Das Buch Ruth Teil 5

 

Überarbeiteter Text, April 2017

5. Abschnitt – Das Buch Ruth

Das Erbe Naemis – die Wiederkunft Jesu für Israel

Ruth wird Boas' Frau und Stammutter des Hauses David

Boas aber war zum Stadttor hinaufgegangen und hatte sich dort niedergesetzt; und siehe, da ging der Löser vorüber, von dem Boas geredet hatte. Da sprach er: Komm, setze dich her, du Soundso! Und er kam herbei und setzte sich. Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch hierher! Und sie setzten sich. Da sprach er zu dem Löser: Naemi, die aus dem Gebiet von Moab zurückgekommen ist, verkauft das Stück Feld, das unserem Bruder Elimelech gehörte. Darum gedachte ich dir den Vorschlag zu machen: Wenn du es lösen willst, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volkes; willst du es aber nicht lösen, so sage es mir, damit ich es weiß; denn es gibt niemand, der es lösen kann, ausgenommen du, und ich nach dir! Und er sprach: Ich will es lösen! Da sagte Boas: An dem Tag, da du das Feld aus der Hand Naemis kaufst, erwirbst du auch von Ruth, der Moabiterin, der Frau des Verstorbenen, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil wieder aufzurichten. Da sprach der Löser: Ich kann es nicht für mich lösen, ohne mein eigenes Erbteil zu verderben! Löse du für dich, was ich lösen sollte; denn ich kann es nicht lösen! Es war aber von alters her Sitte in Israel, bei der Lösung und beim Tausch die ganze Sache so gültig zu machen: der eine zog seinen Schuh aus und gab ihn dem anderen. Das war die Bestätigung in Israel. So sprach nun der Löser zu Boas: Kaufe du es für dich! und zog seinen Schuh aus. Da sprach Boas zu den Ältesten und zu dem ganzen Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß ich aus der Hand Naemis alles erworben habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte. Dazu habe ich mir Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, zur Ehefrau erworben, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil wieder aufzurichten, damit der Name des Verstorbenen nicht verschwinde aus der Mitte seiner Brüder und aus dem Tor seines Ortes. Ihr seid heute Zeugen! (Ruth 4,1-10)

   Nachdem Ruth Boas in seinem Heim begegnet ist, tritt er wieder für Naemi ein, und zwar als Löser für ihr Land. Im prophetischen Licht der Bibel sehen wir hier ein Zweifaches: 1. Ruth, die Gemeinde Jesu, hat den Brautstand. Die Gemeinde hat eine himmlische Berufung und himmlische Verheißungen (2Kor 7,1; Gal 3,16; Hebr 8,6; 2Pt 1,4). Bei ihr geht es um Jesus Christus, der vom Himmel wiederkommen und sie mit sich gen Himmel nehmen wird, wie Er es verheißen hat: Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Joh 14,3; vgl. Joh 14,18-21; 1Th 4,17)

   2. Naemi, Israel, gehört das irdische Erbe. Israel hat eine irdische Berufung und irdische Verheißungen. Bei ihm geht es immer um das von Gott verheißene Land auf dieser Erde, um seine Hauptstadt Jerusalem und den Tempel, ebenso um die Wiederkunft des Messias nach Jerusalem zur Aufrichtung Seines Reiches in Israel und damit um die Herrschaft über die ganze Welt von Israel aus. Boas tritt auf, um dieses Erbe der Naemi zu lösen und weiterzuführen, gewissermaßen seinen Fuß darauf zu setzen. Das ist ein herrliches prophetisches Bild für die Wiederkunft Jesu zur Erlösung Israels, nachdem Er die Gemeinde zu sich geholt hat.

