Der letzte Brief des Judas, vor der Offenbarung

Der letzte Brief des Judas, vor der Offenbarung

Einleitung:

Etwa 68 n. Chr. wurde dieser Brief von Judas, dem Bruder des Herrn Jesus (vgl. Markus 6,3) geschrieben. Er weist viele inhaltliche Bezüge zum 2. Petrusbrief auf, den er als wichtiges zweites Zeugnis ergänzt (vgl. 2Kor 13,1). Er warnt eindringlich vor der Gefahr verführerischer Irrlehren in der Gemeinde und kennzeichnet das Wesen der heimlich eingedrungenen betrügerischen Lehrer und Propheten als Werkzeuge der Bosheit, die für das Gericht Gottes aufbewahrt sind. Vor solchen Verführern (vgl. Tit 1,10; 2.Joh 1,7) sollen alle Gläubigen sich hüten und für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen.

In [Klammern] gesetzte Wörter, ist Menschen Wort, und stehen nurmarlerweise nicht im Grundtext.

Die Bibel

Schlachter Version 2000

Judasbrief 1

 

Zuschrift und Gruß

Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, an die Berufenen, die durch Gott, den Vater, geheiligt und in Jesus Christus bewahrt sind: Barmherzigkeit, Friede und Liebe widerfahre euch mehr und mehr! (Judas Verse 1-2)

Ermahnung, für den überlieferten Glauben zu kämpfen

Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, daß ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist. (Judas Vers 3)

Das Eindringen von Verführern und das Gericht über sie

→2.Pt 2,1-9; Apg 20,29-30; 2.Kor 11,3-15; Offb 2,14-15.20-23

Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen. Ich will euch aber daran erinnern, obgleich ihr dies ja schon wißt, daß der Herr, nachdem er das Volk aus dem Land Ägypten errettet hatte, das zweitemal diejenigen vertilgte, die nicht glaubten, und daß er die Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verließen, für das Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter der Finsternis verwahrt hat; wie Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie diese die Unzucht bis zum äußersten trieben und anderem Fleisch nachgingen, nun als warnendes Beispiel dastehen, indem sie die Strafe eines ewigen Feuers zu erleiden haben. (Judas Verse 4-7)

Das frevlerische Verhalten der Verführer

→ 2.Pt 2,10-22; 2.Tim 3,1-9.13; Tit 1,10-16

Trotzdem beflecken auch diese in gleicher Weise mit ihren Träumereien das Fleisch, verachten die Herrschaft und lästern Mächte. Der Erzengel Michael dagegen, als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich! Diese aber lästern alles, was sie nicht verstehen; was sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere wissen, darin verderben sie sich. Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich um Gewinnes willen völlig dem Betrug Bileams hingegeben und sind durch die Widersetzlichkeit Korahs ins Verderben geraten! Diese sind Schandflecken bei euren Liebesmahlen und schmausen mit [euch], indem sie ohne Scheu sich selbst weiden; Wolken ohne Wasser, von Winden umhergetrieben, unfruchtbare Bäume im Spätherbst, zweimal erstorben und entwurzelt, wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist. Von diesen hat aber auch Henoch, der siebte nach Adam, geweissagt, indem er sprach: »Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, um Gericht zu halten über alle und alle Gottlosen unter ihnen zu strafen wegen all ihrer gottlosen Taten, womit sie sich vergangen haben, und wegen all der harten [Worte], die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.« Das sind Unzufriedene, die mit ihrem Geschick hadern und dabei nach ihren Lüsten wandeln; und ihr Mund redet übertriebene Worte, wenn sie aus Eigennutz ins Angesicht schmeicheln. Ihr aber, Geliebte, erinnert euch an die Worte, die im voraus von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus gesprochen worden sind, als sie euch sagten: In der letzten Zeit werden Spötter auftreten, die nach ihren eigenen gottlosen Lüsten wandeln. Das sind die, welche Trennungen verursachen, natürliche [Menschen], die den Geist nicht haben. (Judas Verse 8-19)

Ermunterung der treuen Gläubigen und Lobpreis Gottes

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist; bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. Und erbarmt euch über die einen, wobei ihr unterscheiden sollt; andere aber rettet mit Furcht, indem ihr sie aus dem Feuer reißt, wobei ihr auch das vom Fleisch befleckte Gewand hassen sollt. Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen. (Judas Verse 20-25)

********

Die Auslegung des Judasbriefes

1. Warnungen

Man hat vermutet, daß der Brief des Judas der letzte der inspirierten Briefe ist. Wie dem auch sei, er ist passend in den Kanon der Schrift genau vor dem Buch der Offenbarung aufgenommen worden; denn während Judas, durch das Wort Gottes, von der Verderbtheit und dem Abfall des christlichen Bekenntnisses spricht, sagt uns die Offenbarung das Gericht in allen seinen Einzelheiten voraus, das dann folgen muss.

Judas hatte seine Schreibfeder in die Hand genommen, um mit allem Fleiß über das gemeinsame Heil zu schreiben. Durch den Geist Gottes geleitet wurde er jedoch genötigt, über etwas bestimmtes Böses zu schreiben, das es sehr wichtig machte, daß Judas die Heiligen ermahnte, ernsthaft für den Glauben zu kämpfen.

Es gibt bekannte Übel – die Welt, das Fleisch und den Teufel – denen alle, die sich des gemeinsamen Heils erfreuen, zu allen Zeiten und an allen Orten ausgesetzt sind. Judas jedoch schreibt weder über das gemeinsame Heil noch von diesen bekannten Übeln. Er hat eine ganz bestimmte und außerordentlich schlimme Form von Bösem vor sich – die Verderbtheit der Christenheit (Namenschristen), die vorgeben sie sind Christen und sind es doch nicht, die durch ungöttliche Menschen inmitten des christlichen Kreises (Kirche oder Gemeinde) bewirkt wird.

Um eine klare Vorstellung dieses entsetzlichen Übels zu erhalten, wollen wir uns daran erinnern, daß der Apostel Johannes bereits von denjenigen geschrieben hatte, die von uns ausgegangen sind, aber sie waren nicht von uns, das heißt, sie sind unechte und betrügerische Arbeiter, die hauptsächlich in den Religionen und Kirchen zu finden & in Sekten sind (vgl. 1.Johannes 2,19; Apg 20,29-30; 1Kor 11,19; 2Pt 2,1). Auch Judas verfolgt die Spur des Bösen, von dem er zu solchen spricht, die nicht von uns sind, denn er sagt in Vers 4, daß sie Gottlose sind. Es besteht jedoch dieser wichtige Unterschied, daß die ungöttlichen Menschen (natürliche Menschen; vgl. Judas 1,19) , von denen Johannes spricht, von uns ausgegangen sind, während die Ungöttlichen, auf die Judas sich bezieht, sich eingeschlichen haben.

