Der Teich Siloah in Jerusalem

Nr. 252

Der Teich Siloah in Jerusalem

Der Name Jachweh im AT wird in Deutsch wiedergegeben, auf Hebräisch heißt er: Zidkenu.

Überarbeiteter Text, Mai 2017

 

Alle Bibelstellen sind aus der Schlachter Version entnommen

Der Teich Siloah liegt am südlichen Ende des Ophel und war ein Teich in Jerusalem, in den das Wasser der Gihon-Quelle über den Hiskia-Tunnel geleitet wurde, um die Wasserversorgung Jerusalems sicherzustellen.

Nach dem Bau des Hiskia-Tunnels trat der Teich Siloah an die Stelle der Gihon-Quelle. Die Anfänge des Teiches gehen vermutlich auf die Zeit Hiskias zurück. Der Wasserspeicher wurde später zu Jerusalems Hauptwasserquelle. In der Nähe ließen die biblischen Könige, eventuell auch schon König Salomon, einen Obstgarten anlegen wie in Nehemia 3,15 berichtet wird.

Wiederentdeckungen der Neuzeit

Der falsche Teich

Im Jahr 1839 wurde der Hiskia-Tunnel von dem US-Amerikaner Eduard Robinson entdeckt. 1911 wurde bei Renovierungsarbeiten der Ausgang des Hiskia-Tunnels freigelegt und mit einem Rundbogen versehen.

Am Ende des Hiskia-Tunnels floß das Wasser in ein ca. 15 Meter langes und mehr als fünf Meter breites Becken, zu dem man über eine Treppe hinabsteigt. Lange nahm man an, daß dieses Becken die späten Überreste des biblischen Siloah-Teiches bildete. Doch man hatte sich geirrt.

Die Ruinen an dieser Stelle waren nur Reste einer Kirche, die um 450 n.Chr. die Kaiserin Eudokia hier erbauen ließ. Es war die Stelle, an der Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) ein öffentliches Bad mit einer quadratischen Brunnenanlage von 22,5 m Seitenlänge errichten ließ. Die Kirche hatte eine Kuppel und zwei getrennten Wasserbecken und war »Unserem Retter, dem Illuminator (Erleuchter)« gewidmet. Im Jahr 614 zerstörten die Perser die Kirche. Geblieben sind nur einige Säulenstümpfe, die seitdem im Wasserbecken am Ende des Tunnels zu sehen sind.

Am oberen Treppenbeginn bauten Muslime um 1890 eine kleine Moschee, um die Neuerrichtung einer Kirche zu verhindern.

Der biblische Teich

Wo der biblische Teich Siloah aus herodianischer Zeit lag, wurde erst im Jahr 2004 klar.

Im Juni gruben die beiden israelischen Archäologen Ronny Reich und sein Kollege Eli Shukron im Bereich der Gihon-Quelle. Dabei beobachtete Shukron städtische Bauarbeiter, die weiter unten, in der Nähe des bisher bekannten byzantinischen Siloah-Teiches eine Abwasserleitung neu verlegten. Schließlich entdeckte er im Schutt zwei antike Stufen. Ronny Reich vermutete, dass es sich hierbei um die Stufen zum Siloah-Teich aus der Zeit der zweiten Tempelperiode handeln musste. Daraufhin wurde mit den Ausgrabungen begonnen.

Bisher konnte nur der nördliche Teil des Beckens ausgegraben werden. Es wird vermutet, daß das Becken eine Größe von ca. 70 x 80 Metern hatte. Form und Bauweise zeigen, daß es sich hierbei um ein jüdisches Ritualbad gehandelt hat.

Im Jahr 2008 wurde ein weiterer sensationeller Fund auf diesem Areal gemacht. Es wurde die Straße mit den antiken Treppenstufen entdeckt, die vom Teich von Siloah bis direkt zum Tempelberg hinaufführte.