   In diesem 4. Kapitel ist von Ruth kaum mehr die Rede. Hier geht es hauptsächlich um das Erbe der Naemi beziehungsweise um ihr Grundstück. Merkwürdigerweise wird erst in diesem letzten Kapitel erwähnt, daß sie ein Stück Feld besitzt, das ihr von der Familie des verstorbenen Elimelech gehörte: Da sprach er zu dem Löser: Naemi, die aus dem Gebiet von Moab zurückgekommen ist, verkauft das Stück Feld, das unserem Bruder Elimelech gehörte. (Ruth 4,3)

  Obwohl Naemi lange Zeit im Moab zubrachte, gehörte ihr dieses Feldstück bei Bethlehem gemäß Erbrecht immer noch. Wenn Israel auch fast 2000 Jahren unter den Völkern in der Zerstreuung lebte, wo unzählige Juden starben (wie Elimelech und seine beiden Söhne in Moab), so gehört ihnen das Land Israel doch nach wie vor. Anders gesagt; so wie Naemi das Land bei ihrem Wegzug nach Moab nicht verlor und bei ihrer Rückkehr den ganzen Besitz beanspruchen konnte, so haben auch die Juden seit ihrer Rückkehr aus der Zerstreuung von Gottes wegen vollen Besitzanspruch auf ihr Land. Denn kein anderes Gebiet der Erde wurde jemals von Gott einem bestimmten Volk zugesprochen. Nur zu Abraham (früher Abram), dem Erzvater Israels, sprach der Herr: Der Jachweh aber sprach zu Abram, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig. (1.Buch Mose 13,14-15) Das von Gott zugesprochene Land Israel gehört den Juden. Und mit der Rückkehr der Juden in ihre Heimat und der Staatsgründung im Jahre 1948 wurde vor aller Welt offenbar, was lange verborgen war, aber immer seine Gültigkeit hatte, so auch bei Naemi. Erst in dem Monat, wo sie als »Überrest« der Familie Elimelechs aus Moab in ihre Heimat zurückkehrte, wurde offenbar, daß das Landstück ihrer Familie, dem Geschlecht Elimelechs gehörte.

Anmerkung: Moab: Moab ist ein Grenzgebiet im Osten Israels. Bis auf wenige Lichtblicke – Ruth war Moabiterin, David empfängt Schutz für seine Eltern – die Moabiter sind Feinde Israels. Sie wurden von Saul und David bekämpft. David machte sie tributpflichtig.

   Daß das Land Israel allein den Juden gehört, geht noch aus vielen weiteren Verheißungen der Heiligen Schrift hervor, zum Beispiel: Doch siehe, es kommen Tage, spricht der Jachweh, da man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Jachweh lebt, der die Kinder Israels aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat!«, sondern: »So wahr der Jachweh lebt, der die Kinder Israels heraufgeführt hat aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hatte!« Denn ich will sie wieder in ihr Land zurückbringen, das ich ihren Vätern gegeben habe. (Jeremia 16,14-15)

  Und ich selbst werde den Überrest meiner Schafe sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe; und ich werde sie wieder zu ihren Weideplätzen bringen, daß sie fruchtbar sein und sich mehren sollen. (Jeremia 23,3)

  Denn so spricht Gott, der Jachweh: Siehe, ich selbst will nach meinen Schafen suchen und mich ihrer annehmen! Wie ein Hirte seine Herde zusammensucht an dem Tag, da er mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich mich meiner Schafe annehmen und sie aus allen Orten erretten, wohin sie zerstreut wurden an dem Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. Und ich werde sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern zusammenbringen und werde sie in ihr Land führen; und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und allen bewohnten Gegenden des Landes. (Hes 34,11-13)

   Und ich will das Geschick meines Volkes Israel wenden, und sie werden die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen, Weinberge pflanzen und deren Wein trinken, Gärten anlegen und deren Früchte genießen. Und ich werde sie einpflanzen in ihr Land; und sie sollen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, nicht mehr herausgerissen werden! spricht der Jachweh, dein Gott. (Amos 9,14-15)

   Israel ist ein wunderbarer Beweis des Handelns Gottes.  Wer dann immer noch behaupten will, es gebe keinen Gott, der verleugnet Gott, wie es ja geschrieben steht:Wer ist der Lügner, wenn nicht der, welcher leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. (1Joh 2,22-23) An Ihm beziehungsweise an seiner Rückkehr aus der Zerstreuung in sein Land erkennen wir, daß wir in den Tagen leben, wo Sein Heilshandeln zum Abschluß kommt!

