Das Schicksal Joseph

Alle Bibelstellen, sind aus der Schlachter Version entnommen.

Das Schicksal Joseph

Joseph in der altägyptischen Geschichte

Einleitung:

Es grenzt an ein Wunder, wie Historiker und Archäologen es geschafft haben, Beweismaterial wegzuerklären, welches den biblischen Bericht untermauert. Mythen und Legenden, die sich aus tatsächlichen Ereignissen biblischer Zeit entwickelt haben, findet man überall rund um den Erdball, wie zum Beispiel eine ganze Menge von Sintflut-Varianten.

Hingegen bedeutet dieser Befund für Bibelkritiker, dass die Bibel von solchen Mythen beeinflusst ist. Doch Tatsache ist, dass diese mythologischen Gewänder der Geschichten satanische Verdrehungen der wahren Sachverhalte sind, - ausgeheckt durch den Satan, uns Menschen davon zu überzeugen, dass wir in all unserer Schlauheit schliesslich auch schlauer sind als Gott. Diese ganze Argumentationslinie kann am Ende soweit führen, dass wir die Existenz Gottes überhaupt abstreiten, und damit die Wahrheit der Bibel. Anderseits hat ja niemand damit Mühe, zu glauben, jede bekannte Zivilisation habe ihr eigenes religiöses System entwickelt. Hier müsste man logischerweise einen weiteren Gedankengang anfügen: Wenn es keinen Gott gibt, woher kam dann diese überall verbreitete Idee eines Gottes und der Hang zu religiösen Formen der Verehrung? Sie hat einen historischen Grund: Nach der Flut hat Noahs Familie, als sie sich vermehrte und über den Erdkreis verbreitete, die Wahrheit Gottes und die damit verbundenen historischen Tatsachen noch gekannt. Und faktisch sind es die Funde, welche die biblischen Berichte belegen, nicht die verbreiteten Mythen und Legenden. Indessen wird es immer Leute geben, die es andersherum sehen.

Sehr aufschlussreiche Funde mit Beweiskraft beziehen sich auf die Geschichte Josephs im alten Ägypten. Zum Beispiel: Inschriften auf einem monumentalen Steinmal richten sich an Pharao Haremhab. Seine Zeit datiert einige Jahre nach dem Exodus. Hier ist zu lesen, dass Joseph durch einen früheren Pharao eingeladen wurde, mit der ganzen Sippe Jakobs nach Ägypten zu kommen und dort zu leben. Sie erzählt von einer Gemeinschaft von Hirten aus dem Norden, die darum baten, ihr Vieh zu hüten wie es der Brauch seit dem Vater ihrer Väter war von Anfang an (1.Buch Mose Kap. 47, Vers 1). In Bersheh findet sich in der Grabkammer des Tehuti-Hetep ein Bild von Vieh aus dem syrischen Gebiet; dieses Vieh wandert mit seinen Hirten nach Ägypten ein, und darunter ist zu lesen: „Einst zoget ihr durch syrischen Sand; jetzt aber sollt ihr euch in den fruchtbaren Weiden hier in Ägypten nähren.“ (Jack Finegan, „Light from the Ancient Past“).

Doch es gibt nicht nur diese altbekannten Funde; auch neuere Funde sind aufgetaucht, welche die ganze Josephs Geschichte in vielen Details nacherzählen. Sie sollen in dieser Ausgabe unserer Newsletter im Zentrum stehen. Zuerst aber müssen wir die Voraussetzung unserer Berechnungen klarlegen: Nach unserer Chronologie, die sich aus dem biblischen Bericht ableitet, hat die Flut ungefähr im Jahr 2348 vor Christus stattgefunden. Abraham verliess Haran auf den denkwürdigen Ruf Gottes hin zirka 1921 vor Christus, das heisst 427 Jahre später. Wenig später (wann genau ist nicht gesagt) besuchte er zusammen mit seiner Frau Sarah Ägypten wegen einer Hungersnot in Kanaan.

Die Bibel hält sich in dieser Erzählung äusserst kurz (1.Buch Mose Kap.12, Verse 10-20). Aber sie ist doch so detailliert, dass wir vernehmen, Abraham habe den Pharao in Bezug auf die Identität seiner Frau Sarah in die Irre geführt. Er gab sie als seine Schwester aus. Das war immerhin die halbe Wahrheit, denn sie war tatsächlich seine Halbschwester. Aber eben, sie war auch seine Frau. Ihre Schönheit führte dazu, dass der Pharao sie in seinen Palast nahm, wofür sich Abraham gut bezahlen liess. Aber der Herr griff an diesem Punkt ein, und eine Reihe von Plagen befielen den Pharao und das Palastpersonal. Als der König diesen Zusammenhang begriff, rief er Abraham und zog ihn zur Rechenschaft. Warum Abraham ihm denn bezüglich der Sarah einen Bären aufgebunden habe, fragte er. Daraufhin gab er seinem Gast eine Eskorte und liess ihn mit seinem ganzen Tross ausser Landes bringen. Zu dieser Zeit war Ägypten bereits eine reiche Nation, und darum auch wurde Abraham dort selber reich an Vieh, Gold und Silber, was ihm als Entschädigung für Sarah gegeben wurde (1.Buch Mose Kap. 13, Vers 1f). Die Rechtsregelung, die den Ägyptern verbot, mit ausländischen Hirten zu essen, zu trinken und sich zu verbrüdern, stammt aus dieser Zeit (1.Mose 46,34), und mit Fug und Recht ist anzunehmen, dass die eben geschilderte Abraham-Episode dazu Anlass gab. Der renommierte römische Geschichts-Schreiber Josephus (der in diesem Artikel noch öfters zur Sprache kommt) stellt den Zusammenhang her, Abraham habe sein arithmetisches und astronomisches Wissen, das er aus Ur in Chaldäa mitbrachte (Abraham war ursprünglich Babylonier), den Ägyptern weitergegeben. Das kann durchaus stimmen. Wir gehen davon aus, dass die Zeit des Besuchs von Abraham in Ägypten in die frühe Zeit der ersten Dynastie fällt. Von da an dauerte es noch ungefähr 200 Jahre bis zur Erhöhung Josephs zum Vize-Pharao. Und tatsächlich, - in der dritten Dynastie erscheint in der Szene eine für damalige Verhältnisse geradezu unglaubliche Figur, ein Mann namens Imhotep.