Im Ergebnis ist dieser Unterschied sehr groß. Wenn ungöttliche Menschen von uns aus [oder weg-] gehen, dann werden sie zu Feinden Gottes, der Wahrheit außerhalb des christlichen Bereiches d.h. nicht wiedergeborene Menschen, die den Geist Gottes nicht haben. Wenn sich die Ungöttlichen jedoch einschleichen, dann werden sie Verderber der Wahrheit innerhalb des christlichen Bereiches. Sich der Wahrheit zu widersetzen ist in der Tat ernst, sie zu verderben ist jedoch weitaus schlimmer, sie haben ein anderes Evangelium (Ökumene, Religion, Sekten) des Verderbens (vgl. 2.Kor 11,4; Gal 1,7-9).

Gerade von diesem besonderen und schlimmen Bösen schreibt Judas. Er legt dessen heimtückischen Beginn in den Tagen der Apostel bloß; ER (Jesus Christus) offenbart Ihm dessen tödlichen Charakter, verfolgt dessen bösen Verlauf durch die folgenden Zeitalter und sagt das überwältigende Gericht darüber beim Kommen des Jachwehs = Jesus Christus voraus. Das Weiterbestehen dieses Bösen durch die verschiedenen Haushaltungen hindurch beweist deutlich, daß die Verderbtheit innerhalb des christlichen Bereiches ein Übel ist, das keine Annahme von Licht gefangen nehmen, keine Erweckung kontrollieren und keine Reformation entfernen kann. Nur der Jahwe (Jesus Christus) kann damit bei Seinem Kommen damit fertig werden und auch schon zuvor. Denn Gott weiß alles und das schon im Voraus, bevor es geschieht.

Der Beginn dieses Übels  (Judas Vers 4)

Die Verderbtheit innerhalb des christlichen Bereiches begann durch bestimmte Menschen, die sich eingeschlichen haben, in der Christenheit. Daß sie sich eingeschlichen haben, zeigt deutlich, daß sie die Heiligen durch ein gutes Bekenntnis und einen guten äußeren Anschein verführt haben. Sie bezeugten, Christen zu sein, und wurden so als wahre Gläubige aufgenommen. In der Tat erschienen die Diener Satans als Diener der Gerechtigkeit. Auch dieses Böse begann schon in den apostolischen Tagen, denn Judas warnt uns nicht einfach vor dem Bösen, das in den letzten Tagen kommen würde, sondern vor dem Bösen, das in seinen Tagen schon gegenwärtig war. Paulus hatte gesagt:

Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft. (Apostelgeschichte Kap. 20, Verse 29-30)

Als Judas schreibt, waren diese reißenden Wölfe jedoch bereits dabei, ihr ruchloses Werk zu vollbringen (denken Sie z.B. Nero). Daher sagt Judas nicht, daß gewisse Menschen kommen würden, sondern daß sie sich eingeschlichen haben. Nachdem Judas somit den Beginn des Bösen beschrieben hat, kommt er zu dem Charakter des Bösen.

Der Charakter dieses Übels (Judas Verse 4-10)

Wir haben gesehen, daß die Menschen, die die Verderbtheit hineinbrachten, in der Tat "Ungöttliche" waren, wie ansehnlich sie auch immer äußerlich waren. Der Charakter ihrer Gottlosigkeit war zweifach:

  • Sie verkehrten die Gnade Gottes in Ausschweifung. In dem Brief an Titus lernen wir, daß Gnade das Prinzip ist, nach dem Gott den Menschen rettet, und durch das Er den Gläubigen belehrt, Gottlosigkeit und weltliche Begierden zu verleugnen sowie besonnen, gerecht und gottselig in diesem jetzigen Zeitlauf zu leben (Titus 2,11-12; vgl. Mt 23,14; 2Tim 3,6; Jer 8,10; Mt 16,26; 1Tim 6,5; Röm 16,18). Das große Prinzip, durch das Gott den Menschen von der Sünde befreit und ihn belehrt, besonnen zu leben, wird von diesen ungöttlichen Menschen als Gelegenheit benutzt, das Fleisch zu befriedigen und den Begierden nachzugehen. Zugleich halten diese Menschen ein gutes Bekenntnis aufrecht und bewegen sich weiter in dem christlichen Bereich.
  • Sie verleugnen unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus. Das ist das Ablehnen jeglicher Autorität. Sie verleugnen nicht den Namen Christi, aber sie wollen sich nicht Seiner Autorität unterordnen. Sie verleugnen unseren alleinigen Gebieter. Das ist Gesetzlosigkeit, und Gesetzlosigkeit ist die Entschlossenheit, den eigenen Willen zu tun.

So finden wir hier die zwei großen Eigenschaften dieses verdorbenen Bösen – Begierde und Gesetzlosigkeit. Notwendigerweise führt die Begierde zur Gesetzlosigkeit, denn der Mensch, der entschlossen ist, seine Begierde zu befriedigen, wird auf jede Einschränkung unwillig reagieren. Wer kann leugnen, daß das, was heute auf der Erde den Namen Christi trägt, durch Begierde und Gesetzlosigkeit gekennzeichnet ist? Natürlich mag das Böse die unterschiedlichsten Formen annehmen und sich in sehr unterschiedlichen Abstufungen äußern, aber überall offenbart sich in steigendem Ausmaß ein Geist des Eigenwillens und der Hemmungslosigkeit, verbunden mit einem Geist der Auflehnung, der sich gegen jede Autorität richtet (z.B. Regierung und Streiks).