   Diese Tatsache darf diejenigen, die an Jesus Christus glauben und wiedergeboren sind, auch ganz persönlich ermutigen, denn was Gott Dir einmal in Ihm verheißen hat, bleibt ewig gültig: Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt – in ihm ist das Ja, und in ihm auch das Amen, Gott zum Lob durch uns! Gott aber, der uns zusammen mit euch in Christus fest gegründet und uns gesalbt hat, er hat uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben. (1Kor 1,20-22) Von dem Moment an, wo Du den Herrn Jesus gebeten hast, in dein Leben einzugreifen, hat das Wort, der Wahrheit, daß Dich nichts mehr aus Seiner Hand reißen kann, ewige Gültigkeit (vgl. Joh 10,27-30). Es lohnt sich auf ewig, sich für Jesus Christus zu entscheiden! Denn auf diese Weise werden wir durch den Glauben auch Erben. In 1. Petrusbrief 1,3-5 steht diesbezüglich geschrieben: Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit. (vgl. Röm 8, 16-39) Für uns, die wir Ihm angehören, kommt Jesus Christus, der große himmlische Boas, wieder, um das himmlische Erbe für uns einzulösen und wirksam werden zu lassen. Welche eine herrliche Hoffnung!

   Von der prophetischen Perspektive aus betrachtet, finde ich es einzigartig schön, daß Ruth gleichsam am Erbe Naemi teilhat. So hat auch die Gemeinde Jesu Anteil am Erbe Israels durch Abraham. Wir  sind Miterben, denn wir sind durch Jesus miteinverleibt worden (vgl. Röm 11,1-36; Eph 3,6; 2,12-13). In Galater 3,29 heißt es: Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.

   Bevor wir hier weiterfahren, eine Zwischenbemerkung: Wir haben die Personen des Buches Ruth und die Umstände, in denen sie sich befanden, in der vorliegenden Darlegung aus allegorischer Sicht gedeutet, das heißt, sinngemäß, gleichnishaft, und dabei wertvolle Entdeckungen gemacht. Diese Linie ziehen wir auch in bezug auf den »anderen Löser« und das Erbe weiter. Ich möchte dies allerdings nicht tun, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß eine allegorische Auslegung ihre Grenzen hat. Sie kann nicht alle Aspekte berücksichtigen, sondern geht von einem bestimmten, geistigen, beziehungsweise geistlichen Sinngehalt aus. Das ist – wie die Gleichnisse Jesu zeigen – biblisch legitim. Aber es ist für jeden Ausleger unerläßlich, dies in heiliger Ehrfurcht zu tun. Und der Leser seinerseits sollte stets im Auge behalten, daß eine allegorische Auslegung ein Sinnbild ist und als solches verstanden werden muß. Denn ein Sinnbild vermag nicht alle Facetten des Originals wiederzugeben.

   Zurück zu Naemi. Sie befand sich nun wieder in Bethlehem, aber sie bekam in bezug auf ihren Besitzanspruch gewisse Schwierigkeiten. Da war nämlich, nebst Boas, noch ein anderer, der dieses Landstück beanspruchen konnte. Dieser »andere Löser« wird in der Bibel nicht mit Namen genannt. Als es um den Verkauf von Naemis Landstück geht, steht plötzlich die Frage im Raum, ob dieser namenlose Löser das Land wohl für sich haben will. Boas klärt Ruth über diesen Sachverhalt auf: Und nun, es ist wahr, daß ich ein Löser bin; aber es ist noch ein anderer Löser da, der näher verwandt ist als ich. (Ruth 3,12) Damit bekam Naemis Hoffnung auf Boas plötzlich einen Schlag. Eigenartig und vielsagend ist, daß dieser namenlose Löser erst auf der Bildfläche erscheint, als Naemi bereit ist, ihr Land zu verkaufen: Da sprach er zu dem Löser: Naemi, die aus dem Gebiet von Moab zurückgekommen ist, verkauft das Stück Feld, das unserem Bruder Elimelech gehörte. (Ruth 4,3)

Anmerkung: Und er (= Boas) sagte zu dem Löser (= namenlose Löser).