Viele Jahre lang haben Ägyptologen bezweifelt, dass Imhotep eine geschichtliche Person sei - denn es schien unfassbar und unglaubhaft zu sein, dass auf eine einzige Person so viele vollendete Projekte zurückzuführen seien. Auch nach über tausend Jahren wurden ihm diese Werke noch zuerkannt. Man hat ihn deshalb auch den „Leonardo da Vinci des alten Ägypten“ genannt. Aber in Tat und Wahrheit war er noch mehr als das: Da Vinci wurde zum Genie erklärt, aber Imhotep wurde posthum in den Status eines Gottes erhoben. Unter den Göttern, von denen in Ägypten eine lange Liste bestand, waren die wenigsten ursprünglich wirkliche Menschen gewesen. Imhotep schon. Manetho schrieb, während des Regiments von Pharao Djoser (3. Dy-nastie) habe „Imouthes“ gelebt (ein anderer Name für Imhotep), der wegen seiner medizinischen Kenntnisse als der „Asklepios unter den Ägyptern“ galt, und „der auch der Erfinder der Steinmetz-Kunst war“. Genau diese Aussage brachte die Spezialisten dazu, die Existenz des Imhotep anzuzweifeln. Aber 1926 lösten sich die Bedenken wie Ne-bel auf, und von da an galt: Imhotep ist eine historische Figur. Als nämlich Ausgrabungen bei der Stufenpyramide von Sakkara gemacht wurden, fanden sich dort auch Fragmente einer Djoser-Statue. Auf dem Sockel war der Name Djosers eingraviert, und daneben „Imhotep, Kanzler des Königs von Unterägypten, direkt dem König unterstellter Machthaber, Administ-rator des „Grossen Palastes“, Erbschaftsverwalter, Hohepriester von Heliopolis, Imhotep der Bauherr, der Bildhauer, der Hersteller von Steinvasen.“ Diese Titel sind auf dem Sockel sichtbar.

Stimmt dies mit dem überein, was wir von Joseph wissen? Die Bibel macht diesen Punkt klar, was die Position Josephs betrifft:

Und der Pharao sprach zu seinen Knechten: Können wir einen Mann finden wie diesen, in dem der Geist Gottes ist? Und der Pharao sprach zu Joseph: Nachdem Gott dir dies alles mitgeteilt hat, ist keiner so verständig und weise wie du. Du sollst über mein Haus sein, und deinem Befehl soll mein ganzes Volk gehorchen; nur um den Thron will ich höher sein als du! Und der Pharao sprach zu Joseph: Siehe, ich setze dich über das ganze Land Ägypten! Und der Pharao nahm den Siegelring von seiner Hand und steckte ihn an die Hand Josephs, und er bekleidete ihn mit weißer Leinwand und legte eine goldene Kette um seinen Hals; und er ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren; und man rief vor ihm aus: »Beugt eure Knie!« Und so wurde er über das ganze Land Ägypten gesetzt. Und der Pharao sprach zu Joseph: Ich bin der Pharao, aber ohne dich soll niemand im ganzen Land Ägypten die Hand oder den Fuß erheben! Und der Pharao gab Joseph den Namen Zaphenat-Paneach und gab ihm Asnath zur Frau, die Tochter Potipheras, des Priesters von On. Und Joseph zog aus durch das ganze Land Ägypten. (1.Buch Mose Kap. 41, Vers 38-45)

Es hört sich wirklich so an, als ob Joseph die erste Person war, welcher je von einem Pharao solche Ehre zuerkannt wurde; dies wird durch Funde in Ägypten nun auch bestätigt. Wenn dieser Imhotep identisch mit dem biblischen Joseph ist, dann muss es zumindest einige einleuchtende Fakten geben, die ihn mit der biblischen Erzählung verknüpfen.

Die Inschrift der siebenjährigen Hungersnot

Josephs Rang war der eines Premierministers, und Imhotep ist offensichtlich der erste in Ägypten, der sich einer solch hohen und breit abgestützten Position rühmen konnte. Berichte von Vorstehern (Wesiren) gibt es jede Menge durch die Jahrhunderte ägyptischer Geschichte. Doch gibt es da einen ersten klaren Link zwischen Joseph und Imhotep: eine erstaunliche Inschrift, die auf einem grossen Felsen der Nilinsel Sihiel gefunden wurde, direkt unterhalb des ersten Nil-Katarakts. Die Inschrift gibt an, die Kopie eines Dokuments von Djoser zu sein, geschrieben im 18. Jahr seiner Regentschaft. Die Kopie entstand nahezu 1000 Jahre nach den Ereignissen, auf die darin Bezug genommen wird. Und dann weiter im Text folgt die Beschreibung von einer siebenjährigen Hungersnot und einer ebenso langen Zeit grosser Ernten. Werfen wir einen kurzen Blick auf einzelne Passagen der Inschrift und vergleichen wir sie mit dem biblischen Bericht, wobei wir nicht vergessen, wie viele Jahre später die Kopie angefertigt wurde:

1. Zu Beginn heißt es: Dazu 1.Buch Mose 41,8: Und es geschah am Morgen, da war sein Geistbeunruhigt…

2. Nach dem Text der Inschrift ist der Pharao bekümmert wegen einer Hungersnot und fragt Imhotep, wer der Gott des Nils sei, damit er ihn wegen der Dürre aufsuchen könne: „Ich fragte ihn, der der Kämmerer war, Imhotep, den Sohn des Ptah: Wo ist der Ort, wo der Nil geboren wird? Wie heisst der Gott dort? Und wer ist dieser Gott? Imhotep antwortete: Ich brauche die Leitung dessen, der über dem darbenden Staat (genau: „verrottenden Fischnetz“) thront.“ Dazu 1.Buch Mose 41,16: … Das steht nicht bei mir. Gott wird verkündigen, was dem Pharao zum Wohl dient!

3. Laut der Inschrift geht Imhotep auf die Frage nach dem Nilgott ein und erklärt dem Pharao, wo dieser wohnt. Nach der Bibel erklärt Joseph an dieser Stelle dem Pharao den Traum. Doch auch in der Inschrift folgt nun eine Passage über einen Traum des Pharao. Der Nilgott Khnum erscheint dem König im Schlaf und schenkt ihm ein Nachtgesicht. Darin wird ihm verheissen, der Nil werde Wasser spenden, das sieben Jahre des Überflusses bewirken wird, nach sieben dürren Jahren. Dieser Text greift das Motiv der sieben fetten und sieben mageren Jahre auf, allerdings in umgekehrter Reihenfolge.

4. Weiter berichtet die Inschrift, was Djoser dem Nilgott Khnum versprach: Vom Volk wird der Zehnte eingezogen; eine Ausnahme bilden die Priester des Gotteshauses, die dieser Anordnung nicht Folge leisten müssten.1.Buch Mose 47,26: Da machte Joseph dies zum Gesetz für das Ackerland Ägyptens bis zum heutigen Tag, daß dem Pharao der Fünfte gehört; nur die Äcker der Priester wurden nicht Eigentum des Pharao.