Darüber hinaus beschreibt Judas nicht nur den Charakter des Bösen, sondern zeigt ebenso, was es zur Folge hat und wohin es führt. Das Böse hat die Hoffnungslosigkeit des Abfalls zur Folge und führt zu überwältigendem Gericht. Um zu beweisen, daß dies ohne jede Frage so ist, ruft Judas drei schreckliche Beispiele aus der Geschichte dieser Welt in Erinnerung:

  • Zuerst erinnert er uns an diejenigen, die aus dem Land Ägypten gerettet worden waren, dann aber in der Wüste vertilgt wurden. Was war das Geheimnis ihres Untergangs? Begierde und Gesetzlosigkeit. Sie lüsteten nach den Dingen Ägyptens und lehnten sich gegen Gott auf, und sie hatten keinen Glauben, obwohl sie die Wunder Gottes sahen (Judas Vers 5; vgl. Hebr 3,17-19; Ps 106,21-26).
  • Dann spricht Judas von den Engeln, die ihren ersten Zustand nicht bewahrt haben. Dieser Vers bezieht sich nicht auf den Fall Satans und seiner Engeldämonen, denn wie wir gut wissen, befinden sie sich zurzeit nicht in Ketten. Vielmehr ist ihnen erlaubt, auf dieser Erde hin und her zu wandern. An dieser Stelle handelt es sich um einen zweiten Fall von Engeln, auf den vermutlich in 1.Buch Mose Kap. 6, Verse 2.4 hingewiesen wird. Das Geheimnis von Satans Fall war Hochmut, durch den er sich selbst bis zum Thron Gottes erhöhen wollte. Das Geheimnis dieses zweiten Falles von Engeln war Begierde, durch die sie ihre eigene Behausung verließen und ihren ersten Zustand nicht bewahrten (Judas Vers 6).
  • Schließlich ruft uns Judas die dunkle Geschichte von Sodom und Gomorra in Erinnerung, Städte, die sich selbst der Begierde und Gesetzlosigkeit & Sodomie hingaben (Judas Vers 7; vgl. Lk 17,28-29; 1Mo 18,20-21; 19,13.24-25; Hes 16,49-50).

In Verbindung mit diesen drei Beispielen tun wir gut daran, uns einiger Tatsachen zu erinnern:

  • Jedes dieser Übel beruhte in der einen oder anderen Weise auf einer Begierde.
  • Das Bemühen, diese Lust zu befriedigen, führte zur Rebellion gegen die Autorität Gottes.
  • Rebellion gegen Gott brachte das Verlassen der Stellung mit sich, in die Gott die jeweiligen Personen gestellt hatte. Das ist Abfall.
  • In jedem Fall brachte Abfall überwältigendes Gericht mit sich. Für einen abgefallenen Menschen, einen Abtrünnigen, gibt es keine Hoffnung. Sondern nur ein schreckliches warten, auf das Gericht (Hebräer 10,27).

Israel fiel in Lüste und rebellierte gegen Gott. So verließen sie ihre Stellung der äußeren Beziehung mit Gott, in die sie gestellt worden waren. Das war Abfall und führte zu ihrem Gericht – sie wurden zerstreut. Die Engel lüsteten und verließen ihre Position als Engel, in die Gott sie gestellt hatte. Auch das war Abfall, so daß sie als Folge dem Gericht ausgesetzt sind – zum Gericht des großen Tages mit ewigen Ketten unter der Finsternis verwahrt (Judas 1,6; vgl. 2Pt 2,4). Sodom und Gomorra lüsteten und verließen die natürliche Ordnung, die Gott festgesetzt hatte. Auch dies war Abfall, der sie der Strafe des ewigen Feuers aussetzt.

Wie außerordentlich ernst ist doch die Warnung durch diese schrecklichen Beispiele! Wie laut verkündigen sie, daß die Verderbtheit und Rebellion, die das große christliche Bekenntnis heute kennzeichnen, zu dem hoffnungslosen Grauen des Abfalls führen – dem vollständigen Verlassen der christlichen Stellung. Für Abfall gibt es weder eine Heilung noch ein Heilmittel. Vor der verderbten Christenheit liegt nichts als nur das lange vorhergesagte Gericht beim Kommen des Herrn Jesus Christus mit den Tausenden seiner Heiligen.

Judas überlässt es nun nicht uns, eine Anwendung dieser drei Beispiele vorzunehmen, denn die angeführten Tatsachen wendet er selbst auf die Verderber der Christenheit an (Judas Verse 8-10). Auch sie sind durch die Begierden des Fleisches gekennzeichnet. Da sie sich nicht durch die Offenbarung Gottes regieren lassen, sind sie vernarrt in ihre unanständigen Träume, die das Fleisch verunreinigen. Auch sie sind durch Gesetzlosigkeit gekennzeichnet. In der ehrgeizigen Verfolgung ihrer Träume lehnen sie sich gegen jede Autorität auf; wie dort gesagt wird, daß sie die Herrschaft verachten und Herrlichkeiten lästern. Als rein natürliche Menschen können sie nichts von den Dingen Gottes verstehen, denn niemand weiß, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes (1.Kor 2,11). Von den Dingen, die sie nicht kennen, sprechen sie in übler Weise, und in den Dingen, die sie auf natürliche Weise kennen, verderben sie sich selbst, denn wie jemand zurecht gesagt hat: Der Mensch kann nicht wie ein Tier werden, ohne sich weit unter das Tier zu erniedrigen; und das, was in dem Tier einfach die Abwesenheit eines moralischen Elementes bezeugt, wird in dem Menschen die Gegenwart eines unmoralischen Elementes beweisen.

Hier finden wir somit alle Elemente, die die verderbte Christenheit kennzeichnen. Schmutzige Träume anstelle der Offenbarung Gottes; einen verunreinigten Körper anstatt diesen zur Verherrlichung Gottes zu nutzen; Verachtung von Herrschaft, anstatt Unterwerfung unter die Autorität Christi; Lästerung von Herrlichkeiten anstelle von geziemender Anerkennung; übles Reden über geistliche Dinge und Verderbtheit in natürlichen Dingen. Das ist das ernste Bild, das Judas nicht von einem degradierten Heidentum, sondern von einer zivilisierten Christenheit zeichnen muss. Für diesen Zustand kann es nur ein Ende geben. Bevor Judas jedoch dieses schreckliche Ende beschreibt, stellt er in einigen kurzen Sätzen die weitere Entwicklung des Bösen vor.

Die Entwicklung des Übels (Judas Verse 11-13)

Judas stellt uns auf lebendige Weise die Entwicklung des Übels anhand von drei weiteren Illustrationen vor, die er aus dem Alten Testament nimmt. Indem er die Geschichte Kains in Erinnerung bringt, ruft er über die Verderber der Christenheit aus: Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich um Gewinnes willen völlig dem Betrug Bileams hingegeben und sind durch die Widersetzlichkeit Korahs ins Verderben geraten!