   Wir sehen hier die derzeitige Situation in und um Israel. Israel ist heute weitgehend bereit, von Gott das verheißene Land stückweise für den »Frieden« zu verkaufen, oder preiszugeben. Das aber ist äußerst gefährlich; es ist sozusagen ein Signal für den »Antichristen«, den namenlosen Löser. Dieser »andere Löser« hat sogar gewisse Anrechte, das Land Israel für sich zu beanspruchen, weil Israel seinen Messias, Jesus Christus, verworfen hat, natürlich nicht alle, wohlbemerkt! Bezüglich des Antichristen sagte der Herr Jesus zu seinem Volk: Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr annehmen. (Joh 5,43; vgl. Mt 24,5.24, Apg 5,36-37; 21,38) Israel wird nach Daniel 9,27 mit dem Antichristen einen Bund eingehen: Und er wird mit den Vielen einen festen Bund schließen eine Woche lang; und in der Mitte der Woche wird er Schlacht- und Speisopfer aufhören lassen, und neben dem Flügel werden Greuel der Verwüstung aufgestellt, und zwar bis die fest beschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergießt.

Anmerkung: in der Mitte; heißt auch,  wie zur Hälfte, d.h. wenn die erste Hälfte der Jahrwoche vorbei ist.

Wenn er die Greuel aufstellen wird. Andere Übersetzung: auf dem Flügel der Greuel kommt ein Verwüstender.

   Darum war die israelische Regierung, ohne sich dessen bewußt zu sein, in jüngster Vergangenheit und Gegenwart bereit, mit den verfeindeten Nachbarstaaten zu einem Friedensabkommen zu gelangen. Aus diesen Verstrickungen wird es sich kaum mehr lösen können.

   So wie dieser »namenlose Löser« nicht mit Namen genannt wird, so wird auch der kommende Antichrist nirgends namentlich erwähnt, in der Bibel. Wir glauben aber, daß er den Juden sehr nahe stehen wird, ja, daß er sogar aus dem Judentum hervorgehen könnte. Das wird meines Erachtens in Ruth 3,12 prophetisch angedeutet. Weil Israel bereit ist, Land abzugeben, ist er derjenige, der zuerst für Israel auf den Plan tritt. Der wahre Löser, Jesus Christus, wird erst nach ihm auftreten. – Es ist bemühend, mit ansehen zu müssen, wie manche sich das Land Israel unter den Nagel reißen möchten und frech behaupten: »Ich will es lösen!« Aber sie werden leider indirekt dazu ermutigt, weil Israel um des Friedens willen Zugeständnisse macht und bereit ist, Land dafür preiszugeben. Aber Gott sagt über Israel: Denn so spricht der Jachweh der Heerscharen: Nachdem die Herrlichkeit, hat er mich zu den Heidenvölkern gesandt, die euch geplündert haben; denn wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an! Und der Jachweh wird Juda als sein Erbteil in Besitz nehmen im heiligen Land, und er wird Jerusalem wieder erwählen.

   Hier sehen wir ganz klar den Zusammenhang zwischen Volk und Land Israel. (Sach 2,12.16; vgl. 5Mo 32,10; Ps 105,15; Apg 9,4-5; Jes 9,1-2) Wer Israel plündert, das Erbteil Israel antastet, der tastet Gottes Augapfel an – die empfindlichste Stelle des Körpers. Das heißt: Gott ist hochempfindlich, wenn es um den Erbbesitz Israel geht. Darum sagt Er auch durch den Propheten Joel: Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wende, da werde ich alle Heidenvölker versammeln und sie ins Tal Josaphat hinabführen; und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Heidenvölker zerstreut und mein Land verteilt haben; (Joel 4,1-2)

  Die arabischen Staaten, die Israel seit dem 15. mai 1948 mit Waffengewalt fünfmal angegriffen haben, wurden erfolgreich zurückgeschlagen. Nun tasten sie es nicht mehr durch kriegerische Auseinandersetzungen an, sondern auf dem Weg eines Scheinfriedens. Ihr Ziel ist jedoch dasselbe geblieben, Israel soll sein Land abgeben.