Vor uns liegt also diese Inschrift, welche einen Bericht über Pharao Djoser wiedergibt. Er fragt seinen Wesir, Imhotep, ihm mit bei der Bewältigung einer siebenjährigen grossen Hungersnot beizustehen. Imhotep antwortet ihm, er müsse Gott um Rat fragen, denn er selber habe die Antwort auch nicht. Daraufhin hat der Pharao einen Traum, der das Ereignis ankündigt. Als nächstes kommt eine siebenjährige Zeit des Überflusses; dies stellt die umgekehrte Reihenfolge des biblischen Berichts dar. Als Massnahme erhebt der Pharao eine Steuer von 10% für alles Volk, mit Ausnahme der Priesterschaft. Dasselbe berichtet auch die Bibel, wobei die Höhe dieser Abgabe 20% beträgt. Mit andern Worten: Alle Komponenten des biblischen Berichts sind in der Inschrift enthalten, ausser eben dass der Bericht „ägyptisiert“ wurde, das heisst: angepasst an das religiöse System Ägyptens.

Man geht davon aus, dass diese Inschrift im 2. Jahrhundert vor Christus abgefasst wurde, und zwar durch die Priester des Gottes Khnum mit dem Ziel, einige Land-Privilegien der Priesterschaft juristisch zu rechtfertigen. Auf einem ihrer Teile hält die Inschrift fest, dass der Pharao Land und Taxen teilweise dem Gott Khnum stiftet. Die Existenz dieser Inschrift ist erstaunlich, - aber sie ist bei weitem nicht die einzige, welche diese angebliche „Legende“ von Joseph belegt: Auf der Insel Philae findet sich ein ganz ähnlicher Text, mit dem Unterschied, dass hier der Priesterschaft der Göttin Isis die nämlichen Versprechungen Djosers gemacht werden. Genauso wie die Sintflut-Geschichte in fast allen antiken Kulturen zu finden ist, allerdings mit einem entsprechenden Dreh, dass sie den jeweiligen Gottesvorstellung und Zielen dient, so ist es im vorliegenden Fall auch mit Joseph: Seine Geschichte wird in einer Weise verändert, dass sie den Bedürfnissen der Priesterschaft nützt und die vorherrschenden Gottesvorstellungen stützt.

Imhotep, die Stimme des Gottes IM

Den Name „Imhotep“ übersetzen viele Ägyptologen mit „die Stimme/der Mund von IM“, was aber nicht einwandfrei zu belegen ist. Erwiesenermassen verehrten die Ägypter trotz ihrer langen Götterliste keinen solchen Gott. Also muss der Name von aussen in die ägyptische Götterwelt getragen worden sein. Dafür gäbe es eine plausible Erklärung: Der Gott des Joseph hießt Jachweh. Schon weit vor Abraham und dem Berufungserlebnis des Mose war dieser Name den Hebräern bekannt (1.Buch Mose 4,26). Als Joseph nun den Traum des Pharao mit Hilfe von Jachweh deutete, wurde er zur Stimme Jachwehs, möglicherweise auf ägyptisch mit „Im“ wiedergegeben: „Im-Hotep“. Der Pharao selber gab ihm bei seiner Inauguration den Namen „Zaphenat-Paneach“, was die Ägyptologen übersetzen mit „Gott sprach und wird Leben geben“. Diese Bedeutung fügt sich nahtlos in die damalige Situation, da durch die göttliche Traumdeutung das Land am Leben erhalten wurde. Wenn die beiden Namen auf diese Weise recht übersetzt und interpretiert werden, so sagen sie mit verschiedenen Worten dasselbe: Sie bezeichnen einen Menschen, durch den Gott redete und rettete. Vierhundertdreissig Jahre später kommt Moses ins Spiel, dem sich Gott wieder neu bei seinem Namen Jachweh (Ich bin, der ich bin) offenbart. Für den Pharao wäre dies nicht ganz neu, denn in der ägyptischen Geschichte ist dieser Name unter Joseph/Im-Hotep schon aufgetaucht (umso schlechter für den Pharao mit dem wider-spenstigen Herzen, denn diesem Jachweh/“Im“ verdankt Ägypten sein blühendes Leben). Dieser ganze Gedankengang gilt nicht als gesichert, macht aber Sinn.

Imhotep der Arzt

Imhotep ist der erste Arzt der Geschichte der Menschheit, der namentlich erwähnt wird. Und obschon die Bibel Joseph in dieser Hinsicht nicht charakterisiert, so gibt es doch einen wichtigen Hinweis: Danach befahl Joseph seinen Dienern, den Ärzten, daß sie seinen Vater einbalsamierten; und die Ärzte balsamierten Israel ein. (1.Buch Mose 50,2)

Diese Passage zeigt Joseph als den, der über den Ärzten steht (Ober-Arzt?). Jahrhunderte später wird Imhotep als Gott der Heilung verehrt; die Art und Weise seiner Heilkraft, die ihm zugeschrieben wird, verbindet ihn eng mit Joseph. Alte griechische Schriften erwähnen ein grosses Heiligtum im Memphis, wo Menschen von überall herkamen, um Heilung durch Imhotep zu suchen. Sie hätten, so die Berichte, zu ihm gebetet, hätten Opfer gebracht und dann die Nacht im Heiligtum verbracht, - also eine Art von „Lourdes des alten Ägypten“. Dann, heisst es, sei Imhotep ihnen im Traum erschienen und habe sie geheilt. Gibt es nicht auch diese besondere Beziehung zwischen Joseph und den Träumen? Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du etwa unser König werden? Willst du über uns herrschen? Darum haßten sie ihn noch mehr, wegen seiner Träume und wegen seiner Reden. (1.Buch Mose 37,8).

Erinnern wir uns: Es war damals Josephs Traum von den Garben, die er und seine Brüder banden, wobei sich die Garben seiner Brüder vor der seinigen verneigten. Aus Neid sprachen sie zueinander: Wohlan, wir wollen ihn töten und in eine der Zisternen werfen und hernach sagen, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird.

Imhotep der Weise

Die Bibel erwähnt in 1.Buch Mose 41,39 die Weisheit Josephs: Und der Pharao sprach zu Joseph: Nachdem Gott dir dies alles mitgeteilt hat, ist keiner so verständig und weise wie du.

Und auch von dieser Seite her verdichten sich die Anzeichen, dass Imhotep dieser Joseph war: Er wurde speziell wegen seiner Weisheit verehrt. In diversen Inschriften aus viel späterer Zeit wird immer noch auf die „Worte des Imhotep“ verwiesen. Zum Beispiel berichtet das „Lied aus der Grabkammer des Königs Intef“: „Ich habe Worte von Imhotep und Hardedef gehört“, und dann sagt dieser Text, deren Worte seien zu geflügelten Worten der Gegenwart geworden. Bis heute ist kein literarisches Werk des Imhotep gefunden worden; indessen sind verschiedene Sprichwortsammlungen eines gewissen „Pta-Hotep“ erwähnt, der als Berater und Wesir eines Königs der 5. Dynastie tätig war. Und er ist nicht der einzige: Insgesamt 5 Pta-Hoteps werden als Wesire verschiedener Pharaonen dieser Dynastie erwähnt, und sie alle waren zugleich Priester des „On“ in Heliopolis. Es macht ganz den Anschein, dass nach Imhotep die Wesire nach seinem Muster wirkten und in Anlehnung an ihn benannt wurden, indem sie ihre Glaubwürdigkeit vom Lebenswerk und dem literarischen Werk ihres Vorgängers bezogen. Sie schmückten sich also mit fremden Federn. Dies war eine im alten Ägypten verbreitete Praktik.

