Gewissen bezeugt uns, dass wir vor Gott schuldig sind (Römer 2,14-15).

– Wir haben alle die Ahnung der Ewigkeit, weil Gott sie in unser Herz gelegt hat (Prediger 3,11; Zürcher Übers).

Dieses allgemeine Wissen hat die Erfindergabe der Menschen unsagbar angeregt und zu Tausenden von eigenen Wegen in Form der Religionen geführt. Schon bei Kain und Abel wird der Unterschied zwischen dem menschlichen Weg der Religion und dem göttlichen Weg deutlich. Kain war der erste, der nach eigenen Vorstellungen Gott dienen wollte; er wird damit zum Begründer der ersten Religion. Kain vertrat keineswegs einen Polytheismus, wie er als evolutionistische Ausgangsform unterstellt wird. Sein Bruder handelte nach dem Willen Gottes und wird darum als Vorbild eines Gott wohlgefälligen Glaubens genannt (Hebräer 11,4).

Die drei außerbiblischen Informationsquellen:

1.Schöpfung = Existenz Gottes

2.Gewissen = Existenz des Gesetzes Gottes

3.Herz = Existenz der Ewigkeit

Heidnische Hinweise (Quelle Mensch)

Aristoles sagte: „Gott, der für jedes sterbliche Wesen unsichtbar ist, wird sichtbar in seinen Werken.“

Cicero sagte: „Der Himmel und seine Gestirne zeigen es am klarsten, dass sie von einer Gottheit gelenkt werden.“

4.Die vielen Religionen der Menschen

5.Indianer: ewiger Jagdgrund

6.Griechen: Insel der Seligen

7.Babylonier: Land des Silberhimmels

8.Mohammedaner: Leben im Luxus

Biblische Aussagen (Quelle: Gott der Jahweh)

Römerbrief 1,19: weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat;

Psalm 19,2-3: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre.

Römerbrief 2,15: Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich – (EU)

Prediger 3,11: Er hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt — nur daß der Mensch das Werk, das Gott getan hat, nicht von Anfang bis zu Ende ergründen kann.

Quelle: Drei Informationsquellen, die jedem Menschen zur Verfügung stehen: Schöpfung, Gewissen & Herz.

Unsere Kette des Glaubens reicht somit über Abraham, Noah und Henoch bis zu den ersten Menschen zurück. Damit ist gezeigt: Der Gott wohlgefällige Glaube war von Anfang an da – der Monotheismus ist also kein evolutives Ergebnis –, und parallel dazu entstanden Religionen als menschliche Ideen. Obwohl Kain mit seinem Opfer noch den Gott der Bibel meinte, wurde es dennoch nicht gnädig angesehen (1.Buch Mose 4,5). Nach Hebräer 11,4 fehlte ihm im Gegensatz zu Abel der Glaube. Zwei Wege der Entstehung der Religionen können wir in diesem Zusammenhang unterscheiden:

2A. Kollektive Entstehung: Nach der Sintflut vermehrte sich die Menschheit von der Noah-Familie ausgehend und breitete sich auf der ganzen Erde aus (vgl. Völkertafel nach 1.Buch Mose Kapitel 10). Durch Dekadenz, soziokulturellen Abstieg und kollektive Umbildung der ursprünglichen Gottesbeziehung sowie durch eigenes Hinzutun und Erfinden prägten die unter Isolation durch räumliche Distanz entstandenen Völker jeweils ihre eigene Religion (Volksreligion, Stammesreligion). Das Alte Testament gibt einen beredten Eindruck von den zahlreichen heidnischen Religionen und ihren Wesenszügen. Die Kanaaniter (und nicht nur sie) hatten eine so abscheuliche Religion entwickelt, dass sie ihre eigenen Kinder verbrannten, um durch solche Opfer ihren Göttern zu dienen (5.Buch Mose 12,31).

2B. Entstehung durch Religionsstifter: Andere Religionen haben ihren Ursprung in einem einzelnen Begründer wie z.B. der Islam oder der Buddhismus, die jedoch Elemente ihrer Herkunftsreligion in ihre Lehre eingewoben haben. Aber auch die christlichen Sekten mit ihrem weiten Spektrum an Verirrungen und Entstellungen der biblischen Wahrheit gehen in der Regel auf einen einzelnen Stifter zurück (Stifterreligion).