   Als Naemi bereit war, ihr Besitztum preiszugeben, war auch der Zeitpunkt gekommen, wo Boas ins Tor trat, um den anderen Löser herauszufordern. Wir lesen in Ruth 4,1: Boas aber war zum Stadttor hinaufgegangen und hatte sich dort niedergesetzt; und siehe, da ging der Löser vorüber, von dem Boas geredet hatte. Da sprach er: Komm, setze dich her, du Soundso! Und er kam herbei und setzte sich.

   Das »Tor« war im Alten Testament immer die Stätte, wo gerichtet wurde – ein Bild für die Gerechtigkeit. Israel ist in unserer Zeit an dem Punkt angelangt, Land gegen Frieden einzutauschen, das heißt Land preiszugeben. Darum glauben wir, daß der Messias bald auftreten wird, wenn die Zeit gekommen ist, um Seiner Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen und alles zum Guten zu wenden. Ahnen wir, wo die Zeiger der Weltenuhr stehen?

   In Ruth 4,4-6 spricht Boas zum »anderen Löser«: Darum gedachte ich dir den Vorschlag zu machen: Wenn du es lösen willst, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volkes; willst du es aber nicht lösen, so sage es mir, damit ich es weiß; denn es gibt niemand, der es lösen kann, ausgenommen du, und ich nach dir! Und er sprach: Ich will es lösen! Da sagte Boas: An dem Tag, da du das Feld aus der Hand Naemis kaufst, erwirbst du auch von Ruth, der Moabiterin, der Frau des Verstorbenen, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil wieder aufzurichten.

   Der Antichrist wird während der furchtbaren Trübsalzeit versuchen, Israel für sich zu gewinnen, aber er wird davon ablassen müssen. Warum? Weil Gottes Verheißungen und Seine heilige Gerechtigkeit es nicht zulassen wird. Denn von Gottes wegen hat der himmlische Boas Anrecht darauf, und darum muß dieser namenlose Löser zurücktreten!

   Boas trat im Tor auf, an dem Ort, wo, wie schon gesagt, Gerechtigkeit geübt und gerichtet wurde. Wenn der Herr Jesus Christus für Israel wiederkommt, dann kommt Er in Seiner Gerechtigkeit und wird Gerechtigkeit aufrichten. Durch den Propheten Jesaja spricht der Herr:  Darum spricht der Herrscher, der Jachweh der Heerscharen, der Mächtige Israels: Wehe, ich will mir Genugtuung verschaffen von meinen Feinden und mich rächen an meinen Widersachern; und ich will meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken ausschmelzen wie mit Laugensalz und all dein Blei wegschaffen; und ich werde deine Richter wieder machen, wie sie ursprünglich waren, und deine Ratsherren wie am Anfang; danach wird man dich nennen: »Die Stadt der Gerechtigkeit, die treue Stadt«. Zion wird durch Recht erlöst werden, und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit; aber der Zusammenbruch trifft die Übertreter und Sünder alle miteinander, und die den Jachweh verlassen, kommen um. (Jes 1,24-28) Boas hat Naemi und ihr Land durch Gerechtigkeit erlöst. So muß der namenlose Löser seinen Schuh, seinen Fuß – offenbar vor aller Welt (10 Älteste) – aus- und zurückziehen, und Boas tritt sein Erbe an. Das wird in Ruth 4,8-9 so plastisch Geschildert: So sprach nun der Löser zu Boas: Kaufe du es für dich! und zog seinen Schuh aus. Da sprach Boas zu den Ältesten und zu dem ganzen Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß ich aus der Hand Naemis alles erworben habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte. Es kommt der Tag, und er ist schon sehr nahe, wo sich alles vor dem »König der Könige und Herr der Herren«, Jesus Christus, beugen müssen (Ps 110,1; vgl. Röm 14,11; Phil 2,10). Da wird sich das Wort aus Psalm 8,7 erfüllen: Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du unter seine Füße gelegt:

   Jesus Christus wird kraft Seiner Gerechtigkeit Seinen Fuß auf das Land Israel setzen.