Gehen wir nun einmal zu einer ungewohnt klingenden Annahme über, - zur Annahme nämlich, dass Joseph tatsächlich eine Sammlung von Weisheitssprüchen verfasst hat, und dies, wie es bei ihm nicht gut anders sein konnte, unter der Wirkung göttlicher Inspiration. Weil er beim König in hohem Ansehen stand, wurde sein literarisches Werk von der Gelehrtengewerkschaft und vom Volk geachtet. Sein Ruf und Ruhm als ein Weiser verbreitete sich in ganz Ägypten und wurde sozusagen zum Standard für Gelehrsamkeit. Wir wissen, dass seine Weisheit vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs stammte. Muss man nicht annehmen, dass dieser Joseph seine Erkenntnisse an seine Zeitgenossen weitergab? Die Schrift lehrt uns, dass dem tatsächlich so war. Der berühmte Geschichts-Psalm 105 nimmt Bezug auf Joseph und führt in den Versen 17-22 aus: Der König sandte hin und befreite ihn; der die Völker beherrschte, ließ ihn los. Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus und zum Herrscher über alle seine Güter, daß er seine Fürsten nach Belieben binde und seine Ältesten Weisheit lehre.

Nach Josephs Tod kopierten andere seine weisen Sprüche und bezogen die Ehre auf sich, fügten hie und da auch etwas Eigenes bei und nahmen Veränderungen vor, wie es ihnen passte. Und wie diese Lehren durch die Generationen weitergegeben wurden, waren sie plötzlich von „Ptah“ eingegeben, dem ägyptischen Schöpfergott, durch dessen Diener „Ptah-Hotep“. Tausende Jahre später finden sich mehrere Papyrus-Stücke, die sich auf die „Unterweisung des Ptah-Hotep“ beziehen. Ist dies ein glaubwürdiges Szenario? Unter diesen Papyrus-Zitaten gibt es im Speziellen zwei, die belegen, dass genau dies geschehen war: Am Ende der beiden Manuskripte erwähnt der Schreiber, er sei mit seinen 110 Jahren dem Tode nahe und er habe Ehrerweisung vom König erhalten, die weit über das Mass seiner Vorgänger hinausging. Mit andern Worten: Er habe mehr Ehre von einem Pharao erhalten als irgendjemand vor ihm. Wir wissen auch, dass Joseph mit 110 Jahren starb (1.Buch Mose 50,26).

Am Rande bemerkt: über Joseph wurden auch Ausgrabungen gemacht und auch ein Film gedreht – Das Tal der Könige, Archäologieabenteuer USA 1954

Handlung

Die Amerikanerin Ann Barclay Mercedes reist um 1900 nach Kairo, um an einer archäologischen Grabung teilzunehmen. Ihr kürzlich verstorbener Vater, ein renommierter Altertumsforscher, hatte sein Leben lang nach einem Grab gesucht, das Beweise für die Authentizität der alttestamentarischen Geschichte von Josephs Aufenthalt in Ägypten liefern könnte. Mit Hilfe des Expeditionsleiters Mark Brandon will Ann die Suche ihres Vaters fortsetzen. Sie zeigt ihm eine goldene Statuette aus der 18. Dynastie, auf der Mark die Inschrift des Pharaos Rahotep erkennt, dessen Grab offiziell noch nicht entdeckt wurde. Laut Ann habe ihr Vater die Statuette zusammen mit anderen aus Ägypten geschmuggelten Antiquitäten in London erworben. Mark willigt ein, der schönen Ann zu helfen, ist jedoch enttäuscht, als er erfährt, dass Ann bereits vergeben ist und ihr Mann Philip in Kürze ebenfalls in Kairo eintreffen wird.

Ann sucht daraufhin den Antiquitätenhändler Valentine Arko auf, in der Hoffnung, er könne ihr weitere Objekte aus Rahoteps Grab beschaffen. Zurück im Hotel treffen Ann und Mark auf Philip, der bereits eigene Nachforschungen in der Stadt angestellt hat. Pater Anthimos schlägt den drei Forschern schließlich vor, ihn zum Katharinenkloster am Fuße des Berg Sinai zu begleiten. Dort finden Mark und Ann in einem Grab Tontafeln, die nahelegen, dass sich Rahoteps Grab im Tal der Könige befindet. Die Suche vor Ort bleibt jedoch erfolglos. In Luxor trifft Ann erneut auf Arko, der ihr gegen entsprechende Bezahlung verraten will, wo sich Rahoteps Grab befindet. Er erzählt ihr von einem Mann namens Campos, der inzwischen ermordet wurde. Dieser sei vor vielen Jahren von heute auf morgen zu viel Reichtum gekommen, indem er Wertgegenstände aus Rahoteps Grab ins Ausland geschmuggelt habe. Arko schlägt Ann vor, sich an Campos’ einstigen Expeditionsführer zu wenden, der sich in dem Dorf El Tabor aufhält. Er warnt sie jedoch auch vor Hamed Backhour, dem Drahtzieher eines großen Schmugglerrings. Noch in derselben Nacht wird Arko von Backhour ermordet. Wie sich überraschend herausstellt, macht Philip mit Backhour gemeinsame Sache. Da ihm Backhour jedoch nur zehn Prozent Gewinn der verkauften Schmuggelwaren zugestehen will, zieht Philip seine Pistole und droht, der Polizei von Backhours Mord an Arko zu berichten, sollte er nicht die Hälfte der Objekte aus Rahoteps Grab erhalten.

Tags darauf reisen Mark, Ann und Philip mit einer Gruppe von Grabungshelfern, zu denen auch Backhour gehört, durch die Wüste nach El Tabor. Unterwegs geraten sie in einen heftigen Sandsturm. Mark und Ann werden dabei von den anderen getrennt und treffen anschließend auf den Nomadenstamm der Tuareg, unter denen sich auch Campos’ einstiger Führer Salah aufhält. Dieser glaubt Mark und Ann nicht, dass sie Rahoteps Grab lediglich aus wissenschaftlichen Gründen finden wollen. Nach dem Gesetz der Tuareg kann Mark nur beweisen, dass er die Wahrheit sagt, indem er in einem Kampf gegen Salah antritt. Mark geht dabei als Sieger hervor, verschont jedoch Salahs Leben. Später am Abend werden sich Mark und Ann ihrer Gefühle füreinander bewusst und sie küssen sich.