Die Primitiven Religionen (Stammesreligionen) haben keinen namentlich nennbaren Stifter, kein grundlegendes Buch und daher auch keine schriftlich fixierte Lehre. Das religiöse Leben kreist um den Medizinmann, Zauberer, Schamanen oder Priester und mündlich überlieferte Vorstellungen, die teilweise als Geheimwissen weitergegeben werden. In den Volksreligionen (Stammesreligionen) wird akzeptiert, dass andere Völker andere Götter verehren und andere Religionen betreiben. Stifterreligionen hingegen erheben meist den Anspruch, für alle Völker zu gelten.

4.4 Kennzeichen von Religionen

Zu allen Zeiten und in allen Gegenden dieser Erde haben also Menschen ihre Vorstellungskraft und ihre Erfindergabe zur Entwicklung einer Religion eingesetzt. Das Ergebnis ist, dass es nicht nur eine, sondern eine Fülle von Religionen gibt. Die Herkunft der Religionen haben wir bisher in erster Linie der Erfindungsgabe der Menschen zugeschrieben. Ein anderer Aspekt muss hier unbedingt mit einbezogen werden: In dieser gefallenen Welt darf die Einwirkung des Teufels keineswegs unterschätzt werden, dem es ein Anliegen ist, die Menschen zu belügen und zu verführen. So führten die Lügen »Sollte Gott gesagt haben?« (1.Buch Mose 3,1) und »Ihr werdet sein wie Gott« (1.Buch Mose 3,5) zum Sündenfall. Wie viel mehr versucht er (Satan) die Menschen zu beeinflussen, eigene religiöse Wege einzuschlagen, die nicht zu Gott, sondern in die Verlorenheit führen.

Die in der Kapitelüberschrift genannte Zahl von 1000 Religionen dürfte ein noch viel zu niedrig angesetzter Schätzwert sein. Bei diesem Tatbestand stellt sich die Frage: Ist bei aller Unterschiedlichkeit wenigstens eine richtige dabei, oder sind sie alle falsch? Wir werden dieser Frage später noch nachgehen. Wir wollen nun die wesentlichen Kennzeichen einer Religion betrachten. Der bekannte Evangelist Wilhelm Pahls nennt drei markante Merkmale, die für die (meisten) Religionen kennzeichnend sind [P3]:

Bei Religion haben wir es zu tun:

– mit Menschen;

– mit menschlichen Vorschriften;

– mit Gegenständen.

Diese Charakteristika wollen wir uns nun im einzelnen ansehen:

1. Mit Menschen: Die Gründer der Religion sowie ihre prominenten Vertreter genießen eine große Anerkennung und Autorität. Sie werden auf mannigfache Weise verehrt: durch Bilder, Statuen und Verbreitung ihrer Schriften durch deren Anhänger. Das trifft für Mohammed und Buddha ebenso zu wie z.B. für Joseph Smith, den Begründer der Mormonen. In den Stammesreligionen wird diese beherrschende Rolle von den Medizinmännern und Priestern wahrgenommen.

2. Mit menschlichen Vorschriften: Die von Menschen erfundenen Regeln, Riten und Zeremonien, um Gott zu gefallen, sind unermesslich und vielschichtig. In den Fruchtbarkeitskulten gehörten Kinderopfer zu der gängigen Religionspraxis. So sind in Karthago nach Hochrechnungen von US-Archäologen zwischen 400 und 200 v. Chr. am Tophet über 20.000 Kinder dem Baal geopfert worden. Die Pharisäer Israels hatten so viele eigene Vorschriften erfunden, dass der Mensch geknechtet und gefesselt, aber nicht befreit und geschützt wurde, wie es die schlichten Gebote Gottes vom Sinai beabsichtigen. Jesus macht ihnen darum den Vorwurf: »Und so hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes auf; und viele ähnliche Dinge tut ihr« (Markus 7,13; vgl. Jeremia 8,8-9). Andere haben unmenschliche Bußübungen erlassen, die den Menschen versklaven und ihn entwürdigen. Es gibt sogar religiöse Praktiken, die biblische Inhalte gesetzmäßig verfremden, indem Menschen zur Strafe aufgetragen wird, eine gewisse Anzahl Vaterunser zu beten. Wir können dies nur ablehnen, denn die Bibel bringt das Gebet zu Gott, dem Vater, mit Anbetung, Lobpreis, Bitte, Fürbitte oder Dank zusammen – niemals als Strafe oder rituelle Vorschrift.