   In Jesaja 60,13-14 lesen wir: Die Herrlichkeit des Libanon wird zu dir kommen, Wacholderbäume, Platanen und Zypressen miteinander, um den Ort meines Heiligtums zu schmücken; denn den Schemel für meine Füße will ich herrlich machen. Und tief gebückt werden die Söhne deiner Unterdrücker zu dir kommen, und alle, die dich geschmäht haben, werden sich zu deinen Fußsohlen niederwerfen und dich »Stadt des Jachwehs« nennen, »Zion des Heiligen Israels«.

   Die Menschen werden alle auch noch so großen Ereignisse der vergangen Jahrtausende vergessen, wenn der Himmel sich öffnen und der Herr Jesus Christus mit Seiner bluterkauften Gemeinde, die Er zuvor entrückt hat, in großer Kraft und Herrlichkeit wiederkommen und Seine Füße auf den Ölberg,  – auf das Land Israel – setzen wird. Dabei wird sich sogar der Ölberg sich spalten, wie es in Sacharja 14,4 geschrieben steht: Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem nach Osten zu liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen hin zu einem sehr großen Tal, und die eine Hälfte des Berges wird nach Norden zurückweichen, die andere nach Süden.

   Wir sehen in dieser Geschichte, wie Boas das Land Naemis schließlich zu seinem eigenen Land machte. So wird auch der Herr Jesus Christus bei Seinem Wiederkommen – vor den Augen aller Welt, die dann noch leben, – Israel als Sein Land einnehmen, und es wird unter Seiner Herrschaft sicher wohnen, wie es geschrieben steht: Denn der Jachweh wird sich über Jakob erbarmen und Israel wieder erwählen und sie zur Ruhe bringen in ihrem Land. Und der Fremdling wird sich ihnen anschließen, und sie werden dem Haus Jakobs anhängen. Und die Völker werden sich ihrer annehmen und sie an ihren Ort bringen; und das Haus Israel wird sie im Land des Jachwehs als Knechte und Mägde zum Erbbesitz erhalten; so werden sie die gefangennehmen, deren Gefangene sie gewesen sind, und diejenigen beherrschen, die einst sie bedrängten. Und es wird geschehen, an dem Tag, an dem der Jachweh dir Ruhe verschafft von deiner Qual und Unruhe und von dem harten Dienst, der dir auferlegt war, da wirst du dieses Spottlied auf den König von Babel anstimmen und sagen: »Wie hat der Treiber ein Ende genommen, wie hat die Erpressung aufgehört! Der Jachweh hat den Stab der Gesetzlosen zerbrochen, den Herrscherstab der Tyrannen, der die Völker im Grimm schlug mit unaufhörlichen Schlägen, der im Zorn Nationen niedertrat mit schonungsloser Verfolgung. Jetzt ruht die ganze Erde und ist still; man bricht in Jubel aus. (Jesaja 14,1-7)

   Schlußendlich wird offenbar, daß beide, Naemi (Israel) und Ruth (die Gemeinde Jesu), durch Ihn, den himmlischen Boas (Jesu) erkauft sind. Nachdem Boas das Erbe der Naemi für sich gewonnen hat, sagt er: Dazu habe ich mir Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, zur Ehefrau erworben, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil wieder aufzurichten, damit der Name des Verstorbenen nicht verschwinde aus der Mitte seiner Brüder und aus dem Tor seines Ortes. Ihr seid heute Zeugen! (Ruth 4,10)

   Am Kreuz von Golgatha hat der Herr Jesus Christus sich beide – Israel und die Gemeinde – erkauft, und der Tag ist nahe herbeigekommen, wo durch Sein Auftreten, Seine Wiederkunft, beides offenbar wird. Als Er von sich als dem guten Hirten sprach, hat Er dies mit den Worten angedeutet:  Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. (Johannes 10,16)

   Wenn alles vollendet ist, wird erkennbar, wie Gott alles sehr wunderbar gemacht hat. In Ruth 4,13-14 wird andeutungsweise vorausgesagt, daß die Erlösungstat Jesu Christi für Israel und die Gemeinde in ein ewiges Halleluja und in einen ewigen Lobpreis Gottes und des Lammes ausmünden wird: So nahm Boas die Ruth, und sie wurde seine Frau, und er ging zu ihr ein. Der Jahwe aber gab ihr, daß sie schwanger wurde und einen Sohn gebar. Da sprachen die Frauen zu Naemi: Gepriesen sei der Jachweh, der dir zu dieser Zeit einen Löser nicht versagt hat! Sein Name werde gerühmt in Israel!