Am nächsten Morgen werden Mark und Ann von Salah zu einem uralten Tempel geführt. Mark kommt zu dem Schluss, dass sich das eigentliche Grab Rahoteps andernorts befindet, der Tempel jedoch als Versteck einer Diebesbande diente, die das Grab bereits vor mehr als tausend Jahren geplündert hatte. Als Mark die Wände des Tempels genauer untersucht, findet er Backhours Leiche und einen geheimen Gang, der ihn zu Philip führt, der ihn nun mit seiner Waffe bedroht. Es folgt ein Kampf der beiden Männer, bei dem Philip letztlich einen Abgrund hinabstürzt. Obwohl Ann angesichts der Ereignisse niedergeschlagen ist, kehrt sie mit Mark ins Tal der Könige zurück, um eine letzte Grabung vorzunehmen. Diesmal ist das Glück auf ihrer Seite und sie entdecken Rahoteps Grab. In einer versteckten Kammer finden sie eine Statue Josefs, die die Theorie von Anns Vater endgültig beweist.

Weiter mit dem Hauptthema, über Joseph

Noch vertrauter wird uns diese Unterweisung, wenn wir auf den Text im Einzelnen eingehen: Sie beginnt mit denselben Worten, mit welchen später der König Salomo seine Sprichwortsammlung einleitet, nämlich mit einer Adresse an seinen Sohn. Der Schreiber ermuntert seinen Sohn, gut hinzuhören: Diese Worte sind nützlich für den, der sie hört“; aber ein „Wehe über dem, der sie in den Wind schlägt. Erinnern wir uns daran, dass der Ursprung der Weisheit Josephs derselbe Ursprung ist bei Salomo; die Parallelen der beiden sind nicht von der Hand zu weisen. Bekannt ist auch, dass Salomo die ganzen antiken Weisheits-Sammlungen intus hatte; er hatte überall geforscht und gesammelt: Und die Weisheit Salomos war größer als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit der Ägypter. Ja, er war weiser als alle Menschen, auch weiser als Etan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Machols; und er wurde berühmt unter allen Völkern ringsum. Und er redete 3 000 Sprüche; und die Zahl seiner Lieder war 1 005. (1.Könige Kap. 5, Verse 10-12)

Diese Feststellung zeigt, dass das Konzept der Unterweisung durch Sprichwörter im Alten Orient verbreitet war. Es wird nicht ausdrücklich gesagt, Salomo habe alle Sprichwörter selber gedichtet; es ist ebenso gut möglich, dass er manches von den Vorfahren übernommen hat. Sprüchesammlungen gibt es aus allen alten Zivilisationen, doch die einzigen, die Salomo unter Inspiration zusammenstellte und die auch heute einen Teil der Bibel ausmachen, sind mit der ägyptischen Weisheitsliteratur sehr ähnlich, mit der Literatur, deren Wurzeln auf Imhotep zurückgehen. Damit soll nicht gesagt sein, Salomo habe lediglich ägyptische Lehren kopiert; vielmehr bedeutet dies, dass der Gott seiner Väter ihnen durch Joseph dieselbe Weisheit gab wie eben später ihm selber, dem Urheber der Salomonischen Weisheit. Ein paar Vergleiche aus der Sammlung von Ptah-Hotep sollen das Gesagte noch illustrieren:

1. Sei nicht stolz auf deine Weisheit Sprüche 3,7:  Halte dich nicht selbst für weise; fürchte den Herrn und weiche vom Bösen!

2. Einer pflanzt für den morgigen Tag, aber er weiss nicht, was auf ihn zukommt Sprüche 27,1: Rühme dich nicht des morgigen Tages, denn du weißt nicht, was ein einziger Tag bringen kann!

3. Wenn du den Charakter eines Freundes feststellen willst, dann treibe nicht Nachforschungen, sondern mache deinen Handel mit ihm selber aus Sprüche 25,9-10: Trage deine Streitsache mit deinem Nächsten aus, aber das Geheimnis eines anderen offenbare nicht,
damit nicht der dich beschimpft, der es vernimmt, und dein übler Ruf nicht mehr weicht.

4. Wenn du ein zuverlässiger Mensch bist, ausgesandt von einer andern Gewährsperson, so bleib bei der Einstellung dessen, der dich gesandt hat und überbring die Botschaft unverfälscht, Sprüche 25,13: Wie die Kühle des Schnees in der Erntezeit, so erfrischt ein treuer Bote die, welche ihn gesandt haben; er erquickt die Seele seines Herrn.

5. Lehre den Mächtigen, was ihm dient. Sprüche 9,9: Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; belehre den Gerechten, so wird er noch mehr lernen!

6. Wenn du unter Gästen am Tisch sitzest von einem, der grösser ist als du, so nimm, was er dir vorsetzt, so wie es serviert wird. Sprüche 23,1: Wenn du mit einem Herrscher zu Tisch sitzt, so bedenke gut, wen du vor dir hast!

7. Wenn jedes Wort weiter getragen wird, werden die Bewohner des Landes nicht untergehen. Psalm 78,5-8: Denn er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und ein Gesetz gegeben in Israel; und er gebot unseren Vätern, es ihren Kindern zu verkünden,
damit das spätere Geschlecht es wisse, die Kinder, die noch geboren werden sollten, damit auch sie aufständen und es ihren Kindern erzählten; damit diese auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen und seine Gebote befolgten
und nicht würden wie ihre Väter, ein trotziges und widerspenstiges Geschlecht, ein Geschlecht, das kein festes Herz hatte, und dessen Geist nicht treu war gegen Gott.

8. Hüte dich vor Laster und Geiz: Dies ist eine schwere Krankheit; für sie gibt es keine Medizin. Prediger 6,2: Wenn Gott einem Menschen Reichtum, Schätze und Ehre gibt, so daß ihm gar nichts fehlt, wonach seine Seele begehrt, wenn ihm Gott aber nicht gestattet, davon zu genießen, sondern ein Fremder bekommt es zu genießen, so ist das nichtig und ein schweres Leid!

9. Bist du ein Würdenträger, der im Rat seines Herrn sitzt, so konzentriere dich auf Top-Leistung; Schweigen ist dann besser als leeres Gerede. Verschaff dir Respekt durch saubere Expertise. Prediger 9,17: Die Worte der Weisen, die man in Ruhe hört, sind besser als das Schreien eines Herrschers unter den Narren.