Der Weg Kains war der Weg der natürlichen Religion. Kain war ein religiöser Mann, aber seine Religion war gemäß den Gedanken des gefallenen Menschen und nicht gemäß der Offenbarung Gottes. Seine natürliche Religion führte ihn dahin, die Sünde zu verniedlichen, die Vorsorge Gottes, wie der Sünde begegnet werden kann, zu verachten, Gott auf der Grundlage seiner eigenen Werke zu nahen und das wahre Kind Gottes zu verfolgen.

Aufgrund des Verderbens durch ungöttliche Menschen ist leider die große Masse der bekennenden Christenheit den Weg Kains gegangen. Die populäre Religion unserer Tage ignoriert die Offenbarung Gottes und nimmt keine Kenntnis davon, was Sünde in den Augen Gottes ist. Sie behandelt den Sündenfall als reinen Mythos und sieht, da sie den Fall des Menschen leugnet, keine Notwendigkeit für Sühnung. Da sie das Sühnungswerk Christi abweist, fällt sie natürlicherweise darauf zurück, die Werke des Menschen als Grundlage für die Annahme bei Gott anzusehen. Zudem hat sie nur große Verachtung und besonderen Haß für alle die übrig, die sich auf die Offenbarung Gottes stützen, sich auf das Sühnungsblut als ihr einziges Heilmittel stützen und den Herrn Jesus Christus in Aufrichtigkeit und Wahrheit lieben. Über alle diejenigen jedoch, die dem Weg Kains folgen, ruft Gott das Wehe ihnen! –  aus.

Judas fährt fort, indem er auf die Geschichte eines der verdorbensten Menschen des Alten Testamentes anspielt. Er sagt von diesen Verderbern, daß sie sich für Lohn dem Irrtum Bileams hingegeben haben. Dieser hoffnungslos böse Mann wurde von seinen Begierden regiert. Indem er den Gewinn suchte, wollte er aus dem Volk Gottes gleichsam eine Ware machen. Er war sogar bereit, Falsches über das Volk auszurufen, wenn er dadurch Lohn erhalten hätte. Dies ist zurecht das kirchliche Böse genannt worden, denn wie viele gibt es, die eine hohe offizielle Stellung in der bekennenden Kirche innehaben, um damit Handel mit dem Volk Gottes zu treiben und bereit sind, Falsches zu lehren, um dafür eine Belohnung zu erhalten. Dieses Böse findet seinen großen Höhepunkt in dem verderbten System Roms, das durch den Handel mit Gold und durch jede auserlesene und kostbare Sache gekennzeichnet ist, die das Herz des Menschen begehren kann, von Gold und Silber und wertvollen Steinen bis hin zu Menschenseelen. Wenn die bekennende Kirche mit der Wahrheit Gottes Handel treiben kann, dann wird sie auch nicht davor zurückschrecken, Tauschhandel mit den Seelen der Menschen zu betreiben (Offenbarung 18,12-13). Das ist die moderne Wiederholung des Irrtums Bileams.

Schließlich sagt Judas von diesen Verderbern, daß sie in dem Widerspruch Korahs umgekommen sind. Die Sünde Korahs war zweifältig; auf der einen Seite rebellierte er öffentlich gegen Mose und Aaron, indem er sagte: Laßt es genug sein! Warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Jachwehs? Auf der anderen Seite war er nicht mit seiner eigenen Stellung zufrieden und wollte sich widerrechtlich den Platz priesterlicher Fürbitte aneignen, der allein Aaron zustand (4.Buch Mose 16,1-3.9-10). Er wollte Mose und Aaron auf den Status der Gemeinde Israel erniedrigen, sich selbst jedoch auf die Stellung Aarons erhöhen.

Wie klar und deutlich ist doch die moderne Antwort auf den Widerspruch Korahs. Von Kanzel und Presse, von Tagungen und Konferenzen steigt eine nicht aufhörende Flut von Rebellion gegen den Christus Gottes herauf, die verbunden ist mit der Erhöhung des Menschen. Christus wird auf den Stand des gefallenen Menschen erniedrigt, der Mensch jedoch auf die Höhe Gottes erhöht. Untreue religiöse Menschen, die sich als Christen verkleiden, wagen zu sagen, daß man aus Christus zu viel gemacht hat, während sie für den Menschen Rechte und Ehren beanspruchen, die nur Christus zustehen. Diese Rebellion gegen Christus, verbunden mit der Erhöhung des Menschen, ist genau der Kern des Abfalls und wird in der Erscheinung des großen Abtrünnigen, des Menschen der Sünde enden:

Laßt euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muß unbedingt zuerst der Abfaff kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt.  (2.Thess 2,3-4)

Dies ist der schreckliche Verlauf des Bösen, durch das die Christenheit verderbt wird. Es beginnt mit dem Weg Kains – oder der Religion, die, Offenbarung ignorierend, gemäß des natürlichen Herzens des Menschen gebildet wird – und führt zu dem Irrtum Bileams, durch den Religion zum Handel wird; das Böse endet in dem Widerspruch Korahs, also in dem Abfall.

Judas benutzt nun vielfältige Metaphern (Bilder), um seine Abscheu gegenüber diesen bösen Verderbern der bekennenden Kirche auszudrücken. Sie sind gesunkene Schandflecken (siehe die Anmerkung in der Schlachter Version in Vers 8), die zu Schiffbruch führen; Wolken, die die Aussicht auf erfrischende Regenschauer geben, in Wirklichkeit jedoch ohne Wasser und damit jedem Wind ausgeliefert sind; Bäume, die eine gewisse Zeit einen guten Eindruck machen, aber keine Frucht bringen, weil sie zweimal erstorben sind (durch Natur und Bekenntnis); am Ende werden sie entwurzelt; wilde Meereswogen, die eine große Demonstration von Macht abgeben, in Wirklichkeit jedoch schäumen sie Dinge aus, die zu ihrer Beschämung sind; Irrsterne, die mit einem kometenhaften Leuchten für eine Zeit erscheinen, jedoch nur, um in das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit zu wandern.