   Der Löser, auf den Naemi sehnlichst gehofft hat, ist nicht ausgeblieben. Israel hofft heute innerlich auf den Messias. Er wird nicht ausbleiben. Bis zu Seinem kommen haben wir als Gemeinde Jesu die Aufgabe, Israel durch Wort und Tat zu lieben, wie Ruth es mit Naemi getan hatte. Der Tag, wo der Herr uns auf Seine »Tenne« rufen wird, ist sehr nahe. Laßt uns darum bereit sein und so handeln wie einst Ruth. Sie hat sich ganz gezielt auf die Begegnung mit Boas vorbereitet! Naemi sagte zu ihr: Und nun, ist nicht Boas, bei dessen Mägden du gewesen bist, unser Verwandter? Siehe, er worfelt diese Nacht auf der Gerstentenne. So bade dich nun und salbe dich und lege deine Kleider an und geh zur Tenne hinab; aber laß dich von dem Mann nicht bemerken, bis er fertig ist mit Essen und Trinken! (Ruth 3,2-3)

  Solltest Du noch keine Entscheidung für Jesus Christus getroffen haben und deshalb nicht zur Gemeinde Jesu gehören, möchte ich dir nochmals vor Augen führen, daß Ruth sich ganz konkret für Boas entschieden hat, und er dann zu ihr sprach: Da sprach Boas zu Ruth: Hörst du, meine Tochter? Du sollst auf keinen anderen Acker gehen, um aufzulesen; und begib dich auch nicht weg von hier, sondern halte dich da zu meinen Mägden. (Ruth 2,8) In Vers 14 heißt es weiter: Und zur Essenszeit sprach Boas zu ihr: Komm her und iß von dem Brot und tunke deinen Bissen in den Essig! Und sie setzte sich neben die Schnitter. Er aber gab ihr geröstetes Korn, und sie aß und wurde satt und ließ übrig.

  In Johannes 6,35 spricht der Herr Jesus: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten.

   Willst Du den Herrn Jesus Christus, der dich erkauft hat, nicht auch bewußt als das Brot des Lebens in dein Herz aufnehmen? Tu es heute, eh es zu spät ist!

  1Korinther 6,20: Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören!

   Offenbarung 5,8-10: Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder, und sie hatten jeder eine Harfe und eine goldene Schale voll Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.

In diesem Sinne, wünsche ich allen Lesern und Leserinnen, die richte Wahl!

 

   Norbert Lieth, der Autor, geboren im Januar 1955 in Deutschland, stieß schon früh nach seiner Bekehrung und Wiedergeburt mit seiner Frau zum Missionswerk Mitternachtsruf. Als junge Eheleute erarbeiteten sie ihre Grundlage auf verschiedenen Missionsbasen in Südamerika. Vor einigen Jahren folgten sie dann dem Ruf für den Dienst in Europa.

Heute gehört Norbert Lieth zum Mitarbeiterstab des Mitternachtsruf in Pfäffikon (Schweiz). Seine wohl wichtigste Aufgabe ist der Verkündigungsdienst. Bei unzähligen Diensten in Deutschland und der Schweiz hat er seine Einsatzfreudigkeit bewiesen. Unser treuer Herr Jesus hat ihm in der Verkündigung Seines Wortes viel Gnade gegeben. Ein zentraler Punkt seiner Botschaft ist gerade auch das prophetische Wort, worin das baldige Wiederkommen unseres Herrn klar hervorleuchtet.   

 

Mitternachtsruf

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