Gott gebrauchte Joseph, um aus Ägypten einen sicheren Hafen für das ankommende Volk Gottes zu machen, einen Ort, wo der Same Abrahams wachsen und gedeihen konnte, und zwar bis auf den Tag, wo sie bereit sein würden, um in die Freiheit und ins gelobte Land auszuziehen. Und während sie in diesem fremden Land waren, umgeben von Heidentum, wollte Gott sie nicht allein lassen, und auch nicht ohne Zugang zu seiner Wahrheit. Die Ägypter übrigens auch nicht. Die Schrift sagt ja, Joseph habe sogar den Senat des Pharao gelehrt. Und während diese Weisheit in Ägypten hoch in Achtung und Geltung stand und durch die Generationen von Weisen weitergegeben wurde, die sogar Kopien von Josephs Unterweisung anfertigten (und sie als ihr geistiges Eigentum ausgaben...), haben ein paar seiner Nachkommen nach mehr als 700 Jahren einige dieser Lehrstücke wieder aufgegriffen und sie in den so genannten „Büchern der Weisheit“ (den Psalmen, Sprüchen und dem Prediger) der Nachwelt aufbewahrt. Trotzdem: Josephs Weisheit hatte ihren Ursprung nicht in ihm selber, sondern in Gottes Inspiration, genauso wie es später bei Salomo, David und überall in Gottes Volk war und ist.

Imhotep wurde in einer spätern Phase der Herrschaft Djosers ernannt

Dann gibt es noch weitere Details, die Imhotep betreffen und auch wieder in die biblische Erzählung hineinpassen. Die Zeitspanne, während welcher der Pharao schon regiert hatte, bevor Joseph zu ihm gebracht wurde, ist erwiesenermassen unbekannt. Jedenfalls lässt sich historisch nachweisen, dass Imhotep in den frühen Regierungsjahren Djosers nicht sein Kanzler (Wesir) gewesen war. Auf den frühen Djoser-Statuen finden wir den Namen Imhoteps nirgends. Imhotep war nicht der Architekt der Grabanlage von Djoser , welche in Beit Khallaf errichtet wurde. Man geht davon aus, dass dieses Grab kurz nach seiner Thronbesteigung errichtet wurde (für Ägypten üblich). Diese frühe Grabanlage glich den Anlagen in Sakkara, welche bereits frühere Dynastien gebaut hatten. Es finden sich dort Ton-Siegel auf Krügen, welche Djosers Namen tragen, nebst den Namen seiner Mutter und den Namen vieler Würdenträger seiner Epoche; doch fehlt eben der später überaus bekannte Name Imhoteps! Dies beweist, dass er zu dieser Zeit noch kein nennenswertes Amt bekleidete, oder überhaupt keines. Die ägyptische Regierungsbildung ging so vonstatten, dass der Pharao unverzüglich nach der Thronbesteigung sein Kabinett zusammenstellte und dabei seinen Familienmitgliedern den Vorrang gab.

Alle Informationen, die man über Imhotep zusammentragen kann, bilden eine fortwährende Kette von Bestätigungen, dass es sich wirklich um Joseph handelte. Zum Beispiel diese erstaunliche Tatsache: Einige Inschriften liefern den Hinweis, dass Imhotep nicht aus königlichem Geschlecht war. Wie oben gesagt, war es eigentlich gemäss dem „courant normal“ der ägyptischen Machtpolitik nicht möglich, Leute in die obersten Ränge zu hieven, die nicht aus der Königsfamilie stammten. Von seiner Familie standen in erster Linie die Söhne zur Verfügung. Imhotep war also der erste und zugleich ranghöchste Self-made-man der Throngeschichte Ägyptens.

Imhotep war auch der Priester von Heliopolis, des biblischen On. In der biblischen Erzählung erfahren wir, dass Josephs Schwiegervater zur Zeit der Hochzeit Priester von On war (1.Buch Mose 41,45). Und der Pharao gab Joseph den Namen Zaphenat-Paneach und gab ihm Asnath zur Frau, die Tochter Potipheras, des Priesters von On. Und Joseph zog aus durch das ganze Land Ägypten.

Man muss ja wohl davon ausgehen, dass Asnath zu diesem Zeitpunkt heiratsfähig war, und das heisst für ihren Vater, dass er in den Vierzigern war. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird im alten Ägypten auf ungefähr fünfzig Jahre geschätzt. Bei seinem Tod oder dem gesundheitlich bedingten Rücktritt würde sein Schwiegersohn dies Amt übernehmen, insbesondere da dieser eine Person von solch hohem Ansehen war. Wurde in diesem Fall Joseph seinem Gott, dem Gott seiner Väter untreu? Der Pharao selber hatte die Macht des Gottes von Joseph öffentlich anerkannt, deshalb kann die Frage ruhig mit Nein beantwortet werden. Im Gegenteil, auch wenn in Ägypten weiterhin allerhand Götzenbilder verehrt wurden, so hat Joseph sicher sein Amt dazu verwendet, diesen Gott bekannt zu machen, und er hielt unbeirrbar an ihm fest. Es ist nicht bekannt, dass der „Priester von On“ einer speziellen Gottheit geweiht war (z.B. Isis); vielmehr scheint dieser Titel vor allem auf eine Position von hoher Würde und grossem politischem Gewicht zu hinzudeuten.

Imhotep wird der Bau der ersten Pyramide zugeschrieben. Er hat sie entworfen und mit zugehauenen Steinen anstelle von vergänglichen Lehmziegeln errichten lassen. Wenn man die ägyptische Geschichte im Überflug betrachtet, so fällt auf, dass das Land zur Zeit Djosers eine mächtige Nation wurde: Schliesslich hat ja der Verkauf von Getreide zur Zeit der weit verbreiteten Hungersnot all die Völker nach Ägypten gebracht, die Korn für teures Geld einkauften. Dann kommt auch der Faktor hinzu, dass während der sogenannten sieben fetten Jahre unter der weisen Leitung von Joseph ein gewaltiger administrativ-organisatorischer Fortschritt erzielt wurde, der sich auf das grosse Zentrum der Getreidesilos konzentrierte, von welchen aus die umliegenden Nationen mit Getreide bedient wurden. Ein fast über-dimensionaler Komplex entstand unter den Augen Josephs, der neben dem künftigen Grabmahl des Pharao (von der ersten Anlage war er abgekommen) auch ein ummauertes Zentrum mit riesigen Kornkontainern enthielt. Die Anlage, die archäologisch erschlossen ist, besitzt einen einzigen engen Eingang und einen zusätzlichen äussern Eingang zur Abfüllung der Silos. Doch zuerst beschäftigen wir uns mit dem Pyramidenbau, genauer gesagt mit der Stufen-pyramide von Sakkara.