So geht Judas über Land, See und Himmelsgestirne, um Bilder zu finden, mit denen er dieses furchtbare Übel entlarven und verurteilen kann. Niemand sollte allerdings aufgrund dieser eindrucksvollen Bilder denken, daß diejenigen, die dadurch repräsentiert werden, in den Augen der Menschen Ungeheuer der Ungerechtigkeit sind. Sie erscheinen vielmehr als Engel des Lichts und Diener der Gerechtigkeit, die in Gesellschaft mit Christen Festessen halten und sich selbst ohne Furcht weiden. Das zeigt einerseits, daß sie selbst kein Gewissen haben, andererseits, daß die "Christen" ihren wahren Charakter nicht erkennen.

Nachdem wir nunmehr den Charakter und die Quelle dieses großen Übels kennengelernt haben, wird uns abschließend gestattet, das Gericht des Bösen zu sehen.

Das Gericht des Übels (Judas Verse 14-16)

Für jemanden, der in Sünde fällt, gibt es einen Weg der Wiederherstellung. Für einen Abtrünnigen gibt es nichts als ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichtes und den Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird (Hebräer 10,27). Abfall endet in dem zerschmetternden Gericht, wie es durch Henoch vorhergesagt wurde und erfüllt werden wird, wenn der Herr Jesus Christus mit den Tausenden Seiner Heiligen kommen wird. Als Henoch damals von einer Welt Ungöttlicher umgeben war, schaute er danach aus, in den Himmel aufgenommen zu werden und sagte das kommende Gericht voraus. Erneut befindet sich das Volk des Jachwehs heute von den Ungöttlichen umgeben und schaut danach aus, dem Herrn Jesus Christus in der Luft zu begegnen. Es weiß, daß Gericht auf die abtrünnige Christenheit fallen muß.

An jenem Tag werden nicht nur die Werke der Gottlosigkeit ihren wahren Lohn erhalten, sondern auch all die harten Worte, die gottlose Sünder gegen Ihn geredet haben. Seit den Tagen der Apostel bis hin zu diesen letzten, abschließenden Tagen ist die Person Christi durchgehend Gegenstand des Angriffes ungöttlicher Verderber inmitten der Kirche gewesen. Aber keine harten Worte gegen Ihn sind in Vergessenheit geraten. An alle wird erinnert werden und alle werden nur deshalb wieder in Erinnerung gerufen, um in Gericht auf diejenigen zurückzufallen, die so leichtfertig meinten, über den Sohn Gottes Gericht sitzen zu können.

Diejenigen jedoch, die Christus erniedrigten, haben immer zugleich den Menschen erhöht. Wenn sie harte Worte gegen den Christus Gottes geredet haben, dann haben sie ebenso stolze Worte über sündige Menschen ausgesprochen. Die Herabwürdigung Christi ist immer mit der Verherrlichung des Menschen verbunden. Zudem verbirgt sich hinter den harten Worten gegen Christus immer ein niedriger Lebenswandel. Solche sind Murrende, mit ihrem Los Unzufriedene, die nach ihren Begierden wandeln. Begierde ist das wahre Geheimnis der Feindschaft gegen Christus und der Verherrlichung des Menschen.

Harte Worte gegen den Christus Gottes müssen die gerechte Entrüstung wahrer Kinder Gottes hervorrufen. Und doch können sie die Urheber dieser harten Worte größtenteils mit stiller Missachtung strafen, indem sie wissen, daß die Zeit bald kommen wird, wenn mit allem im Gericht gehandelt wird. Das unehrerbietige Behandeln der Offenbarung Gottes, die gottlose Verdrehung göttlicher Wahrheiten und die Lästerung gegen die Person und das Werk Christi, sei es durch sogenannte höhere Kritiken, religiöse Ungöttliche oder ruchlose Professoren sind von dem heiligen Gott nicht übergangen worden. Über Jahrhunderte hat Er Schweigen bewahrt und in langmütiger Geduld getragen, während der Mensch immer stolzer in seiner Rebellion geworden ist und den Zorn auf den Tag des Zorns angehäuft hat. Schließlich wird jedoch jedes „harte Wort“ seine zerschmetternde Antwort erhalten, und jeder Widersacher wird zum Schweigen gebracht und verurteilt, denn:

Von diesen hat aber auch Henoch, der siebte nach Adam, geweissagt, indem er sprach: »Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, um Gericht zu halten über alle und alle Gottlosen unter ihnen zu strafen wegen all ihrer gottlosen Taten, womit sie sich vergangen haben, und wegen all der harten [Worte], die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.« (Judas Vers 14-15)

Überarbeiteter Text, von Ricardo P. April 2017

*******

Der Judasbrief

Autor: Hamilton Smith

2. Ermutigungen

Wenn die Warnungen dieses kurzen Briefes auch außerordentlich ernst sind, so ist seine Ermutigung doch sehr wertvoll. In dem ersten Vers werden die Heiligen als Berufene, Geliebte und Bewahrte angesprochen. Weder die Verderbtheit der Christenheit noch die Fehler der Heiligen können die Ratschlüsse Gottes vereiteln.

Denn Gottes Gnadengaben und Berufung können ihn nicht reuen. (Römer 11,29)

Wie dunkel auch der Tag sein mag, so gibt es doch solche, die nach dem ewigen Ratschluss Gottes berufen worden sind, und die Er als Gegenstände Seiner unwechselbaren Liebe berufen hat. Und diejenigen, die Er liebt, sind die Gegenstände Seiner bewahrenden Sorge. Das spricht eher davon, was Gott für die Heiligen ist, als von dem, was die Heiligen für Gott sind. Gott hat uns berufen; Gott liebt uns; Gott bewahrt uns. So wird hier das, was Gott für Sein Volk ist, als die bleibende und alleinige Grundlage für den Segen und die Sicherheit der Seinen dargestellt. Später wird Judas uns in der Tat hinsichtlich unserer Verantwortlichkeiten ermahnen, aber wie immer unter der Gnade erwerben wir einen Platz des Vorrechtes nicht dadurch, daß wir unserer Verantwortung entsprechen – was unsere gesetzlichen Herzen denken mögen. Vielmehr ist unsere Verantwortung eine Folge davon, daß wir in den Platz von Vorrechten gebracht worden sind.