3. Mit Gegenständen: Im Namen der Religion haben die Menschen so große Gegenstände errichtet, dass sie heute noch zu den Superlativen der Welt gehören. In Kyoto und Nara (Japan) bekommt man einen Eindruck von den riesigen menschlichen Anstrengungen. In Nara (710–784 Hauptstadt Japans) steht der Todaiji-Tempel, der mit 58m Länge, 51m Breite und 49m Höhe das größte Holzbauwerk der Welt darstellt. In diesem Gebäude befindet sich die größte Bronzestatue der Welt (16,2m hoch, gegossen aus 437t Bronze, 130kg Gold und 75kg Quecksilber). Es ist somit die größte Buddhafigur, die je gegossen wurde. Im Horyuji-Tempel in Kyoto befindet sich die »Tausendhändige Kannon«, die zusammen mit 1000 anderen buddhistischen Statuen verehrt wird.

In Japan gibt es 220.000 religiöse Einrichtungen (Schinto-Schreine, Buddhistentempel), und etwa zwei Millionen Leute sind ausschließlich mit religiösen Handlungen beschäftigt. Der religiöse Kult spielt in Japan eine überragende Rolle und hat den Großteil der Bevölkerung erfasst. Vor den vielen Kultstätten sieht man, wie die Menschen Räucherstäbchen oder Kerzen anzünden und sich vor den Statuen und sonstigen Gegenständen verneigen.

Auch in unserem sogenannten christlichen Abendland spielen Gegenstände in der Religion eine große Rolle. So wird das Gewissen beruhigt, indem man sich einen (angeblichen) Kreuzessplitter verschafft oder an den Ort fährt, wo die Gebeine besonderer Toten aufgebahrt werden. (Nähme man alle Kreuzessplitter zusammen, so ergäbe das die Holzmenge eines Waldes.)

Alle Religionen (im engeren Sinne) haben zwar das Kernproblem – die Entzweiung des Menschen mit Gott – erkannt und suchen eine menschliche Antwort. Diese Antwort heißt: Religion! Es ist der Weg, der vom Menschen ausgeht. Wenn Religion fest in einem Volk verankert ist, so entwickeln sich häufig die moralischen Forderungen dieser Religion zur Tradition dieses Volkes. Heinrich Kemner, der bekannte Pfarrer, Evangelist und Gründer des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen, sagte: »Religion und Tradition haben zwar bewahrende Kraft (im Sinne einer Lebensethik), aber keine rettende Kraft (bezüglich der Ewigkeit).« Die religiöse Tradition ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich: Die Japaner haben eine buddhistische und schintoistische Tradition.

– die Inder haben eine hinduistische Tradition

– die Moslems haben eine islamische Tradition

– die Animisten haben die Tradition ihrer Stammesreligion

– und im sog. christlichen Abendland haben wir eine christliche Tradition.

Es gibt also auch eine christliche Religion, und auch diese hat offenbar Rituale und Mechanismen entwickelt, das Gewissen zu betäuben. Wenn jemand beispielsweise während der Karnevalszeit wissentlich die Gebote Gottes übertritt und sich dann am Aschermittwoch in der Kirche ein Aschenkreuz holt, hat er damit zwar das anklagende Gewissen mit Religion (sogar mit christlicher!) betäubt. Vor Gott aber bleibt das eine verlogene Handlung mit frommem Anstrich ohne durchgreifende Veränderung des Herzens.

4.5 Sind die Religionen von Gott oder von Menschen?

Wir wollen hier beispielhaft einige Religionen herausgreifen, um verschiedene Praktiken kennenzulernen.

Japan: In japanischen Haushalten gibt es einen Hausaltar, an dem die Toten geehrt und angebetet werden. Man glaubt, dass an ihrem Todestag die Geister der Toten kommen und sich in der Wohnung aufhalten. Um sie gut zu versorgen, legt man ihnen Reiskörner hin, denn es geht ihnen schlecht in der Hölle. Nur am Todestag dürfen sie zurückkommen. Nachdem man gefeiert hat, schickt man Strohboote aufs Meer, die angezündet werden. Dann verlassen die Geister der Toten wieder diese Welt und gehen zurück in die Hölle.