Die erste je erbaute Stufenpyramide und deren Umgebung wird durch eine äusserst schöne und kunstvoll gearbeitete Mauer eingefasst. Am südlichen Ende der Ostseite findet sich der Haupteingang. Tritt man ein, so durchschreitet man eine Halle mit 40 Säulen, 20 auf beiden Seiten. Jede Säule ist mit der Rückwand durch ein rechtwinkliges Mauerstück verbunden, wodurch sich kleine Kammern zu beiden Seiten des Durchgangs ergeben. Verlässt der Besucher nun die Säulenhalle und geht geradeaus weiter, so gelangt er zu einer Reihe sehr grosser Gruben, die tief in die Erde hinunter reichen. Deren Ausmasse übertreffen bei weitem die Grösse von Grabkammern. Sie sind alle vom zentralen Silo her durch Tunnels verbunden und erreichbar. Ihre innere Einfassungsmauer überragt um einiges den ebenerdigen Grund, und eine dieser Gruben ist mit einer Treppe bis hinunter auf ihren Grund ausgestattet. Aus diesen Gründen müssen wir folgern, dass es sich nicht um Grabkammern handelt. Hätte man sie zu einem solchen Zweck erbaut, so wären sie wie alle andern Grabkammern unter Tag gebaut worden, und sie hätten wie gesagt nicht solch unglaubliche Ausmasse gehabt. Kommt dazu, dass ihre Ränder aus dem Erdreich hervorschauen. Dadurch wären die Grabkammern nicht mehr verborgen gewesen, was aber der ägyptischen Bestattungsweise widerspricht. Schon im alten Ägypten galt die Hauptsorge den Grabplünderern. Verständlicherweise, denn die Grabbeigaben waren überaus kostbar. Sie waren ja für ein ewiges Leben im Jenseits bestimmt. Also darf man daraus ruhig schliessen, dass diese Gruben für einen andern Zweck gegraben worden waren. Übrigens hat man auch in andern Städten des alten Orients solche Gruben entdeckt und sie stets als Getreidesilos identifiziert - doch was Ägypten betrifft, gehen die Gelehrten mehrheitlich davon aus, dass es sich bei allem, was sie finden, um Gräber handelt. Warum sollten diese Gruben nun Gräber sein, wenn doch unter der Pyramide der pharaonische Begräbnistrakt vorhanden ist? In diesem finden sich sogar auf die Königsfamilie zugeschnittene, relativ kleine Silos für Nahrungsmittel, die das Fortleben der Verstorbenen garantieren sollten. Im Innern wurden sogar allerlei Esswaren inklusive Korn gefunden.

Kornspeichern sammeln, damit er dir zur Verfügung steht. So haben wir genügend Vorrat für die sieben dürren Jahre und müssen nicht hungern.“ Joseph hatte dem Pharao diesen Ratschlag erteilt, bevor er zum Aufseher oder Premierminister ernannt worden war. Es leuchtet auch ein, dass er später diese Aufsicht für ein ganzes Land nicht allein durchführen konnte. Deshalb setzte er konsequenterweise den obgenannten Ratschlag auch um. Wir lesen im Weiteren, dass beim Ausbruch der Hungersnot, als die Ägypter nach Nahrung zu schreien begannen, der Pharaos ihnen den Befehl gab, sich an Joseph zu wenden. Sie sollten tun, was dieser ihnen auftrug. Daraus geht hervor, dass Joseph selber es war, der die Anweisungen für die Verteilung des Korns gab: Und als das ganze Land Ägypten Hunger litt und das Volk zum Pharao um Brot schrie, da sprach der Pharao zu allen Ägyptern: Geht hin zu Joseph; was er euch sagt, das tut! 1.Buch Mose 41,55)

Als die Hungersnot immer drückender wurde, öffnete Joseph die Kornspeicher und verkaufte Getreide an die Ägypter und an Leute aus andern Ländern.

Als nun die Ausländer ankamen, um Korn zu kaufen, sehen wir sie direkt zu Joseph gehen:

Joseph aber war Regent über das Land; er allein verkaufte dem ganzen Volk des Landes Korn. Darum kamen die Brüder Josephs und beugten sich vor ihm nieder, das Angesicht zur Erde gewandt. (1.Buch Mose 42,6)

Seine Brüder kamen also persönlich zu ihm. Wir glauben, dass es sich um den Ort Sakkara handelt, wohin sie kamen. Auch die geographische Lage nahe der Ostgrenze lässt dies als logisch er-scheinen. Hier war es auch, wo Djoser elf extrem grosse Gruben hatte errichten lassen, welche aus den bereits ansprochenen Gründen Getreidesilos waren. Jede Stadt hatte für ihre Region solche Speicher gebaut, doch im Baukomplex von Sakkara finden wir diese ungeheuren Speicher, die unglaubliche Mengen von Korn aufnehmen konnten, - mehr als eine einzelne Stadt benötigte. Im Eingangsbereich der Anlage finden wir die bereits beschriebenen 40 kleinen seitlichen Kammern. Jede von ihnen hat genau die Grösse für eine einzelne Person, die darin sitzen konnte, um die Rechnung für das gewünschte Korn auszustellen und den Betrag einzunehmen. Es ist anzunehmen, dass den verschiedenen Sprachgruppen Rechnung getragen wurde: Die Einnehmer konnten, nach Sprachen gesondert, den Handel mit den betreffenden Fremden abwickeln. Die Ägyptologen gehen freilich davon aus, dass diese Nischen für Götterstatuen gebaut worden waren. Jedoch wurden nirgends die entsprechenden Sockel gefunden. Solche Sockel brauchte es stets für Statuen, und wenn die Statuen entfernt wurden oder zerfielen, so blieben die Sockel üblicherweise erhalten.

Der Aufriss der elf Silos ist beeindruckend. Ein einziges von ihnen ist mit einer ausgeklügelten Treppenfolge bis hinunter auf den Boden ausgestattet, und von dort unten führen Tunnels zu allen übrigen Silos, die auch wieder gegenseitig verbunden sind. Die Silos wurden, sobald sie voll waren, mit Brettern und Steinen abgedeckt. Es gab nur einen einzigen Zugang zur gesamten Vorratsmasse. Dies machte es unmöglich, von ausserhalb der Mauer, die den ganzen Gebäudekomplex umgibt, an die Vorräte heranzukommen. Schliesslich bleibt zu erwähnen, dass mittlerweile Korn auf dem Boden der Vorratssilos gefunden wurde - was einigen Ägyptologen zur Behauptung Anlass gab, hier seien Pharaonen samt Grabbeigaben beerdigt worden. Jedoch tauchten keine anderen Hinweise oder Gegenstände auf, die in irgendeiner Weise darauf hingedeutet hätten, dass diese elf Gruben Gräber gewesen wären. Stimmt unsere Deutung der Anlage nun mit dem biblischen Bericht überein? die Abwicklung des Verkaufs verlief speditiv. Als Josephs Brüder wegen dem Korn zu ihm kamen, sprachen sie mit ihm und zahlten das Getreide. Als sie es erhielten, war es schon in Säcke gefüllt: Und Joseph gab Befehl, daß man ihre Gefäße mit Getreide fülle und jedem sein Geld wieder in seinen Sack lege und ihnen auch Verpflegung mit auf die Reise gebe; und so machte man es mit ihnen. (1.Buch Mose 42,25)