Quellen: Wikipedia, Ethos, Factum 1/2006

Der biblische Bezug

Was aber mehr von Hiskia zu sagen ist, und alle seine großen Taten, und wie er den Teich und die Wasserleitung erbaute und das Wasser in die Stadt leitete, ist das nicht aufgezeichnet im Buch der Chronik der Könige von Juda? (2.Könige Kap.20,Vers 20)

Der Einfall des Königs von Assyrien

→vgl. 2.Könike Kap.18, Verse 13-37; Jesaja Kap. 36, Verse 1-22

Nach diesen Ereignissen und dieser bewiesenen Treue kam Sanherib, der König von Assyrien, und rückte in Juda ein und belagerte die festen Städte und gedachte sie zu erobern. Als aber Hiskia sah, daß Sanherib in der Absicht gekommen war, gegen Jerusalem zu kämpfen, da beschloß er mit seinen Obersten und seinen Kriegshelden, die Wasserquellen draußen vor der Stadt zu verstopfen; und sie halfen ihm. Und die Leute versammelten sich in großer Zahl und verstopften alle Quellen und den Bach, der mitten durch das Land fließt, und sprachen: Warum sollten die Könige von Assyrien viel Wasser finden, wenn sie kommen? Und er faßte Mut und baute die Mauer überall, wo sie eingerissen war, und erhöhte die Türme und baute draußen noch eine andere Mauer und befestigte den Millo der Stadt Davids. Auch machte er viele Wurfgeschosse und Schilde, und er setzte kriegstüchtige Hauptleute über das Volk und versammelte sie zu sich auf den Platz am Tor der Stadt, sprach ihnen Mut zu und sagte: Seid stark und mutig! Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor dem König von Assyrien noch vor dem ganzen Haufen, der bei ihm ist; denn mit uns ist ein Größerer als mit ihm! Mit ihm ist ein fleischlicher Arm, mit uns aber ist der Herr, unser Gott, um uns zu helfen und für uns Krieg zu führen! Und das Volk verließ sich auf die Worte Hiskias, des Königs von Juda. (2.Chronik Kap. 32, Verse 1-8)

Anmerkung: Der Bach Millo: d.h. ein nur zeitweise Wasser führendes Wadi. Gemeint ist der Bach Kidron.

Die Heilung eines Blindgeborenen

→ vgl. Jesaja Kap. 35, Vers 5; Jes 42,7; Mal 3,20; 2Kor 4,6

Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, so daß dieser blind geboren ist, er oder seine Eltern? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern; sondern an ihm sollten die Werke Gottes offenbar werden!

Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und machte einen Brei mit dem Speichel und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich im Teich Siloah (das heißt übersetzt: »Der Gesandte«)! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder. Die Nachbarn nun, und die ihn zuvor als Blinden gesehen hatten, sprachen: Ist das nicht der, welcher dasaß und bettelte? Etliche sagten: Er ist's! – andere aber: Er sieht ihm ähnlich! Er selbst sagte: Ich bin's! Da sprachen sie zu ihm: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete und sprach: Ein Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und bestrich meine Augen und sprach zu mir: Geh hin zum Teich Siloah und wasche dich! Als ich aber hinging und mich wusch, wurde ich sehend. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist er? Er antwortete: Ich weiß es nicht!

Verhör des Geheilten durch die Pharisäer

→ vgl. Matthäus 23,13; Johannes 10,37-38

Da führten sie ihn, der einst blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig machte und ihm die Augen öffnete. Nun fragten ihn auch die Pharisäer wieder, wie er sehend geworden war. Und er sprach zu ihnen: Einen Brei hat er auf meine Augen gelegt, und ich wusch mich und bin nun sehend! (Johannes Kap. 9, Verse 1-15)

Der Teich Siloah - Skizze der Anlage

Ruinen der byzantinischen Teichanlage aus dem 5.Jahrhundert. - Blickrichtung nach Westen

Ruinen der byzantinischen Teichanlage aus dem 5.Jahrhundert. - Blickrichtung nach Osten


Blick auf die Treppen des neutestamentlichen Teiches von Siloah - Blickrichtung nach Osten

Teile der alten Kanalanlage

 


Teile der alten Kanalanlage

 


Blick auf die Treppen des neutestamentlichen Teiches von Siloah - Blickrichtung nach Westen


Blick auf die Treppen des neutestamentlichen Teiches von Siloah - Blickrichtung nach Osten


Modellskizze des Herodianischen Teiches Siloah

 


Modellskizze des herodianischen Teiches Siloah samt der Treppenlage zum Tempelberg


Stufen, die vom Teich Siloah bis zum Tempelberg hinaufführen

 

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