Hätten wir nicht die Berufung Gottes, die Liebe Gottes und die bewahrende Sorge Gottes, so würden alle in das Verderben hineingezogen, das überall überhand nimmt. Die Segnungen der Barmherzigkeit, des Friedens und der Liebe können immer noch genossen werden, wie dunkel auch der Tag sein mag. Aber sie können nicht nur genossen, sondern sogar vermehrt werden. Wenn das Böse überhand nimmt und sich Schwierigkeiten vermehren, dann werden:

Barmherzigkeit, Friede und Liebe widerfahre euch mehr und mehr! (Judasbrief Vers 2)

Nachdem uns Judas an unsere Vorrechte erinnert hat, fährt er fort, uns hinsichtlich der Gedanken Gottes für Sein Volk, das sich inmitten überfließender Verderbtheit befindet, zu belehren. Wie dunkel auch die Tage sein mögen, Gott hat einen Weg für Sein Volk. Zunächst werden wir ermahnt zu kämpfen.

Kampf (Judasbrief Vers 3)

Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, daß ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist. (Judas Vers 3; vgl. Apg 15,8-9; Tit 1,4; Phil 1,27; 1Tim 1,8; 2Tim 1,13-14; Eph 6,12; Phil 4,3; 1Tim 6,12; 2Tim 4,7)

Wir müssen ernstlich für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen. Der Glaube an das Evangelium und an den eingeborenen Sohn Gottes, Jesus Christus, von dem Judas spricht, ist nicht der persönliche Glaube, durch den wir errettet werden, sondern das, was geglaubt werden soll – die Wahrheit. Wenn Irrtum vorherrscht und sich Widerstand regt, dann genügt es nicht, daß wir die Wahrheit darlegen, sondern wir müssen für sie kämpfen. Das beinhaltet Konflikt, aber wenn Christus angegriffen wird und die Wahrheit auf dem Spiel steht, dann dürfen wir nicht unter dem Vorwand christlicher Nächstenliebe davor zurückschrecken, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen.

Zudem geht es um den Glauben, für den wir zu kämpfen haben, und damit ist die Wahrheit in ihrem ganzen Umfang gemeint. Wir sollen nicht einfach für irgendeinen Teil der Wahrheit kämpfen. Das ist tatsächlich oft geschehen mit dem Ergebnis, daß die Wahrheit als Ganzes verloren ging. Dadurch sind Sekten & falsche Religionen entstanden, die einen speziellen Aspekt der Wahrheit betonen wie z.B. die Heiligkeit, die Gegenwart des Geistes, die Einheit der Kirche oder das Kommen des Herrn.

Auch lasst uns beachten, daß der Glaube, für den wir zu kämpfen haben, der einmal den Heiligen überlieferte Glaube ist. Das Wort einmal hat die Bedeutung von ein für allemal. Es lässt keine Hinzufügung, keine Veränderung oder Entwicklung zu. Es gibt keine neue Überlieferung der Wahrheit für die Heiligen.

Sie ist ihnen ein für allemal überliefert worden. Wir mögen noch viel über die Wahrheit zu lernen haben. Gott mag uns neues Licht über die Wahrheit, die längst offenbart ist, gewähren – wir sollten in unserer Wertschätzung für die Wahrheit wachsen. Aber die Wahrheit selbst ist ein für allemal den Gläubigen überliefert worden. Und dafür sollten wir kämpfen. Es geht hier nicht um die Wahrheit, wie sie in gewissem Ausmaß von unseren Vätern festgehalten wurde, oder wie sie durch Tradition weitergegeben wurde, oder wie ihr durch Glaubensbekenntnisse eine bestimmte Form gegeben wurde, oder wie sie durch falsche Belehrung verdunkelt wurde, sondern es geht um den einmal den Heiligen überlieferten Glauben in genau der Form, in der er überliefert worden ist.

Zudem ist es gut festzustellen, daß wir nicht aufgerufen sind, gegen den Irrtum zu kämpfen. Viele ernsthafte Seelen haben das getan und so Kreuzzüge gegen eklatante Irrtümer durchgeführt. Es gibt in der Tat Gelegenheiten, in denen der Kampf für die Wahrheit das Entlarven von Irrtum notwendig macht. Die große Aufgabe des Volkes Gottes ist jedoch die Wahrheit und nicht der Irrtum. Judas fordert nicht auf, ernstlich den Irrtum bloßzulegen, sondern für den Glauben zu kämpfen, an Christus Jesus.

Wenn wir so für die Wahrheit einstehen, dann gibt es ein weiteres Wort, das von Judas benutzt wird, und wir tun gut daran, es zu betonen: In Vers 17 spricht er das Erinnern an.

Erinnerung (Judas Verse 17-19)

Ihr aber, Geliebte, erinnert euch an die Worte, die im voraus von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus gesprochen worden sind, als sie euch sagten: In der letzten Zeit werden Spötter auftreten, die nach ihren eigenen gottlosen Lüsten wandeln. Das sind die, welche Trennungen verursachen, natürliche [Menschen], die den Geist nicht haben. (vgl. Röm 8,5-9; 1Kor 2,14; Jak 3,15)

Wie außerordentlich wichtig ist es dann, daß wir uns genau der Worte erinnern, in denen uns die Wahrheit durch die Apostel überliefert worden ist. Die sogenannte Höhere Kritik mag die apostolischen Worte in Frage stellen, Theologen mögen ihre Worte herabsetzen, aber das Wort selbst sagt, daß wenn ein Mensch geistlich ist, er anerkennen wird, daß die durch die Apostel geschrieben Dinge ein Gebot des Jahwes sind (1.Kor 14,37). Zudem ist die Unterwerfung unter die apostolische Belehrung der große Test, der beweist, welcher Geist aus einem Menschen spricht:

Wir sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. (1Joh 4,6; vgl. Joh 8,47; 10,25-26)

Natürlich geht es hier besonders um die prophetischen Warnungen, an die wir uns erinnern sollen. Welch ein Trost, daß wir nicht ohne Warnung vor dem schrecklichen Bösen gelassen wurden. Henoch weissagte von dem Übel. Die Apostel warnten uns davor. Während wir somit nicht anders können, als über die Verderbtheit zu trauern, gibt es keinen Grund, überrascht oder entmutigt zu sein. Vielmehr sollte sich unser Glaube durch die Erfüllung der apostolischen Worte bestätigt fühlen.