Das Bauprojekt von Sakkara ist einmalig - nichts Vergleichbares ist je gefunden worden. William Hayes hat es umschrieben mit dem Ausdruck „so etwas wie eine Stadt in sich selber, geplant und ausgeführt aus einem Guss, mit dem weissen Kalk des nahe gelegenen Mukattam erbaut“ („The Scepter of Egypt“, Bd.1, S.60). Tatsache ist, dass Ägyptologen alles in Fels Gehauene, was sie finden, am liebsten als königliches Grab definieren. Das haben sie auch im vorliegenden Fall gemacht. Indessen weist der gesamte Gebäudekomplex mit seinen einzelnen Elementen in eine andere Richtung: Hier entstand ein Zentrum von breiter Aktivität; dessen Puzzlestücke ergeben ein erstaunlich umfassendes Bild der Josephsgeschichte. Als die Brüder Josephs hungerhalber auftauchten, standen sie von Angesicht zu Angesicht ihrem Bruder gegenüber, der an dieser Schlüsselstelle Aufsicht hatte. Sie konnten ja das Getreide nirgends sonst bekommen als dort, wo es vorrätig war, - und dies war gleichzeitig der Ort, wo ihr Bruder seinem Beamtenapparat vorstand. Die Getreideverkaufsstelle für das gesamte umliegende Ausland erforderte diese umfangreiche Anlage; die Gruben konnten kaum gross genug sein. Es leuchtet auch ein, dass der Verkauf innerhalb einer gesicherten und geschützten Anlage stattfand, die mit einer Art „Einkaufsstrasse“ versehen war, so dass hier ein grosser Kundenzustrom in kontrollierter Weise effizient abgefertigt werden konnte. Wie viel man über diese gesamte Anlage auch geschrieben hat, - ihre Einmaligkeit wird stets beteuert, ohne dass für sie eine adäquate Erklärung zu finden ist.

Einige Geschichtsschreiber der Antike haben angenommen, die Pyramiden selber seien Josephs Vorratseinrichtungen gewesen. Möglicherweise hat diese Interpretation ihren Anfang im Umstand genommen, dass Joseph die erste Pyramide tatsächlich in sein Vorratskonzept eingegliedert hatte. Was immer auch Experten über Sinn und Zweck dieser Anlage mit der Stufenpyramide behaupten: Die Art und Weise, wie sie konzipiert ist, trifft sich haargenau mit der Josephs- Erzählung. Hinzu kommt, dass es sich um eine der besterhaltenen archäologischen Stätten in ganz Ägypten handelt, was die sehr alten Bauwerke betrifft. Dies wiederum ist folgerichtig, wenn wir bedenken, dass Gott archäologische Zeugen wichtiger Ereignisse sozusagen am Leben erhielt, d.h. sie vor dem Zerfall bewahrte. Sie bestätigen so gesehen die zuverlässige Genauigkeit seines Wortes.

Die Suche nach Imhoteps Grab

Wir wissen aus der Bibel, dass Joseph in Ägypten starb und dort einbalsamiert und eingesargt wurde: Und Joseph starb, 110 Jahre alt; und man balsamierte ihn ein und legte ihn in einen Sarg in Ägypten. (1.Buch Mose 50,26)

Die Kinder Israel nahmen jedoch seine Gebeine mit, als sie zum Exodus aufbrachen. In 2.Buch Mose 13,19 lesen wir: Und Mose nahm die Gebeine Josephs mit sich; denn der hatte einen Eid von den Kindern Israels genommen und gesagt: Gott wird sich gewiß euer annehmen; dann führt meine Gebeine mit euch von hier herauf!

Dies führt zur Annahme, dass Joseph ein königliches Grab in Ägypten gehabt hatte. Dies wäre dann von jemand anderem übernommen und verwendet worden. Wir wissen es nicht genau. Aber eins der grossen Rätsel für Ägyptologen war stets die Tatsache, dass sie das Grab des Imhotep nie gefunden haben, obschon sie wussten, dass es irgendwo in Sakkara sein musste. Derart wichtig ist Imhotep für die Ägypto-logie, dass in Jill Kamils Reiseführer von Sakkara dieses „Grab des Imhotep“ eigens als Überschrift zu finden ist; darunter ist dann allerdings zu lesen, dass man es bisher nicht gefunden hat....

In unserer Abhandlung über den „Arzt Imhotep“ haben wir erwähnt, dass alte griechische Texte von einem Ort nahe bei Memphis sprechen, wohin kranke Leute eine Wallfahrt machten und daselbst auch geheilt wurden. Als weitere Ausgrabungen im Umkreis der Stufenpyramide von Sakkara gemacht wurden, mit dem Ziel, Imhoteps Ruhestätte zu finden, stiess man auf das unglaubliche System eines unterirdischen Labyrinths. Überall in den Tunneln und Gängen fand man mumifizierte Ibis-Vögel und Stiere, getrennt voneinander aufbewahrt. Inschriften und Münzen lassen erkennen, dass Leute hierher kamen, um geheilt zu werden. So hatte man nun also das „Heiligtum des Imhotep“ gefunden, von dem die griechische Antike berichtete.

Nachdem nun Imhotep im Verlauf der Zeit zu einem Gott erhoben worden war, dem „Gott der Medizin“, gab man ihm den Titel „Der Herr des Ibis“. Genau dieser Umstand verband jetzt den Imhotep-Kult mit dem unterirdischen Labyrinth voller Ibis-Devotionalien. Hunderttausende mumifizierte Ibisse waren im Verlauf der Zeiten hierher gebracht worden. Sie galten als Opfergabe an Imhotep, und die Tunnels füllten sich damit. Später hat man noch etwas entdeckt: Diese Gänge waren mit einem Schacht verbunden, der abwärts in eine Grabkammer führte. In dieser fand sich ein leerer Sarkophag... Die Entdeckungsreise führte weiter in eine grossräumige Mastaba-Kammer (privates, das heisst nicht-königliches Grab). Angrenzend lag eine weitere Kammer voller zerbrochener Stein-Gefässe, und in den Vorratskammern, die zum Grab gehören, fanden sich Krüge, deren Tonverschlüsse das Siegel des Pharao Djoser aufgedruckt hatten! Damit war der untrügliche Beweis erbracht, dass dies das Grab eines sehr wichtigen Würdenträgers aus dem Umfeld des regierenden Djoser darstellte. Wie gesagt, der Sarg war leer, und Wand-Inschriften fanden sich keine. Was aber als noch wichtiger ins Auge fällt: Diese Grabkammer richtet sich nach Norden aus, anstatt nach Osten, wie es bei Grabkammern und Pyramiden des sonnenanbetenden Ägypten üblich ist. Schliesslich fand man aber doch noch eine Inschrift, die eines namenlosen Griechen. Er war aus Dank hier hergekommen und beschrieb, wie er geheilt worden war: Es war durch einen Traum geschehen. Auf diese Weise spricht nochmals ein Zeugnis laut von einer uns bekannten, wunderbaren Geschichte - der biblischen Geschichte von Joseph, die mit Träumen beginnt und mit Heilung endet...

 

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