Indien: Von den über 1,2 Milliarden Indern sind 82% Angehörige des Hinduismus. In dieser Religion werden viele Götter, Geister und Dämonen verehrt. Der Hindu glaubt an eine Seelenwanderung, d.h. in einem nächsten Leben kommt er in anderer Gestalt auf die Erde. Wer sich in diesem Leben nicht bewährt hat, kommt im nächsten Leben nur als Affe oder Ratte zur Welt. Ein Missionar, der in Indien gearbeitet hatte, berichtete mir von armen Leuten, die des Nachts auf den Verkehrsinseln der Großstädte mit ihren Kleinkindern zu schlafen versuchen. Warum suchen diese Leute gerade einen so ungastlichen Platz auf? Lieben sie etwa den Autolärm und die Abgase? Natürlich nicht! Auf den Verkehrsinseln gibt es keine Ratten. An anderen Schlafplätzen werden sie im Schlaf von den Ratten gebissen. In Indien gibt es achtmal so viele Ratten wie Menschen. Diese gefräßigen Tiere dürfen aber nicht getötet werden, weil sie ja die Reinkarnation eines Menschen sein könnten. Um ihre unbändige Fresslust zu stillen, vergreifen sich die hungrigen Ratten insbesondere an Kleinkindern und fressen ihnen beim Schlaf die Gliedmaßen an. Es ist abscheulich, was im Rahmen einer Religion möglich ist. Den größten Viehbestand eines Landes finden wir nicht etwa in den Pampas von Argentinien, sondern Indien, das mit über 20% des Rinderbestandes der Erde den Weltrekord hält. Auch Rinder, die zur Ernährung des überbevölkerten Landes dringend nötig wären, dürfen aus religiösen Gründen keineswegs getötet werden.

Nordkamerun: Um die bösen Geister zu beruhigen, werden kleine Kinder mit heißem Wasser »getränkt«. Indem man die Kinder festhält, wird ihnen heißes Wasser in Mund und Rachenraum gegossen. Diese quälende Tortur endet mit schmerzhaften Verbrühungen und nicht selten mit dem Tod des Kindes. Schon diese wenigen Beispiele offenbaren das schreckliche Wesen mancher Religion, und man stellt sich die Frage, ob solche Vorschriften von Gott kommen können. Nun, diese Ideen können nie und nimmer von dem Gott der Bibel, dem Vater Jesu Christi kommen, »denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer« (Jakobus 5,11) und »Gott ist Liebe« (1.Johannes 4,16). Auch alle anderen Religionen gemäß unserer Definition D1(s. Kap. 4.2) erweisen sich bei näherer Betrachtungsweise als nicht von Gott kommend. So halten wir fest:

Alle Religionen sind Erfindungen von Menschen!

Von den in der Einleitung angesagten vier Erfindungsarten haben wir inzwischen die dritte Art von Erfindungen kennengelernt. Zwei Arten sind eindeutig menschlicher Herkunft (technische Erfindungen und die Religionen) und die andere stammt ebenso eindeutig aus göttlicher Quelle (Werke der Schöpfung).

Der Autor: Dir. und Prof. a. D. Dr.-Ing. Werner Gitt, 1937 in Raineck/Ostpr. geboren. Von 1963 bis 1968 absolvierte er ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Hannover, das er als Dipl.-Ing. abschloss. Von 1968 bis 1971 war er Assistent am Institut für Regelungstechnik an der Technischen Hochschule Aachen. Nach zweijähriger Forschungsarbeit promovierte er zum Dr.-Ing. Von 1971 bis 2002 leitete er den Fachbereich Informationstechnologie bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. 1978 wurde er zum Direktor und Professor bei der PTB ernannt. Er hat sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen aus den Bereichen Informatik, numerische Mathematik und Regelungstechnik beschäftigt und die Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert. Seit 1984 vertritt er das Gebiet »Bibel und Naturwissenschaft« als Gastdozent an der »Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel)«. Seit 1966 ist er mit seiner Frau Marion verheiratet. Im September 1967 wurde Carsten und im April 1969 Rona geboren.

Homepage des Autors: www.wernergitt.de Dort befinden sich die Liste der Vortragstermine sowie zahlreiche Aufsätze, Bücher und Traktate in verschiedenen Sprachen zum Runterladen. Traktate (in über 65 Sprachen): »Wie komme ich in den Himmel?«, »Wer ist der Schöpfer?«, »Reise ohne Rückkehr«, »Was Darwin noch nicht wissen konnte«, »Krippe, Kreuz und Krone«, »Die Wunder der Bibel«, »und Er existiert doch«, »Die größte Einladung«.

Überarbeiteter Text, April 2017

 

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