Die prophetischen Worte der Apostel bestätigen die Warnungen von Judas. Auch sie haben uns vor dem Erscheinen von Menschen in den letzten Tagen gewarnt, die mit göttlichen Dingen spielen und durch ihre eigenen unheiligen Begierden bestimmt würden. Solche verbinden sich zwar von ihrem Namen her mit dem Volk Gottes, wandeln jedoch in Wirklichkeit abgesondert von ihm und haben keine Gemeinschaft mit ihm. Sie sind natürliche Menschen, die den Geist Gottes nicht besitzen. Sie mögen auffallende Plätze auf den Kanzeln der Christenheit einnehmen, aber – wie jemand gesagt hat – sie verspotten den einfältigen Glauben ihrer Vorväter, predigen eine sogenannte Ethik anstelle von Christus.

Zugleich versuchen sie in jeder möglichen Weise, die Inspiration der Schriften und die Wahrheiten des Christentums zu untergraben.

Wenn wir aufgefordert werden, für den Glauben zu kämpfen, dann werden wir weiterhin in Judasbrief Vers 20 an die persönliche Erbauung erinnert.

Erbauung (Judasbrief Vers 20-21)

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist; bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. (vgl. Kol 2,7; Hebr 13,7; 1Joh 5,4; Eph 6,18; Joh 14,21; 1Joh 2,5; Tit 2,13; 1Pt 1,13)

Wir können nicht richtig für den Glauben kämpfen, wenn wir uns nicht selbst auf unseren allerheiligsten Glauben erbauen. Wir sind nicht dazu aufgerufen, uns in allen unterschiedlichen Formen, die das Böse annehmen kann, zu bilden. Wir werden dem Bösen nicht einfach dadurch widerstehen können, daß wir das Böse kennen. Wir können dem Irrtum nur dann richtig begegnen, wenn wir in der Wahrheit befestigt sind. Zudem handelt es sich bei unserem Glauben um den allerheiligsten Glauben. Daher werden wir durch die Erbauung auf den Glauben nicht einfach eine tiefere Kenntnis der Wahrheit erlangen, sondern wir werden zunehmend befestigt in der Wahrheit. Es hat eine heilige und heiligende Auswirkung auf unsere Seelen, indem es zu einer deutlicheren Absonderung von dem Übel führt, das uns umgibt (Johannes 17,17). Darüber hinaus hat Judas die Erbauung mit der Wichtigkeit des Gebetes verbunden.

Gebet (Judas Vers 20)

Damit das Gebet wirksam wird, muß es sich um ein Gebet   im Geist und in der Wahrheit – handeln (Joh 4,23-24). Es wird heutzutage viel über das Gebet gesagt, aber wir müssen wohl einmal still stehen und fragen: Ist es ein Gebet im Heiligen Geist? Zwei Dinge werden ein solches Gebet kennzeichnen. Es wird ein Gebet in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes sein, wie sie in Seinem Wort offenbart sind, und es wird Christus und Seine Interessen zum Gegenstand haben.

Der Heilige Geist kann unmöglich auf einen Weg leiten, der im Widerspruch zum Wort Gottes steht, und Er hat immer Christus vor sich. Der große Auftrag des Heiligen Geistes in der Welt ist, Christus zu erhöhen. Er ist nicht gekommen, um diese Welt, die den Sohn Gottes hinausgeworfen hat, zu einer angenehmen, anständigen und fröhlichen Welt zu machen.

Er ist hier, um ein Volk aus dieser Welt heraus für Christus zu nehmen. Das Erbauen wird also zum Gebet führen. Je größer unser Eifer ist, mit dem wir uns selbst auf unseren allerheiligsten Glauben erbauen, um so besser werden wir in der Lage sein, im Heiligen Geist zu beten, und desto mehr werden wir uns der Notwendigkeit bewusst sein, im Heiligen Geist zu beten. Das Beten im Heiligen Geist führt dann zu einer weiteren Übung, die durch das Wort Erhalten ausgedrückt wird.

Erhalten (Judas Vers 21)

Bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.

Das Gebet im Heiligen Geist führt die Seele in eine enge Verbindung mit Gott, und eine solche enge Beziehung mit Jesus Christus bedeutet, auf bewusste Weise Seine Liebe zu genießen, denn Gott ist Liebe. Als Christen stimmen wir alle darin überein, daß Gott uns liebt. Es ist jedoch eine andere Sache, in dem Bewusstsein Seiner Liebe zu leben. Was aber ist wichtiger und gesegneter, als in dem ständigen Bewusstsein zu leben, daß wir von Gott geliebt sind?

Die religiöse Welt – Kains Welt – mag uns hassen; manche in Gottes geliebtem Volk mögen uns missverstehen, aber Gott liebt uns. Umstände mögen schwierig sein, Leiden mögen sich anhäufen, und das Böse überhand nehmen. Wenn wir uns jedoch in der Liebe Gottes erhalten, dann werden wir keinem dieser Dinge erlauben, die herrliche Tatsache in Frage zu stellen, daß die Liebe Gottes, die in Christus zum Ausdruck kommt, durch die geöffneten Himmel auf uns herabströmt.

Genau dann, wenn wir in der Liebe Gottes erhalten werden, dann werden wir auch von der Liebe der Welt befreit (1Joh 2,15) und in der Liebe mit den Gläubigen bewahrt werden (1Joh 5,1) sowie in Liebe zu dem Sünder hinausgehen  (2Kor 5,14).

Zudem wird diese Liebe nicht zufrieden sein, bis wir bei Christus und Christus gleich sind. Dann wird Gott in der Tat in Seiner Liebe ruhen (siehe die Anmerkung in Zephanja 3,17) und über uns frohlocken mit Jubel. Dies führt zu einer weiteren Übung, die uns durch das Wort erwarten vorgestellt wird.

Erwarten (Judasbrief Vers 21)

Wenn wir uns in der Liebe Gottes erhalten, dann werden wir die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwarten zum ewigen Leben. Barmherzigkeit über Barmherzigkeit stillt unsere Bedürfnisse bei jedem Schritt unseres Weges über diese Erde. Die krönende Barmherzigkeit wird uns jedoch aus diesem Schauplatz der Not herausnehmen, um dem Jahwe in der Luft zu begegnen und in die Fülle des Lebens in der ewigen Heimat des Lebens einzutreten. Auf der Erde mögen wir von dieser Herrlichkeit einen Blick erhascht und einen gewissen Geschmack ihrer Süßigkeit genossen haben, im Himmel werden wir jedoch ihre Fülle erfahren.

Erbauung, Gebet, Erhalten und Erwarten drücken die voneinander abhängigen Übungen aus, durch die die Seele inmitten einer vorherrschend verderbten Christenheit bewahrt wird. Solche Übungen sind allerdings überwiegend persönlicher Art. Dies bedeutet jedoch nicht, daß wir nur an uns denken sollten und die anderen vergessen können. Nachdem uns Judas in die Fülle des ewigen Lebens geführt hat, führt er uns zurück in das Meer des Bösen. Er sieht viele aus dem Volk Gottes inmitten dieser Bösen und damit verbunden. Hast Du auf Dich selbst acht gehabt?, scheint Judas dann zu sagen, dann wirst Du Dich auch um andere kümmern können. Daher heißt es, habt Erbarmen.

Habt Erbarmen mit denen die draußen sind (Judasbrief Vers 22)

Wenn das Herz in der Liebe Gottes erhalten wird, dann wird das Herz auch nach denen ausschauen, die Gott liebt. Wir werden jedoch nicht ermahnt, Erbarmen mit allen zu haben. Dies sollen wir nur mit den einen haben, indem ein Unterschied gemacht wird.

Den Führern des Abfalls begegnet man mit Abscheu, nicht mit Erbarmen. Aber es gibt auch diejenigen, die nicht willentlich, sondern aus Unwissenheit, verführt werden, und mit solchen sollen wir Erbarmen haben. Andere sind auf engere Weise mit dem Bösen verbunden, so daß das Feuer schon über ihnen zu brennen scheint, aber selbst dann müssen wir versuchen, sie zu retten, indem wir sie aus dem Feuer reißen Judas Vers 23, wobei wir zugleich das Böse hassen, in dem sie sich befinden. Grenzenloses Erbarmen für das Volk Gottes muß immer mit kompromissloser Absonderung von dem Bösen verbunden sein, mit dem es verbunden ist. Genauso war es auch bei Christus, von dem jemand zu Recht gesagt hat: In Christus finden wir ein Erbarmen in Bezug auf den Sünder, das keine Grenzen kennt, verbunden mit unendlicher Absonderung von dessen Sünde.

Um Erbarmen zeigen zu können, bedürfen wir göttlicher Liebe. Um einen Unterschied machen zu können, bedürfen wir göttlicher Weisheit. Um jemand aus dem Feuer reißen zu können, bedürfen wir göttlicher Kraft. Und um das vom Fleisch befleckte Kleid hassen zu können, bedürfen wir göttlicher Heiligkeit. Wie groß ist daher die Notwendigkeit, uns selbst auf unseren allerheiligsten Glauben zu erbauen und im Heiligen Geist zu beten.

Abschließende Doxologie (Judas Verse 24-25)

Judas hat das Böse in seiner ganzen Schrecklichkeit dargelegt, er hat die Gläubigen gewarnt, ermutigt und ermahnt. Seine letztendliche Quelle ist Gott selbst und alles, was Gott für Sein Volk ist. Das Ausmaß des Bösen und die Schwachheit der Heiligen verschwindet aus seinem Blick, und Gott allein verbleibt. Daher kann er den ernstesten Brief, der je verfasst wurde, mit dem höchsten Ausruf von Jubel abschließen. Judas hat auf den Ruin dessen geblickt, das den Namen Christi bekennt. Er hat zurück auf den Beginn des Verderbens geschaut. Mit einem prophetischen Blick hat er sein ernstes Ende betrachtet. Abschließend jedoch schaut er inmitten des Trümmerhaufens und Ruins der verderbten Christenheit nach oben, und plötzlich bricht er trotz dieses dunklen Ausblickes in Lob aus:

Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen. (Judas Verse 24-25)

Judas scheint zu sagen: Ich sehe das Verderben, das gekommen ist, ich sehe die aufkommende Zeit des Bösen, ich sehe, daß die Gläubigen versagen können im Erbauen, im Gebet und im sich selbst Erhalten. Aber ich sehe Einen in der Herrlichkeit, der in der Lage ist, sie vor dem Straucheln zu bewahren, sie sicher nach Hause zu bringen und sie untadelig vor Seiner Herrlichkeit mit Frohlocken darzustellen.

Ich sehe, daß der Gerichtstag für die ungöttlichen Bekenner kommen wird – ein trauriger und düsterer Tag. Aber ich sehe, daß der Tag der Erscheinung für alle Seine Heiligen kommt – ein Tag der Herrlichkeit und überfließender Freude. Auch wir dürfen mit gleichem Glauben die Sprache von Judas annehmen. Wenn wir den unaufhörlichen Strom von Lästerungen sehen, der aus christlichen Bekennern hervorströmt und mit Gleichgültigkeit oder sogar mit Beifall von der großen Masse des christlichen Bekenntnisses aufgenommen wird; wenn wir sehen, daß die Fundamente angegriffen werden, daß die Wahrheit strauchelt auf dem Markt (Jesaja 59,14), und böse Menschen und Betrüger zu immer Schlimmerem fortschreiten, dann mögen wir wohl fragen: Was wird das Ende sein?

Aber – Gott sei Dank – zum Trost und zur Ermutigung für Sein Volk hat Er uns nicht in Ungewissheit in Bezug auf das Ende gelassen. Judas beschreibt uns das Ende der abtrünnigen Verderber, das Ziel für das Volk Gottes und die Zukunft Gottes selbst. Für die abtrünnigen Verderber wird alles in ihrem gerechten Gericht enden, für die Heiligen Gottes wird alles in der untadeligen Darstellung vor Seiner Herrlichkeit mit Frohlocken enden, und Gott wird Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt jetzt und in alle Ewigkeit erhalten. Die vorübergehenden Leiden dieser Zeit werden den überschwenglichen Freuden der Ewigkeit Platz machen (vgl. 2Kor 4,17).

Unsere Freude wird es sein, dort zu sein, Seine (Jesus) Freude, uns dort zu haben.

Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen. (Jesaja 53,11)

Der Eine, dessen Seele einst übervoll an Leiden bis zum Tod war, wird mit überströmender Freude in Ewigkeit erfüllt sein. So mögen wir wohl mit Judas ausrufen:

Dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.


Überarbeiteter Text (Bibelstellen), und Hervorhebungen in fetter Schrift. Sind aus der Schlachter Version entnommen.

 

Nach oben